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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 20.12.1869
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1869-12-20
- Erscheinungsdatum
- 20.12.1869
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- Deutsch
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4232 Nichtamtlicher Theil. 245, 20. Dccember. gen, im dritten, dem größcsten und elegantesten, in dessen Mitte eine Fontaine Kühlung verbreitet, werden die Bücher beschnitten, gebunden, marmorirl, vergoldet, gepreßt, kurzum: so fertig gemacht, wie sic dem Publicum zum Kauf angeboten werden. Der „Rapport cku Our^illtornational" von 1867,7. Classesagtvou dieser Abtheilung: „Wie schnell auch in dieser Buchbinderei gearbeitet wird, so gibt sie doch in sorgfältiger Ausführung anderen nichts nach, ja läßt diese häufig in eleganten Verzierungen weit zurück." Ein Blick in den Mame'schen Vcrlagskatalog zeigt uns, daß, Wie verschiedenen Inhaltes auch die Tausende von Büchern sind, doch alle ein Ziel anstrcbcn: Beförderung der Wissenschaften, der Sitt lichkeit und des guten Geschmacks. Für jedes Alter und für jeden Stand bietet der Katalog eine reiche Auswahl. Jllustrirte Blättchen Von 2 Centimes und Prachtwcrkc von 200 Francs, Schulbücher undJugcndschriftcn; hübsch illustrirtcund gcbundenePrämienbücher, Gebet- und Gesangbücher von 15 Centimes bis zu 50 Francs, darunter sogar Gebetbücher für Brautleute, prachtvoll in Elfenbein gebunden für 300 Francs, Quart- und Folio-Prachtwerke, die sich ebenso durch die Illustrationen, wie durch Druck und Einband aus- zeichncn — genug, alle Fächer der Wissenschaft, Literatur oder des Lurus sind in einer Anzahl von Werken vertreten. Diese großen Verlagsvorräthc zu bewahren, bedarf cs natürlich großer Lagerräume; alle von der Druckerei abgelicfertcn Bücher, die nicht gleich geheftet oder gebunden werden sollen, werden in einem besonders dafür gebauten und eingerichteten Gebäude abgczählt, ver schränkt und verpackt, und dann auf den Lagerräumen aufgestapclt. Die letzteren, ganz mit Ballen besetzt, bilden ordentliche Straßen, und trotz der kolossalen Anzahl von Ballen, welche den Reserve-Fonds der Buchhandlung ausmachen, ist auf diesen Böden doch überall hin länglich für Licht, Luft und freien Raum gesorgt. Jeder Abthcilung des umfassenden Geschäftes steht ein Chef vor, dem verschiedene Unterbcamtc zur Seite stehen, um die nöthige Ruhe und Ordnung zu handhaben und Anordnungen zu treffen, welche den Gang der Arbeit regeln und beschleunigen. Die Ateliers, Werkstätten und Arbeiterwohnungen Mame's stehen alle mit einander in Verbindung und sind von Gärten unn schloffen, in welchen den Kindern der Arbeiter außer der Schulzeit ein geräumiger, schöner und gesunder Spielplatz geboten wird. Im Winter werden sämmtlichcNäume des Etablissements durch Luftheizung erwärmt. lieber 1200 Arbeiter sind augenblicklich in den verschiedenen Werkstätten augestcllt, und eine noch größere Anzahl findet außer dem ihr Brot in den für Manie thätigen Fabriken für Papier, Druckerschwärze, Lettcrgicßcrcicn, Lohgerbereien rc. Bei einem Besuche dieses Etablissements wird man namentlich überrascht durch die außergewöhnliche Sorgfalt, welche die Chefs be obachten, um die Gesundheit und das Wohlergehen ihrer Arbeiter zu befördern. Man vergißt, daß man sich inmitten einer engen Stadt befindet, wenn man diese ausgedehnten, gut ventilirten, sauberen, fast elegant zu nennenden Räume durchwandert, und danach in die umliegenden Gärten eintritt. Treppen, Corridors, Werkstätten, alles wird mit größcster Accuratesse unterhalten ; ist es wohl anders möglich, als daß dieser alles durchwehende Geist auch seinen Einfluß auf die Arbeiter selbst ausübt und sic anspornt, ihr ganzes Benehmen und Thun damit in Einklang zu bringen? Der Lslf-rospsct, wie der Engländer sagt, wird damit unvermerkt in ihnen geweckt. Nicht minder ancrkennenswcrtb ist auch das Bestreben der Herren Mamc, die Sittlichkeit unter ihren Arbeitern zu fördern; gewiß keine kleine Aufgabe, da die Natur der Etablissements es mit sich dringt, eine große Anzahl von Frauen und Mädchen zu beschäftigen, denen nicht