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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 23.02.1932
- Strukturtyp
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- 1932-02-23
- Erscheinungsdatum
- 23.02.1932
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- Deutsch
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45, 23. Februar 1932. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. d. Dtschn Buchhandel. Jugendlichen und ist damit auch ethisch gerichtet. Nach den Urzeit sagen kommen geschichtliche Sagen und als erster Roman der ge schichtliche Roman (Kampf um Nom, Ahnen), der in Quarta und Untertertia gelesen wird. Mit der Biographie, die im zeitlichen Denken dem geographischen Werk im Räumlichen entspricht, wird der Anschluß an die Erwachsenenlektilre gefunden, den im Literarischen der Jugendroman herstellt. Eine zweite Entwicklungslinie führt über Struwwelpeter, Berni in die Wirklichkeit. Das Heranwachsende Grundschulkind interessiert sich für alle Sachfragen, für Technik und Naturwissenschaften. Be sonders für die Jungen — steigend bis Obertertia, in diesem Alter vorherrschend — ist die Beschäftigung mit Physik, Geologie, Astro nomie in der Zeit vor dem seelischen Durchbruch des Jchs wichtig. Zu diesen Wirklichkcitsbüchern müssen wir auch die Jugendbücher rechnen, die die Lebenswelt der Jungen und Mädchen darstellen. Sie spielen vor allem für die Mädchen eine große Nolle. Die Ent wicklung der Mädchenlektüre geht schneller. Während unsere Mädchen schon in Untertertia den Anschluß an die Erwachsencnlektüre finden, dauert es bei den Jungen wohl zwei Jahre länger. Bei Koedukationsklassen sind diese Unterschiede auch feststellbar, wenn auch bei der Lektüre der Jugendlichen gerade der Einfluß der Kame raden, des Bundes vorherrschend ist und darum bei uns oft aus gleichend wirkt. So lesen die Mädchen alles, was die Jungen auch lesen, und ihre Mädchenbücher dazu. Damit warcu für den Aufbau der Buchausstellung die wich tigsten Gesichtspunkte gegeben, soweit es sich um Unter- und Mittel stufe handelte. Bei der Oberstufe — lektüremäßig vou Unter sekunda ab — war die Schwierigkeit noch größer. Wenn man aus geht vou dem Gedanken, daß auf dieser Stufe — in der rein quanti tativ die größte Aufnahmefähigkeit besteht — alles gelesen wird, so konnte nur ein empfehlender Hinweis auf eiuzelue ausgewählte Gebiete in Frage kommen. Das war um so eher möglich und wurde von den Oberklasscn begrüßt, weil wir uns in diesem Jahr fest- gelcgt hatten, nur billige Bücher zu bringen. Als Höchstpreis war NM 4.— gesetzt, doch war die überwiegende Anzahl der Bücher billigen Sammlungen entnommen. Durchführbar war das nur da durch, daß ein Buchhändler, mit dem wir seit Jahren Zusammen arbeiten, die monatelangen Vorbereitungen, Bestellungen, Ansichts sendungen mit hohem Idealismus und unermüdlicher Geduld durch führte. Die Beschränkung auf das billige Buch schloß jede Voll ständigkeit aus, gab aber doch manchen Eltern und Schülern die Möglichkeit, auch iu dieser Notzeit Biicherwünsche zu erfüllen. Im Literarischen stellten wir für die Oberstufe fünf Gruppen zusammen: Goethe, Lyrik, Entwicklungsroman, das neue Rußland, das neue Amerika. Neben dem Literarischen standen in diesem Jahr folgende Gruppen, deren Auswahl, Prüfung und Zusammenstellung je ein Kollege als Fachrefercnt übernommen hatte: Geschichte (in zeitlicher Ordnung Darstellungen, geschichtliche Erzählungen), Politik (die ein zige Gruppe, bei der das mangelnde Entgegenkommen der Verleger die erwünschte Gesamtschau erschwerte), Dramatische Spiele, Kunst, Musik, Gymnastik, Naturwissenschaften, Technik, Reisebeschreibungen, fremdsprachliche Bücher und eine Abteilung: Elternbücherei, wo wir neben allgemeinen Erziehungsfragen vor allem Aufklärungsschriften ausstellten, die von den Eltern den Schülern gegeben werden können, da nach unserer Ansicht die sexuelle Aufklärung mit dem Haus zu sammen geschehen soll. An einem Elternabend wurde Sinn und Zweck der Ausstellung in einem kurzen Referat dargestellt. Die Ausstellung war im Fest saal der Schule aufgebaut. Vom Podium als Haupttisch ausgehend, hatten wir an den Wänden entlang Tische ausgestellt, sodaß eine ungestörte Besichtigung möglich war. Durchschnittlich hatten wir für jede Klasse zwei Stunden angcsetzt; für die Eltern war die Ausstellung am Sonntag vormittag und an einigen Abenden ge öffnet. Verkauft wurde nicht, es lagen nur Bestellkarteu aus. Wir wiesen schon darauf hin, daß die Auswahl der Lektüre fiir den jugendlichen Menschen nie allein durch Schule und Haus bestimmt wird. Wir können nur beobachten, mitlesen, Hinweisen und gelegentlich abraten. Aber so weit sollten wir auch bei der Lektüre helfen. Und noch eins. Jeder von uns kennt den besonderen Reiz, in einem neuen Buche zu lesen, jeder weiß, wie das Buch auch einen sinnlichen Wert hat. Und wenn wir das gleiche Buch in verschiedenen Ausgaben nebeneinander legen, wird das ästhetische Gefühl für die Form geweckt. Auch in der Zeit des