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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 05.09.1859
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1859-09-05
- Erscheinungsdatum
- 05.09.1859
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
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M NO, 5. September. Börsenblatt für den deutschen Buchhandel. 1717 lcgcrvcrcine haben aber inzwischen principmäßig ihre Schuldigkeit gcthan und dem Sortimenter ist nicht mehr zu helfen; man wird sich in die besux ev-Ne« thcilen und Niemandem ist geholfen. Jeder klar sehende, rechtlich und kaufmännisch blickende Ge schäftsmann wird langst mit sich darüber einig sein, daß die Vcrle- gervcrcine nicht nur nicht auf dem richtigen Wege sind, sondern auch, daß sic das gerade Gcgentheil leisten von dem, was sie sollten und könnten, ja für den ganzen Sortimentshandel gefahrdrohend sind. Alles Bestehende hat seine Berechtigung und faule Zustande werden schon von selbst ohne revolutionäres Umstürzen und Rütteln in Verfall gcralhcn und stürzen, aber man soll nicht rücksichtslos schwache Existenzen, welche noch zu Kräften kommen könnten, ohne gewissenhaftes Prüfen auf beiden Seiten, ohne alle Verantwortung des Proscribirtcn zum Ruin verurthcilen. Das straft sich doch ein mal sehr bitter. Dies Alles gilt im Allgemeinen schon für normale Zustände, aber doppelt für die traurigen, sterilen Zcitvcrhaltnisse, die nun schon seit einigen Jahren auf dem Buchhandel so schwer lasten, ob Krieg, ob Frieden. Mögen bald weitere Stimmen, Gott gebe cs!, in gerechtem, humanem Sinne sich hören lassen, um den betreffenden Vereinen den rechten Weg zur Anbahnung des Bessern zu zeigen; wir un sererseits haben nur die Anregung geben wollen. Bleiben wird und kann es ohnedies nicht also. Zur Reformfrage. In Nr. 98. des Börsenbl. schlägt Hr. Mercy in Prag ver änderte Geschäftsgcbräuche im Buchhandel vor. So gut sie auch gemeint sind, so wenig ausführbar würden sie sein, weil die Sorti menter nur gewohnt sind, festbestelltc Artikel in fester Rechnung vom Verleger zu verschreiben, und dies können in der Regel nur schon bekannte, also ältere Bücher sein. Mit Nova wird kein Sor timenter solches Risico cingchen wollen. Und festbestelltc Artikel ohne Ausnahme mit 40 Pcoc. Rabatt absciten der Verleger zu be rechnen, ist bei vielen erschwerenden Eontractsstipulationen und den erhöhten Papierprcisen nicht möglich. Bei vielen gangbaren Büchern gellen jetzt Baarprcise mit er höhtem Rabatt, und wenn der Sortimenter diese benutzt, so hat er Gelegenheit, seinen Gewinn zu vermehren. Bei Ncltoariikcln könnte eine Erhöhung im Preise statksinden. So wurde vor etwa 30 Jahren am Rhein der Thalcr mit 2 Gulden berechnet; auch in andern Orten, z. B. Hamburg, war dies gebräuchlich. Besser wäre noch, den Rabatt für das Publicum aufzuhcben; aber die Rechnung mit zweierlei Zahlziclen zu führen, würde nur größere Verwirrung herbeiführen, denn oftmals macht die jetzige Rechnungsweise schon Arbeit genug, bis man in Ordnung konimt. Was soll erst werden, wenn zweierlei Eonti in Gebrauch kämen. Der Himmel bewahre uns davor! Dem Buchhandel geht es nach, daß er aus dem Stand der Gelehrten hervorging, und für kaufmännische Begriffe ist er im Allgemeinen schwer zugänglich. Ein Wort zur rechten Zeit und von größerer Bedeutung sprach in derselben Nr. des Börsenbl. ei» Ungenannter über das Zuviel- drucken, hier ward der Nagel auf den Kopf getroffen. Wie prak tisch und wahr sind diese Lehren, möchten sie nur auch befolgt werden. Sic erinnern an den Geschäftsbetrieb des Fürsten der Buchhändler, an die Eotta'schc Buchhandlung in Stuttgart. Wie wenig Nagel neues bringt diese Handlung. Sie beherrscht zunächst das Reich der Poesie, hat in diesem Fach die Elassikcr Deutschlands und bringt sonst nicht