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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 03.06.1920
- Strukturtyp
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- Band
- 1920-06-03
- Erscheinungsdatum
- 03.06.1920
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- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
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z« 119, 3. Juni 1920. Fertig« Bücher. «rl-"i>°t> d. D.1chn. v»4h-»d«I. K1SZ Gefährliche literarische Schmuggelware. Wie die schnatternden Gänse das Kapitol, so hat ein anonymer Rezensent der „Deutschen Zeitung" (Berlin) die Reste des Vaterlandes gerettet, indem er meinem „Wolfs"-Buch den Schafspelz heruntergerissen und seine Gemeingefährlichkeit nachgewiesen hat. Nach seiner Ansicht ist dieses Buch von einem Manne geschrieben, der früher nicht stark genug seine Königstreue beteuern konnte, um sich das Knopfloch mit einem Ordensbändchen schmücken zu lassen, im November 1918 aber überzeugter Sozialist wurde, um näher an die Regierungs- Futterkrippe heranzukommen. Nach seiner Ansicht verseht das Buch der gestürzten Hohenzollern- Dynastie zahlreiche Fußtritte, macht es den Juden den Hof und soll es das neue demokratische deutsche Bürgertum ob seines Gesinnungswechsels rechtfertigen. Nach seiner Ansicht kann hierüber auch der an sich „nicht üble" Schluß des Buches nicht hinwegtäuschen, der „ohne es ausdrücklich zu sageil" den großen Brand von Hamburg mit der November-Revolution vergleicht, wobei „in philisterhafter Lobhudelei schöne Phrasen vom Wirken fürs Ganze" produziert werden. Dann folgt die etwas überraschende Versicherung, daß heute, nach hundertjährigen bitteren Erfahrungen weder die in der D. B., noch die im A. D. B. vereinigten Burschenschaften Juden aufnehmen, worauf die „Be sprechung" mit der freundlichen Warnung schließt: „Also Vorsicht, Vor sicht vor solcher äußertich gefälligen, darum doppelt gefährlichen literarischen Schmuggelware!" Für diejenigen Buchhändler, denen diese „vernichtende Kritik" zu Gesicht kommt oder deren Kunden sich dadurch beirrt fühlen, bitte ich hier aussprechen zu dürfen: Nie habe ich meine Königstreue beteuert, nie mein Knopfloch mit einem Ordensbändchen schmücken lassen oder danach gegiert, nie als über zeugten Sozialisten mich gebärdet, nie mich an die Regierungs-Futterkrippe gedrängt. Als die Revolution ausbrach, war mein Buch nicht nur schon ge schrieben, sondern auch zum weitaus größten Teil schon gesetzt. Den vom Rezensenten zitierten Stellen gegen die königlich preußische Verwaltung ließen sich wahrscheinlich ebensoviele für diese Verwaltung, den zitierten Stellen für die Juden wahrscheinlich ebensoviele gegen die Juden gegenüberstellen. Dasselbe gilt von allen in meiner Erzählung berührten Fragen. Wenn ich versuche, eine vergangene Epoche zu ver gegenwärtigen, bin ich verpflichtet, alle Ansichten, die in ihr die Ge müter bewegt haben, zu Worte kommen zu lassen, und kein unbefangener Leser meines Buches kann behaupten, daß ich dabei die Vertreter der einen oder der andern Ansicht etwa als besonders syrnpathische oder be sonders unsympathische Leute hingestellt hätte. Die „schönen Phrasen philisterhafter Lobhudelei vom Wirken fürs Ganze" aber, die sind aus dem Geiste Fichtes geboren und in einer an unfern Klassikern geschulten Sprache gebildet, was beides von den Aus führungen des Rezensenten man nicht wird behaupten können. Diese ihm so anstößige Stelle wird in meiner Erzählung aus einer 1843 er schienenen Schrift des trefflichen, 1891 hochbetagt gestorbenen Ham burger Schulmannes I)r. Schleiden vorgelesen. Ms Schleiden 1843 diese herrlichen Worte niederschrieb, konnte er unmöglich ahnen, daß sie für das 1918 zugrunde gerichtete Deutschland dieselbe Gültigkeit haben würden wie für das 1842 abgebrannte Hamburg. Nach so vielen unbedingt anerkennenden und mehr als anerkennenden Besprechungen meines „Wolfs"-Buches in Zeitungen und Zeitschriften der verschiedensten Richtung würde eine sachlich begründete Ablehnung gewiß nur interessant und lehrreich sein. Wenn aber, von allem andern abgesehen, ein Rezensent die „Tendenz" in den Vordergrund seiner Be trachtungen stellen will, dann darf er bei einem zweibändigen Buch Lektüre und Urteil nicht auf den ersten Band beschränken, schon weil es doch immerhin möglich wäre, daß die Vertreter ihm ärgerlicher Ansichten des ersten Bandes sich im zweiten Bande ganz brav zu seinen, des Rezen senten, Ansichten bekehrten. Aus dieser Unterlassung muß ich dem Ano nymus der „Deutschen Zeitung" neben dem Vorwurf parteipolitischer Verblendung auch den schwereren der Gewissenlosigkeit machen. Die Redaktion der „Deutschen Zeitung" hat mir mit dem Ausdruck des Bedauerns versprochen, mein „Wolfs"-Buch durch eine unbefangenere und gewissenhaftere Feder von neuem besprechen zu lassen. Im übrigen vertraue ich, daß nicht nur der deutsche Buchhandel, sondern auch die Mehrzahl der Gebildeten in Deutschland mein verlege risches und auch mein bescheidenes schriftstellerisches Arbeiten für deutsches Wesen und Empfinden etwas anders bewerten, als jener Anonymus. Ebenhausen bei München, Ende Mai 1920. Wilhelm Langewiesche Als 4. Band unserer neuen Serie „Der Film-Roman // erscheint in Kürze: Katharina die Große Roman nach dem gleichnamigen Film von B. E. Lüthge. T Illustriert durch zahlreiche Bildaufnahmen aus dem Film. (A l^n allernächster Zeit wird der mit einem enormen Kostenaufwand von einer der ersten Filmfirmen Deutschlands hergestellte Prunlfilm „Katharina die Große" seinen Lauf über die bedeutendsten Filmbühnen der Welt nehmen. Eine ungeheure Reklame wird für diesen Ailm in Szene gesetzt werden, sodatz der Roman «Katharina die Grobe" aus den denkbar größten Absatz wird rechnen können. Wir bitten Eie, schon jetzt mit der Propaganda für den Roman zu beginnen, und um Aufgabe Ihrer Bestellung. — Der Verfasser bat den historischen Stoff in meisterhafter Weise als Roman behandelt. Die vorzüglichen Aufnahmen aus dem Film geben dem Band einen eigenen Reiz. — Der reichillustrierte Roman ist mit einem mehrfarbigen wirkungsvollen Amschlag nach einem Original von R. Leonhard versehen. Elegant broschiert Mark 8.- Elegant gebunden Mark II.— Rabatt: 33'/,°/° vom drosch. Expl., 10 Expl. m. 38°/» Rabatt. Einbde. durchweg mit30°/°Rab. Grosso-Firmen wollen sich betr. 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