Radios, in der die Zeitung schon zurückgedrängt wird, in einer Zeit, wo die Not uns zum Leih buch zwingt, wenn wir überhaupt noch lesen können, sollten wir nie vergessen, welchen Wert das Eigenbuch hat. Gibt es doch Zeiten, wo in seelischer Vereinsamung nur das Buch unsere Freuden und Leiden teilt, unser Buch. Wenn immer mehr das Lesebuch durch 136 die Einzelschrift verdrängt wird, so lernen unsere Schüler schon hier, sich den Grundstock zu einer Bibliothek zu legen. An dem Wachsen ihrer Bücherei können sie ihr eigenes Wachstum verfolgen, und gerade das eigene Buch wird sie die Ehrfurcht vor Bildung erahnen lassen. So können auch in Zeiten der Not am billigen Buch unsere Heranwachsenden jungen Menschen erleben, was das Buch der Menschheit bedeutet. Auch für sie gilt, was Stefan Zweig (Jahreskatalog der Vereinigten Verlegergruppe) vou den Büchern schreibt: »Und je inniger man mit ihnen lebt, um so tiefer erlebt man die Gesamtheit des Lebens, denn wunderbar vervielfacht, nicht nur mit dem eigenen Auge, sondern mit dem Scelenblick Unzähliger, sicht und durchdringt dank ihrer Hilfe der Liebende die Welt«. Deutsche Buchkünstler im Urteil des Auslandes. Uber die Internationale Buchkunst-Ausstellung in Paris (1631) ist in der deutschen Fachpresse ausgiebig berichtet worden (im Börsen blatt 1931, Nr. 146 und 154). Eine größere Anzahl von Illu strationen französischer Künstler (und sie selbst im Lichte ihrer hei mischen Kritiker) führte das Archiv für Buchgewerbe im vorigen Jahre vor. Desgleichen wurde die Fachwelt iu Frankreich und England durch längere Aufsätze über das buchkünstlerische Schaffen in aller Welt, wie es sich auf der Ausstellung dargcboten hatte, orientiert. Abgesehen von französischen Blättern brachten in ihrem I^itorary Lupplement die i'imeg eine eingehende kritische Studie, die alle Länder berücksichtigte. Noch jüngst enthielt die krintin^ Uevievv, Englands führendes buchgcwerblichcs Organ, eine mit zahl reichen Abbildungen ausgestattete Beilage. Die im Jahre des Lalon international cku lüvre 1931 neugegründete bibliophile Zeitschrift von Pierre Mornand 1.6 Libliopdile (Lckitions ?apyru8) widmete einen erheblichen Teil ihres 4. Heftes (1931) der Ausstellung. Es stand zu erwarten, daß auch Frankreichs bekannteste, buch- künstlerisch-buchgewerbliche Zeitschrift ^rt8 et m6tier8 xrapkiguso unter Charles Peignots Leitung die Gelegenheit zu einem Gesamt rückblick nicht vorübergehen lassen würde, und sie bringt in ihrer umfangreichen Nummer 26 eine mit reichem Bildmaterial ausge stattete Gcsamtbetrachtuug von Bertrand Guegan, in der uns be sonders das interessiert, was über unsere deutsche Buchkunst und ihre Vertreter gesagt wird. Ein allgemeines Urteil über die deutsche Buchkunst der Gegen wart, wie sie sich auf der Ausstellung gezeigt, gibt 1.6 Vibliopüil« ab mit den Worten: »Die Anziehungskraft der deutschen Abteilung bestand vor allem in der Mannigfaltigkeit des Gebotenen. Man sah nicht nur schöne illustrierte Bücher, sondern zugleich die interessan testen typographischen und kalligraphischen Versuche. Die verschie denen Schriftarten und Drucktypen kamen hervorragend zur Geltung und erschienen in durchdachten Gestaltungen, Zusammenfügungen und Kombinationen gotischer und romanischer Formen: Der Gestaltungs reichtum der einen erlaubt die gewagtesten Erfindungen, die bis weilen hart an die geschmackliche Grenze gehen, die aber in Einzel heiten originell sind; der klarere Stil der anderen verleitet einzelne Drucker, nach äußerster Schematisierung zu streben. Der Kontrast ist packend.« In der Litcraturbeilage der »1im68« wird darauf hingewiesen, daß der französische Katalog der Ausstellung die Künstler gruppiere als: Illustratoren, Drucker, Schriftschreiber, Buchbinder; aber diese strenge Trennung lasse sich für die deutschen Buchkünstler nicht auf rechterhalten, denn jeder bedeutende deutsche Buchkünstler ließe sich in mehrere dieser Gruppen einreihen und »je größer einer als Künstler ist, um so größere künstlerisch-erzieherische Verantwortung trägt er«. Kurze kritische Charakteristiken einzelner Künstler bringt die Zeitschrift ^rt8 et mötier8 grapdiciu«^ Wir geben sie hier sämtlich auszugsweise wieder. Auf typographischem Gebiete wird Carl Ernst Poeschel »als einer der größten Trucker« gerühmt. Es wird der Januspresse gedacht, die er mit Walter Tiemann zusammen als erste Privatpresse in Deutsch land errichtet habe, die später an den Insel-Verlag überging, ferner der Ernst-Ludwig- und der Nupprecht-Presse von Ehmcke in Mün chen, der Okkieina Lerpentw in Berlin und der Cranach-Pressc in Weimar, sowie der Mainzer und Bremer Presse, deren Drucke in ^rt8 6t m4ti6r3 Beifall finden, während in 1.6 kibliopkilo das Ur teil über die Mainzer Presse weniger günstig lautet. Von Walter Tiemann- Leipzig lobt man die von ihm ent worfenen Schriften, die Gotisch, die lichte Daphnis, die Cursiv, die an die Deberny Serie 16 erinnere, während eine andere an die
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