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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 03.02.1886
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- Ausgabe
- Band
- 1886-02-03
- Erscheinungsdatum
- 03.02.1886
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- Deutsch
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Doktor Faust, wurden stets mit Begierde ausgenommen und erregten zu allen Zeiten das größte Interesse. Die umfangreiche Faust-Litteratur wurde neuerdings durch ein kleines Schriftchen vermehrt, das sich mit der ersten Historie über Doktor Faust beschäftigt.*) Die kleine interessante Abhandlung er scheint gerade jetzt sehr willkommen, da sich in letzter Zeit das Spieß'sche Faustbuch durch den von vr. Wilhelm Scherer und der Grote'schen Verlagsbuchhandlung in Berlin veranstalteten Neu druck**) wieder in den Vordergrund der Litteratur gedrängt hat. Im Herbst des Jahres 1587 erschien im Druck und Verlag von Johann Spieß in Frankfurt a/M. als erstes Volksbuch über Doktor Faust ein Merkchen unter dem bombastischen Titel: »LI8D0KIX. Von D. Johann Fausten, dem weitbe- schreyten Zauberer vnnd Schwartzkünstler, Wie er sich gegen dem Teuffel aufs eine benandte zeit verschrieben, Was er hierzwischen für seltzame Abentheuwer gesehen, selbs angerichtet vnd getrieben, biß er endtlich seinen wol verdienten Lohn empfangen. Mehrer- theils auß seinen eygenen hinderlassenen Schrifften, allen hoch tragenden, fürwitzigen vnd Gottlosen Menschen zum schrecklichen Beyspiel, abschcuwlichen Exempel, vnd treuwhertziger Warnung zusammengezogen vnd in den Druck verfertiget. 3^.6061 IIII. Seht Gott vnderthänig, widerstehet dem Teuffel, so fleuhet er Von euch. Luna Aratia. st privilsAio.«***) In der vom 4. September 1587 datierten Widmung spricht der Frankfurter Drucker seine Verwunderung darüber aus, daß noch niemand eine zusammenhängende Lebensbeschreibung von dem weit und breit bekannten Doktor Faust verfaßt habe, obgleich sich längst das Bedürfnis nach einer solchen herausgestellt hätte. Trotz vieler Anfragen »bey Gelehrten vnd verständigen Leuten«, ob viel leicht »diese Histori schon allbereit von jemandt beschrieben were«, hat der rührige Verleger »nie nichts erfahren können«, bis ihm endlich durch einen Freund aus Speier der Stoff mitgeteilt wurde, mit dem Ersuchen, ihn zur Warnung aller Christen zu veröffentlichen. Der dienstwillige Herausgeber versichert , weder Mühe noch Kosten gescheut zu haben, um ein »merklich vnnd schrecklich Exempel von des Teufels Neid, Betrug vnd Grausamkeit rc.« zu geben. Die der Dcdikation folgende »Vorred an den Christlichen Leser« warnt vor der Zauberei und Schwarzkünstlerei als der schwersten und größten Sünde gegen Gott und die Menschheit, und schließt mit den charakteristischen Worten: »Damit aber alle Christen, ja alle vcrnünfftige Menschen den Teuffel vnd sein Fürnemcn desto besser kennen, vnnd sich dafür hüten lernen, so habe ich mit Naht etlicher gelehrter vnd verstendiger Leut das schrecklich Exempel D. Johann Fausti, was sein Zauberwerk für ein abscheuwlich End genommen, für die Augen stellen wöllen u. s. w. Das wöllest Du Christlicher *) Schwengberg, Maximilian, das Spieß'sche Fausibuch und seine Quelle. Berlin und Leipzig >885, Verlag von Oskar Parrisius. 68 S. 1 Mk. **) Deutsche Drucke älterer Zeit, in Nachbildungen herausgegeben. II. Das älteste Faustbuch. Berlin 1884. (Siehe Börsenblatt 1885. Nr. 109.) Es ist dieses die erste Wiedergabe des Buches in genauer Nachbildung, dagegen wurde dasselbe früher schon mehrfach wortgetreu abgedruckt. So haben W Braune und F. Zarncke einen genauen Abdruck geliefert in »Neudrucke deutscher Litteratnrwerkc des XVI. u. XVII. Jahrhunderts.« Nr. 7. 8. Halle 1878. Ferner erschien bereits früher »Das älteste Faustbuch. Wortgetreuer Abdruck der sckitio priuesxs des Spieß'schen Faustbuches vom Jahre 1587. Nebst den Varianten des Unicums vom Jahre 1590. Mit Einleitung und Anmerkungen herausgegeben von ör. August Kühne.