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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 08.04.1916
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- 1916-04-08
- Erscheinungsdatum
- 08.04.1916
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So ist denn im großen und ganzen der alte Schlegel- Tieck, namentlich in den Dramen, die Schlegel selbst übersetz! hat, bis heute unangetastet geblieben. In einer Fülle von Ausgaben, jedem Geldbeutel und jedem Geschmack Rechnung tragend, biete! er sich dem Käufer dar. Nur die Dramen enthält die Sammlung, die W. Oechelhäuser im Aufträge der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft in einem Bande, den alten Text vorsichtig bewahrend, veranstaltet hat (Stuttgart und Leipzig: Deutsche Verlags-Anstalt). Sie ist die billigste. Wenig teurer und in ihrer Art jede empfehlenswert sind die Ausgaben bei Reclam (Helios-Klassiker), Hesse (Neue Leip ziger Klassiker-Ausgaben), Bong (Goldene Klassiker-Bibliothek). In der Reclamschen, die L. Weber 1912 in vier handlichen Bänden von zusammen über 3000 Seiten herausgegeben hat, werden nur offenbare Fehler der Übersetzung verbessert. Eine kurze biographische Einleitung und allerlei nützliche Beigaben sind hinzugesügt. Ähnlich ist die Ausgabe von Hesse, die Max Mendheim besorgt hat. In den Händen eines zünftigen Vertreters der englischen Philologie (Wolfgang Kellers) lag die Sorge für Shakespeares Werke der Goldenen Klassiker-Bibliothek, die auch die Ansprüche des wissen schaftlich Weiterstrebenden befriedigt. Wer den eigent lichen Shakespeare-Problemen nachgehen will, sei auf die Ausgabe hingewiesen, die der Berliner Vertreter des Englischen an der Universität, Alois Brandl, im Verlage des Leipziger Bibliographischen Instituts herausgegeben hat. Eine längst geplante neue Auflage hat der Krieg verzögert. — In dem Streit um die Revision des Schlegel-Ticck hat am eifrigsten Hermann Conrad Partei ergriffen. So ist er auch in seiner fünsbändigen Ausgabe (Stuttgart und Leipzig, Deutsche Verlags-Anstalt, 1805) in der Umgestaltung des Textes am weitesten gegangen und hat seine Bemühungen um die Auf- stöberung der Original-Manuskripte der Übersetzung glücklich bis heute fortgesetzt. Gewissermaßen als eine völlige Neu schöpfung, mehr im sprachlichen als im philologischen Sinne, stellt sich die auch buchkünstlerisch anspruchsvolle und kost- spieligere Ausgabe dar, die der obengenannte Friedrich Gundolf bei Bondt in Berlin erscheinen läßt. Von den geplanten zwölf schönen Bänden liegen neun bereits vor. Kein um Shakespeare ernstlich Bemühter wird an dieser aus dem Geiste einer neuen Generation geborenen Schöpfung vorübergehen dürfen. Nicht alles ist völlig neu übersetzt, aber das Ganze ist getaucht in den eigenen Zauber einer von Stefan George und seinem Kreis deutlich beeinflußten Sprach kunst. Ob freilich diese neue Übertragung den alten Text verdrängen wird, ist fraglich, vor allem die Bühne, die lebendigste Werberin für den Dichter, wird sich ihr nur schwer erschließen. Sie hat sich auch in der neu einsctzenden szenischen Eroberung Shakespeares, die an Max Reinhardt in Berlin anknüpft, der gewohnten Übertragung Schlegel- Tiecks bedient. Wer diesen Ausführungen nicht beiwohnen konnte und doch ein Bild von ihnen haben möchte, sei auf die »Illustrierten Klassiker des Deutschen Theaters nach Inszenierungen von Max Reinhardt« (Berlin, Borngräbcr, bzw. Felix Lehmann) aufmerksam gemacht, die neben dem tatsächlich zu gründe gelegten Text mit seinen dramaturgischen Änderungen eine Reihe von Szenenbildern geben. — Den Sonetten Shakespeares hat der besondere Eifer unserer Übersetzer gegolten. Schon vor fast einem Jahr hundert hat der große Meister klassischer und deutscher Philo logie, Karl Lachmann, sie übertragen. Kleine und Große folgten. Nach Badenstedt und Gtldemeister haben Stefan George und Ludwig Fulda (mit einer wissenschaftlichen Interpretation Brandts) sie der Gegenwart neu vermittelt. So ist Shakespeare uns in deutschem Gewände völlig zu eigen geworden. Und doch wird jeder, der tiefer schürfen will, ihn gern in seiner Urgestalt kennen lernen. Aber nicht jeder wird genügende Kenntnis des Englischen besitzen, um ihn ohne Führer wirklich genießen zu können. Da bietet die zweisprachige