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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 12.04.1920
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1920-04-12
- Erscheinungsdatum
- 12.04.1920
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
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Redaktioneller Teil. 77, 12. April 1920. gaben wie »Lebensmittel« oder »Seife« genügen nicht: die Lebens mittel müssen einzeln bezeichnet und die Art der Seife muß genau an gegeben werden. Schriftliche Mitteilungen im Verkehr mit dem Saargebiet sind fortan nicht nur auf die Anwendung der deutschen, englischen, fran zösischen, italienischen oder spanischen Sprache beschränkt, sondern können in allen Sprachen und Mundarten in beliebigen Schriftzeichcn erfolgen. Zum Tode Victor Blüthgens. — Victor Blüthgen ist tot. Am Kar freitag ist er nach kurzer Krankheit verschieden. Zwei Tage später fand ich in der Osternnmmer der Täglichen Rundschau seinen letzten 'Vers: Wenn Ostern kommt, wenn Ostern kommt. Gibt's Knospen nnd Frühlingswchen — Ach, du gestorbenes deutsches Glück, Wann wirst du anferstehcn! Blüthgen glaubte an ein Anferstehcn, denn er hatte Sonne im Herzen — noch mit 76 Jahren. Nnd deshalb war sein Leben ein ge segnetes, nnd deshalb blieb er jung bis zn seinem Ende. Als er an einem Maitag im vorigen Jahre mit einigen Freunden einen Waldhügel bei Freienwaldc erklommen - frisch wie ein Jüng ling —, als er dann einem versteckt liegenden Höhcnwaldblick die Weihe gab, ihn ans Bitte des Besitzers Blüthgen-Blick nennend, — als dann, verborgen hinter einem Busch, ein frisches Mädchen sein Lied sang: Wer hat das erste Lied erdacht? — dort nuten im Tale hatte er cs gedichtet — cinstmal - vor einem Mcnschcnaltcr, — welche jugendliche Lebendigkeit packte da den greisen Dichter, mit welcher Be geisterung pries er die Natur, vertiefte sich in anregenden Ausführun gen über Dichtkunst, Malerei — Gott, erzählte von dem, was war und von dem, was kommen würde . . . Nie werde ich diese Stunden vergessen. Blüthgen, der Bescheidene, suchte keinen Nnhm. Verhaßt war ihm alle Reklame, nnd er würde vielleicht schelten, wenn ich versuche, solche für seine viel zn wenig bekannten Werke gerade heute zu machen deren Titel in den folgenden, ihm zn seinem 75. Geburtstag gewidmeten Versen zn finden sind: Januar, vierter, — wie düster dein Kleid, Nebclumhüllet in gärender Zeit. Fern ein Gemurmel. Sind's Volksbetörer, Falsche Propheten und Friedensstörer? Frieden! nach so viel Blut nnd Tränen Alle haben wir Frieöenssehnen, Suchen alle den Weg z u m Glück. Sehnen die alte Zeit zurück, Wo einst liebliche Amoretten Uns erinnert an trauliche Stätten, An das Kinderparadie's Und an jenen, der freundlich dies Liebenden Herzens uns hat erschlossen, Frohsinn ins Kindesgemüt gegossen Und erfüllet mit himmlischem Frieden. — Mama kommt mit den H e s p e r i b e n Und liest vor. In traulicher Stunde -Hängen die Kleinen an ihrem Munde . Heute pilgern zu dir viel Christen. Alte nnd junge, auch Spiritisten Rufen: Dein künftiges Leben sei Stetig ein sonniges Allerlei Und sei süß. wie ein Zuckertütck'cn Heil dir, prächtiger Victor Blüthgen! Nun ist er tot. Möge er eingezogen sein in das Reich, in dem die Sonne nicht nntcrgeht! Freien walde. Ostermontag 1920. I. T h i l o. Karl Binding -k. — Wirkt. Geh. Rat Professor l)r. Karl Binöing ist in Frcibnrg i. Br., wo er ini Ruhestände lebte, im Alter von 78 Jahren gestorben. Bindinas wissenschaftliche Bedeutung liegt in der Trennung nnd Verselbständigung der Normen und der' Strafgesetze und in dem Hinweis ans die ihnen entsprechenden zwei Arten sub jektiver Rechte: des Rechts ans Botmäßigkeit und des Rechts ans Strafe. Von seinen zahlreichen Werken nennen wir »Die Normen und ihre Übertretung«, »Handbuch des Strafrechts« Bd. I (erschienen in dem von ihm heransgegebenen »Handbuch der deutschen Rechtswissen schaft«), »Entwurf eines Strafgesetzbuchs für^den Norddeutschen Bund. In seinen Grundsätzen beurteilt«, »Antagonismus zwischen dein deut schen Strafgesetzbuch nnd dem Entwurf des badischen Einführungsge setzes dazu«, »Drei Grundfragen der Organisation des Strafgerichts«, Grundrisse zum deutschen Strafrecht und zum deutschen Strafprozeß, »Gründung des Norddeutschen Bundes«,«»Die Ehre und ihre Verletz barkeit«, »Versuch der Rcichsgrünöung durch die Panlskirche 1848— 1849«, »Die rechtliche