viel Nova. Gewiß die rechte Maxime. Wer viel bringt, bringt natürlich auch geborene Maculatur. So erfreulich die Wahrnehmung im Buchhandel ist, daß die Ehre mit die Triebfeder zu gewissen Vcrlagserwerbungen ist, und dieser Act ehrgeiziger Wissenschaftsliebc meistens Verlust bringt, so sollte, wenn der Verlag einmal solchen Schaum hat, den die Gelehrsam keit anstaunt, der aber einen leeren Geldbeutel verursacht, diese Lust ihre Endschafl damit erreicht haben, und fernere derartige Opfer im Dienste strenger Wissenschaft andern College» oder noch besser wis senschaftlichen Vereinen und dem Staat überlassen bleiben. Es ist wirklich nicht genug anerkannt, welche Verdienste sich der deutsche Buchhandel um diejenige Literatur, die einen so kleinen Leserkreis har, erwarb, Verdienste, die ihm schlecht belohnt werden, wenn er irgend freisinnige, unliebsame Schriften bringt. Seit 30 Jahren hat in den meisten deutschen Staaten unter dem Bürger- und Bauernstand die allgemeine Literatur größere Verbreitung gefunden, und durch den Absatz, den manche Schriften gefunden (Hr. Earl Hoffmann in Stuttgart hat als verständiger, denkender und auch glücklicher Verleger darin Ausgezeichnetes ge bracht), entstand bald eine sogenannte Fakirliteratur, die Nachahmer genug erzeugte und das Publicum übersättigte, so daß Maculatur- bcrge in alpcnarliger Gestalt sich bildeten, die dem Buchhandel große Nachtheile brachten. Das Publicum bekam für vieles Geld Bücher, die ihm bald verleidet waren und beiseite gelegt wurden, und worüber es ärgerlich und abgeschreckt wurde- Die Literatur kann nur langsam reifen, und darf in ihrer Production nicht forcirt werden, abgesehkn von der Beschränktheit der Nachfrage, die Hand in Hand geht mit dem Bildungszustand; sic soll darum nicht als bloßer Erwerb feiler Schriftsteller betrieben werden, wodurch sie nutzlos und für den Buchhandel verlustbringend wird. Der Verleger muß mehr Rücksicht auf die Zahl der wirklichen Käufer nehmen und sich nicht noch ein Heer eingebildeter dazu denken, und diese Vorsicht wird seine Spcculationswuth einschränken und ihn vor Schaden bewahren. Die Sortimenter hingegen sollten häufiger ihr Augenmerk auf Bücher lenken, die nicht gerade das Jahr, worin man lebt, auf dem Titel haben. Der verständige Theil des Publicums will nur gute Bücher kaufen, und die allerneuesten sind nicht immer die besten. Miscellcii. Die immer mehr in den Buchhandel eingreifende Thätigkeit des Borromäus-Vcrcin s fängt nachgerade an bedenklich zu werden. Es gibt Bezirke, in denen fast sammtlichc katholischen Geistliche ihren Bedarf aus jenem Vereine beziehen. Der gegen wärtige prcuß. Minister des Innern würde an ihn gerichteten Bit ten um Schutz gewiß geneigtes Gehör schenken, wie derselbe ja auch in Angelegenheiten des Kalendcrdcbits des „Veteran" Abhilfe ge troffen. A» die buchhändlcrischen Vereine ergeht daher die dringende Mahnung, hierauf ihr Augenmerk zu richten; jeder Sorliments- buchhandler wird sich einer Petition gewiß gern anschließen. §. Notiz für Sortimenter.— In dem soeben erschienenen 5. Thcilc der Schrift: „Der Buchhandel vom Jahre 1815 bis zum Jahre 1859" steht ein Aufsatz: „Jetziger Verdienst beim Buchhandel", den wir jedem Sortimenter zum Lesen und zur Beherzigung empfehlen; im übrige» fehlt darin noch manches, was gut und nützlich zu sagen wäre. ^—2. Victor Hugo's großes Werk „lls I öKemIo des Sieoles" soll im ersten Drittel Septembers bei Michel Levy in Paris herauskom men. Es soll sein eigentliches Meisterwerk sein und das ganze lite rarische Frankreich „steht erwartungsvoll auf den Fußzehen". (Allg. Ztg.) Zwischen den Regierungen von Belgien und Spanien ist am 30. April ein Vertrag zum Schutzc des literarisch artistisch en E ig e n th ums abgeschlossen worden.
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