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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 03.02.1886
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1886-02-03
- Erscheinungsdatum
- 03.02.1886
- Sprache
- Deutsch
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- LDP: Zeitungen
- Saxonica
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lässigt, jedoch nur, um sie später, und dann mit um so größerem Eifer wieder aufzunehmen. Das fünfzehnte Jahr hundert kann bereits Männer, wie Wohlgemuth, Pleydenwurf, B. Montagna, Schongauer, den Meister E S., Andr. Man- tegna u. a. aufweisen. Bereits vor Ablauf des fünfzehnten Jahrhunderts, also nach noch nicht 50 Jahren, schließt in der Hauptsache die Periode der Verbreitung durch alle Kulturländer, hiermit auch die eigent liche Zeit der sogenannten Wiegendrucke (Inkunabeln), wenn man auch oft die Grenzen für diese etwas weiter rückt, etwa bis zum Jahre 1520. Auch dieser hochwichtige, für die heutige Praxis vielleicht noch einflußreichere Teil des Museums als der vorhergehende, ist durch die Klemmsche Sammlung so vortrefflich ausgcbaut, daß dem Museum für den Augenblick nur die Aufgabe des Erhaltens bleibt, um dann je nach Gelegenheit das eine oder das andere Schmuckstück hinzuzufügen, dessen Erwerbung ohne Nachteil einer späteren Zeit Vorbehalten bleiben kann. Von dem Reichtum giebt der Klemmsche Katalog Kunde. Das Studium dieser Abteilung ist für jeden Kunstjünger von großer Wichtigkeit, denn er lernt den Übergang zu dem jetzigen Buchwesen gründlich kennen. Auf diese rasche Entwickelungszeit folgt fast unmittelbar Gruppe III. Die Glanzzeit (das sechzehnte Jahrhundert), indem die zeichnende Kunst sich der Typographie in reichem Maße zuwendet und zwar nicht mehr durch die Vermittelung von Kunst handwerkern, sondern getragen von Künstlern ersten Ranges, die besonders Deutschland, speciell dessen Süden angehören. Die selben schaffen zahlreiche Werke, welche später selten erreicht, nie übertroffen wurden und ihren hohen Rang wohl für alle Zeiten behaupten werden. An die deutschen Meister ersten Ranges: Albrecht Dürer und Hans Holbein schließt sich eine Reihe tüchtiger Meister an: Hans Burgkmair, Hans Schäufelein, Hans Baldung Grün, Urse Graf, Virgil Solis, Jost Amman, Peter Flötner, Heinr. Aldegrever, Lucas Cranach der Ältere und noch viele andere, während die Niederlande, Italien und Frankreich nicht Zurückbleiben mit ihren Lucas van Leiden, Hubert nnd Heinr. Goltz, Cesar Vecellio, Marc Antonio-Raimondi und den vielen zum Teil nicht be nannten Künstlern, welche die stark verbreiteten Illvrss ä'bsnrsa illustrierten. Ebenso bildet die Zahl der berühmten Drucker und Druckerfamilien dieser Zeit: die Koberger, Schönsperger, Grüninger, Froben, Oporin, Froschauer, Lotter, Bapst, Lusft, Aldus, Giunta, Bömberg, Verard, Tory, Badius, Morel, Stephanus, Cramoisy, Gryphius, de Tournes, Plantin, Grafton, Day die hohe Aristo kratie des Buchgewerbes, neben denen noch viele andere unge wöhnlich tüchtige Männer wirkten. Da haben wir wohl das Recht, von einer Glanzperiode der graphischen Künste, von einer Periode der Vorbilder für das graphische Schaffen selbst des heutigen Tages zu sprechen. Aus dem oben kurz Erwähnten geht hervor, daß es eine ganz besondere Pflicht der Museumsverwaltung sein wird, diese Abteilung unter Hinzuziehung von bewährten Fachmännern und Kunstverständigen auszubauen. Das Sammeln der Er zeugnisse dieser Periode lag zum Teil außerhalb der Aufgabe, die sich Herr Klemm gestellt hatte; denn es treten in derselben die Künstler auf, nicht nur, um mittelst der Verbindung der Xylographie und