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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 07.07.1917
- Strukturtyp
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- 1917-07-07
- Erscheinungsdatum
- 07.07.1917
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- Deutsch
- Sammlungen
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Redaktioneller Teil. ^ 156, 7. Juli 1917. »Gedulde dich ein kleines Weilchen«, höre ich den Vater sagen, »wir müssen einen kleinen Umweg durch jenes Museum drüben machen.« »Dann also auf zu Hause —« »Nein, Mutter, du mußt mit, gerade du.« Verwundert werden Cohn und Mutter durchs Museum schreiten. Nirgend heißt sie der Vater stehen bleiben. Eilig geht er durch die Säle. Jetzt sind sie im letzten Saal. Er führt sie in eine Ecke. Es ist dort ein wenig dunkel. Was Bcsondres wird doch da nicht stehen. Kostbar keiten rückt man in das Licht. Dies Licht schimmert nur leis und schüchtern auf einem kleinen gläsernen Behältnis. Darunter ist ein Stück Papier, altes, fast zer- bröseltes Papier. Vater zeigt darauf. Gehorsam schaut's der Sohn an. »Ist das alles?« denkt er. »Lies!« Ter Sohn muß sich tief bücken. Es ist nur mehr schwer zu lesen. »Ein halb Pfund. Gültig für den sovielten«, liest er verständnis los. Doch in Mutters Auge beginnt es aufzulenchten. »Vor achtzig Jahren«, sagt sie langsam und besinnlich. Jetzt erst sieht sie unterm gleichen Glase etwas Rissiges, Uraltes, Einge schrumpftes. »Das ist es«, sagt sie fast erschauernd. Ter Vater hat dem Sohn beide Hände ans die Schultern gelegt: »Du kommst aus der Kirche. Du bist konfirmiert. Heute trittst du in das ernste Leben. Mutter hat ein prächtig Mahl davorgesetzt. Zu hause schmort und duftet es ans allen Pfannen. Du hast ein Recht darauf. Auf dich selber aber hat ein Größres heut' ein Recht: Deines Vaterlands Geschichte. Hier liegt ein Stück davon aus seiner größten Zeit. Niemals gab es eine größere. Du sahst heute in der Kirche Hei liges. Auch dies Stück Papier, das sich vor achtzig Jahren zwischen deine Väter und den Hunger schob, ist heilig. Dies Stückchen Grau- papicr, das Anrecht gab ans das zerschrumpfte halb Pfund Brot da neben. Dies halbe Pfund, von dem ein Deutscher einen Tag lang lebte, litt und stritt. Mich und Mutter, dich und deinen Kirchentag heute, das Mahl, das deiner wartet, hat er miterstritten. Vergiß es nie. -Tu' dein Gelöbnis vor dem Graubrot und dem Graupapier, mein Sohn«. Leise beugte der Sohn das Knie. Die zweite Andacht dieses Tages ging ihm durch das Herz. »Ich gelobe . . .«, sprach's in ihm zum andern Male. Langsam schritten sie über die Museumsstufen. Wie Getauften war cs ihnen ... FritzMUller. Kleine Mitteilungen. Vorläufige Einstellung des Bricfverkehrs nach Nicderländisch- Jndien. — Wegen Mangels an einer gesicherten Beförderungsgelegen- hcit wird der Briesverkchr von Deutschland nach Niederländisch-Jndien bis auf weiteres eingestellt. Bricfsendungen, die in letzter Zeit ein- gelicsert worden sind oder noch eingeliefcrt werden, sind den Ab sendern zurückzugeben. Dctailhandels-Berufsgenossenschaft. — Die das Gebiet des Deut schen Reiches umfassende Detailhandels-Berussgenossenschaft, zu der bekanntlich auch der Sortimentsbuchhandel