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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 03.08.1859
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1859-08-03
- Erscheinungsdatum
- 03.08.1859
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1518 Börsenblatt für den deutschen Buchhandel. »U 96, 3. August. Alcrandcr v. Humboldt's Verfügungen über die Beschreibung seiner Acisc in die Gropen-Vcgcndcn sui.-i.s Neuen Kontinents. Alexander v, Humboldt hat ein ruhmreiches, ganz ungewöhnlich langes Leben im Besitz einer Geisteskraft und in einer unausgesetzten Lhätig- kcir beschlossen, die un das Wunderbare grenzen. Jedermann weiß im Allgemeinen, und hat seit dem Tode des großen Mannes aus mancherlei Nachrichten noch näher erfahren, wie vielseitig lhätig der fast Neunzigjährige bis zu seinem Ende gewesen. Wir können dieses merkwürdige Bild eines fast beispiellos kräftigen und thätigen Uralters. wie Humboldt selbst es nennt, um einen Zug vermehren. Die in den Jahren 1799—1801 in Gesell schaft von Bonpland unternommene Reise in das tropische Amerika hat Humboldt's Ruhm frühe begründet. Mit den überschwänglich reichen Ergebnissen derselben beginnt für zahlreiche Zweige der Raturforschung recht eigentlich eine neue Epo che. Das Reisewerk, in dem er seine in der neuen Welt gesammelten Beobachtungen niedcrzulegcn gedachte, war aber in so großartigem Maaßstab angelegt, daß es nur unter den glücklichsten äußeren Umständen vollendet werden konnte. Diese Gunst der Verhältnisse hat demselben ge fehlt, und mehrere Abtheilungen des großen Werkes konnten nicht zu Ende geführt werden. Das erstaunliche astronomische, hydrographische, geo graphische, meteorologische, geologische, ethno graphische, zoologische, botanische Material, das im Weck selbst nicht mehr hatte an die Reihe kommen können, ist nun allerdings auf andern Wege» in die Wissenschaft übergegangen, und so besteht der Hauptverlust, der mehr die gebild ete Welt im Allgemeinen, als die Wissenschaft selbst betrifft, darin, daß auch derjenige Theil, der die eigentliche Rcisebcschreibung geben sollte, die Uelativn bistorique, Bruchstück geblieben ist. Diese Rcisebcschreibung erschien vom Jahr 1811 an in drei Quartbänden in französischer Sprache Die Umstände, unter denen Humboldt dieselbe in Paris ausarbcitete, machen es be greiflich, daß ec dazu die Sprache wählte, welche in neuerer Zeit als Organ des wissenschaftlichen wie des diplomatischen Verkehrs in gewissem Grad an die Stelle der lateinischen getreten ist. Dieses vortreffliche Luch kann mir Recht eines der schönsten Denkmale des deutschen Geistes heißen, und jeder Deutsche, der dasselbe kennt und zu schätzen weiß, muß sich wundern, daß es nicht längst in einer seiner würdigen Weise der deutschen Literatur einverleibc worden ist, der es trotz seines fremden Gewandes seinem innersten Grunde nach angehdrt. Dieser auffal lende Umstand erklärt sich aber aus dem wid rigen Schicksal, welches das Buch erfahren. In den Jahren 18lä bis >829 erschien, ohne Hum boldt's Dazuthun, eine vollständige deutsche Uebcrsetzung jener drei Bände der Usiarion Ki- »rorique in sschs Bänden. Dieselbe ist aber in svrachlichcr und materieller Beziehung in einem, selbst i» dem um die Form leider allzuwenig bekümmerten Deutschland seltenen Grade mang elhaft, und dadurch völlig unbrauchbar. Hum boldt fühlte sich dadurch in hohem Grade ab- gestoßcn; er