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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 04.04.1919
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1919-04-04
- Erscheinungsdatum
- 04.04.1919
- Sprache
- Deutsch
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- Saxonica
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Berufs-Statistik 1918. Berufe 1918 ^ 1917 Ausleihung 1918 1917 Borstand und Geschäftsstelle 18 40 296 312 527 547 429 486 153 I4t 239 227 Buchgewerbe .... 3t 43 55 8' Vermiedene Berufe . . . 101 133 14 16 Jnsgesaml 871 909 1033 1122 Der deutsche , Buchhandel in den baltischen Landen und in Rußland während des Krieges. Bon E. Krüger. Bereits im Oktober des vorigen Jahres ist von den maß gebenden Vertretern des deutschen Buchhandels ein Arbeits ausschuß zur Gründung einer deutschen Gesellschaft für Aus landbuchhandel gewählt worden. In der bei dieser Gelegen heit gefaßten Entschließung wird auf die Notwendigkeit hiy- gcwiesen, den gegenwärtigen Stand des deutschen Buchhandels im Auslande sowie die Absatzmöglichkeit dort genau zu prüfen. Die folgenden Ausführungen wollen zur Lösung dieser Aufgabe beitragen und gleichzeitig weiteren Kreisen ein annäherndes Bild der Lage des deutschen Buchhandels in einem bis zum Kriege nicht unwichtigen Absatzgebiet geben, soweit das zurzeit möglich ist. Eine wie große Nolle die drei baltischen Provinzen und Rußland früher für die Verbreitung deutschen Geisteslebens durch das deutsche Buch gespielt haben, braucht kaum näher ausgeführt zu werden. Dagegen ist über die Lage des deut schen Buchhandels in diesen Ländern während des Krieges und über die gegenwärtig dort herrschenden Zustände nur we nigen Genaueres bekannt.*) Der Bericht eines Rigaer Buch händlers, der für die im April 1918 vom Deutschen Verleger verein in Leipzig veranstaltete und unlängst im Börsenblatt ver öffentlichte Besprechung über den Auslandbuchhandel (vgl. Bbl. 1919, Nr. 26, 28, 30, 33 und 35) vorgesehen war, konnte damals nicht erstattet werden. Die Verhältnisse haben seitdem wieder eine so grundlegende Veränderung er fahren, daß auch die damalige Lage des Buchhandels in den baltischen Landen mit der heutigen schon lange nicht mehr llbereinstimmt. Es erscheint daher angebracht, die Entwicklung der Dinge kurz darzustellen und den Versuch zu machen, dte Notlage des deutschen Buchhandels im Osten zu schildern und zu erklären. Vor dem Kriege gab es in allen größeren Städten der Ostseeprovinzen, vor allem in Riga, Reval, Dorpat und Mitau, eine beträchtliche Anzahl deutscher Buchhandlungen, die aus schließlich der Verbreitung des deutschen Buches dienten. Das selbe war in Petersburg, Moskau und einigen anderen Städten Rußlands der Fall, obschon hier die deutsche Abteilung häufig nur einen Teil — meist allerdings den weitaus umfangreichsten — des betreffenden Geschäfts bildete. Der Absatz und Umsatz wiesen recht beträchtliche Ziffern auf, und auch die deutsche Ver- lagstätigkeit war im Verhältnis zur Zahl der deutschen Be völkerung überaus rege. Bald nach dem Ausbruch des Krieges begann in ganz Rußland dte Verfolgung und Bekämpfung alles Deutschen. Eine Pressehetze setzte ein, deren Folge zunächst die Verhaftung und Verschleppung aller wehrfähigen Reichsdeutschen und Öster reicher nach Ost-Rußland und Sibirien war. Im Herbst 1914 folgten dann die Ausweisung bzw. Internierung aller feindlichen Staatsangehörigen jedes Alters und Geschlechts, die Konfis kation ihres Besitzes, das Verbot des Deutschsprechens, des Drückens von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern und des Schreibens von Briefen in deutscher Sprache ebenso wie des Ausstellens deutscher Bücher. Alle diese Maßregeln wurden in *) Vgl. Erich Haake, Der deutsche Buchhandel in Rußland nach dem Kriege im Bbl. 1918, Nr. 283, der sich jedoch, wie die Überschrift besagt, mehr mit den Aussichten des deutschen Buches nach dem Kriege als mit den Verhältnissen während des Krieges beschäftigt. den Ostseeprovinzen besonders energisch und rücksichtslos durch- geführt, und der deutsche Buchhandel wurde durch sie aus emp findliche Weise betroffen und geschädigt. Das Gesetz über