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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 04.10.1900
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1900-10-04
- Erscheinungsdatum
- 04.10.1900
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
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zeigen über verlorene nnd gefundene Gegenstände. In spä terer Zeit nehmen Versteigerungsanzeigen, besonders von Bibliotheken und Sammlungen, einen bevorzugten Platz ein. Hervorgehoben wurde bereits, daß schon bald nach dem Erscheinen und Verbreiten der ältesten Zeitungen Gegner wider diese entstanden und Bücher und Flugblätter geschrieben wurden, die vom Nutzen und Schaden, dem Gebrauch und Mißbrauch der Zeitungen handeln. Auch in Hamburg ist 1697 bei Georg Schiller ein derartiges Merkchen erschienen: »Zeitungslust und Nutz Oder: Derer sogenannten Novellen oder Zeitungen Wirckcnde Ergötzlichkeit, Aumuth, Nothwendig- keit und Frommen; Auch was bey deren Lesung zu lernen, zu beobachten und zu bedenken sei! Samt einem Vermehrten Anhang Bestehende in Erklärung derer in den Zeitungen vorkommenden fremden Wörter. Entworfen von dem Spaten.« Verfasser ist Caspar Stieler, ein richtiges Kind seiner Zeit, ein unsteter, wüster Abenteurer, der aber den richtigen Blick für die Bedeutung der Zeitungen hatte und in seinem Büchelchen manche Wahrheiten sagt, die noch jetzt als goldene Regeln gelten sollten. So heißt es von der Schreibart der Zeitungen: »Es ist zu beklagen, wie die Deutschen ihre herr liche und überreiche Sprache selbsten so vermehren, daß die Ausländer meinen, man könnte ohne Beihilfe ihrer Wörter der Stummheit sich nicht entbrechen, sondern müsse not wendig von ihnen erborgen, was wir von ihnen zu reden oder zu schreiben hätten.« »Kein Pole, Moskowiter, Italiener oder Franzose wird in seine Zeitungen deutsche Worte mengen, und wir sind so elende und neugierige Leute, daß wir uns ohne alle Not mit fremden Federn schmücken und darüber von männiglichen ausgelachet und verachtet werden.« Man wolle beachten, daß diese Worte nicht 1900, son dern bereits 1697 geschrieben wurden. Wenn Stieler dann ausführt, wie dringend notwendig das Lesen der Zeitungen für den Kaufmann wie für den großen Herrn und iin Kriege sei, für den Stadtgeistlichen wie für den Landprediger, für den Gelehrten wie für den Studenten und sogar für die Frauenzimmer, »da jetzo nicht mehr um die Zeit der alten Welt ist, da das Weiber-Volck gleich den Schnecken Jahrein im Hause bleibet, und arbeitet« (allerdings macht er hier einen Unterschied und sagt: »Dorfleuten, Mägden und ge meinen Bürgerstöchtern stehet Nähen und Spinnen besser an als Zeitungen lesen«), so steht er im Gegensatz zu Goethe, der sich noch nach 1815 als eifriger Gegner der Presse zeigte. Mit unüberwindlichem Abscheu erfüllte diesen das aufblühende Zeituugswesen; ihm entging nicht, wie verflachend und ver sandend das Haschen nach Tagesneuigkeiten, die ungesunde Vermischung von öden: Klatsch und politischer Belehrung auf die allgemeine Bildung wirken, welche Frechheit und Nichtig keit unter allen diesen unverantwortlichen Namenlosen, die hier über Menschen und Dinge zu Gericht saßen, aufwuchern mußte. »Tiefe Verachtung öffentlicher Meinung« schien ihm der einzige Gewinn aus der gelobten Preßfreiheit. Der größte Dichter wollte die neue Großmacht nicht als voll anerkennen. Alte Zeitungen künden uns nicht nur von vergangenen Zeiten, von großen Thaten, auf die wir noch jetzt voll Be wunderung blicken, sondern sie sind auch ein Denkmal der Schaffensfreudigkeit und Intelligenz unserer Vorfahren. Nebenbei machen sie uns vertraut mit den Gewohnheiten und Beschäftigungen längst entschwundener Tage. Dem Kulturhistoriker bieten die alten Zeitungen reiches Material für seine Studien, dem Geschichtsschreiber bieten sie manche kleine Einzelheiten, die oft zu wertvollen Bausteinen eines Werkes werden; dem Laien endlich künden sic, wie herrlich weit wir es gebracht haben. Gustav Freytag sagte einst von dem Zeitraum, der zwischen dem Aufblühen der Zeitungen zu Anfang des 18. Jahrhunderts und jetzt liegt, und von der: kübi.'n'.ndlrSKccker AMninih Entwickelung, die die Presse genommen hat, die bezeichnenden Worte: -Es ist die Periode eines hohen Aufschwunges und edler Blüthe deutscher Wissenschaft und Kunst, es ist der Zeitraum eines unermeßlichen Fortschritts in Charakter