mochte, wie er selbst schreibt, dieses Buch niemals auch nur in die Hand nehmen, und es konnte nicht dazu beitragen, ihn mit der deutschen Gestalt seines schönen Werkes auszu- sdhnen, daß seitdem verschiedene deutsche Aus züge und Umarbeitungen der Rcisebcschreibung ers.bicnen sind, die bequemerweise nur jene Ueber- sctzung zu Grunde legten, und aus ihr zahllose Sprachsünden. Mißverständnisse und Jrrthümer herübernahmcn. So sehen wir aus einer sehr mangelhaften Uebcrsetzung andere Bücher abge leitet, welche dem Werk den Hauptwerth und den vornehmsten Reiz rauben, indem sie die Form ganz zerstören, und eben damit auch die wahrhaft künstlerische Anordnung desselben kaum noch in Spuren erkennen lassen. Humboldt's Reiscbeschreibung und ein poetisches Werk, nicht zu übertragen, sondern auszuzichen und umzu- acbeiten, ist ungefähr gleich verständig. Das Buch ist ein der höheren Literatur angehöriges Werk, ein eigentliches Kunstwerk. Die eigcn- thümliche Schönheit und die Hauptwirkung des selben besteht eben im glücklichen Verhältniß zwischen der Form und dem wissenschaftlichen Gehalt, darin, daß die äußeren Erlebnisse mit den Zwecken und Beobachtungen des Reisenden, die selbstständigen Gedanken des Forschers niit den Gedanken der Natur, die er crräth und deutet, die reizendsten Schilderungen des Ant litzes der Natur mit den tiefsten Blicken in ihr innerstes Leben so kunstvoll verknüpft sind. Wir setzen eine Stelle aus einem Schreiben her, das bei Gelegenheit der Verhandlungen über eine deutsche Ausgabe der Reise an Humboldt ge richtet wurde. ,,Nach unserer Ueberzcugung ist in diesem Werk ein allgemein zugängliches Buch enthalten, dem in unserer Zeit, die auf Diffusion des Na- turwiffens durch den Körper der Gesellschaft ausgcht, an bildender Kraft kaum etwas gleich käme. Die Zeiten sind vorbei, wo ganze, bis her unbekannte Stücke Natur dem Se.fahrer in die Hände fielen, avo ganze Idyllen, wie Otaheire, entdeckt wurden, wo der Reisende nur zu erzählen brauchte, was er gesehen, um die Wißbegiecde zu vergnügen und die Einbildungs kraft zu entzünden. Von der Breite der Natur hat sich der Geist der Tiefe zugewendet, und da die unwissenschaftliche Neugier der immer mehr ins Detail dringenden Forschung nicht folgen kann, so begreift sich, daß heutige Reisebeschreib- ungcn nicht den Reiz haben und den Einfluß üben können, wie früher, wenn es der Reisebe- schrcibcr nicht versteht, durch das zu wirken, was in den jetzigen Geistern an die Stelle der brennenden Neugier nach neuen Naturprodukten, nach neuen Ländern und Völkern getreten iss. Seit es keine Naturwunder im früheren Sinne mehr gibt, sind es vor Allem die Gedanken der Nacuc in ihren Bildungen, die Gesetze in ihren Bewegungen, was die productiven und die rc- ccptivcn Kräfte, die Forscher und die Dilettan ten, die das Wort Suchenden und die an das Wort Glaubenden beschäftigt. Alerander v. Humboldt ist einer der ersten, nach Rang und Zeit, welche die Naturwissenschaft in die so fruchtbare Laufbahn gewiesen haben, die sie seit einigen Mcnschenaltern verfolgt. Und neben so Vielem und Großeni hat er auch ein Reisewcrk geschaffen, wie es recht eigentlich dem Wesen und Bedürfniß der heutigen Cultuc entspricht. Es gewährt einerseits wahren Kunstgenuß durch die trefflichen Schilderungen einer gewaltigen Natur und der Menschheit in einem ihrer merk würdigsten Bruchstücke; andererseits fesselt und befreit es