die Konfiskation des Eigentums feindlickier Ausländer ver pflichtete bei hoher Strafe jede Firma, Privatperson usw., das in ihrem Besitz befindliche oder ihr zur Aufbewahrung oder zum Verkauf überlassene Eigentum solcher Ausländer sofort an- znzeigen und auszuliefern. Unter diese Bestimmung fielen die gesamten Lager der deutschen Buchhandlungen, soweit sie Kom- missionsgut und somit Eigentum der Verleger waren, sowie das aus ihrem Verkauf vereinnahmte Geld. Soweit mir bekannt, ist es allen in Frage kommenden Buchhandlungen gelungen, diese Verfügung auf irgend eine Weise zu umgehen und das ihnen anvertraute Eigentum deutscher Verleger vor Konfis kation zu bewahren, obschon sie sich dadurch einer strafbaren Handlung schuldig machten. Allerdings ist bei den in den ersten Kriegsjahren häufig in den Buchhandlungen stattfindenden Haussuchungen so manches Buch und Bild beschlagnahmt wor den und damit auf Nimmerwiedersehn verschwunden. Hierbei gingen die Beamten der Gendarmerie, meist ganz ungebildete Leute, oft sehr merkwürdig vor: so ist mir das ganze geo graphische und Schulbllcherlager mehrfach aus der Suche nach den aus irgend einem Grunde besonders verhaßten Geographie büchern von Sehdlitz völlig durcheinandergeworfen worden; ein anderes Mal wurde eine ganze Anzahl Exemplare eines Literaturatlas konfisziert; besonders große Schwierigkeiten be reiteten mir aber einige zufällig von den Beamten entdeckte Re klamemarken des Scherlschen »Jungdeutschlandbuchs« mit der deutschen Fahne, in denen die Gendarmerie Quittungen über Sammlungen zum Besten einer Vereinigung in der Art des so schwer verfolgten Flottenvereins vermutete. Daß die ganze Verlagstätigkeit in deutscher Sprache unter drückt und lahmgelegt wurde, war unter diesen Umständen selbstverständlich. Sogar deutsche Kalender durften nicht er scheinen, und als ein Verlag in Reval die Erlaubnis erhielt und einen Kalender herausgab, wurde dieser zuerst in den an deren Städten und dann auch in Reval selbst verboten und be schlagnahmt. Die deutsche Unterrichtssprache in den Privat schulen wurde verboten; die deutschen Studentenverbindungen in Dorpat ebenso wie alle deutschen Vereine und Verbindungen geschlossen; sogar der Versand deutscher Bücher durch Post unk Fracht war untersagt. Am schlimmsten und empfindlichsten für den Buchhandel war aber die Tatsache, daß jeder Verkehr mit Deutschland völlig unterbunden und unmöglich gemacht war- Die meisten baltischen Buchhandlungen hatten vor dem Kriege kaum russische Bücher geführt; und nun gab es keine Möglich keit, deutsche Druckwerke irgend welcher Art zu erhalten, da natürlich auch der Bezug über das neutrale Ausland streng ver boten war. Mir gelang es, das Wöchentliche Verzeichnis mehr oder weniger regelmäßig bis Ende 1915 in Briefen über Schwe den zu erhalten — dann hörte auch das auf, und wir waren vollständig von unserer Lebensquelle abgeschnitten. Die Kol legen im besetzten Gebiet haben jetzt die Schwierigkeiten einer solchen Lage teilweise kennen gelernt; nur war es bei uns viel schlimmer, da es eine hermetische Abschlietzung war und dieser Zustand Jahre dauerte. Das Lager schmolz schnell zusammen, und man mußte sich behelfen, so gut es eben ging. Der russische Buchhandel konnte so gut wie keinen Ersatz bieten; denn einerseits war das Publi kum der deutschen Buchhandlungen zum großen Teil des Rus sischen gar nicht oder fast gar nicht mächtig oder las ans Prinzip keine russischen Bücher; andererseits war es für uns als bisher Fernstehende sehr schwer, mit dem russischen Verlag Fühlung zu erlangen, um so mehr, als dieser schon vor dem Kriege so gut wie völlig unorganisiert war und unter den Einwirkungen der Kriegswirtschaft bald sehr merkbar zu leiden hatte. Viel fach war es auch die prinzipielle Stellungnahme der Geschäfts- leiter, die den Vertrieb russischer Bücher ebenso wie englischer, französischer und italienischer Literatur, die, wenn auch unter großen Schwierigkeiten, zu erlangen war, ablehnte. Da es keine deutsche Presse gab, wurden vielfach schwedische und dänische Zeitungen gelesen. Hin und wieder brachten Offi- 237
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