Stellung des Kaisers im heutigen Deutschen 8,'eiche«, »Thronfolgerecht der Kognaten im Großherzvgtum Luxem bürg«, »Lehrbuch des gemeinen deutschen Strafrechts«. Auch zu den politischen Fragen der jüngsten Vergangenheit hat Binding wieder holt Stellung genommen, wie er überhaupt Einfluß ans die Entwick lung nnd Gestaltung wirtschaftlicher, politischer und rechtlicher Verhält nisse zu gewinnen suchte und eine enge Verbindung seiner Wissenschaft mit dem praktischen Leben erstrebte. Sprechsaal. Qhn» Verannvortung -er Redaktion,- jedoch unterliegen alle Einsendungen d«, Bestimmungen über die Verwaltung des BörsenblattS.j Dücherlesezirkel mit Leihbibliothek. (Vgl. Nr. 51 u. 74 d. Bl.)' Um eine Leihbibliothek mit Lesezirkel einzurichten, ist es natur gemäß zunächst nötig, einen Grundstock von mindestens 1000 Büchern zu haben. Entweder man kauft den Bestand einer bestehenden Leih bibliothek oder mau stellt sie sich zusammen aus eigenen Bestünden und aus Büchern, die öfters, und gerade für diesen Zweck passend, von großen Firmen augeboten werden. Bedeutende Sortimente oder große reine Leihbibliotheken stoßen meist nach einem gewissen Zeitraum einen Teil ihrer in großer Zahl benötigten Neuerscheinungen ab und kön nen diese gelesenen Bücher billiger abgebeu als die Verleger ihre neuen -Exemplare. Aus solche Angebote empfehle ich besonders zu achten. Es ist zweckmäßig, jetzt natürlich noch viel mehr als in der Vorkriegszeit, die Leihbibliotheksbücher nach Möglichkeit broschiert an zuschaffen und selbst binden zn lassen, wenn auch der Einband höher zu stehen kommt als der Verlegereinbanö. Die Vorzüge liegen klar zutage. Ein handgebuudcnes Buch ist bedeutend besser gebunden als ein maschinell gebundenes. Sodann ist einem Halbleinenbanö, den der Buchbinder einer Provinzstaöt oft noch herzustellen in der Lage ist, für den öfteren Gebrauch unbedingt der Vorzug vor einem Papp band zu geben. Leinen ist, wenn auch zn höchsten Preisen, noch anfzu- treibcn, und ich empfehle hierbei nicht auf die Kosten zu sehen, die sich bald bezahlt machen. Früher war der Ganzleinenband der Leihbiblio theken gang und gäbe, heute ist der Halblcinenband an dessen Stelle getreten, der aber seinen Zweck auch erfüllt. Über die Einrichtung, die verschiedenen Leihspsteme, die Buchführung, öre Gebühren usw. kann ich mich des Raumes wegen nicht auslassen, bin aber gerne bereit, brief lich auf gestellte Fragen Antwort zu geben. Ist die Leihbibliothek eingerichtet, so kann an Bücherueuigkeiten- zirkel gedacht werden. Auch hier ist ein Bestand von Novitäten nötig, denn nur solche kommen in Betracht. Es gibt eine Reihe von Men schen, die gerne Bücher entleihen möchten, es aber deshalb nicht tun. weil ihnen das Unästhetische des Leihbuches nicht zusagt. Diese lassen sich aber fgst immer als Benutzer des Bücherlesezirkels gewinnen, weil hier das Buch noch seinen ursprünglichen Charakter und Zustand besitzt. Zwölf Leser etwa machen einen Lesezirkel bei 5 Büchern und 141ä'gigem Wechsel rentabel. Der Austausch erfolgt dergestalt, daß de- erste Abonnent 5 Novitäten erhält, die nach Ablauf der Lesezeit derrr-nächsten Leser zngestellt werden, während ihm 5 neue znstehen. ! So geht es fort bis zum 12. Die Bücher, die den Zirkel ans diese Weise durchlaufen haben und also 6 Monate der Leihbibliothek ab gingen, werden dann dieser einverlcibt. Eine Kalkulation führt zu dem überraschenden Ergebnis, daß diese Bücher sich bezahlt gemacht haben und der Leihbibliothek also unentgeltlich zngehcn können. Bei 12 Abonnenten werden 60 Bücher benötigt, die insgesamt broschiert etwa 860 ./( kosten. AnS dem Abonnement kann halbjährlich gelöst wer den 12X80 .// (40 .// im Quartal) gleich 960 .//^Wenn wir nun für bas Einbinöeu eine entspr-echcnde Summe ansetzcn^so ergibt s)ch, daß die Bücher bei Einstellung in die Leihbibliothek dieser nicht mehr belastet zn werden brauchen. Es ist empfehlenswert, die Bücher zunächst un gebunden in Umlauf zu setzen und erst vor Einstellung in die Biblio thek binden zu lassen. Auch ist es am Platze, je eine Erscheinung der Bibliothek wie auch dem Zirkel zu geben. Es würde hier zu weit führen, wenn ich diesen Gegenstand weiter behandeln wollte, doch bin ich, wie oben erwähnt, gern bereit, nähere Auskunft ans Anfrage zu geben. Mainz Otto Bruöre, Geschäftsführer d. Fa. Viktor v Zabern 8 62
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