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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 29.07.1916
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- 1916-07-29
- Erscheinungsdatum
- 29.07.1916
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^ /> cmasam.?°s^0W.I sllrMch" ^ Nr. 174. UMMWÄWrstlimrULL'öeMAW^ Leipzig, Sonnabend den 29. Juli 1916. 83. Jahrgang. Redaktioneller Teil Von deutscher Musik und vom deutschen Musikhandel im zweiten Kriegswinter. Ein Rückblick. I. Unsere Toten (Reger). — Oger. — Operette. Nach Ausbruch des Krieges ist das Musikleben in Deutsch land völlig erstarrt gewesen, die überstürzten Ereignisse erfüllten die Gemüter so ganz, daß für die Künste kaum ein Gedanke übrig blieb; nichts schien entbehrlicher, überflüssiger, als die Musik. Die Verleger der Editionen, die vielleicht am besten den Pulsschlag des Musiklebens kontrollieren können, vermochten nur das völlige Erlöschen jeglichen Lebens zu bestätigen. Wäh rend im Winter 1914 die größeren Bühnen und Hauptkonzert institute zaghast mit ihren Aufführungen wieder begannen, war alles übrige Musizieren fast ausschließlich in den Dienst der Wohl tätigkeit gestellt. Anders wurde dies erst etwa im März 1915, mit einem langsamen, aber stetigen «resesnäo kam in der Oper, in den Konzertfälen, in der Hausmusik und nicht zuletzt draußen hinter der Front die Musik wieder zu ihrem Recht. Hatte man erst gedacht, musizieren wäre dem Ernst der Zeit nicht ange messen, die Daheimgebliebenen hätten Wichtigeres zu-tun, als sich musikalisch zu ergehen, so hat sich die Erkenntnis wieder Bahn gebrochen, daß die Musik uns nicht etwas Äußerliches ist, nicht ein Schmuck des Daseins, den wir beliebig missen können, sondern ein starkes und wichtiges Lebenselement.*) Wer an der Hand der Fachzeitschriften die letzte musikalische Saison (Oktober—Mai) an sich vorllberziehen läßt, ohne zu wissen, daß es sich um den Kriegswinter 1915/16 handelt, wird nicht auf den Gedanken kommen, daß dies heimische Leistungen eines Volkes sind, das im furchtbarsten aller Kriege steht. Anstatt, daß der Krieg, wie die Feinde wohl gehofft, lähmend gewirkt, hat er auf allen Gebieten unsere Kräfte aufs höchste ge steigert; es ist, als ob jeder einzelne an seinem Platze die Ver pflichtung fühlte, der ungeheuren Zeit entsprechend Ungewöhn liches zu leisten. Geheimrat Goetz, der bekannte Historiker an der Leipziger Universität (Nachfolger Lamprechts), führt in seiner (bei Friedrich Andreas Perthes, Gotha erschienenen) Schrift »Deutschlands geistiges Leben im Weltkrieg« aus, daß, während England und vor allem Frankreich in hemmenden, durchaus negativ wirkenden Haß-Gedanken und -Äußerungen ver harre, Deutschland auf allen geistigen Gebieten bald zu ge wohnter Tätigkeit und zu neuen Taten übergegangen sei. Er begrüßt es als ein Zeichen von Gesundheit und Kraft, wie über all Besserungsgedanken und Vorschläge für das neue Deutsch land erstehen. Dieses Gesundheits-Zeichen ist auch, trotz pessi mistischer Stimmen, die von Niedergang unseres Musiklebens wissen wollen, durchaus auf dem Gebiete der Musik zu spüren. Nach den Forderungen der Musiklehrer-Prüfungen wurden Re form-Vorschläge für den Musik-Unterricht in den Schulen, für Erziehung zu gediegener Hausmusik, für Umwandlung unseres Konzert-Lebens laut; vergebliche Wünsche aus Friedenszeiten: *) über Musik als Nallonalgut erschien soeben