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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 19.03.1870
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1870-03-19
- Erscheinungsdatum
- 19.03.1870
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- Deutsch
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936 Nichtamtlicher Thcil. 64, 19. März. weder den Mai» noch die Leitha als Grenze seiner Wirksamkeit gel ten lassen und ehe das Gesetz auch nur in volle Krast träte, wird er wieder zu seinem guten Rechte zurückgcgriffen haben. Die Auf stellung einer kürzeren Schutzfrist im Nordbundc würde unaufhaltbar die literarischen Stapelplätze nach den begünstigtercn Südstaaten verlegen; cs wäre, um es mit glatten Worten zu sagen, eine Vernichtung des Buch handels in seinem gegenwärtigen Bestände und der selbe müßte nothwendig cincn Kampf anf Lcben und Tod beginnen. So bedauerlich cs ist, daß zwei der angesehensten Firmen von dem jetzigen Kampfe für das Recht der deutschen Autoren und die Blüthc des deutschen Buchhandels sich fern gehalten haben: daß die Augsburger Allgemeine Zeitung auch nicht ein Wort zur Abwehr der Braun'schen Angriffe gehabt und daß die Deutsche Allgemeine Zeitung nur mit stumpfen Waffen ein Interesse vertreten hat, wo sic hätte Ruhm erwerben können, so ist doch die Sache des deutschen Buchhandels auch ohne dieselben nicht wehrlos. Es gibt der Käm pen noch genug, die ein treues Herz für das Glück und den Ruhm ihres Standes haben, und die Ausdauer ist noch unvergessen, welche den deutschen Buchhandel zum Sieger über die deutschen Censorcn und über die süddeutschen Nachdruckcr gemacht hat. Als eine wahre Lächerlichkeit und als einen Beweis der bodenlosesten Unkenntniß muß cs betrachtet werden, wenn die Herren Braun und ein Princc-Smith und Faucher uns die Vorzüglichkeit des englischen Buchhandels einrcden wollen. In Deutschland hat der Buchhandel für die Anerkennung und den Schutz der Autorenrechte mit unermüdlicher Geduld und mit Auf opferung bedeutender Mittel gekämpft. In England ist niemals ein Buchhändler unter den Vorkämpfern des Autorrechtes genannt worden. Wohl mag cs begründet sein, daß der Buchhändler dort mehr Kaufmann ist, dafür steht unser literarischer Verkehr auf einer ungleich höheren Stufe als dort. Jener überläßt die Sorge für Kunst und Literatur lieber den Schriftstellern und Künstlern und denkt mehr daran, sein Vermögen zu mehren, wo der deutsche Buch händler mehr die Ausbreitung von Kunst und Wissenschaft im Auge hat, oft auf seine eigene Kosten. Doch solche Bestrebungen ge reichen ihm gewiß nicht zumVorwurf, und gerade dieser Eigentüm lichkeit und seinen allgemein gewürdigten Verdiensten um die Ver breitung von Wissen und Bildung in allen Schichten des Volkes verdankt derselbe die hohe Stellung, die er bisher eingenommen hat. Es ist eine bemerkenswerte Erscheinung, daß Leute, welche sich den Anschein geben, als ob sic am meisten für die Bildung des Volkes erhitzt wären, gerade Einrichtungen des deutschen Buchhandels be mängeln, welche mit zu den bedeutsamsten Momenten in der deut schen Culturcntwicklnng gehören. Man erklärt sich gegen das Ver schicken der Bücher zur Ansicht. Ist cs nun nicht chrcnwerth, wenn der Buchhändler Niemanden zumnthet, die Katze im Sacke zu kaufen, sondern seinen Kunden Gelegenheit gibt, sich vor dem Kauf ein Ur teil über die Waare zu bilden? Und wenn Viele diese Gelegenheit benutzen, um die Bücher zu lesen, ohne zu kaufen, so ist doch die Unredlichkeit offenbar auf dieser Seite und nicht ans der der Buch händler! Tragen dieselben weiter der Thatsache willige Rechnung, daß die deutschen Gelehrten, welche die treuesten Bücherkäufer sind, in der Regel am wenigsten überflüssige Zeit haben, und senden sie ihnen deshalb die Bücher zur Ansicht ins Haus, so ist das allerdings dem Sinne eines Engländers und Amerikaners unbegreiflich, — im deutschen Wesen aber ist es tief begründet. Man schilt den langen