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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 20.09.1869
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1869-09-20
- Erscheinungsdatum
- 20.09.1869
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3016 Nichtamtlicher Theil. ^ 218, 20. September. anderer guten Eigenschaften so verbreitungsfähig war, weil sie ja aus ihr Rüstzeug und Angriffswaffen gegen ihre katholischen Wider sacher entnahmen. Die schnelle Entwickelung der Reformation in Frankreich, die stei gende Anzahl ihrer Bekenner erregte die Besorgniß der Gegner in hohem Grade. Das Haupt der Reformationsfcinde bildete die Sor bonne, die theologische Facultät der Universität zu Paris. Im Jahre 1253 von Robert de Sorbon, Kanzler Ludwig IX. behufs Unter stützung armer Studirendcr der Theologie gegründet, erhob sie sich im Laufe der Zeit zu hoher Macht und Ansehen. Eine Art von geist licher Censurbehörde, war die Sorbonne stets bemüht, dem römischen Klerus gegenüber die Ansprüche und Freiheiten der gallikanischen Kirche zu wahren und gegen das Andrängcn der Jesuiten zu verlhei- digen. In gleichem Maße trat sie aber auch jedweder austauchenden freieren Richtung und Denkweise auf religiösem Gebiete feindlich entgegen, sic mit Feuer und Schwert verfolgend. Diese privilegirte Zelotenzunft hatte ein scharfes Auge auf die Bewegung, welche sich zu Gunsten der Reformation vollzog. Das Erscheinen der Bibelaus gabe von Robert Stephanus und Colinäus gab willkommenen An laß, aus der bislang bewahrten Passivität feindselig handelnd aufzu- trcten. Vorläufig scheiterte indeß die Verfolgung an dem Mangel eines oorpuii cislieti. Robert war öffentlich noch wohlbestelltes Mit glied der alleinseligmachenden Kirche und nur im Geheimen der neuen Lehre zugewandt, der Druck der Bibel an und für sich nicht strafbar. Robert heirathete Pctronclla, die älteste Tochter des berühmten Typographen Jodocus Badius Ascensius, welcher früher Lehrer zu Brüssel und Paris sich nicht unwesentliche Verdienste um die Typo graphie durch Herausgabe schöner und correctcr Classikereditionen erworben hatte. Durch diese Heirath wurde Robert in der Folge mit den beiden tüchtigsten Buchdruckern seiner Zeit, Jean Roigny und Michael Vascosan (aus Amiens, lieferte innerhalb einer 44jährigen Thätigkeit von 1530—74 297 Druckwerke, ungerechnet die wieder holten Auflagen) verschwägert. Petronella war in Bezug auf Bil dung ihres Gatten nicht unwürdig; sic war im Lateinischen so gut bewandert, daß sie ihre Kinder und Dicnstlcute darin unterrichtete. 1526 trennte sich Robert von seinem Stiefvater und druckte nun selbständig und unter eigenem Namen. In der ersten Zeit seines Etablissements gebrauchte er noch die ziemlich veraltete» Typen sei- ncsVatcrs, schaffte sich aber bald neue, den Ansprüchen derZcit ange messenere an. 1532 druckte er eine lateinische Bibel, die in Correct- heit seinen früheren Drucken nicht nur gleichzustellen war, sondern auch in der ganzen Art der Ausführung einen bedeutenden Fortschritt bekundete. — Die Sorbonne, welche mit hundertfältigen Argusaugen vor der Pforte der Religion und Wissenschaft Wache hielt, ließ die Gelegenheit, einem Gegner zu schaden, nicht vorübergehen. Nach alt hergebrachter Pfaffenart wurden die albernsten Beschuldigungen ge gen Robert erhoben und Anklage auf Anklage über das unglückliche Opfer theologischer Zankwuth und religiöser Unduldsamkeit auf- gethürmt. So schwer es seiner Unabhängigkeitsliebe auch kommen, so große Ueberwindung es seinem stolzen Sinne auch kosten mußte, Robert sah sich durch die Umstände genöthigt, den Vorstellungen seiner Freunde und Gönner Gehör zu schenken, und sich an den König mit der Bitte um Hilfe gegen die Sorbonne zu wenden. Der edle Franz I. stand nicht an, dem Flehenden solche zu gewähren und ihn vor dem Andringen der Sorbonne in Schutz zu nehmen. Wie