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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 05.01.1870
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- 1870-01-05
- Erscheinungsdatum
- 05.01.1870
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3, 5. Januar. 31 Nichtamtlicher Theil. „Cräm and Gewölber" sind allem Verinuthen nach keine eigentlichen Factoreien gewesen, sondern haben theilweise nur vorübergehend den umhcrziehenden Dienern der Koburger, die nebenbei auch zum Auf suchen von Handschriften und seltenen Büchern benutzt wurden, zum Ausbreiten ihrer Vorräthe gebient, welche letztere dann wohl durch Placatc, wie sich deren eines erhalten hat, dem Publicum verkündigt und angepriesen wurden. Bei einer derartigen, allerdings durch die Zeitverhältnisse nothwendig bedingten Einrichtung des umfänglichen Koburger'schen Geschäftes mußte freilich die Controle darüber von Nürnberg als dem Centrum aus eine ziemlich schwierige sein; allein gerade über diesen Punkt berichtet Neudörffer von dem älteren An- thoni: „Dieses seines großen Handels Verwaltung hielt er in einem einigen Buch, das war dermaßen mit seinem Debito und Credito so künstlich getheilet und geordnet, daß er jederzeit, und sonderlich in Einkäufen der Meß, wüste was ihm an andern Orthen abging, oder welcher Bücher er zu viel hat, dieselbe an andere gelegene Orte wie der senden kunte; welche Buchhalters Ordnung noch vielen großen Buchführcrn dieser Zeit nicht offenbaret ist." In ein wesentlich anderes Stadium trat der Vertrieb mit der regelmäßigen Benutzung des Frankfurter Meßverkehres. Die Be merkung Ncudörffer's von „Einkäufen der Meß", welche der ältere Anthoni gemacht habe, berechtigt Wohl noch nicht dazu/ schon an einen geregelten Meßverkehr Anthoni's zu denken. Erst der zweiten Generation der Koburger fällt die eigentliche Zeit des Meßverkehres zu; mit Johannes beginnt der Besuch der Frankfurter Messe, deren Organisation im Maßstabe eines Weltmarktes für den Buchhandel mit dem Schlüsse des ersten Viertels des sechszehnten Jahrhunderts vollendet war, eine dauernde Gewohnheit der Koburger zu werden. Es ist indessen keineswegs anzunehmen, daß der Buchhändler mit der Einrichtung der Büchermesse sich nun darauf beschränkt habe, zwei mal jährlich mit Schätzen sich zu beladen und diese nach und nach abzusetzen. Das „Webern" — ein Ausdruck, durch den man das händlerische Hin - und Hcrstrcichen, das Hausiren damals bezeichnet«: — wurde durch die Messe nichts weniger als beseitigt, sondern kam vielmehr mit dem beginnenden Wogen der Reformationsinteressen, mit der raschen Entfaltung einer dadurch hervorgerufenen Literatur nebenbei in vollen Schwung. Hatte dies nun auch auf der einen Seite ein gegen früher noch weit regeres Leben im Vertriebe zur Folge, so veranlaßt«: das Durcheinanderwogen der Händler leider auf der anderen Seite ein Vermischen aller rechtlichen Verhältnisse des Buchhandels, gegen welches selbst Luther, der mächtige Refor mator, anzukämpfen vergeblich versucht hat. Dieser Uebelstand hätte bald dazu geführt, Luther mit den Koburgern in Verbindung zu bringen; denn um seine Schriften vor dem damals mehr und mehr um sich greifendeu Nachdruck zu schützen, suchte Luther einen mächti gen Buchhändler zu gewinnen, der den Druck und Vertrieb aller seiner Schriften in die Hand nehmen sollte, und seine Wahl fiel da bei zunächst auf Koburger. Allein die zu diesem Behufe eingeleitetcn Verhandlungen haben zu keinem Resultate geführt; es mag dabei viel leicht der Umstand mit ins Spiel gekommen sein, daß die Koburger, in intimen Verhältnissen mit den Häuptern der der Reformation nicht günstigen humanistischen Partei, ebenfalls mit der Reformation nichts weniger als sympathistrtcn, und nebenbei ihr Hauptaugenmerk damals gerade auf Verbindungen mit dem Auslande gerichtet hat ten, und zwar auf den Betrieb einer Branche des buchhändlerischeu Verkehrs, der für die Wissenschaft von größter Bedeutung