Credit, welchen der Buchhandel ge währt und schiebt darauf die theuern Preise der Bücher. Nun ist aber in zehn Artikeln nachgewiescn, daß die Preise der Bücher in Deutschland ungleich wohlfeiler sind als in England, Amerika und Frankreich. Jener Credit kann mithin nicht die Ursache einer Wir kung sein, die gar nicht vorhanden ist; und wenn ein Verlust dadurch entsteht, so fällt er dem Buchhändler zur Last, aber nicht dem Käu fer. Es ist sehr erklärlich, wie Buchhändler, die uur ein bescheidenes Capital besitzen, sich über diese Sitte beklagen; aber was dicStaats- ökonome» dagegen einzuwendcn haben, ist schwer erfindlich. Es muß als unerträgliche Anmaßung zurückgewiesen werden, wenn ein Hr. Princc-Smith oder ein Hr. Faucher oder das Bremer Handclsblatt (Nr. 961) sich darüber aufhalten; denn nicht nur, daß denselben alles Verständniß des deutschen Buchhandels abgeht, so liegt auch die Sache selbst denselben entschieden fern, und nur die sie beherrschende Sucht, sich in alles zu mengen, macht die Einmischung erklärlich. Am Schluffe unserer Erörterungen angelangt, können wir nicht dringend genug dem gesummten Reichstag die wiederholte Bitte aus- sprcchen, daß er doch viel lieber mit weiser Beschränkung dem Bun- dcsrathc einen ungenügenden Entwurf zu erneuter Erwägung zurück- gcbcn, als ein Gesetz beschließen wolle, gegen welches die große Mehr zahl der Bctheiligtcn cnschiedene Verwahrung cinlegt, und welches in so hohem Grade geeignet ist, den klaffenden Riß zwischen dem Süden und Norden Deutschlands zu erweitern und zu vertiefen. Möge der Reichstag auf das crnstlichste bedenken, daß der deutsche Buchhandel das letzte Band bildet, welches den Süden und Norden noch verbindet, und daß dieses Band, mit übcrmüthigcr Hand einmal zerrissen, sich vielleicht niemals wieder knüpfen läßt. — Der Riß könnte als ein nationales Unglück zu betrauern bleiben! Miscellcn. Einer der Gelehrten des Kladderadatsch sagt in der in Berlin ausgcgebcncn Bazar-Zeitung: „Das Bißchen geistiges Eigenthum, auf das ich mir wahrhaftig nicht viel einbildete, hat mir »unser Braun« auch noch wcgcscamotirt. Ucbrigcns hat Braun ganz Recht. Den Schriftstellern geht's viel zu gut. Der Schriftsteller im idealen Zustande soll einherwandeln gleich dem Gott der Liebe, seinem großen Meister, uucku8 ot pauper, in erhabener Verachtung des schnöden Mammons und der Toilette; er soll sich nähren von den Früchten des Feldes, die man Kartoffeln nennt, er soll abhold sein aller Völlerei in Speise und Trank, dafür hat er ja. Anrecht ans einen rcscrvirtcn Parguetsitz im Olymp. Braun ist nicht umsonst Nationalökonom. Seine Behauptung, daß eine zu lange Dauer des geistigen Eigcnthnmsrechtes die geistige Waare un gebührlich vcrthcuere, halte ich für unanfechtbar. Ich meine nur, er hätte noch einen Schritt weiter gehen sollen. Ohne Zweifel ver teuert auch das Honorar, welches der Verleger dem Autor zahlt, diese geistige Waare, die Bücher. Ich würde also dafür stimmen, daß die Honorarzahliiugcn von Bundcswegcn verboten werden. Ich meine, das müßtezur Hcbnngunserer Literatur wesentlich beitragen." Alle für die Leip zigcr Ostermc sse bestimmten Meßgclder und Zahluugslisten müssen so zeitig wie möglich, für 1870 aber spätestens am 1. Mai in den Händen der Commissionäre sein, wenn sic in der nöthigcn Ordnung erpedirt werden sollen. Der technische Gang des Meßgeschäftes erfordert dies aufs dringendste. Gelangen die Listen erst in die Hände des Commissionärs, nachdem die Abrechnung auf der Börse bereits begonnen hat, so muß deren Erledigung während der Messe unterbleiben, da nach Beschluß der Generalversammlung vom 10. Mai 1868 die sogenannten nachträg lichen Börscntage inWegfall kommen und der Mittwoch vorHimmel- fahrt — diesmal der 25. Mai — als der letzte zulässige Termin fest- gestellt worden ist, an welchem Buchh.-Zahlungcn in Meßvaluta ge leistet und angenommen werden können. (Schulz'Adreßbuch 1870.)
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