groß aber die Macht der Sorbonne war, und welche Mittel ihr zu Gebote standen den Gegner zu vernichten, geht daraus hervor, daß selbst der König — obgleich Autokrat vom reinsten Wasser — nicht einmal vermochte, den Stephaniden gänzlich zu beschützen. Er vcranlaßte vielmehr, daß Robert durch die Erklärung, fürder nichts mehr ohne die Er- laubniß der Sorbonne zu drucken, diese zu beschwichtigen versuchte- Zwar scheint sich dies Verbot mehr auf Theologica bezogen zu haben, denn wir sehen Robert von nun an eine Reihe vorzüglicher Classiker- ausgaben veröffentlichen, immerhin muß es doch ebenso schmerzlich als entehrend für einen Mann von Robcrl's Verdiensten und Gesin nung gewesen sein, sich vor einer Gesellschaft Frömmler zu beugen. Die Sorbonne bekämpfte den Jesuitismus, ohne sich jedoch vor dessen gröbsten Fehlern, Fanatismus und Verfolgungssucht bewahren zu können. So sah sich denn Robert in seinen weitreichenden, kühnen Plänen bedeutend beschränkt und auf das einzige Gebiet der classi- schen Literatur angewiesen. Doch ihm. dem Gelehrten konnte es nicht schwer fallen, auch innerhalb der ihm gezogenen Schranken Bedeu tendes zn leisten. Es entstand eine Reihe von ihm veranstalteter Ausgaben hervorragender griechischer und römischer Autoren, dop pelt werthvoll, sowohl in Folge ihrer Correcthcit und ausgezeichneten technischen Vollkommenheit, als auch durch die Fülle interessanter An merkungen, Vorreden, wissenschaftlicher Conjccturen u.s. w. Wie sehr Robert die Corrcctheit seiner Drucke am Herzen lag, beweist der Um stand, daß er jeden Bogen derselben zu öffentlicher Correctur aus- hängen und Jedwedem eine Belehrung zukommen ließ, der ihm einen Fehler nachzuweisen im Stande war. Von der großen Anzahl Clas- sikerausgabcn, die aus Roberl's Officin hcrvorgegegangcu sind, füh ren wir nur an: den -4s8vp> (4. Daris 1646), Dlirrins Leeuuclus, ll'ersirs, Virgil, llrrstiu, Uorar, lluvsual, Tneau,llul. Onsr>ar, 11s- rockiau, Luston, Oio Oassius, Vnlsr. Naxstwns, Dntrop, (^»in- tilian u. a. m. Im Jahre 1534 erschien der Dlrssaurus linAiras latinas, ein Werk, das allein genügt, um Robert Stephanus' Namen unvergäng lich zu machen. Der'I'llssaurus, die Frucht jahrelangen Studiums, Ercerpirens und Zusammentragens, ist ein wirklicher Schatz von kri tischer Gelehrsamkeit und jedem Philologen unentbehrlich. Zur Grund lage des später von Conrad Gesner cdirlen berühmten Hkaurus dienend, ward derselbe von Robert in jeder neuen Ausgabe bedeu tend verbessert. Miscellen. Die Leipziger Bank hat nach einer Bekanntmachung vom 14. d. Mts. den Discont für Wechsel und Anweisungen auf 5, für Lombardgeschäfte auf 6 Proc. erhöht. Rüge. — Wie weit doch die Schleuderei geht, um Geschäfte um jeden Preis zu machen! Im Weinhcimer Anzeiger vom 14. Septbr. kündigt die Buchhandlung von Fr. Ackermann dort an, daß sie von den Zeitschriften ,,Jllustrirtc Welt", „Zu Hause" und „lieber Land und Meer" bei Vorausbezahlung für den ganzen Jahr gang das 1. und 2. Heft gratis gebe, die ersten 30 Abonnenten von je einer Zeitschrift aber auch bei allmählicher Bezahlung noch das letzte Heft gratis erhalten! Es scheint uns kaum glaubticb, ob die Schleuderei noch weiter getrieben werden kann, und theilen wir darum dieses Xon plus ultra dem Kreise der Kollegen zur Erbauung mit. 6. Zur Notiz für die Herren Verleger. — Nach einer gerichtlichen Bekanntmachung vom 19. Juni 1869 (siehe Börsenbl. vom 26. Juni) ist der Lithograph und Kaufmann Carl Larsch in Solingen für fällst erklärt und die Aufbewahrung des Falliten im Schuldenarrcsthause verordnet worden. Und in einem Circular vom 20. August, sowie auch im Börsenblatt vom 10. September, zeigt Carl Brendow in Solingen an, daß er durch Krankheit gezwungerr sei, sein Geschäft aufzugeben, und die Continuationsliste Herrn C. Larsch übertragen habe. Lapisnti sat! 6.
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