Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 04.06.1917
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1917-06-04
- Erscheinungsdatum
- 04.06.1917
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
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Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
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Redaktioneller Teil. I« 127, 4. Juni 1917. zu den dunkel bewaldeten Hügeln heraufgezogen. Wir über fliegen ein Fort. Mit seinen roten Mauern, den grünen Rasen flächen der Wälle scheint es, ein zierlich Ding, eben aus einem Spielwarenschaufenster genommen, dort in die Landschaft hin- eingestellt worden zu sein. Teiche und kleine Seen blicken wie klarblaue tiefe Mädchenaugen zu uns empor. Weit ins Land hinein reckt sich der schmale Schienenweg der Eisenbahn sil bern blinkend durch die Landschaft; er führt nach Deutschland. Jetzt ziehen Weiße Schwaden in tollen, abenteuerlichen Ge bilden unter uns gegen Westen. Sie Haschen und ballen sich, nehmen Gestalt an, zerfließen wieder; ihre Schatten laufen über die Erde. »Walpurgtsflug, die Hexen ziehen mit fliegen den Gewändern zum Blocksberg«, mein Gefährte knufft mich und schreit mir's dann zu. Immer höher kommen wir in die Wolken hinein, nur eine dünne Schleierschicht ist noch über uns. Da macht unser Vogel einen Hopser, wir sind in ein Luftloch geraten, und dann sehen wir tief unten die Stadt liegen. Merkwürdig — der sonst so imposante Dom, den wir eben über fliegen, sieht so winzig aus, als könnte man ihn aus die Hand fläche stellen, und doch konnte sich mancher, als wir an einem Feiertage aus seiner Kuppelhöhe herabbliesen, eines eigentüm lich schwindligen Gefühls nicht erwehren. Jetzt befinden wir uns 1290 Meter über der Kuppel, und nicht einen Augenblick kommt uns der Gedanke an den Absturz. Mit dem Gefühl stolzer, freudiger Sicherheit fliegen wir dahin. Der Führer schaut sich um; das ist das verabredete Zeichen. Gleich darauf stellt er das Gas zum Motor ab. Gleitflug, ruhig schwebt unser Vogel über der Stadt, und nun schmettert's aus der Höhe herab: Der Mai ist gekommen, Die Bäume schlage» aus, Wie die Wolken dort wandern Am himmlischen Zelt, So steht auch mir Der Sinn in die weite, weite Welt. Dreimal tönt der deutsche Maigruß aus den Lüften her nieder. Als wir das Mundstück absetzen und hinunterblicken, befinden wir uns bereits kaum noch 290 Meter über den Dächern, von denen die Rauchfahnen hell und lustig empor wirbeln. In einem Garten aber stehen Kameraden, die rufen und winken und jubeln zu uns hinauf: »Der Mai ist ge kommen!« Dann beginnt der Propeller wieder sein sausendes Lied. Noch einmal steigen wir hinan, überfliegen den Strom, und bald darauf geht's hinab zum Startplatz. Der Apparat setzt auf den Boden auf, rollt raschen Laufs bis vor den Schuppen: »Die Erde hat mich wieder!« Kleine Mitteilungen. Zur Aufstabe des Börsenblattes. — In dem in dieser Nummer abgedrnckten Jahresbericht gibt der Borstand des Verbandes der Kreis- und Ortsvereine seiner Berwnndernng darüber Ausdruck, das; bei der »sonstigen strammen Disziplin im Börsenverein« »ein derar tiger Aufsatz« (gemeint ist der Artikel von vr. Orth: »Die Stärkung der Kreis- und Ortsvereine und des Börscnvereins«) »ohne Genehmi gung des Börsenvereinsvorstandes« in das Börsenblatt ausgenommen worden sei. Zur Klarstellung möchten wir hierzu folgendes bemerken: Das Recht der Redaktion, selbständig Uber die Aufnahme von Ar tikeln zu entscheiden, entspricht ebenso den preßgesetzlichen Vorschrif ten, die die tatsächliche und rechtliche Verantwortung fiir den Inhalt des Börsenblattes in erster Linie der Redaktion auferlegen, als auch dem Geiste des Börsenvereins, der, getreu seiner Tradition, die Frei heit und Unabhängigkeit, fiir die er selbst einst an hervorragender Stelle in der Öffentlichkeit gekämpft hat, auch seinen eigenen Organen gewahrt wissen will. Es entspricht weiter aber auch rein prak tischen Forderungen, da es der Redaktion schon mit Rücksicht auf Zeit und Umstände gar nicht möglich ist, sich in jedem einzelnen Falle mit dem Vorstände des Börsenvcreins in Verbindung zu setzen und ihn um eine Meinungsäußerung anzugehcn. Daran ändert auch der Umstand nichts, daß das Börsenblatt als Organ des Börsenvereins es als eine seiner wesentlichen Aufgaben betrachten muß, die Arbeit des Ver eins nach jeder Richtung hin zu unterstützen. Denn diese Aufgabe kann nicht dahin verstanden werden, eine so vollkommene Übereinstimmung im Denken und in der Anschauung der Mitarbeiter des Börsenblattes mit der Auffassung