nur der Verkehr mit dem'männlichen Personal in der Anstalt selbst, sondern auch die umliegende Stadt häufig Gelegenheit zu Aus schreitungen bietet, die mit aller Macht bekämpft werden müssen. Strenge Aufsicht, ein gutes Beispiel und gewissenhaftes Anhalten zum gottesfürchtigen Leben sind auch nach dieser Beziehung hin nicht ohne gute Folgen geblieben, denn von den 530 Frauen und Mäd chen waren im Laufe eines Jahres nur bei zweien strengere Maß regeln nöthig. Es kommt selten vor, daß einer der Angestellten schimpflich, oder als zur Arbeit untauglich entlassen wird. Die modernen Strikes werden bei Mame's wohl keinen Ein gang finden; die Arbeiter kommen selten in die Lage, eine Lohn erhöhung selbst beantragen zu müssen, da die Besitzer meistens solchen Wünschen zuvorkommen und dadurch ein gutes Eiuverständniß auf recht erhalten. Welche Opfer ein solches Vorgehen zuweilen kostet, kann man sich vorstellen, und möge ein Bespiel von vielen das be weisen. Die Krisis von 1848 drohte auch für das gerade damals mitten in der Entwickelung begriffene Etablissement vcrhängnißvoll zu wer den, und es schien keine andere Rettung möglich, als sofortige Schlie ßung aller Werkstätten. Niemand würde es dem Besitzer haben ver argen können, wenn er dem allgemeinen Strome der Zeit gefolgt wäre und diesen Weg zu seiner Hilfe benutzt hätte. Er aber gab den Muth noch nicht auf und versuchte lieber erst, im Geschäft zu retten, was zu retten war, dadurch, daß er andere ihm sehr liebe Güter aufopfcrte. In der schönsten Gegend der Tourraine besaß er ein prächtiges Landgut und zögerte nicht, dieses unter dem Preise sofort loszuschlagcn, wodurch er sich in den Stand setzte, alle seine Arbeiter im Dienste zu behalten, während die Arbeiter anderer Fa briken brotlos umherliefen. Die Herren Mame befriedigen aber nicht nur durch einen hohen Lohn allein die Bedürfnisse ihrer Arbeiter, sie errichteten auch eine allgemeine Krankencasse, zu der jeder Arbeiter nach Verhältniß seines Lohnes wöchentlich eine Kleinigkeit beiträgt und aus welcher er bei eiutretender Krankheit für die versäumte Arbeit schadlos gehalten wird. Auch riefen sie durch ihre Bemühungen einen Pensionsfonds in's Leben, der ebenfalls von wöchentlichen Beiträgen unterhalten wird und den Arbeitern im Alter eine reichliche Unterstützung gewährt. In Anbetracht alles dessen siel denn auch im Jahre 1867 dem Hause der ehrenvolle Preis der Zucrkennung von 10,000 Francs zu, welche der Kaiser Napoleon für diejenigen Etablissements ausgcsetzt hatte, „oll rö^naiont ä un ckö-Arö eminent l'llnimonis sociale, et le bien- stre ckes orrvrisrs". — Was die Aufmerksamkeit der betreffenden Jury damals namentlich auf sich zog, war der Umstand, daß die Herren Mame bei jeder Vergrößerung und Ausbreitung ihres Ge schäftes auch sofort auf Verbesserung der Arbeitcrverhältnisse bedacht waren, so daß die Geschichte ihres geschäftlichen Wachsthums auf das engste verbunden ist mit ihren Bestrebungen, den Lohn und die Wohlfahrt ihrer Arbeiter zu heben. Derzeit legten die Herren Mame, im höchsten Grade ausge zeichnet durch die erwähnte Belohnung, den ganzen Betrag von 10,000 Francs in die beiden von ihnen gestifteten Cassen ein. Ist es bei diesen Prinzipien zu verwundern, wenn ein solches Streben an höchster Stelle nicht nur anerkannt wird, sondern wenn auch unter den Arbeitern große Liebe und Verehrung für die Arbeitgeber zu Tage tritt? Um zum Schluß zu eilen, wollen wir nur noch hinzufügen, daß neben jener Anerkennung das Haus Mame auf allen Industrie-Aus stellungen, die es mit seinen Verlagsartikeln beschickte, Preise hierfür erhielt. Wir erwähnten bereits, daß es zuerst im I. 1849 in der Weise vorging, wofür ihm damals die goldene Medaille zufiel. Auch in jener großen Weltausstellung von 1851 in London wurde die Mame'sche Druckerei zu dcu berühmtesten von Europa ge zählt und mit der goldenen Rrms-lUsckkU gekrönt. Im I. 1855 erhielt Herr Alfred Mame persönlich auf der Pariser Ausstellung die große Ehrenmedaille, die für die bestePrivatdruckerei ausgesetzt war. Ein hierzu gefügtes Diplom trug die Aufschrift: ,,konr In supä-
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