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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 07.09.1859
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1859-09-07
- Erscheinungsdatum
- 07.09.1859
- Sprache
- Deutsch
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- Zeitungen
- Saxonica
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»U 111, 7. September. Börsenblatt für den deutschen Buchhandel. 1733 gend schöngeistige Richtung, wie sie bis in den vierziger Jahren die Bildung der größeren Kreise charakterisiere. Jene Schöngeisterei erzeugte in erschreckender Menge überreizte und energielose Naturen, mit denen gegenüber der Alltagsprosa nichts anzufangen war, wäh rend die wachsende Verbreitung der realen Bildungsinteresscn ge sunde, thatkraftige Verstandesmenschen schafft, die uns im Buch handel nicht minder schätzbar sein dürfen, als sie es in jeder andern bürgerlichen Berufsthätigkeit sind. Auf eine Bestimmung der Vereinsbibliothek möchten wir mit besonderem Nachdruck binweisen. Es ist der Einfluß, den sie auf die Ansammlung der Materialien für die Geschichte des Buch handels zu nehmen hat. Hierin kann sie mit der neuorganisirten Börsenvereins-Bibliolhek um so weniger in Eonflict treten, als es sich ja in fast allen Fällen nur um Erwerbung von nicht vereinzelt stehenden Druckschriften handelt. Sodann aber kann es nach der fast unbegreiflichen Vernachlässigung, welche die Materialiensamm lung zur Geschichte des Buchhandels bis zur festeren Gestaltung des Börscnvereins erfahren hat, wahrlich nicht schaden, wenn cs sich gegenwärtig zwei Institute zur ernstlichsten Pflicht setzen, die früh eren Vernachlässigungen gegen die Geschichte unseres Berufs nach Kräften wieder gut zu machen. Abgesehen von den nächsten prak tische» Interessen und dem Einflüsse auf den Gemeingeist, welcher mit der Verfolgung dieses Zweckes mittelbar verbunden ist, fordert zu einer energischen Thätigkeit nach dieser Seite schon in Berücksicht igung allgemeiner Interessen das Wort einer unserer kulturgeschicht lichen Autoritäten auf, das zwar zunächst dem engeren Kreise der Familie gilt, welches aber noch in erhöhtem Maaße auf die Berufs stände Anwendung findet. Riehl sagt nämlich in seinem Werke über die Familie: „Wo keine Pietät für die Urkunden des Hauses ist, da ist auch keine für öffentliche Urkunden. Geschichtslosigkeil in der Familie erzeugt Geschichtslosigkeit in Staat und Gesellschaft " Wie sehr die Aufzeichnungen und vorhandenen Quellen un serer kulturhistorisch so belangreichen Geschichte bis vor wenigen Jahrzehnten vernachlässigt worden sind, ergibt sich nach dem Urtheile von Autoritäten in Erstaunen erregender Weise, und das bei einem Stande, dem man den Vorwurf macht, daß er die Ausbeutung lite rarischer Interessen durch geschäftlichen Eifer häufig überbiete. Ganz gewiß zeigt sich der Mangel der Vorsorge für unsere eignen Geschichtsinteressen nicht sowohl an dem, was wir nicht haben, als an dem, was wir haben. Wir erinnern hier an Christian Schoett- gen's „Historie derer Buchhändler in Alten und Mitlern Zeiten, Nürnberg und Altdorff 1722", welcher der Buchhändler Friedrich Roth-Scholtz als Probe seiner „Historie derer Buchhändler" aus der neueren Zeit eine „Nachricht von der Taubcr'schcn Buchhand lung in Nürnberg und Altdorff" anschloß. Die Matcrialarmuch dieser Schrift ist selbst für die damalige Zeit auffallend. Aber auch die Streit- und Reformschciften Ausgangs des 18- und Anfangs des 19. Jahrhunderts beweise» durch die spärlichen geschichtlichen Notizen, wie es um die Geschichtskunde des Geschäfts stand. In mitten mancher kleineren Versuche brachte zuerst F. Metz seine „Geschichte des Buchhandels und der Buchdruckerkunst" (3 Bücher, Darmstadt 1834 — 1835) zum größeren Abschluß, und auch dieser Versuch gab nicht, was dle damaligen buchhändlerischen Organe da von erwartet hatten. Metz setzte sich ein Ziel, dessen Erreichung über seine Kräfte und über die ibm zu Gebote stehenden Hilfsmittel ging. Ec dehnte den Rahmen seiner Darstellung viel zu sehr aus, um das geben zu können, was der Titel verheißt, und der bei weitem größere Theil seiner Arbeit bleibt sogar den Specialinteresscn des Buchhandels fremd. Erst im letzten