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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 20.09.1900
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1900-09-20
- Erscheinungsdatum
- 20.09.1900
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- Deutsch
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219, 20. September 1900. Nichtamtlicher Teil. 7019 Gleich rechts davon sieht man die Exposition csvtsv- onls äs In lütboqrspbis. Die Franzosen haben seiner Zeit das hundertjährige Jubiläum der Lithographie besonders glänzend gefeiert — und mit Recht, denn die Kunst Senefelders hat ihre künstlerischen Qualitäten gerade in Frankreich am längsten bewahrt und wird noch heute von einer ganzen Reihe von Künstlern in diesem Sinne gepflegt. So erblicken wir denn in dieser Abteilung auch einen histo rischen Abriß der Geschichte der Lithographie in Frankreich. Zu den Perlen dieser Sammlung gehören die älteren Kreide drucke, die hier in einer Vollendung der Technik und künst lerischen Durcharbeitung zu sehen sind, wie wir sie heutzutage kaum noch kennen. Die Wiederbelebung dieser Kunst zu neuer Blüte gehört ja erst den jüngsten Tagen an. Zur französischen Spezialität zählt auch die hier ausgestellte Aus wahl berühmter Plakate und unter diesen das zu der Cen- tcnarfeier selbst von Hugo d'Alesi, eins der besten Erzeug nisse dieser Abteilung überhaupt. Außerdem sind hier in chronologischer Folge Drucke des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts ausgestellt, die in Paris augefertigt wurden. Es würde zu weit führen, auf diesen historischen Teil näher einzugehen, erwähnt möge nur die interessante llibliotbtzqus blsus äs lüro^ss sein, die durch die Oudot und Garnier von ungefähr 1600—1863 gedruckt wurde. Die mehr als vierhundert verschiedenen Werke dieser Bibliothek sind teils religiösen, teils profanen Inhalts und zum Teil von großem kulturhistorischen Wert. Mit dem Almanach, den dieselben Buchdrucker und Buchhändler her ausgegeben haben, bildet diese Bibliothek einen Maßstab für die intellektuelle Entwickelung der Bevölkerung in den letzten Jahrhunderten. Neben Drucken des fünfzehnten Jahrhunderts findet man ferner hier alte Holzschnitte, Matrizen und Meß instrumente aus früheren Jahrhunderten, die manches sehens werte Stück enthalten. Besonders hervorzuheben ist die Kol lektion Ed. Engelmann, die in einer größeren Anzahl von Schaukästen wundervolle altfranzösische Initialen und Schriften zeigt; von hohem Interesse sind auch die mit großer technischer Vollendung hergestellteu alten Kassenscheine. Originell sind zwei Blätter aus dem Anfang des Jahrhunderts; es sind karikierte Kostümbilder, und diese zeigen mit der Unter schrift Habit ä'Iroprimsur SN llsttrss einen Buchdrucker, der in einer Buchdruckerpresse gehend dargestellt ist. Von der historischen Abteilung treten wir mit wenigen Schritten sofort in modernes buchgewerbliches Leben ein. In weitem Umkreis sehen wir Frankreichs Buchhandel, Buchdruck, Lithographie und Druckmaschinenbau vereinigt, und wir empfangen somit, wie ich schon früher bemerkte, hier that- sächlich einen recht getreuen Ausschnitt aus dem Buchgewerbe unserer Nachbarn. Ich möchte es gleich bemerken — ich ging mit großen Erwartungen in diese Abteilung und habe mich enttäuscht gefühlt, und zwar war diese Enttäuschung am stärksten in der Maschinenabteilung. Aber auch in der buchhändlerischen und typographischen Ausstellung habe ich nicht das hohe Niveau gefunden, das ich erwartete. Es ist doch wohl sicher, daß man die Franzosen in dieser Hinsicht bei uns reichlich überschätzt, und es ist gut, wenn man einmal etwas davon zurückkommt. Gewiß, es war manches Hervorragende, ja Außerordentliche da; aber die wenigen Schwalben machen noch keinen buchgewerblichen Sommer, und wenn man sich vergegenwärtigt, was inan z. B. in Leipzig auf der sächsischen Gewerbe- und Industrieausstellung, die doch nur eine lokale Veranstaltung war, sehen konnte, dann wird doch die Pariser Schau arg verdunkelt. Am merkwürdigsten mutete, wie später