« Zerbst 1868; doch stimmt dasselbe nicht ganz genau mit dem Original überein. ***) Von dieser ersten Ausgabe sind, soweit bekannt, nur fünf Exemplare erhalten geblieben, und zwar in den Bibliotheken zu Wien, London, Wernigerode und Budapest. Das fünfte, und vermutlich einzige vollständige Exemplar befindet sich in der Leipziger Universitätsbibliothek unter der bekannten Goethe-Sammlung von S. Hirzel Leser zum besten verstehen, vnd Christlich gebrauchen, auch in kurtzem deß Lateinischen Exemplars von mir gewertig sehn.« Die versprochene Ausgabe in lateinischer Sprache scheint aus unbekannten Gründen nicht erschienen zu sein; dagegen erschienen kurze Zeit nach der ersten Herausgabe nicht weniger als vier Nach drucke und in demselben Jahre noch eine Bearbeitung derselben in Versen, von der anscheinend das einzige erhalten gebliebene Exemplar sich in der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen vor findet*) Bereits 1588 erschien die zweite Auflage des Faustbuches bei Spieß, von Wendel Homm gedruckt. Die eigentliche Historia nun, gleich der Vorrede von einem un bekannten Autor geschrieben, giebt in kunstloser Darstellung eine ausführliche Beschreibung von Fausts Leben und Thaten. Im ganzen aus 68 Kapiteln bestehend, die größtenteils mit mehr oder- minder zutreffenden Überschriften versehen sind, gliedert sich das Buch in drei scharf von einander geschiedene Abschnitte oder Hanpt- teile. Der erste Teil, »Historia vonn D. Johann Fausten, deß weit- beschreyten Zauberers, Geburt vnd Ltnäig's«, behandelt Faust als Theologen. Der zweite Hauptteil der Historia, eingeleitet mit den Worten: «Folget nun der ander Theil dieser Historien, von Fausti Abenthewren vnd anderen Fragen«, stellt Faust dar als Erforscher der Natur, und der dritte Abschnitt des Buches, betitelt: »Folgt der dritt vnnd letzte Theil von D. Fausti Abenthcwer, was er mit seiner lstiZronmntig, an Potentaten Höfen gethan vnd gewircket. Letz- lich auch von seinem jämmerlichen erschrecklichen End vnnd Ab- schiedt«, erzählt Fausts Zaubereien an den Höfen, unter Studenten und Bauern und schließlich sehr eingehend seinen Tod. Der Eindruck, den das Buch dem unbefangenen Leser hinter läßt, ist ein wenig erfreulicher. Die nüchterne, geschmacklose Auf fassung, die trockene, prosaische Darstellung, das einseitige, parteiische Urteil haben etwas Abstoßendes. Freilich begegnet man auch Stellen von hoher poetischer Schönheit, aber gerade diese, weit ent fernt, sich als anziehender zu erweisen, wirken auf den Gesamt eindruck nur störend. Die ungeschickten Übergänge, die zwecklosen Wiederholungen, die groben Widersprüche berechtigen zu der An nahme, daß es dem unbekannten Verfasser an der nötigen Ein- und Umsicht gebrach, das ihm vorliegende, jedenfalls sehr reichhaltige Material zu sichten und zu verarbeiten. Die Frage, woher das Material bezogen war, beantwortet der Verleger Spieß ziemlich deutlich mit den Worten der Widmung: »Nach dem nun viel Jar her ein gemeine vnd grosse Sag in Tentsch- landt von Doct. Johannis Fausti, deß weitbeschreyten Zauberers vnnd Schwarzkünstlers mancherley Abenthewren gewesen, vnd allent halben ein grosse Nachfrage nach gedachtes Fausti Historia beh den Gastungen vnnd Gesellschaften geschieht. Deß gleichen auch hin vnd wieder bey etlichen newen Geschichtschreibern dieses Zauberers vnnd seiner Tcnffclischcn Künste vnd erschrecklichen Endes gedacht wird, Hab ich mich verwundert« rc. Die Sage ist also als die Hauptquelle für das Fanstbuch anzusehen, während die bis zum Erscheinen der »Historia« vor handenen litterarischen Berichte über Faust verhältnismäßig geringen Stoff darboten. Es ist also eine Verschmelzung der Be richte über den mythischen und den historischen Faust. Über den geschichtlichen Faust, der früher häufig irrtümlicher Weise mit dem berühmten Buchdrucker Fust intentifiziert wurde; liegen von Zeitgenossen und späteren Zeugen authentische Angaben vor. Diese glaubwürdigen Zeugnisse stellen die Existenz eines historischen Faust außer Zweifel. *) Ein Abdruck dieser Bearbeitung erschien in: I. Scheible. das geistlich und weltlich Kloster. Bd. XI. Stuttgart 1849. Auch der Abdruck in I. Scheibles Kloster, Bd. II. Achte Zelle. (4 Abtlg.) Stuttgart 1846 ist nur die Wiedergabe einer in demselben Jahre er schienenen Bearbeitung.
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