ein bemerkens werter Artikel von Or. Hans Joachim Moser in: Neue Musik-Zeitung, Heft SV. mehr Raum und Gehör den lebenden Komponisten — sie wurden jetzt, besonders auf dem Gebiete der Oper, wie der nachfolgende Rückblick erweisen wird, erfüllt. Bevor ich auf die einzelnen Gebiete eingehe, sei der Toten gedacht. Der Tod, der draußen so furchtbare Ernte hält, hat auch in den Reihen der Musiker schmerzliche Lücken gerissen. Von den auf dem Felde der Ehre gefallenen Komponisten er- wähne ich Rudi Stephan (geb. 1877). Nach dem starken Erfolg, den seine Musik für sieben Saiteninstrumente auf dem Musikfest zu Jena 1913 errang, setzte man auf ihn große Hoff nungen; seine Oper »Die ersten Menschen« ist noch unausge führt, doch wird auch sie von den wenigen, die sie aus dem Manuskript kennen gelernt, hoch cingeschätzt. Ferner Botho Sigwart (Graf von Eulenburg), der feinsinnige Künstler, der durch fein Melodram »Hektars Bestattung« und seine Oper »Die Lieder des Euripides« auch weiteren Kreisen bekannt und wert geworden ist. Von den Daheimgebliebenen starb in hohem Alter Theo dor Leschetizky (geboren 1830), er war Komponist und Pädagoge von internationalem Rufe; ferner August Bun gert (geboren 1846), der einst Gefeierte, aber schon bei Leb zeiten fast Vergessene; er nahm den Flug zu hoch, der Glanz Richard Wagners lockte ihn fort aus den Landen des Liedes, wo er volkstümliche, schöne Weisen schuf, auf die gefährlichen Höhen des Musikdramas, er schrieb ganze Zyklen (nach der Odyssee), träumte vom eigenen Festspielhaus und . . . scheiterte. Der schwerste Verlust für unser Musikleben war das Hin scheiden Max Negers (geboren 1873); er starb an einem Herzschlag, einem Liebling der Götter gleich, ohne krank ge wesen zu sein, in voller Schaffensfreude. Neger ist neben Richard Strauß in unserem modernen Musikleben -Wohl die stärkste und meistumstrittene Persönlichkeit gewesen. Der Wider streit der Meinungen über ihn trat auch in den Nachrufen zutage. Wenn Kritiker von Rang, wie Paul Bekker in der Frankfurter Zeitung, kaum daß Reger die Augen geschlossen hatte, ihm die Anwartschaft auf die Zukunft abstreiten, so müssen derartige Urteile jeden Musikfreund mit Trauer erfüllen. Ist es doch, als ob aus der Kunst-Geschichte nichts gelernt würde. Alan braucht, um die Schwierigkeit des Erkennens, welchen Kunstwerken Zu kunftsdauer beschieden sein wird, nicht auf Bach, auf viele Werke von Mozart, auf Wagner, auf Bizets Carmen, hinzuwei-sen, wir haben es bei Brahms, bei Bruckner und Hugo Wolf noch selbst miterlebt, wie sie als unverständlich, ungenießbar, auf falschen Wegen wandelnd, abgewiesen wurden, andererseits auch erlebt, wie das nächste Geschlecht, mit diesen Kunstwerken ausgewachsen, das »Nichtvcrstehenkönnen« der früheren Generation nicht mehr begreift. Für viele Hörer liegt die Hauptschwierigkeit, Reger ver stehend nahzukommcn, darin, daß sein musikalisches Denken und Empfinden kompliziert und modern ist, daß er diese neuen Gedanken aber meist in alt-klassischen Formen zum Ausdruck bringt. Mir will scheinen, daß Professor Bauer in seinem Artikel der »Frankfurter Zeitung« das Richtige getroffen hat, wenn er sagt: »Er ist dem Kampf des Tages entrückt, und seine künstlerische Persönlichkeit wird in den Kreis ruhiger, historischer Würdigung einbezogen werden. Daß dies nicht von heute aus 1009
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