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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 17.04.1849
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1849-04-17
- Erscheinungsdatum
- 17.04.1849
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- Deutsch
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405 1849.) Fabrikations-Geschäfte, er vergleiche sie im Verhältnisse zu dem Umsätze, —under wird finden, daß dieseVerluste an denAußenständen wahrlich seinen Ruin nicht befördert haben, daß sie wahrlich, legt man den Maaßstab an, der in dieser Hinsicht an kaufmännische Speku lationen anzulegen ist, nicht der Rede werth sind. In den ganzen 16 Jahren und bis auf den heutigen Tag hinauf — wie viele Sorti ments-Handlungen haben denn ihre Zahlungen im Buchhandel gänz lich eingestellt, welche große Summen sind denn im Buchhandel in dieser Weise verloren gegangen! Man vergleiche nur einmal auch in dieser Hinsicht andere kaufmännische Geschäfte, wie der Verlags handel doch sonst so gern sich diesen gleichstellt: welche Masscn-Vec- luste hier, welche jährlichen Fallissement«! Und doch: — man be trachte das Benehmen der großen Fabrikanten gegen ihre Abnehmer auch nach dem verhängnißvollen Jahre 1848, nach den großen vernichtenden Verlusten, welche alle Fabrikationszweige erlitten: alte, jahrelange Verbindungen werden ruhig, vertrauensvoll fortgesetzt, auch wenn bei den gedrückten Verhältnissen die Verbindlichkeiten des alten Jahres nur im Augenblicke bis zur Hälfte, ja ein Drittheil gedeckt worden: hat wo eine Fallite stattgefunden, so wird die Abmachung mit 40, 50 Procent ohne Widerrede angenommen: man trägt eben nicht bloß den Verhältnissen der Gegenwart, man trägt den Beding nissen jedes kaufmännischen Geschäftes Rech nung! Wie anders im Verlagshandel! Schon vor der vorjährigen Oster-Messe diese drohenden Circulaire, Anzeigen: wer einen Ueber- trag mache, erhalte kein Blatt mehr; wer nicht zahlt, wird öffentlich dazu aufgefordert werden! Diese ohnmächtigen, unglückseligen Ver leger-Vereine, die die Saldirung zu erzwingen glauben, wenn sie in Masse auf den bedrängten Soctimentshändler losstürmen; als wenn ich meinen bedrohten Nachen dadurch zu retten Aussicht habe, daß ich ihn an ein untergehendes Schiff hänge: diese wahrhaft kleinlichen Angriffe und Weigerungen gegen die Annahmeder Banknoten, dem Buchhandel eines Landes gegenüber, das, die Brigittenau als Patron, seiner Auflösung entgegen geht: die maaßlosen, widerlichen Persön lichkeiten, als ein hartgetroffenes großes Haus einen Accord von 50 LH, nothgedrungen, im Sturme der zerschellenden Gegenwart,, offeriren mußte! Dies Alles sind die untrüglichsten Zeichen von der Unsolidität, von der wahrer kaufmännischer Prinzipien ermangelnden Betriebs weise eines Geschäftes, das eben ein rein kaufmännisches geworden ist! Ja: der verstorbene greise Arnold in Dresden battenurzu wahrge sprochen : „derVer lagshandel ist von jeher der Fluch des deutschen Buchhandels gewesen"; er hat mit seiner Ueberpro- duction tausend neueSortimentshandlungen erstehen machen: er bol ihnen Artikel, die in solider Weise nicht ausreichend zu verbreiten waren, führte Hunderte von Collegen zum Banquerot und erntet nun, was er gesäet hat! Dieses Anklammern des Verlagshandels an die aus gebliebenen Saldis, diese Sonderbünde zu deren Erlangung, diese Purisications-Wuth, wie stein jeder No. dieser Blätter laut wird, diese steten Verkündigungen des Heils im Buchhandel, wenn erst die Collegen, welche der Verlagshandel verführt hat, ganz gestürzt sein werden: — man könnte sie belächeln, wenn sie nicht empörend wären! Die durch den Verlagshandcl ruinirte Solidität des Sortiments handels ist es nicht, die die Verleger dem Ruine zugeführt: ihre eigenen faulen, gehaltlosen Spekulationen haben dies ge- than; sie, und nur sie haben erst den Sortimentshandel und dann die eigenen Producenten gestürzt! Ihr speculirtet, weil Ihr Euer Geld umsetzcn wolltet; Ihr speculirtet schlecht und habt Euer Geld ver loren; beklagt