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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 22.12.1873
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1873-12-22
- Erscheinungsdatum
- 22.12.1873
- Sprache
- Deutsch
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295, 22. December. Nichtamtlicher Theil. 4787 Sie gelangen seinem ernsten Eifer und er erhielt von dem neuen Besitzer des Geschäftes als Anerkennung einige ihm werthvolle Bücher. Nachdem er noch wenige Jahre in der Liebeskind'schen Buchhandlung sich nützlich gemacht hatte, kehrte er im April 1848 wieder als Gehilfe in die Rcnger'schc Buchhandlung und das Eber- hard'sche Haus in Halle zurück, wo ihm abermals die liebevollste Aufnahme wurde, so daß er die hier verlebten Jahre stets für die schönsten seines Lebens hielt. Der lebhafte und anregende Verkehr des vr. Eberhard und seiner vielen gelehrten Freunde befriedigten den regen, strebsamen Geist des jungen Mannes, der durch unaus gesetzte fleißige Privatstudien den gewonnenen Wissenskreis zu er weitern und sich jenes Umganges würdig zu machen wußte. Bei einem Besuche in Leipzig, der seine Uebersiedelung nach Darm stadt zum Zwecke hatte, lernte er die Tochter des Professor Heben streit kennen und die zu derselben gefaßte Neigung änderte schnell seinen Lebensplan. Er verlobte sich mit ihr und gründete im Mai 1822 sein eigenes Geschäft in Halle. Umfassende wissenschaftliche Bildung, gründliche Geschäftskenutniß, freundliches Entgegenkommen, zuverlässige und gefällige Bedienung erhoben trotz der Anfangs un günstigen äußern Verhältnisse das neueAnton'scheGeschäft schnell zu einem im Buchhandel wie im Gelehrtenkreise gleich geachteten und geschätzten. Er verlegte unter anderm den Volksschullehrer von Har nisch und die Scholz'schen Rechen- und Sprachbücher, viele Schriften von BlasiicS, Bernhardt), Tholuck, Rosenkranz, auf eigene Anregun gen von Leo, Burmeister, Hoffmann u. A., lediglich aus wissenschaft lichem Interesse Daniel's Tbssaurus, Philippi'sDnuiuerg.tio^lu11u8- eorum, Nitzsch's Pterylographie u. a. Der geschäftliche Verkehr mit den hiesigen und auswärtigen Buchhändlern wurde bei dem höchst achtbaren persönlichen Charakter Anton's vielfach zu einem freund lichen und selbst intimen, der bei dem Ausscheiden aus dem Buch handel im Jahre 1858 durch ein ungemein freundliches Schreiben des Börscnvorstandes Ausdruck erhielt. Seit den vierziger Jahren entsprach das Geschäft der angestrengten Thätigkeit nicht mehr be friedigend, schon 1852 übergab daher Anton die Leitung des Sorti- mentsgeschäftcs seinem ältesten Sohne Max, der es 1859 mit dem Verlage auf eigene Rechnung übernahm und seitdem nach den Grundsätzen seines Vaters fortführt. Anton's Leben war das der rastlosesten Thätigkeit. Die Vor- und Nachmittagsstunden widmete er mit ganzer Hingebung seinem Geschäft und bekundete zugleich seine warme Theilnahme an den allgemeinen Interessen des Buchhandels, für die er unter ande rem z. B. erfolgreich anregte, daß den jüdischen Buchhändlern der Besuch der Börse nicht ferner verweigert wurde. Während der Früh- und Abendstunden pflegte er mit seltener Energie seine wissenschaftlichen Bedürfnisse, für welche das Material in einer werthvollen Bibliothek und verschiedenen nicht unbedeutenden Samnilungen mit großen Geldopfern beschafft wurde. Neben der steten Lectüre der deutschen Literatur, gediegener Geschichts werke und eingehenden geographischen Studien war es die Mi neralogie nebst der Geologie und Paläontologie, und ganz beson ders aber die Conchyliologie. Die Sammlung der letzten brachte er auf 4412 Arten in 13,500 Exemplaren, bearbeitete wiederholt deren Katalog so ausführlich und gründlich, daß derselbe einem Lehrbuch der Conchyliologie glich. In andrer Form wurde ein solcher Katalog 1839 gedruckt und in diesem 348 Arten als neu scharf diagnosirt. Hiermit und mit der Publication kleiner con- chyliologischer Abhandlungen trat er in die Reihe der Fachcon- chyliologen ein, unterhielt eine lebhafte wissenschaftliche Correspon- denz mit den ersten Autoritäten