N9, 84. Mal 19l6. Fertige Bücher. «Srs-Ntl°,t s. d. Dtlchn, Buch»a„d-l. Z53Z ^ Soeben erscheint: m Klabund: Moreau L L.7.: Die erste Besprechung: Fritz Engel schreibt am 22. Mai im „Berliner Tageblatt": Klabund, der so prächtig in die Höhe gewachsen ist, hat nun auch ein Prosabuch »IV geschrieben, oder, um cs besser zu sage», ein Poetenbuch in unmetrischer Form. Sein „Roman eines Soldaten" ist nicht einmal ein Roman nach der Schnur. Es ist mehr die von Hause aus romantische LebcnSgeschichte eines Kriegers, halb historisch und darum zuletzt »nhistorisch, gesehen mit der Freiheit des Dichters, der in Geschichte büchern ein Gerippe findet und es nun nach eigenem Willen mit Geist nnd Fleisch umhüllt. Der Held ist Jean Victor Moreau, eine der großen Gestalten aus der Revolutionszeit, die mit dieser selbst in die NapolconSzeit hinüberschritten; eine wunderliche, wilde, treibende, getriebene Persönlichkeit, ein Jnstinktmensch ohne Hemmungen, der alle Durchschnittsmaßc hinter sich ließ und dessen Tragik es war, daß seine eigene Größe doch'tioch überragt, sein Sclbsiwillen doch noch von dem Einen, von Napoleon Bonaparte, übertroffen wurde. Klabund liebt diesen siegreichen General sehr; er liebt ihn bis zu dem Grade, daß er seine Niederlagen gegen Erzherzog Karl und Suwarow verschweigt. Ihm kommt es darauf an, die Grundzüge dieser bald goldhell, bald schwefelfahl schimmernden Natur aufzuklären, sein Ungestüm, seine Macht über die Menschen, das wilde Zucken seiner körperlichen und seelischen Triebe. So begleitet er den Advokatensohn durch die stürmischste aller Laufbahnen, die den Jüngling schon als General Frankreichs fand, die den Mann auf der Höhe der Jahre als Verbannten in Amerika zeigt, und dann auf den schwindelnden Gipfel, da er der Heerführer von Frankreichs alliierten Feinden wird, ein „Verräter seines Landes", durch eine» raschen Soldatentod mehr belohnt als bestraft. Das Stärkste sind die Szenen mit und gegen Napoleon, den Rivalen. Ohne wüstes Prasseln schlägt hier aus Klabunds Darstellung eine sengende Flamme vor. Mit einer Selbstzucht, wie sie die Jugend nicht oft hat, wird nur die letzte Essenz aus dem Zusammenprall zweier allzu Ähnlichen gegeben. Preis: geheftet M. 4.-, Halbleinen M. 5.- " bar 35°jo, Partie 7j6 Erich Reiß Verlag " Berlin W. 62 478«