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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 21.02.1883
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1883-02-21
- Erscheinungsdatum
- 21.02.1883
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- Deutsch
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804 Nichtamtlicher Theil. HL 43, 21 Februar. in weiten Kreisen des Publicums sich immer mehr eingebürgert haben, da ihre Verfasser für das künstlerische Gebiet Vielen als Autoritäten erscheinen, so muß die Geschmacksverwildernng, welche in jener von mir geschilderten Richtung des Holzschnitts förm lich als Epidemie grassirt, den ästhetischen Sinn des Publicums immer mehr verwirren und herabziehen, statt ihn zu wecken und zu fördern. Es thut aber wahrlich noth, mit allen Mitteln da hin zu streben, daß bei den Deutschen der Geschmack zum Feine ren und Edleren angeleitet und dem Rohen immer mehr ent zogen werde. Da ich einmal am Capitel der Jllustrationssünden stehe, so will ich zum Schluß noch einen recht bedenklichen Punkt ins Auge fassen. Es ist dies der maßlose Schacher mit Clichss, der in den letzten Jahren immer üppiger ins Kraut geschossen ist und jetzt geradezu als wucherndes Unkraut auftritt. Es werden sich ja jedem Schriftsteller einzelne Fälle ergeben, wo er sich fremder Clichss bedienen muß. Findet sich z. B. von einem Kunstwerke, dessen Abbildung der Plan seines Buches verlangt, eine völlig genügende Darstellung in einem anderen Werke, so wäre es zwecklos, einen neuen Holzschnitt anfertigen zu lassen. Er wird sich daher ein ClichS verschaffen und dasselbe dann — aber stets mit Angabe der Quelle — seinem Buche einver leiben. Allein solche maßvolle und gerechtfertigte Benutzung von Clichös ist längst durch die frivolste Praxis überflügelt worden. Man verfährt neuerdings sehr summarisch, kauft sich überall her einen Vorrath von Clichc-s zusammen und schreibt dazu ein Buch, das dann von der Speculationswuth unter fabelhaft billi gem Preise auf den Markt geworfen wird. Es ließe sich speciell auf kunstgeschichtlichem Gebiete eine Reihe derartiger Fabrikate Nachweisen. Daß unter solchen Umständen die Bücher in ihrer illustrativen Haltung keinerlei selbständiges, eigenartiges Gepräge mehr behalten können, liegt auf der Hand. Und das große Publicum läßt sich durch die Bilder anlocken, ohne den Text zu prüfen. Das jüngste mir eben vor Augen gekommene Erzeugniß dieser leichtfertigen Buchmacherei ist der dritte Band von C. Busch's Baustilen (Berlin 1882, E. Toeche). Der Verfasser hatte in den beiden ersten, bei O. Spamer erschienenen Bänden Alterthum und Mittelalter in selbständiger Weise behandelt und durch eigen artige, von ihm auf den Stock gezeichnete Illustrationen charakte ristisch gestaltet. Mit dem dritten Bande, der die neuere Bau kunst umsaßt, hat er sich's dagegen sehr leicht gemacht. Ich will davon nicht sprechen, daß er beim Text völlig in den Fuß stapfen Burckhardt's und meiner Wenigkeit sich bewegt — ich bin ja längst gewöhnt, ohne Quellenangabe ausgeschrieben zu werden —; aber die Art der Illustration verdient eine beson dere Beleuchtung; denn ein in diesem Umfange betriebenes Aus beutungssystem dürfte doch ziemlich beispiellos dastehen. In den Theilen des Buches, welche der neueren Baukunst gewidmet sind (seltsamerweise figurirt die Spitzgothik und die mohamedanische Baukunst ebenfalls unter dem Gesammttitel der „neueren" Bau kunst), finden sich neben 19 eigenen Abbildungen nicht weniger als 156 entlehnte! Und zwar ist unter letzteren fast ausnahms los Alles den drei von mir herausgegebenen und unter meiner Leitung illustrirten Büchern, I. Burckhardt's italienischer und meiner französischen und deutschen Renaissance entnommen. Da hat also ein gewissenhafter Autor mehrere Jahre Fleiß und Mühe daran gesetzt, Material in Photographien und anderen Aufnahmen zu sammeln, Zeichner und Holzschneider zu über wachen, um