Jahrzehnt ist durch die gedie genen Arbeiten von G. Schwel schkc (kollex nundinariu« kormn- nia« lilerowe biseeulsriz) und A. Kirchhofs („Beiträge zur Ge schichte deS deutschen Buchhandels", 2 Bdchn-, und „Die Hand schriftenhändler des Mittelalters") der Boden urbar gemacht worden, auf welchem nun mit größerer Bequemlichkeit fortgebaut werden kann- Der deutsche Buchhandel hat ein Recht, auf diese verdienst vollen Arbeiten zweier seiner Mitglieder mit Stolz zu blicken, und die Tüchtigkeit ihres Strebens und ihrer Leistungen dürfte sobald nicht überboten werden. Wie gesagt, die gründlichen Arbeiten der Neuzeit haben den Boden geebnet, auf dem nun mit größerer Leichtigkeit fortgearbeitet werden kann. Keineswegs sind damit die ernsten Schwierigkeiten sämmtlich überwunden; es ist nur der Anfang gemacht, und es hat ! noch Vieles, namentlich auch für die Neuzeit, zu geschehen. Nach dem einmal A gesagt ist, darf man nicht zaudern, das B nachzu sprechen. Und vor allen Dingen möge es inimer klarer zur Erkcnntniß gelangen: der Buchhandel darf sich in dieser Angelegenheit auf Niemanden anders verlassen, als auf sich selbst, die Geschicht schreibung des Buchhandels kann nur aus dem Buch handel selbst hervorgehen. Möglich, daß einmal der Wunsch des Hrn. vr. Heinrich Künzel in der Vorrede zu Metz's Hinterlas senschaft nach einer klassischen Geschichte des Buchhandels durch einen tüchtigen Historiker in Erfüllung gehl; aber der tüchtige Historiker müßte nach Künzel's eigner Forderung gründliche Kennt nisse des Buchhandels sammeln, d. h. vorher selber zum Buchhändler werden, und das scheint uns die umgekehrte Methode. Eher wird ein Buchhändler zum Gelehrten, als ein Gelehrter zum Buchhändler, wofür der künftige Historiker Thatsachen genug aus der Geschichte Nachweisen kann. Finder die Richtigkeit unserer Behauptung in den Berufskreisen Anerkennung, so ist eS um so mehr an der Zeit, die Ansammlung der Literatur des Buchhandels nicht bloß dem Zufall zu überlassen, daß sich die nölhigc Privataufopferung dafür findet, sondern durch geeignete öffentliche Sammelpunkte Lust und Liebe zur Beschäftigung mit derselben besonders in den jüngeren buch- händlerischen Kreisen anzurcgen. Wer in aller Welt, der nicht ge rade in Leipzig wohnt, soll Geschmack an diesen Studien finden, . wenn er sich das nöthige Material erst für theures Geld und mir saurer Mühe aus allen Ecken von Deutschland zusammensuchen muß ? Deßhalb sind wir auch der Ansicht, daß die spätere Benutzung dieses Theils der Bibliothek nicht an die Bedingung des Leipziger Aufenthalts geknüpft, sondern nach Art anderer Bibliotheken das Fachstudium durch leihweise Uebersendung gegen die nölhigen Sicher- ungsvorkehrungen nach Möglichkeit erleichtert werden sollte*). Möge somit dieser Theil der Bibliothek »eben den übrigen Interessen derselben der Unterstützung des Gcsammtbuchhandels auch ferner aus das angelegentlichste empfohlen sein. Alles was zur Lite ratur und vornehmlich zur Geschichte des Buchhandels gehört, möge es nun biographisches Material über irgend eine hervorstechende Persönlichkeit sein, oder zur Rechts-, Verfassungs- und Sittenge schichte gehören, wird, und wen» es nur ein einfaches, hierauf be zügliches Circular ist, dankbarlich cntgegengenommen werden. Dabei ist es selbstverständlich, daß der Börsenvereins - Bibliothek stets der Vorzug gebübrt, wo es sich voraussichtlich um ein einzeln stehendes Quellenstück handelt. Die Bibliothek des Gehilfenvcreins kann keine Zersplitterung der öffentlichen Materialiensammlung beab sichtigen, sondern nur eine wirksame Unterstützung dieses wichtigen Zweckes, und sowie sie zunächst darauf ausgeht, das Interesse für Diese Bestimmung ist nachträglich in der Generalversammlung vom l. Scptbr. d. I. in, Bibliotheks-Reglement durch einen besonder» Paragraphen vorgesehen worden In der nämlichen Generalversamm lung wurde beschlossen, den gesammten Inhalt der Bibliothek jedem in Leipzig verweilenden Buchhändler, ob Principal, Gehilfe oder Lehrling, ohne irqend eine Verpflichtung gegen den Verein zur statu tenmäßigen Benutzung frei zu aestatten. Die Eröffnung der Bibliothek findet Mitte September statt.
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