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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 22.01.1916
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1916-01-22
- Erscheinungsdatum
- 22.01.1916
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- Deutsch
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^ 17, 22. Januar 1816. Redaktioneller Teil. bedingt nötigen Neudruck nicht als 9. Auflage, sondern als 8. Auflage 2. Abdruck zu bezeichnen und damit natürlich das Buch ganz unverändert zu lassen. Ich erhielt die Zusicherung, daß dieser Neudruck ruhig im Gebrauch bleiben und erst später eine Umarbeitung vorgenommen werden solle. Des gleichen erhielt ich wegen des Ersuchens der auswärtigen Verlagsbuchhandlung die unbedingte Zusage, daß er leine etwa noch zu beantragende Veränderung in den an den Ham- burgischen Schulen gebrauchten Lehrbüchern für das kommende Schuljahr genehmigen würde. Wenn nun die Verleger auch die entsprechende gleiche Zusicherung geben, dann steht einer frühzeitigen Schulbücher-Bestellung nichts im Wege. Ich werfe noch die Frage auf: Wenn es jetzt zur Krtegszeit an gängig ist, daß die Schulbücher unverändert bleiben, sollte dann die Neuerungssucht in Friedenszeit nicht wenigstens ein gedämmt werden können? Ich sehe die Hauptursache der stetigen Veränderungen bei Schulbüchern in den Bemänge lungen seitens einzelner Lehrer, die dann Verfassern und Verlegern Sorge ob des Verlustes einzelner Lehranstalten ein flößen. Es ist in erster Linie Sache der Schulbehörden, hier mit fester Hand einzugretsen. Rühmend möchte ich eine Dresdener Verlagsbuchhandlung hervorheben, die unlängst wegen des Erscheinens einer veränderten Auflage sich bereit erklärte, die Vorräte der alten Auflage bis zu einem gewissen Zeitpunkte von den Sortimentern zurückzunehmen. Die Hamburgische Schulzeitung brachte in ihrer ersten Nummer von diesem Jahre auf Wunsch einen »Aufruf an Eltern, Lehrer und Erzieher» zum Abdruck, worin diese auf gefordert wurden, dem nationalen Hochmut der deutschen Jugend zu steuern. Die Schulzeitung ließ dem bedauerlichen Aufruf die verdiente scharfe Abfertigung zuteil werden. Der Aufruf trug im ganzen 12 Unterschriften, gegeben von 1 Do zenten, S Universttätsprofessoren (2 aus Österreich), 4 Schrift stellern, 1 Gerichtsassessor a. D. und 1 Lehrer — und der ist aus Hamburg! Viel Rückhalt unter der Hamburgischen Lehrerschaft hat er bei seiner Stellungnahme sicher nicht; das glaube ich öffentlich sagen zu dürfen. In dem Aufruf heißt es eingangs: »Hatz, Rachedurst, Verachtung und Schadenfreude gegenüber den feindlichen Nationen und eigener nationaler Hochmut haben eine so erschreckende Ausdehnung gewonnen, daß es an der Zeit ist» usw. Wo diese Herren ihre Beob achtungen gemacht haben, weiß ich nicht. Niemand wird irgend einen Hochmut fördern wollen, auch nicht einen natio nalen; dagegen aber wollen wir berechtigtes nationales Selbstgefühl und nationale Selbstachtung kräftig pflegen. Gerade dieser Aufruf scheint mir zu beweisen, daß es daran noch fehlt. »Wie sollen sich denn die kulturellen Beziehungen zu anderen Staaten gestalten«, so heißt es weiter, »wenn wir der Jugend den Völkern dieser Staaten gegenüber einen Haß einimpfen, der die Namen von Kulturnationen ersten Ranges als ärgsten Schimpf ansehen läßt.« Was Eltern, Erzieher und Lehrer der Jugend »einimpfen«, überlasse ich diesen ge trost; ich glaube, sie bedürfen des Rates der zwölf »Kultur apostel« nicht. Aber in dieser jetzigen schweren Zeit, gerade in den Tagen, wo die Baralong-Schandtat uns alle nochmals schmerzlich und zornig bewegt, mit einem gewissen bewun dernden Augenaufschlag unsere Feinde als Kulturnattonen ersten Ranges zu Preisen, wobei ich noch garntcht voraus setzen will, daß sie dabei an Russen, Serben und Monte- negriner auch mit gedacht haben, scheint mir doch mindestens übel angebracht zu sein. »Kulturnationen ersten Ranges« — ich möchte jenen Zwölf das Studium des Buches »Lien, Das Märchen von der französischen Kultur« empfehlen, und was England anbelangt, so hat uns Houston Stewart Chambsrlain Helle Lichter zum Erkennen englischer Kulturzustände aufgesteckt. Noch ein Satz aus dem Aufruf: »Einerseits aus Gründen der künftigen internationalen Kulturarbeit und anderseits um einer richtigen staatsbürgerlichen Erziehung willen muß« . . . Also in den Tagen der bittersten Not und Kämpfe um Er haltung unseres staatlichen Daseins und der deutschen Kultur — eine