eine gediegene originale Illustration für vier schön ausgestattete Bände herzustellen; und wie diese kaum fertig sind, kommt hurtig ein industrielles Paar von Verleger und Verfasser, kauft einen Haufen Clichös von den besten Abbildungen zu sammen, und zu dieser fröhlichen Illustration schreibt der hur tige Bücherfabrikant frisch, frank und frei ein handliches Bänd chen, welches für den Spottpreis von 7 Mark Allen, die beim Bücherkaufen in erster Linie aus Wohlfeilheit sehen, wie frische Semmeln dargeboten wird. Bei Leibe aber ist cs den Heraus gebern nicht eingefallen, die Quelle aller dieser Entlehnungen zu nennen, wohl aber hat man an einigen Stellen das Mono gramm meines trefflichen Zeichners, Fr. Baldinger, und die Namen der Holzschneider, Helm und Ade, sorgfältig ausgelöscht. Ob diese Anwandlung einer besonderen Schamhaftigkeit auf Rechnung des Verfassers oder Verlegers zu setzen ist, muß ich dahingestellt sein lassen. Ich habe eines der eclatantesten Beispiele dieses heillosen Clichv-Schachers, wie ich es eben auf frischer That ertappte, offen dargelegt, um zu zeigen, wie weit es in dem Heißhunger nach Illustrationen bereits mit uns gekommen ist. Keine andere Nation kennt Aehnliches, wie denn auch bei keiner eine so frivole Bücherfabrikation herrscht, wie bei uns. Es versteht sich, daß bei so massenhafter Production das ominöse Wort „schlecht und billig" immer mehr zur Wahrheit wird, und daß unter diesem Treiben der Sinn unseres Publicums für Noblesse in Text und Ausstattung bei den Büchern immer tiefer sinkt. Einen be trächtlichen Antheil an dieser Verwilderung des Geschmackes haben gewisse illustrirte Zeitschriften, die in rasender Hetzjagd der buchhändlerischen Concurrenz wie die Pilze aus dem Boden schie ßen, stets einander durch ein wahres Sammelsurium des bunt zu sammengewürfelten Stoffes und durch eine ganze Zukunftsmusik von Rcclamenposaunenstößen überbietend. Und stets ist es wieder das arglose Publicum, welches angefeuert durch die Fanfaren von Hunderten leichtfertigen, weder durch Wissen noch durch Gewissen belasteten Federn, sich fangen läßt und dieZeche nicht bloß mit seinem Gelde, sondern auch mit seinem Geschmack bezahlt. Ich kann dies betrübende Capitel, das unsre ästhetische Cultur in einem bedenk lichen Lichte zeigt, nur mit dem Wunsche schließen, daß die Leser welt sich endlich von diesem gräulichen Hexensabbath des Jllustra- tionsfiebers erhole und zum Einfachen, Gesunden, Wahren und Schönen zurückkehre. Ist es doch leider eine Thatsache, daß auch aus anderen Gebieten der Production, namentlich der kunstgewerb lichen, die protzeuhafte Ueberladung ebenfalls die Mehrzahl der heutigen Schöpfungen charakterisirt. Wahrlich, eine allgemeine Umkehr wäre wohl an der Zeit! W. Lübke. Verzeichniß der Buchhaadlaagsfirmen, welche bei der Reichsbank Gira-Coato haben. Ernst Arnold's Kunstverlag, Carl Gräs in Dresden. I. G.Cottastche Buchh. in Stuttgart. I Ebner'sche Buchh. in Ulm. Carl Flemming in Glogau. Adolf Fürstner in Berlin. G. Grote'jche Verl.-Buchh. inBerlin. F. O. Hcese's Verlag in Berlin. H. S. Hermann in Berlin. Beruh. Hermann in Leipzig. C. Hehmann's Verlag in Berlin. Aug. Hirschwald in Berlin. Hofsmann L Campe in Hamburg. Eduard Hüffer (Aschendorsf'fchc Buchh.) in Münster. L. A. Kittler in Leipzig. K. F. Koehler in Leipzig. Wilh. Gotll. Korn in Breslau. Franz Lipperheide in Berlin. E. S. Mittler L Sohn in Berlin. Rud. Moste in Berlin. F. H. Nestler L Melle in Hamburg. Paul Parey in Berlin. Peters, C. F., önrsau äs blnoiguv in Leipzig. Friedr. Pustet in Reaensburg. Löon Saunier's Buchh. (Paul Saunier) in Stettin. Jos. Scholz in Mainz. S. Schottlaender in Breslau. Oswald Seehagen in Berlin. W. Spemann in Stuttgart. Julius Springer in Berlin. L. Staackmann in Leipzig. E. F. Steinacker in Leipzig. Deutsche Verl.-Anstalt in Stuttgart. F. Volckmar in Leipzig. Franz Wagner in Leipzig.
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