des Vorstandes herbeizuführen, daß die eigene Meinung der Verfasser von Beiträgen füMvas Börsenblatt dadurch ausgeschaltet würde. Ein Vereinsblatt, das, wie der Börsenverein selbst, auch über den Kreis der Mitglieder hinaus sich Geltung verschaffen will, darf sich nicht darauf beschränken, das Echo der Auffassungen und Auslassungen des Vorstandes zu sein, und zwar schon aus dem Grunde nicht, weil der Vorstand die Willcnsmeinung des Buchhandels in allen Einzelfällen, soweit sie für ihn und seine Arbeit von Belang sind, kennen muß, um danach seine Maßnahmen zu treffen. Dazu ist das Börsenblatt zwar nicht das einzige Mittel, wohl aber dasjenige, das am besten und zwanglosesten Gelegenheit bietet, sich über die im Buchhandel herrschenden Anschauungen zu unterrichten. Zudem las sen sich die täglich an die Redaktion herantretendcn Forderungen nicht so restlos zerlegen, als daß vom Vorstande mehr als allgemeine An weisungen gegeben werden könnten, wie sie in den Bestimmungen über die Verwaltung des Börsenblattes niedergelegt sind. Alles andere muß dem Ermessen der Redaktion schon deswegen überlassen bleiben, weil sie nicht nur dem Gesetz gegenüber haftbar ist, sondern sich auch auf das Vertrauen der Leser und Mitarbeiter stützen muß, wenn sie nutzbringende Arbeit leisten will. Daher muß sie Wert darauf legen, das Börsenblatt zu einem Sprachrohr für den gesamten Buchhandel auszugestalten, da selbst unbequeme und unangenehme Wahrheiten nicht aus der Welt geschafft werden, wenn man sie aus dem Börsen blatt ausschließt. In das Helle Licht der Öffentlichkeit gestellt, er halten zudem Anschauungen und Meinungen oft ein ganz anderes Ge sicht, als wenn sie im Dunkeln bleiben oder sich mit dem romantischen Schimmer gewaltsamer Unterdrückung oder Verfolgung umkleiden können. So wird von der Redaktion nur gefordert werden können, daß sie als eine Art Mittler zwischen dem Vorstande und seinen Organen einerseits und diesen und dem Buchhandel andererseits tätig ist, indem sie ein möglichst wahrheitsgetreues Bild der Verhältnisse in unserem Berufe in den Spalten des ihrer Leitung anvertrauten Blattes zu geben versucht. Daß sie es in Verfolg dieser Aufgabe oft keiner Seite recht macht, liegt ebenso in der Unzulänglichkeit menschlicher Er kenntnis, wie daran, daß cs gar nicht ihre Aufgabe sein kann, sich in den Dienst einer Partei zu stellen. Sie muß vielmehr den Zusam menhang mir den» Ganzen ins Auge fassen und von diesem Stand punkte aus über die Frage »Nein oder Nichtrein« von Artikeln ent scheiden. Mehr als den guten Willen, nach Maßgabe ihrer Einsicht in die Verhältnisse richtig zu handeln, wird man von der Redaktion eines Vereinsblattes nicht verlangen dürfen, das nicht nur allen den leben digen Kräften innerhalb eines großen starken Berufsvereins zum Ausdruck verhelfen soll, sondern auch die Forderungen der Zeit mit der Rücksicht auf das Erbe der Vergangenheit in Einklang bringen muß. Solange der Kampf der Vater aller Dinge ist, wird daher auch die Redaktion eines Vereinsblattes nicht auf ihn verzichten können und noch weniger auf solche Beiträge, die direkt dazu herausforbern, sei es, daß sie neue Bahnen weisen oder einen Bruch mit der bisherigen Tra dition bedeuten. Erweist doch das Althergebrachte, wenn es gut ist, seine Kraft gerade dadurch, daß es allen Angriffen siegreich wider steht und die Überzeugung seines Wertes auch in Kreise trägt, die sich damit bisher wenig beschäftigt oder es als etwas Selbstver ständliches hingenommen haben. Das hat sich gerade bei der Ver öffentlichung des Artikels von vr. Orth: »Die Stärkung der Kreis- und Ortsvereine und des Börsenvereins« gezeigt. Ist man sich doch zu keiner Zeit über die bedeutungsvolle Stellung der Kreis- und Ortsvereine innerhalb der Organisation des Börsenvereins so einig gewesen wie nach Erscheinen dieses Artikels. Die Zeit nach dem Kriege wird auch die Kreis- und Ortsvercine vor neue Aufgaben stellen, die umso bedeutungsvoller sein werden, je stärker die Organisationen des Verlags und Sortiments sich aus den Kreis- und Ortsvcreinen hcrauoheben werden. Bedeuten diese Organe doch für die allgemeinen Interessen des Buchhandels in ihrem Kreise dasselbe, was der Börsenverein für den deutschen Buchhan del in seiner Gesamtheit bedeutet. Wie sie aber eine ge wisse Bewegungsfreiheit brauchen, wenn sie ihren Aufgaben gerecht werden wollen, so wird man auch der Redaktion das Recht selbstän diger Entscheidung in dem ihr gezogenen Nahmen zubilligcn müssen. 640 ^ ^ ch pro Expedi ipz g cht s
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