internationale Kultur gibt es überhaupt nicht — predigen uns diese zwölf Ideologen zarte Rücksicht nahme auf unsere Feinde, weil sie angeblich Kultur nationen ersten Ranges sind, und träumen von internatio- n aler Kulturarbeit. Ich danke für diese Kulturverbrüderung. Einstweilen hat nur der echte Zorn und die starke Faust ein Recht! »Versöhnungsversuche und Schule« heißt ein Aussatz in den Hamburger Nachrichten vom 8. d. M., verfaßt von einem hamburgischen Oberlehrer. Daraus ersehe ich, daß in einem unlängst erschienenen Buche u. a. auch der bekannte Professor Fr. Wtlh. Förster sich über »Neue Erzieherpflichten« folgender maßen äußert: »Drittens müssen wir die Aufmerksamkeit ge rade der jungen Generation über die völkertrennenden Wir kungen des Weltkrieges hinaus auf die unumgängliche Wieder vereinigung der Völker und auf alle sich daraus ergebenden sittlichen Ausgaben lenken«. Der hamburgische Rezensent des Buches findet treffende Worte über den »verwaschenen Inter nationalismus«, der sich in diesem Satze äußert. Ich bedaure, daß weder seine Ausführungen, noch die der Hamburgischen Schulzeitung hier vollinhaltlich abgedruckt werden können. Doch in einem Hamburger Briefe bringe ich diese kräftigen Abweisungen einer verwaschenen Jnternationalität an sich zur Kenntnis des deutschen Buchhandels. Wenn auch nur von wenigen ausgehend und hoffentlich nur von wenigen geteilt und unterstützt, müssen solche Schwachheitsanwandlungen und -Auslassungen doch von Anfang an scharf bekämpft werden. Dazu ist der deutsche Buchhandel mit berufen. »Drum gab er ihm de» kühnen Mut, Den Zorn der freien Rede, Daß er bestände btS auss Blut, Bis ln den Tod — die Fehde.« Wir brauchen noch viel Zorn! Hamburg, 16. Januar 1916. Justus Pape. Feldgraue Weihnachten. ii. Ich hatte gerade die Lichthalter unseres Weihnachtsbaums wieder säuberlich verpackt, um sie — man kann ja nicht wissen! — zum Weih nachtsfest 1916 jedenfalls bereit zu haben, als die Anfrage des »Börsen blatts« bei mir eintraf, wie ich 1915 mein Wcihnachtsfest verlebt hätte Ich kann darauf nur antworten: »Danke sehr, es war eigentlich recht nett!« Man hatte ja beim 2. Feldweihnachten nun schon eine gewisse Routine, wie man z. B. 13 Paar wollene Strümpfe oder eine Zieh harmonika unter 157 Leute verteilt, sodaß ein jeder zufrieden ist! Meine Formation war reichlich von den Offiziersdamen des Regi ments und den Angehörigen der Negimentsmitglieder bedacht worden, am 22. Dezember harrten acht große Kisten des Auspackens. Ich »mietete« mir für den 24. die Mädchenschule 6u saerö-eosur meines Kaffs, ein großes, schuppenartiges Gebäude, das mir die bebrillte Lehrerin mit saurer Miene überließ: statt Freudenbezeugungen erntete ich von den kleinen Mädchen gar böse Blicke und Tränen, weil ich sie für den 24. aus ihren geliebten Klassenräumen verbannt hatte. Ich glaube, unsere kleinen deutschen Mädels dürften da anders denken! Ter Heilige Abend verlief an der Front verhältnismäßig ruhig, sodaß ich ohne Störung meine Weihnachtsfeier in der Dorf kirche abhaltcn konnte, bei der ich unter dem brennenden Christbaum eine längere Ansprache mit einem Jahresüberblick über das fast ver flossene Jahr halten konnte. Sodann fand in der Mädchenschule die Bescherung an die Mannschaften statt: auf jeden Landser entfielen 24 Zigarren, 10 Zigaretten, eine halbe Stolle und einige praktische Kleinigkeiten, wie Hosenträger, Zigarrenetuis, Bücher (Reclam und Wiesbadener Volksbücher) u. dgl. mehr. Die gestiftete Ziehharmonika wurde durch ein großes Wettspielen auf diesem Instrument zur Ver teilung gebracht. Der B e st s p i e l e n d e erhielt sie, da dieser mit seinem Spiel seine Kameraden am meisten erfreuen wird. Dann ging ich, nachdem noch einige Lieder gesungen und die Christbaumkcrzen niedergcbrannt waren, in mein Quartier zum »Granatschlößl«, um den Abend mit meinem Oberleutnant zu verbringen, da meine anderen Offiziere durch Abwesenheit, infolge Heimaturlaubs oder Abkomman diertseins, glänzten. Aber in diesem .Kriege kommt ja alles immer anders! Und diesmal, wohl weil es Weihnachtsabend war, sogar hübscher! Denn daß ich den Weihnachtsabend noch mit einem mir nahestehenden Berufskollegen verbringen konnte, war mir eine be sondere Festfreude! Uhr klopft es an meine Tür! »Lutrer!« Wahrscheinlich ist's wieder so'n französischer »Piesang« mit irgend einem blöden Anliegen, denke ich noch! — Tritt Hauptmann Geheimrat 75
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