119, 24. Mai 1916. Fertige Bücher. Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. 3529 Der Dialog als neuer „amüsanter" Typus der Kriegsliteratur Der Verfasser dieses geistreichen Dialogs war in den letzten E> Jahren vor dem Kriege Londoner Korrespondent der Frank furter Zeitung, und seine Berichte gehörten immer zu dem Aufschlußreichsten, was man über britisches Leben lesen konnte. (Vossische Zeitung.) Bernhard Guttmann Huber und Cox. Ein zeitgenössisches Gespräch Mit Llmschlagzeichnung von 0r. E. Preetorius Brosch. M. 1.30, in Pappbd. M. 1,80 Vossische Z e i t.u n g: Der erste Teil des Gespräches ist eine Satire, da werfen sich „Edelhuber" und „Supercox", der Oberdeutsche und der Äberengländer, mit staunenswerter Gelehrsamkeit und konzentrierter Bosheit gegenseitig all das vor, was Professoren und andere Broschüren- und Zeitungsschreiber diesseits und jenseits des Kanals dem Gegner ins Schuldbuch ge schrieben haben, bis zu den sechs Frauen Leinrichs VIII. und dem Weinhumpen König Albions, des Langobarden. Aber auf diese höchst amüsante Satire folgt ein sehr ernsthaftes Gespräch, in dem die wahren Gegensätze namentlich der englischen und der deut'chen Staatsauffafsung mit scharfer Dialektik und in glänzender, zum Teil gehobener Sprache erörtert werden. Guttmann ist weit entfernt davon, alles Licht auf die eine Seite fallen zu lasten und auf die andere alle Schatten. Es ist viel Nachdenkliches in diesem Gespräch. Eduard Bernstein im „Vorwärts": Ein geistreicher Schriftsteller hat vor einiger Zeit den Ausspruch getan, daß, wenn zwei Leute sich miteinander unterhalten, es in Wirklichkeit sechs Leute sind, die das Gespräch führen. Nämlich I. jeder der beiden, wie er wirklich ist, 2. jeder der beiden, wie er glaubt, daß er ist und wie er erscheinen will, und 3. jeder der beiden, wie er dem andern wirklich erscheint. An diesen Gedanken knüpft der Verfasser an, um Engländern und Deutschen einen Spiegel vor zuhalten. Er läßt einen Deutschen, den er Luber nennt, und einen Engländer, Cox genannt, auf einer Bank der holländischen Residenzstadt Äaag Platz nehmen und sich gegenseitig stolz ignorieren, als zwischen ihnen die 4 Personen auftauchen, die sie nicht wirklich sind, aber zu sein glauben oder zu sein scheinen, und gemäß der ihnen beigelegten Charaktere, also mit hüben und drüben landläufigen Übertreibungen der verschiedensten Art, das Gespräch einleilen und eine Weile führen, dann infolge einer Explosion verschwinden, worauf nun der wirkliche Luder und der wirkliche Cox, jeder als Stimme der Denkenden seines Landes, einander allerhand Wahrheiten ernster Natur sagen. Die Schilderung, die der Verfasser sowohl von den wirklichen, wie von den Schein- Persönlichkeiten gibt, zeugt von guter Kenntnis der nationalen Besonderheiten, und die Gespräche atmen bald treffende Satire und bald bitteren Ernst. Nur noch bar! Kuc/r 211 5(e//e/r. Eugen Diederichs Verlag in Jena 472»