zugleich den Geist durch Ideen. Währ end der Leser auch im gemeinen Sinn Neues in Menge erfährt, während es keineswegs an den kleinen und großen Vorfällen fehlt, welche die Einbildungskraft beschäftigen und die Neugier reizen, sieht ec fass bei jedem Schritt einen jener umfassenden Gedanken, von welchen die heutige Wissenschaft beherrscht wird, entstehen oder sich bestätigen, und er lernt an hundert lebendigen Beispielen, wie die wahre Naturwis senschaft zu Stande kommt. Wir wüßten nichts, was anregender und bildender wäre. Für den „xeneral rescksr" ist das Buch, wie es vorliegt, nicht bestimmt; es ließe sich ihm aber sehr leicht zugänglich machen, und müßte dann als treff liches Bildungsmiltel in den weitesten Kreisen wirken." Der Erfolg hat gezeigt, daß Humboldt diese Ansichten billigte. Schon vor Jahren be schäftigte ihn der Gedanke, dieses sein Buch, auf das er neben dem Lssai sur I'ecst poiiti- qus cie la lXvuvkIie lüspLgne selbst sehr viel hielt, endlich in einer deutschen Ausgabe unter seinen Auspicien erscheinen zu lassen. Als aber die Sache zur Sprache kam, hatte er, fast ein Achtziger, bereits das große Unternehmen des Kosmos begonnen, und so verstand.cs sich von selbst, daß er die Uebertragung fremden Händen überlassen mußte, und nur versprechen konnte, durch Berichtigungen und Zusätze sich eifrig daran zu bctheiligcn. Man verständigte sich über die Redaktion des Werkes, das in der ' deutschen Gestalt allen Gebildeten unseres Vol kes zugänglich sein sollte, und man überzeugte sich, daß cs hiezu nur der Ausscheidung der streng wissenschaftlichen Ercurse bedürfe, die ja der gelehrten Welt im Original zu Gebote stehen, während es sich von selbst verstand, daß sonst die Substanz des Tcrles erhalten blieb. Es war allerdings kaum zu hoffen, daß Hum boldt die Vollendung erlebe; indessen war zu Anfang dieses Jahres Alles zur Publikation vorbereitet. Der ihm vor Jahren schon vor- gelcgte Plan war längst gutgehcißen, das Ma nuskript ausgearbeitet, und er hatte, nachdem ihm ein Theil desselben gedruckt vorgelegt wor den war, sofort auch die Vorrede geschrieben, die eine seiner letzten Arbeiten, vielleicht die letzte war, so daß er mit einer lebhaften Er innerung an die ersten schönen Zeiten seiner außerordentlichen Laufbahn aus dem Leben schied. Ob sich in seinem Nachlaß noch weitere Bereicherungen der Ausgabe finden, steht dahin, ist aber bei seiner erstaunlichen Lhätigkeit nicht unwahrscheinlich. Wir beschließen diese Nachricht mit der Mittheilung der erwähnten Vorrede von Hum boldt's Hand. Vorwort von Alexander v. Humboldt zu der deutschen Ausgabe seiner Reise in die Aequinoctial- (Hegenden des Ucucn Lontincnts vom Jahr 1859. Einem wissenschaftlichen Reisenden kann cs wohl nicht verargt werden, wenn er eine vollständige Uebcrsetzung seiner Arbeiten jeder auch noch so geschmackvollen Abkürzung dersel ben vorzieht. Bouguer's und La Condamine's mehr als hundertjährige Quartbände werden noch heute mit großer Theilnahme gelesen; und da jeder Reisende gewissermaßen den Zu stand der Wissenschaften seiner Zeit, oder viel mehr die Gesichtspunkte darstellt, welche von dem Zustande des Wissens seiner Zeit abhangen, so ist das wissenschaftliche Interesse um so le bendiger. als die Epoche der Darstellung der Jetz zeit näher liegt. Damit aber die lebendige Darstellung des Geschehenen weniger unterbro-
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