des Kupferstiches mit der Typographie zu wirken, sondern zugleich als Schöpfer selbständiger Werke, teils einzelner Blätter, teils ganzer Reihenfolgen. Neben den Büchern auch diese Kunstblätter von teilweise höchsten Preisen zu sammeln, würde die Kräfte des Einzelnen übersteigen und auch der Centralverein wird nicht imstande sein, mit den reich do tierten Kupferstichsammlungen zu konkurrieren. Derselbe wird sich deshalb vorläufig mit den besten Reproduktionen helfen müssen, sei es in Stich, Xylographie oder Photogravüre, resp. bis sie nach und nach durch Originale, welche allerdings in einem Weltmuseum nur zeitweilig fehlen dürfen, ersetzt werden können. Zu übersehen sind in dieser Abteilung nicht die Drucke in Olair obsour, eine Kunstart, die vieles Schöne hervor gebracht und um deren Erfinderehre sich Deutsche und Italiener lange gestritten haben. Eine besondere Art der xylographischen Kunstleistungen dieser Periode, die in mehr facher Beziehung in einem Buchgewerbe-Museum Bedeutung hat, sind die Druckerzeichen, die in möglichster Vollständig keit gesammelt werden müssen. An diese Abteilung wird sich auch am besten die Dar stellung des Druckapparates älterer Zeit anschließen; denn die ganze folgende Periode bis zur Mitte des achtzehnten Jahr hunderts bringt wenige Fortschritte. Leider werden wir kein Museum Plantin aufzuweisen haben, wie es Antwerpen besitzt, doch muß das Museum eine Darstellung der damaligen Arbeitsweise, wenn auch nach einem bescheidenen Maßstab, zu liefern versuchen. Man muß die einfache Holzpresse kennen lernen, den Setzkasten, die Druckerballen, die Schließvorkehrungen, das Gießinstrument u. s. w., um die vortreffliche Arbeit recht zu würdigen und lieb zu gewinnen, die mit einem so primitiven Apparat vollbracht wurde. Ferner muß die Buchbindung und die Papierfabrikation damaliger Zeit in angemessener Weise vor Augen geführt werden. Grupe IV. Der Rückgang (das siebzehnte und achtzehnte Jahrhundert). Leider war diese Periode des höchsten Glanzes nur eine kurze; denn noch geht das sechzehnte Jahrhundert nicht zu Ende und schon zeigen sich bedenkliche Wolken am typographischen Himmel, die sich nach und nach häufen und diesen immer tiefer in Finsternis hüllen. Selbst die Umwälzung, welche die Reformation in dem geistigen Leben der Völker hervorbrachte, zugleich auch die in ihrer Folge entbrennenden Kämpfe übten auf das Druckgewerbe als Kunst einen hemmenden Einfluß. Zwar mußte die zeich nende Kunst beitragen, der Volkslitteratur einen leichteren Weg »bis in die Hütte« zu bahnen, und der große Reformator selbst war ein eifriger Fürsprecher für die Illustration. Aber die weite Verbreitung billiger Schriften war die Hauptsache. Nicht nur Deutschland, sondern fast ausnahmslos alle Länder wurden unter fortwährenden inneren Unruhen und äußeren Kriegen zer fleischt. So entstand eine fast zwei Jahrhunderte dauernde Periode des Rückganges, deren trübe Wolken nur hier und da von Sonnenblicken durchbrochen wurden. Die Typographie tritt während dieser ganz in den Dienst des Buchhandels; die Buchdrucker hören auf Verleger zu sein und werden Lohndrücker, wogegen die Verleger anfangen Buch drucker zu werden, um ihre Bücher billiger Herstellen zu können. Der Zeitungs- und Accidenzdruck nimmt einen bedeutenderen Platz ein, ohne jedoch große Ansprüche an eine künstlerische Ausführung zu machen. Im allgemeinen verschlechtert sich das Äußere der Bücher und das zu diesen verwendete Material. Die Xylographie kommt ganz abhanden. Nur der Kupferstich behauptet sich und nimmt sogar in dem Text des Buches mit
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