und Gemüth des Volkes, der die Deutschen aus unterthänigen Dienern eines fremden Willens zu freien Bürgern erzieht. In dieser Periode wird die Zeitung aus einem fliegenden Blatt, welches zufällig ein laufende Neuigkeiten verbreitet, zu einem großartigen Spiegel der Zeitereignisse, in welchem nicht nur alles Wiffenswerthe der Erde und des Himmels berichtet, sondern auch alles Geschehende be- urthcilt und im Zusammenhang mit Vergangenem und Künftigem gewürdigt wird. Nicht mehr die Aufzählung der Thatsachen au sich, sondern die Art und Weise, wie sie unsere Theilnahme ver dienen, unsere Bildung befriedigen, von unserem Gewissen be- urthcilt werden, macht jetzt Werth und Bedeutung einer Zeitung. Aus dem Schreiber von Neuigkeiten ist ein Lehrer und Bildner des Volkes geworden, den wir hoch schätzen oder gering achten, je nach dem Grade seiner Einsicht, Redlichkeit und Unabhängig keit, und dessen Urtheil über die höchsten irdischen Interessen wir jeden Tag mit unfern Ansichten vergleichen und auf unsere Ueber- zeugung einwirken lassen.- Kleine Mitteilungen. Bayerische Postordnung für Zeitungen. — Das -Vcr- ordnungs- und Anzeigeblatt der königlich bayerischen Verkehrs- anstaltcn- veröffentlicht die Bekanntmachung, lant der die Post ordnung für das Königreich Bayern dahin abgeändert wird, daß für die im Postwege bezogenen Zeitungen ab 1. Januar 1901 für die Zustellung pro Exemplar monatlich zu entrichten ist: bei Zu stellung von wöchentlich seltener als einmal 2 H, von wöchentlich einmal 4 H, zweimal 6 dreimal 8 H, viermal 10 fünfmal 12 sechs- und siebenmal 14 achtmal 16 H, neunmal 18 zehnmal 20 H, elfmal 22 H, 12—14mal 24 15mal 26 -ß, 16mal 28 17 mal 30 18—21 mal 32 bei der Zustellung der amt lichen Verordnungsblätter, sofern für deren Zustellung überhaupt eine Gebühr erhoben werden darf, 2 H. Papier-Einkaufsstelle. — Die in Berlin eröffnet? -Papicr-Einkaussstelle des Vereins deutscher Zcitungsverleger-, G. m. b. H., hielt, wie die Geschäftsstelle des Vereins mitteilt, am 30. v. M. im Hotel Kaiserhof zu Berlin eine aus Berlin, Hannover, Osnabrück, Frankfurt a. O., Graudcnz, Königsberg i. Pr., Altona, Braunschweig und anderen Städten zahlreich besuchte General versammlung ab, in der der Syndikus der Gesellschaft, Direktor Lehmann, über die bisherige Thätigkeit der Einkaufsstelle und die gegenwärtige Lage auf dem Papiermarkte eingehend be richtete. — Bezüglich des Neubaus von vier großen Papier fabriken und des Umbaus bezw. der Erweiterung zweier bereits bestehenden Fabriken sind die einleitenden Schritte geschehen (eine der neuen Fabriken ist bereits der Vollendung nahe). Die Versamm lung war einstimmig der Ansicht, daß nur durch den Bau neuer Papierfabriken den jetzigen unhaltbaren Verhältnissen entgegen- getrcten werden könne, und beauftragte den Syndikus, die noch weiter bestehenden, bezw. noch auftauchendcn Bauprojekte nach Möglichkeit durch Rat und That zu fördern. Große finanzielle Unterstützungen wurden in Aussicht gestellt. Zahlreiche Ge meinden haben unentgeltliche Hergabe von Grundstücken für den Bau von Fabriken in Aussicht gestellt und Steuererleichterungen versprochen. — Da mehrere Hundert Zeitungen die Deckung ihres Papierbedarfes bei der Einkaufsstelle angemeldet haben, so ist der Syndikus in der Lage, neuen Fabriken durch Ueberweisung von Masscnaufträgen lohnende Beschäftigung zu sichern. Aufgehobenes Aufführungsverbot. — Das preußische Oberverwaltungsgericht hob in diesen Tagen das im vorigen Jahre in Berlin ergangene polizeiliche Verbot der Aufführung des Schau spiels »Rabbi David- von Karl Weiser auf, das von der Direktion des Friedrich Wilhelmstädtischen Theaters eingereicht worden war. Schon der Bezirksausschuß hatte auf erhobene Beschwerde das Verbot aufgehoben; der Polizeipräsident hatte diese Entscheidung jedoch durch Berufung angcfochten. Das Obcrverwaltungsgericht hat nun die Freigabe des Stückes bestätigt. Sitzgelegenheiten für Gehilfen und Lehrlinge. — Dem Vundesrate ging die Verordnung zu, wonach in allen offenen Verkaufsstellen, wo Kundschaft bedient wird, und in den dazu gehörigen Kontoren für männliche und weibliche Gehilfen und Lehrlinge ausreichende Sitzgelegenheit vorhanden sein muß. Die Polizei soll befugt sein, über Zahl und Beschaffenheit der Sitz gelegenheiten besondere Anordnungen zu treffe». (Leipz. Tgbl.) 1001
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