gehört, hielt am Dienstag, den 19. Juni, ihre 5. Genossenschaftsversammlung im Natssaal des Kaiscrhotels in Berlin ab. Anwesend waren 56 Vertreter aus allen Landesteilen. Der Vorsitzende der Berufsgenossenschaft, Neichstags- abgeordneter Astor, cröffnete die Versammlung mit herzlichen Be grüßungsworten an die Erschienenen. In seiner Eingangsrede gab er einen kurzen Rückblick auf die seit der vorjährigen Tagung verflossenen Kriegsmonate, in dem er der Dankbarkeit gegen unsere Armee und Marine warmherzigen Ausdruck gab. Tie Darlegungen des Redners klangen dahin aus, daß wir uns nach menschlichem Ermessen dem Zeitpunkt einer Klärung sowohl der äußeren als der inneren Lage nähern. Im besonderen Eingehen auf die inneren wirtschaftlichen Verhältnisse betonte er den innigen Zusammenhang der Tetailhandels- Bcrnfsgenosseuschaft mit dem Wohl und Wehe des deutschen Klein handels. So sei es selbstverständlich, daß die Dctailhandcls-Berufs- gcnossenschaft die wirtschaftlichen Vorgänge im deutschen Kleinhandel mit größtem Interesse verfolge und daran tcilnehme. Den vielfachen Unterströmungen, die sich durch die Kricgsmaßnahmen und die Ent wicklung der politischen Verhältnisse hcrausgebildet haben, und die immer offensichtlicher den deutschen Kleinhandel bedrohen, tonne dieser nur durch einen großen, seine Gesamtheit umfassenden festen Zusam menschluß begegnen. Mit Freuden sei es zu begrüßen, daß diese Lebens sache des deutschen Kleinkanfmanns gegenwärtig zu ihrer Verwirkli chung schreite. Mit der Erhaltung unseres vor dem Kriege bewährten Wirtschaftslebens, insbesondere des freien Handels, hänge das Wohl unseres gesamten Staatsgebäudcs eng zusammen. Aus diesem Grunde müsse der deutsche Kleinhandel auch auf Verstehen und Förderung durch Parlament und Negierung Anspruch erheben dürfen. Lebhafter Beifall lohnte diese sachlichen Worte. Aus dem vorgetragenen V e r w a l t u n g s b e r i ch t ist hervorzu- heben, daß die Anzahl der Betriebe im Vorjahre auf 75 169 gestiegen ist. Die Summe der in den versicherten Betrieben gezahlten Löhne ist von 357 Millionen Mark im Jahre 1915 auf 358 Millionen Mark im Jahre 1916 gestiegen. Von dem Umlagebetrag 1916 mit 834 514,88 sind bis 18. Juni 1917 390 900.— — 38 v. H. eingegangen. Auf die Kriegsanleihen sind insgesamt 880 090.— gezeichnet worden. Die Rücklage beträgt 1 175 436,53 .//. Tie Unfallbelastung beträgt 454 029,90 für 2012 Rentenempfänger. Im Jahre 1916 sind 2813 Unfälle, darunter 27 Todesfälle, gemeldet und überwiesen, hiervon ge langten 321 Unfälle, darunter 22 Todesfälle, zur Entschädigung. Der Jahrcsvoranschlag für 1918 wurde auf Antrag Tietz-Bcrlin mit 1 064 009 ./i genehmigt. Für die Zwecke der Kriegsfürsorge wurden abermals 5000 bewilligt. In Anbetracht der durch den Krieg ge zeitigten Teuerung wurden zum Zwecke der Gewährung von Teue rungszulagen an die Angestellten der Berufsgenosscnschaft 50 000 in den Haushaltsplan eingesetzt gegen 18 000 ./i im Vorjahre. Aus den Beratungen ist im einzelnen hervorzuheben, daß auf An regung des Vorsitzenden die Versammlung sich für die Einleitung der erforderlichen Schritte zwecks Änderung des nach der Neichsversichc- rungsordnung vom Neichsversichcrungsamt fcstgelegten Begriffes »Kleinbetrieb« aussprach. Die sogenannten »Kleinbetriebe« unter liegen der Versicherungspflicht nicht. Mit der sciuerzeitigen Festlegung des Begriffes werde aber dem sozialen Gedanken der Berufsgenossen schaft nicht genügend Rechnung getragen. Desgleichen sollen Maßnah men zum Ausbau der bisherigen freiwilligen Versicherung von Be- triebsunternchmern zur Zwangsversicherung gecignetenfalls getroffen werden. Zwecks besserer Heranziehung derjenigen versicherungspflich tigen Betriebe, die sich widerrechtlich der Aufnahme entziehen, wurden aus der Versammlung verschiedene Vorschläge laut. Die Jahresrechnung für 1916 wurde abgeuommcn und dem Vor stande Entlastung erteilt. Der bestehende Ausschuß wurde für das Geschäftsjahr 1917 wiedcrgewählt. Als Ort der nächstjährigen Tagung soll, wenn bis dahin der Friede geschlossen ist, bzw. die Wirtschafts lage sich gebessert hat, Nürnberg gelten. Andernfalls ist Tagungs ort wieder Berlin. Deutsch-türkische Schulen. Der frühere Großwesir Said Halim Pascha bczeichnete, wie Geheimrat Franz Schmidt in Konstantinopel in der »Monatsschrift für höhere Schulen« berichtet, die Einführung der französischen Kultur als einen falschen Weg für die Türkei, weil die 'ungcn Türken, die in Frankreich studierten, zu gesunder Mitarbeit am Staatslcbcn wenig geeignet zurückkehrtcn. So hat man denn, wäh rend früher an den höheren türkischen Schulen Französisch allein herrschte, seit zwei Jahren vorgeschriebcu, daß an den unseren Voll- anstaltcn entsprechenden Schulen zwei Fremdsprachen gelehrt werden: die Hälfte der Schüler lernt nunmehr Französisch, die andere Deutsch oder Englisch. An 36 Schulen von 55 Schulen mit mehr als 10 000 Schülern ist diese Einrichtung bereits durchgeführt. An der Schule in Peru, die mit 700 Schülern die besuchteste der Hauptstadt ist, beginnt der deutsche Unterricht bereits mit dem zweiten Schuljahr, und nimmt von da ab die Hälfte aller Unterrichtsstunden ein. An dieser Schule wirken neun deutsche Lehrer; eine Schule für Mädchen ist unter Lei tung der Oberlehrerin Grumme aus Berlin neu errichtet und wird ebenfalls nach dem Grundsatz: »Halb türkisch, halb deutsch« ausgestaltet. Sprrailaai. Bezugsbedingungen und Buchhändlerpreis. Tie vom Börsenblatt in Nr. 143 aus den -Mitteilungen des Deut schen Verlegervereins» übernommene Mahnung an die Verleger, in ihren NeuigkeitSankiindigungen, die sie den Sortimentern zugehen las sen, die Bezugsbedingungen und Buchhändlcrpreisc nicht mit abzu drucken, sondern diese stets gesondert mitzuteilen, verdient, nachdem sie schon so oft erhoben worben ist, endlich einmal Beherzigung! Wieder ein kleines Beispiel für die Berechtigung der Mahnung: In einer Buchhandlung kam es aus Versehe» neulich dazu, daß eine solche An kündigung mit allen Bezugsbedingungen und sorgfältigster Angabe der Buchhändlerpreise im — Schaufenster prangte! Mehr kann da- — Publikum nicht verlangen. P. Verantnwell. Red. i. V.: R > ch a r d il l b e r > t. - Verlag: D e r V l> , I - n ° e , e > n der Teu„«e» «nchdllndler ,u Lein,lg. DenUche« Bnchbdndleedan«. DeuU: Ramm L Seemann. Sämtlich ln L-lpztg. — «dr-ll- der R-d»ktt»n und Srp-dltt-n: Leipzig, Serlchtgmeg Sg lBnchhSndl-rdaudj. 800
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