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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 20.09.1869
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- 1869-09-20
- Erscheinungsdatum
- 20.09.1869
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218, 20. September. Nichtamtlicher Theil. 3015 erhoben und somit auch Nationalgefühl und Nationalstolz hcrvor- riesen. Die Consolidirung des französischen Reiches, wie auch die Be festigung des königliche» Ansehens überhaupt, die in den Vorgängern Iran; I. ihre Begründer gefunden hatte, verfocht dieser letztere mit größtem Eifer. Franz I.,ci» würdiger Repräsentant jenes bedeutungs vollen Zeitabschnittes, jenes Scheidcjahrhunderts zweier Epochen, von der die eine das Mittelalter und seine finsteren Tendenzen ab schloß, die andere aber die Aussicht in eine neue, bessere Zeit er- öffnete, Franz I., der gekrönte Bayard, stand gleichsam auf der Schwelle dieser Epochen. Ein getreuer Anhänger der alten Roman tik mit ihrem Helden- und Rittcrthum ohne Furcht und Tadel und dadurch der verflossenen Epoche noch angehörig, ragt Franz durcb sein vom Vasallcnwillcn unabhängiges Regime — die Anfänge der modernen Autokratie — bereits in die neue Zeit hinüber. Franzi. Verdienste um Frankreich sind nicht gering. Abgerechnet die für den Staat höchst segensreiche Zertrümmerung der Vasallen willkür und Kleinstaaterei, vollzog sich unter seinerRcgierung ei» für Frankreich in culturhistorischcr Beziehung höchst wichtiges Ereigniß, das Wicdcraufblühen der Wissenschaften und Künste durch Wieder aufnahme des Studiums der Alten. Wie überall war die Pflege der antiken Classiker vordem auch in Frankreich in den Händen der Mönche gewesen, je mehr sich die Romantik als Volkspocsic Bahn brach, in desto größerem Maße mußten die antiken Dichter — denn sie waren es vor allem, die für das Volk im Allgemeinen von In teresse sein konnten — in den Hintergrund treten. Durch die Re naissance, die Wiedergeburt der auf das Studium der Antike bezüg lichen Künste und Wissenschaften, sah sich wiederum die Romantik gc- nöthigt das Feld zu räumen. Hand in Hand mit dem Studium der Alten ging das Bedürf- niß nach handlichen schönen Ausgaben. Die bisherigen meist sehr thcuern genügten kaum; zudem fühlte man sich angcspornt durch den Ruhm der deutschen und italienischen Buchdrucker, sich ebenfalls in der neuen schwarzen Kunst hcrvorzuthun. Der König als Freund und Förderer der Wissenschaften ließ es nicht au Aufmunterung und Protection fehlen. Unter den zahlreichen bedeutenden Druckerfirmcn ragt gleich einer Eiche unter niedrigem Laubholz die der Estienncs zu Paris hervor, die vor Verfolgungen geschützt und zum Theil wenigstens Frankreich erhalten zu haben, Franz I. ausschließliches Verdienst ist. Heinrich Estiennc (nach der Sitte der Gelehrten jener Zeit, zu denen sich die Buchdrucker ja mit vollem Rechte zu rechnen hatten, latinisirt Stephanus), wardim sechsten Decennium des fünfzehnten Jahrhunderts in einer kleinen Provinzialstadt Frankreichs geboren, genoß eine sorgfältige Erziehung wie auch tüchtige technische Vor bildung in den namhaftesten Buchdruckereicn der Hauptstadt Frank reichs, und ließ sich daselbst (um 1495?) eine eigene Officin grün dend nieder. Die den Geschäften so ungünstige derzeitige poli tische Lage des Vaterlandes führte für Heinrich mannigfache Kämpfe herbei; mit Mühe und Roth vermochte er in den ersten Jahren seines Etablissements sich an der Oberfläche zu erhalten, um Dank seiner kaufmännischen Tüchtigkeit nicht in den Abgrund verfehlter Specu- lation zu versinken, der einen großen Theil der Geschäftswelt zu verschlingen drohte. Daher kam cs, daß nur weuig Werke und meist nur von geringem Umfange und Gemeinwerthe bis zum Jahre 1509 aus seiner Officin hervorgingcn. Erst mit genanntem Jahre beginnt Heinrich eine umfassendere Thätigkcit, die jährlich mindestens ein bis zwei größere Druckwerke zu Tage förderte. 