Ausgabe der «Tempel-Klassiker« (bisher fünf Bände: Hamlet, Romeo, Sommernachtstraum, Winter märchen, Othello. Leipzig, Tempel-Verlag, 1912 ff.) will- 41» kommene Hilfe, zumal die Sprache Shakespeares immerhin erheblich von der des heutigen Engländers abwcicht. Eine gute, preiswerte Ausgabe des englischen Textes in einem Bande, über dreitausend Seiten auf dünnem Papier ent haltend, ist gerade jetzt neu hcrausgkkommen: 81mlrospear«'s cowplete rvorlrs iu«one volume 1'roiu tke tsxt ok td« Rev. Alexander Vz-ev's 2»>1 L>1. Leipzig, Tauchnitz, 1916. — Für den Studierenden, der sachliche Auskunft sucht, ist die Aus gabe mit deutschen Anmerkungen, die Nikolaus Delius in sieben Bänden (Elberfeld 1854—60) besorgt hat, noch immer unentbehrlich. — Für ein wissenschaftliches Studium des Dichters sind vor allem zwei Werke zu nennen: W. Franz, Shakespeare- Grammatik. 2. Ausl. Heidelberg, Winter, 1909 und Lturkespeare- ftexievu. ,1 eowplets üivtiouarx ok all tbk Lnglisk rvorüs, pdrasos an6 eonstruotivns in tbe rvorks ok tbo pvvt bv ^lexanüor Lobrniüt. 3. 8Ü. dz- 6. Larraein. 2 Bände. Berlin, Georg Reimer, 1902. — Die Kunst des Biographen hat sich naturgemäß eifrig um Shakespeare bemüht. Eine knappe, wohlfeile Dar stellung gibt E. Step er, der jüngst verstorbene Münchener Professor, in der Sammlung »Aus Natur und Geisteswelt«: Shakespeare und seine Zeit. 2. Ausl. Leipzig, Teubner, 1913. Den Jünger der Wissenschaft wird die sichere Hand Alois Brandls (in der Sammlung: «Geisteshelden« Bd. 8. Berlin, E. Hofmann L Co. 2. Aufl. 1915) am besten zu den eigent lichen Shakespeare-Problemen heranführen. Mi! Recht viel Verbreitung gefunden hat die Arbeit von M. I. Wolfs: Shakespeare. Der Dichter und sein Werk. In 2 Bänden. 3. Ausl. München, Beck, 1913. Sie darf als das Hauptwerk für den weiten Kreis der Gebildeten bezeichnet werden. Schwerer lesbar und mehr Widerspruch im einzelnen heraus fordernd ist das umfangreiche Buch (über IVO» Seiten!) des Dänen Georg Brandes. Paris usw., Langen, 1895—96. Keine eigentliche Biographie stellt der kleine Band dar, den Max Koch als (einzeln käufliches) Supplement zu der Ausgabe der Werke in der Cottaschen «Bibliothek der Weltliteratur« beigesteuert hat. Das Buch ist der Niederschlag der Münchener Vorlesungen des seinen Shakespearekenners Michael Bernays und bietet, neben einer eigenartigen Beleuchtung der Haupt punkte von Shakespeares Art und Kunst, eine Fülle von sonst schwer zugänglichem Material. Schließlich seien die »Shake speare-Vorträge« von Fr. Th. Bischer (Stuttgart, Cotta. 1899—1905) warm empfohlen. In sechs Bänden geben sie eine geistvolle, völlig selbständige, wenn auch eigenwillige Interpretation der Hauptwerke. Shakespeares Gedankenwelt suchen auszuschöpfen H. Sieg fried in seinem Shakespeare-Brevier. Berlin, Schuster L Loeffler, 1905, und N. Presber in dem Büchlein »Also sprach Shakespeare«. Berlin, Concordta, 1906. Wen es lockt, die Shakespeare-Forschung bei der Arbeit kennen zu lernen, sei auf das »Jahrbuch der Deutschen Shake speare-Gesellschaft« hingewiesen, das seit einem halben Jahr hundert den literarischen Mittelpunkt der Verehrung des Dich ters in Deutschland bildet. Die Erwerbung der Mitgliedschaft (Präsident der Gesellschaft ist Geh. Regierungsrat Prof. Brandl, Berlin) gewährt neben anderen Vorteilen den freien Bezug des Jahrbuchs. Aus dieser knappen Übersicht schon dürste deutlich hervor gehen, wie gut für den englischen Dichter in Deutschland ge sorgt ist. Was Shakespeare den Deutschen gegeben hat, ist ihm durch Liebe und Pflege reich vergolten worden. So findet der Freund Shakespeares eigentlich alles, was er braucht, in Deutschland selbst. Wer selbständig forschend und sam melnd in des Dichters Art und Kunst eindringen will, wird freilich die in England selbst erschienene Literatur nicht ver nachlässigen dürfen. Wie gewaltig die Büchermassen in eng lischer Sprache sich gehäuft haben, mag daraus erhellen, daß 1911 ein noch dazu lückenhaftes Verzeichnis dieser Literatur von Jaggard auf über 700 stattlichen Seiten erschien! Hier sei nur einiges Wenige hervorgehoben. Von Ausgaben der Werke seien angemerkt: Oiobe eciition. 86. b/ 6Iark onü kivver. 9 Bände. Cambridge u. London 1863 — 66. 1'ks
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