uoch näher ausgefllhrt werden wird, die Druckmaschinen abteilung an; was man hier sah, das war so frappant hinter dem zurück, was in dem letzten Jahrzehnt bei uns und in anderen Ländern geschaffen ist, daß man sich sagte, der französische Buchdrucker muß vor der deutschen Abteilung eigentlich wie vor einer Offenbarung gestanden haben — denn über ihn und seine Maschinen scheint der Fortschritt der letzten Jahre, mit vereinzelten Ausnahmen, spurlos hin weggegangen zu sein. Frankreich und seine Kolonieen sind in der Klasse Buch handel mit nicht weniger als 837 Ausstellern vertreten, eine sehr erfreuliche Teilnahme, die es denn auch erreicht hat, daß man ein übersichtliches Bild über die Produktion erhält. Selbstverständlich ist es unmöglich, eine eingehende Besprechung dieser Abteilung zu geben, und ich möchte nur auf einzelne Aussteller aufmerksam machen, ohne damit aus gesprochen zu haben, daß bei den vielen anderen nicht auch Beachtenswertes ausgestellt ist. Im allgemeinen ist der Satz der französischen Werke einfacher gehalten als bei uns; die reichere Ausstattung, die die moderne dekorative Richtung im deutschen Buchgewerbe kennzeichnet, hat in Frankreich noch fast gar keine Anhänger gefunden. Wenigstens sind Buch ausstattungen in diesem Genre, mit verschwindenden Aus nahmen, nicht ausgestellt. Für den Text der Werke werden die Mediaeval- und Renaissance-Antiquaschriften noch immer bevorzugt, und der Druck ist durchweg gut, wenu auch nicht mit dem Raffinement ausgeführt, wie wir es jetzt vielfach bei manchen deutschen, mit Autotypieen illustrierten Verlags werken beobachten können. Dagegen verwenden die französischen Buchhändler viel Fleiß auf die Illustrierung des Titels, und hier kann man vielfach künstlerisch ganz hervorragende Arbeiten finden, bei denen besonders auch die feine, durchgeistigte Art auffällt, mit der der Künstler den Hauptgedanken des Buches wiedergegebcn hat. In Bezug auf innere Buchillustration sei hier gleich auf eins der hervorragendsten Werke hin gewiesen, das zur Zeit in dem bekannten Verlage Paul Ollendorff, Paris, erscheint. Es sind dies die Werke Mnupassants mit Illustrationen von Leroux, die in wunder vollen farbigen Holzschnitten von Lemaire ausgeführt sind. Was in der Ausstellung an Proben aus diesem Werke, das noch nicht vollständig vorliegt, zu sehen war, muß als ganz hervorragende Leistung bezeichnet werden, und außerdem ist es erfreulich, daß hier einmal wieder der Holzschnitt und zumal der farbige zur Illustration herangezogen ist, während er sonst leider von Tag zu Tag mehr zurückgedrängt wird. Die Inbrairis Osutrsäs äss Leaux-^rts in Paris ist mit einem ausgezeichneten Pflanzenwerk vertreten, das als hervor ragende Verlags- und Druckleistung besondere Aufmerksamkeit verdient. Es betitelt sich plavts st sss applioatiolls orusmsu- t-ckss« und ist mit herrlichen Illustrationen in feinster Druck ausführung geschmückt. Jri demselben Verlage erscheint auch die vortreffliche Zeitschrift: ^.rt st väooration. Rsvus ivsv- suslls ä'^.rt moäsrvs. In der Ausstellung der Verlagshandlung Noöl in Paris findet man reizend ausgeführte Einladungskarten zu einem bemerkenswerten Feste, das die Firma feierte, nämlich dein Verkauf des hunderttausendsten Exemplars eines Verlags werkes, der Netboäs Lsrpsutisr. Der Musikalienoerlag von Goudens, der Besitzer der Werke von Gounod und Bizet ist, hat höchst interessante Originalpartituren dieser beiden Meister ausgestellt. Sehr schöne Arbeiten finden sich vor allem auch iu Bucheinbänden, in deren künstlerischer Ausgestaltung die Fran zosen eine Jahrhunderte alle Tradition besitzen. Aber auch hier ist eine gewisse konservative Neigung zu spüren; die Fran zosen bleiben bei ihrem Louis XV. uud Louis XVI., behandeln das Rokoko mit wunderbarer Feinheit, aber von der modernen Strömung, wie sie jetzt unsere »Ksliars« erfüllt, ist wenig zu bemerken. Emile Mercier, Paris, der schon 1889 für seine Bucheinbände mit dem großen Preis ausgezeichnet wurde, 910'
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