war, auf den Import italienischer Ausgaben alter Klassiker nach Deutschland. Das Verlangen nach italienischen Classikerausgaben war zu Beginn des sechszehnten Jahrhunderts fast zur Modesache geworden, und eben der Import solcher Ausgaben bildete damals auch die charakteristische und Hauptthätigkeit der Koburger, die, gestützt auf directc Verbindungen mit Venedig, diesen Handel mit italienischem Klassiker-Sortiment in großem Maßstabe betrieben. In Nürnberg scheint Koburger allein eine Handlung wie für ausländisches Sorti ment überhaupt, so auch für das italienische insbesondere gehabt zu haben. Der Bezug vom italienischen Verleger fand in der Weise statt, daß der Sortimentshändler bei Abnahme einer größeren Par tie einen Rabatt bezog, der ihn in den Stand setzte, den Preis des Verlegers einzuhalten; auch wurde dem Sortimenter, wenn dies auch nicht durchgehends der Fall gewesen zu sein scheint, Credit be willigt, wogegen bei dem Verkehre der Buchhändler mit ihrem Sorti- mentspublicum meist nur Baarzahlung üblich war. Bei Gelegenheit des Bezugs italienischer Classikerausgaben von Seiten der Koburger finden sich mehrfach die Preise erwähnt. Er sieht man daraus, daß die Bücher zu sehr hohen Preisen, z. B. 1518 3iblm Arnoos. mit 8 Goldgülden (49^Thlr.), 1518LibI>asik,biaion o. oomw. I. mit 14Gg.(86^Thlr.) und Oalsnus gravcs sogar mit 30 Gg. (185 Thlr.) bezahlt werden mußten, so liegt es nicht weit, da raus und aus anderen gelegentlichen Mitthcilungen auf das der theurcu Bücherwaare entsprechende große Capital, welches die Ko- burgcr im Geschäfte arbeiten ließen, sowie auf das ansehnliche Ver mögen zu schließen, welches sie hierdurch erwarben. Und in der That findet man auch anderwärts bestätigt, daß die Koburger wie durch den Umfang und die Wichtigkeit ihres Geschäftes, ebenso auch durch die Größe des Vermögens unter ihren Mitbürgern hochange sehen waren. Vorstehende Mittheilungcn, die aus der obenerwähnten Hase'- scheu Schrift entnommen sind, mögen den Lesern andeutcn, wie viel Neues Hase mit Hilfe eines ebenso fleißigen wie umsichtigen Quel lenstudiums in dieser Schrift nicdergelegt, und welche gerechte An sprüche auf öffentliche ehrenvolle Anerkennung er sich dadurch ge sichert hat. I. Petzholdt. Personalnachrichten. Aus Stuttgart, 22. Dec. berichtet der Staats-Anzeiger für Württemberg: „Im Verlag von Eduard Hallberg er dahier ist nunmehr nach fast dreijähriger Arbeit die Prachtausgabe der heil. Schrift mit den Illustrationen von Gustav Dorö vollständig erschie nen. Dieses prachtvoll ausgestattete Werk, das vom Beginn seines Erscheinens an von der Kritik einstimmig als ein hervorragendes Er- zeugniß des deutschen Buchhandels bezeichnet wurde, gibt einen er freulichen Beweis der hohen Blüthe, zu welcher der Buchhandel und die damit zusammenhängenden Kunstgewerbe in hiesiger Stadt sich entfaltet haben. Seine Majestät der König, welchem der Verleger das erste Exemplar des soeben vollendeten Werkes überreicht hat, geruhte solches wohlgefällig entgegenzunehmcn und dem Buchhändler Hallberger seine vollste Befriedigung über diese glänzende Leistung seines Verlages aussprechen zu lassen. Zugleich hat der König diesen Anlaß ergriffen, um dem ebensowohl durch seine Leistungen im Ge biete des Buchhandels als durch die von ihm bei jeder Gelegenheit für gemeinnützige Interessen, besonders diejenigen der Residenzstadt Stuttgart gezeigte eifrige Thätigkeit verdienten Mann ein Zeichen seiner Anerkennung zu ertheilen, indem Seine Majestät demselben das Ritterkreuz des Ordens der württembergischen Krone verliehen hat." Am 1. ds. Mts. starb nach langen Leiden, 39 Jahre alt, der langjährige Geschäftsführer und Procurist von Herm. Schnitze hier, Herr Hugo Woldemar Lutze. Durch seine musterhafte Berufs treue und seltene Humanität hat sich der Verstorbene in weiten Kreisen ein ebenso ehrenvolles als freundliches Andenken gesichert. 5»
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