1509 edirte er, übrigens sein erstes größeres Unternehmen, ein HiMorin ^sias st Lnropas, a Uio kupu sou8crixta in Quarto, wie auch ein ksal- tsrinm guintnplsx: AaU., row., lledr. vstus, conciliatuni a Uns. I'abro, in Folio. Beide Werke waren in Bezug auf Druck, Aus stattung und Correcthcit des künftigen Ruhmes der Stcphanidcn würdig. Von den anderen zahlreichen aus Heinrich's Officin hcr- vorgegangeneu Drucken heben wir nur den 1512 in Quarto er schienenen Risolcius, contra, asctam Ualiurnsticain st Amou^ini libsllus äs rnorilzus Durcoruin itvm luäasorum als interessanten Beitrag zur Bcurtheilung des Orients jener Zeit und das wahr scheinlich als Schlußstein seiner Thätigkcit 1519 edirte Oprmculum lle vita st moribus sacsräotum hervor. Im folgenden Jahre (1520) erlag er einem heftigen Ucbel, das ihn schon seit Jahren verfolgt und seiner Arbeitskraft harte Zügel angelegt hatte. Er hinterließ eine Wittwe und drei Söhne Robert, Franz und Carl, von denen der erstgeborene den väterlichen Namen in der Folge zur höchsten Berühmtheit, sowohl in der Geschichte des Buchdrucks als auch der Philologie, gelangen lassen sollte. Heinrich's Wittwe vermählte sich nach einigerZeit mit dem Buchdrucker Simon de Colines (Colinaeus) und brachte demselben das blühende Geschäft des verstorbenen Gatten zu. Heinrich Stephanus zeichnete sich sowohl durch große kauf männische und technische Befähigung in seinem Berufe aus, als er auch hinreichende wissenschaftliche Bildung besaß, um den Ansprüchen seiner Zeit, die von dem Buchdruckerstandc nicht unerhebliche Ge lehrsamkeit verlangte, gerecht zu werden. Schwerlich aber dürften diese Umstände hingereicht haben, seinen Namen auf die Nachwelt zu bringen, wenn er nicht als Haupt- und Stammvater einer Familie, deren Mitglieder einen weit über die Grenzen ihres Jahr hunderts reichenden Ruhm erlangt haben, Beachtung in jeder Be ziehung verdiente. Zudem bleibt ihm ja auch zum mindesten das Verdienst, durch die sorgfältige und wissenschaftliche Erziehung seines Sohnes Robert den Grund zur nachmaligen Berühmtheit desselben und dessen Nachkommen gelegt zu haben. Robert Stephanus, 1503 zu Paris geboren, widniete sich mit größtem Eifer von frühester Jugend an dem Studium der Philo logie. Durch angestrengtesten Fleiß und höchste Ausdauer erlangte er denn auch eine ebenso bedeutende als gründliche Kenntniß des Griechischen, Hebräischen und Lateinischen. Diese Kenntniß war in der Folge für Robert in dem Grade wichtig, als sie die Grund lage zu seinem Ruhm nicht nur als Philologe, sondern auch als Buchdrucker bildete, als welcher er innerhalb des Zeitraums seiner geschäftlichen Thätigkcit eine Menge Werke in den genannten Sprachen herausgab. Wie schon oben erwähnt, wurde er vom Vater auf jede Weise im Betreiben seiner Studien unterstützt; vom Buchdruck aber hielt er sich derartig fern, daß Heinrich Stephanus verzweifelte, in seinem ältesten Sohne sich einst einen Nachfolger er stehen zu sehen. Luther's und Calvin's neue Lehre fanden in dem Hellen Kopfe des Jünglings Eingang. Großgenährt an den Brüsten antiker Weisheit und durchdrungen von classischen freien An schauungen, behagte ihm das dogmenstarre Formenthum so wenig, daß er mit Freuden die Gelegenheit ergriff, einen Aufschwung zu freierer Denkungsweise zu nehmen. Der Verlust des Vaters durch den Tod, der ihn im 18. Jahre traf, nöthigte ihn, von seinem Lieb lingsplane, sich gänzlich den Wissenschaften zu widmen, abzugehen und zur Erlangung des väterlichen Erbes den Buchdruck zu erlernen. Nach überstandencr Lehrzeit bei seinem Stiefvater, Simon deColines, arbeitete er mit diesem noch eine Reihe von Jahren zusammen. Beide edirten nun eine für die Reformirten nicht nur Frankreichs, sondern soviel es deren gab, ebenso schätzbare als wichtige Ausgabe des griechischen Neuen Testamentes. Ausgezeichnet durch Correct- heit und Sauberkeit des Druckes und durch Handlichkeit des Forma les, fand diese Bibelausgabe außerordentliche Verbreitung unter den Reformirten, zumal ihnen bisher eine so billige und gute Testament- Edition fehlte. Unentbehrlich und hochwichtig aber war deshalb für sie eine Ausgabe, die wie die besprochene iuFolge ihrer Billigkeit und 433*
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