dieses Gebietes und erwarb sich durch die Schärfe seiner Beobachtungen, die Gründlichkeit seiner Forschungen allgemeine Achtung, welche auch dauernde Anerkennung in der Wissenschaft fand, indem von Pfeiffer, Koch, Küster, Philippi,! Dunker, Giebel und Schwarz nicht weniger als 15 Arten nach Anton benannt worden sind. Von verschiedenen Seiten wurden ihm Conchylie» zur Bestimmung zugeschickt und ebenso gewissen haft wie pünktlich führte er diese zeitraubenden Aufträge aus. Die ^.eacksm^ ok natural ooisnoss in Philadelphia schickte ihm das Ehrendiplom. Die mineralogischen Sammlungen, wie auch die der Eier, Seeigel und Seesterne wurden ebenfalls sorgfältig studirt und deren Kataloge als übersichtliche Lehrbücher ausgearbcitet, aber nicht veröffentlicht. Als mit den fünfziger Jahren durch die angestrengte Thätig keit Anton's Augen litten und die Sammlungen einen für seine Privatverhältnisse zu großen Umfang anzunehmen drohten, entsagte er diesen nachhaltigen Studien und verkaufte die Sammlungen: die conchyliologische Sammlung an das königliche Naturalien-Cabinet in Dresden, die mineralogische an das Mineralien-Comptoir in Freibcrg, die Eiersammlung an einen Dresdener Naturalicnhänd- ler, die der Korallen, Seeigel und Seesterne durch Tausch gegen eine Siegelsammlung an Oberlehrer Knauth in Halle. Von jetzt ab wandte er seine Studien der allgemeinen Naturgeschichte und besonders der Zoologie und Botanik zu, und «eben diesen gab die Siegelsammlung, sowie eine neu angelegte Münzsammlung Ver anlassung zu speciellen, wiederum schriftlichen geschichtlichen und heraldischen Arbeiten. Neben dieser angestrengten geschäftlich«: und wissenschaftlichen Thätigkeit wußte Anton noch Zeit zu erübrigen, sein lebhaftes Interesse auch für die städtischen Angelegenheiten zu bethätigen. Die Achtung seiner Mitbürger berief ihn in die Stadtverordnetenversammlung, in die Einschätzungs- und Gewerbesteuer-Commission, in das Presby terium der Domkirche, als dessen Mitglied er die Verwaltung der Armencasse, die Beaufsichtigung der Schule und die Leitung der Bau- angelegenheitcn übernahm. Alle Pflichten dieser Ehrenämter erfüllte er mit hingebendem Eifer und strengster Gewissenhaftigkeit. So ver folgte er beispielsweise sehr nachdrücklich die verzögerte Ausführung der alte» Promenade, trug trotz seiner vorgerückten Jahre im rauhesten Wintcrwctter die kirchlichen Unterstützungen vielen Armen selbst ins Haus, um sich von deren Lage persönlich zu überzeugen, und wohlwollenden Rath zu spenden, was ihn veranlaßte, diese Unterstützungen noch durch ein Vermächtniß bei der Kirche zu erhöhen. Die politischen Erregungen seit 1848 ergriffen den begeisterten Freiheitskämpfer von 1813 und 1815 auf das lebhafteste, er bethei ligte sich an den Wahlversammlungen und wirkte in seinem Umgänge gegen alle extremen Parteibcstrebungen. Während Anton in früheren Jahren mit seiner Familie kleine Reisen in den Harz, nach Thüringen, in die sächsische Schweiz und das Erzgebirge aussührte, fesselten ihn in den spätcrn Jahren über häufte Arbeiten an das Haus und nach der Aufgabe seines Geschäf tes mußte er sich aus gesundheitlichen Rücksichten allmählich auch aus dem öffentlichen Leben znrückziehen, so daß er die letzten zehn Jahre nur den Angelegenheiten seiner Familie und seiner wissenschaftlichen Lectüre widmete. Die Lebhaftigkeit seines Geistes bewahrte er unge schwächt bis an sein Ende, das nach nur achttägiger Krankheit am 24. März 1872 erfolgte, nachdem drei Monate früher seine gleich achtbare treue Lebensgefährtin ihm vorausgegangen war. Anton war ein Manu von tief sittlichem Ernst, strengster Rechtlichkeit, freundlich und wohlwollend gegen Jedermann, offen, treu und voll innigster Theilnahme für seine Freunde, bescheiden und gefällig, voll warmen Interesses und opferwillig für das Wohl seiner Mitmenschen, für alles Gute und Schöne, ein treuer Gatte und liebevoller, sorgender Vater, und erfreute sich der Achtung Aller, welche mit ihm im Verkehr standen. — Ehre seinem Andenken i" 651*
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