Euch darüber bei Euch selber, nicht bei uns, die wir hart genug für Eure Speculationen büßen müssen! Wir wünschen, daß der Verlagshandel zur Erkenntniß seiner selbst komme, daß er sein Gedeihen nicht von maaßlosen Schritten ge gen den Sortimentshandel erwarte, sondern von gesunden Spe culationen; daß ec zur Einsicht komme, daß ihn nicht das Ausblei ben weniger Saldis, sondern die eigenen faulen, nichts wecthen Product« seiner Industrie gestürzt haben! Und der Sortimentshandel, er muß wenige Wochen vor der Oster-Messe, wo das persönliche Gegenüberrreten vieler Collegen statt haben wird, dem Verlagshandel das Bild seines Thuns und Lassens einmal klar vor Augen führen, er darf die Stirn dazu haben, weil er, der geschmähte, beschuldigte, doch der schuldlose ist! — Das verhängnißvolle Jahr 1848 hat die Solidität des deutschen Verlagshandels die Probe nicht bestehen lassen. Die Spekulation in ihm wird eine andere, gesündere werden. Dann auch wird der Sor timentsbuchhandel eine natürlichere, kräftigere Gestaltung erhalten. Freilich werden in ihr eine nicht kleine Anzahl Handlungen vom Schauplatze des eigentlichen Buchhandels zurücktreten müssen; sie ha ben dies dem Verlagshandel seit 1832, von dem sie sich haben in's Schlepptau nehmen lassen, zu verdanken; ihr Rücktritt wird bei natur gemäßer Entwickelung der Neugestaltung, inmitten welcher wir uns schon befinden, stalthaben; es steht dem Verlagshandel schlecht an, denselben noch nach Möglichkeit auszubeuten. Die vielen Handlun gen, welche die Ueberpcvduction des Verlagshandels entstehen machte, und welche nur von dem Vertriebe der lediglich durch die Industrie erzeugten Products ihre Existenz haben konnten, werden, soll ihnen diese Existenz gesichert bleiben, ihrem buchhändlerischen Geschäfte nothwendigec Weise noch andere Geschäftszweige zuzulegen haben, und aufhören, ihren Büchecbedarf direct zu beziehen, so daß nur grö ßere Handlungen den direkten Verkehr mit den Verlegern haben wer den. Die größeren Handlungen bilden den Kern im eigentlichen Buchhandel und sie werden die Purisication des Verlagshandels zum Wohl und Nutzen des Ganzen am besten verstehen. — slj Aus Wien. Folgende Vorfälle kann ich Ihnen als vollkommen der Wahrheit gemäß mittheilen. Die hiesigen Buchhändler wurden angewiesen, künftig ihre aus dem Ausland (!) hier anlangenden Bücherballen nur in Gegenwart eines Polizeicommissärs zu öffnen, damit dieser seine Controlle darüber ausüben könne, ob keine verbotenen Bücher (!) in denselben enthalten seien. Die Buchhändler wenden sich, um gegen diese willkürliche, aus Sedlnitzky's Zeit herrührcnde Maßregel zu protestiren, an F. Z. M. Weiden. Dieser fuhr sie in seiner ge wohnten Manier barsch an und wiederholt die alte abgedroschene Phrase: „ die Literaten und Buchhändler sind die Aergsten und Bös willigsten;" — darauf ergriffen sie Recurs beim Ministerium, und beschlossen, bis dieser erledigt ist, ihre Bücherballen nicht öffnen zu lassen. Der Terrorismus, den eine gewisse Partei übt, übersteigt alle Begriffe. Ein hiesiger Buchhändler hatte die Poctraits von Fischhof und Schuselka ausgestellt. Ein Vorübergehender kommt deshalb in den Laden und insultixt den Buchhändler in den unver schämtesten Worten. Nachmittags kommt er wieder, mit einem Troß Aehnlichgesinnter hinter sich, und läßt, als die Bilder noch nicht weggenommen waren, von jedem seiner Begleiter auf die pöbelhafteste Weise, die näher zu bezeichnen wir uns schämen würden, den Besitzer des Ladens insultiren. So predigt man gutgesinnte Gesinnungs losigkeit. (Deutsche Zeitz, aus Böhmen). Anmerkung. Der Neuen Leipziger Zeitung vom 15. April wird aus Wien vom 12. April geschrieben: „Die hiesigen Buchhändler haben dcn Proceß verloren und muß fortan ein Commissair der Stadthauptmann schaft die vom Auslande kommenden Bücherballen rcvidircn." Wir wollen hoffen, daß mit dem Aufhören des Belagerungszustandes auch dieser neue Jammer sein Ende finden werde. Die Redaction.
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