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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 01.03.1844
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- 1844-03-01
- Erscheinungsdatum
- 01.03.1844
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- Deutsch
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573 18 574 von Cotta, S. G. Li esch ing in Stuttgart; Vieweg, Westermann in Braunschweig; Saucrländcr in Frankfurt a. M.; Literar. Comptoir, Meyer und Ze ller in Zürich u. A. Doch wer möchte die Namen aller Derer herzählen, welche an der Spitze der gegenwärtigen Blüthe unserer literarischen, industriellen und commerciellen Verhältnisse stehen? Auch sind ihre Verdienste so sichtbar, daß sich Niemand der dankbaren Anerkennung derselben ent ziehen kann. Weniger augenscheinlich sind die nicht minder anerkcn- nungswerthen Bemühungen Einzelner, obgleich sie mir dem jüngsten Aufschwünge des Bücherwesens im innigsten Zusammenhänge stehen. — Wir heben beispielsweise nur die neuern großartigen Bestrebungen um die Papierfa- brication und den Papicrhandcl hervor. Noch im Anfänge der zwanziger Jahre sagte Börne in der Beschrei bung einer französischen Industrieausstellung (Ges. Schrif ten, V. S. 235 ff.): „So viel mich meine eigene Erfah rung gelehrt, ist das Papier, welches man gewöhnlich zu Briefen und zum Cvncipiren braucht, in Paris nicht wohl feiler als in Deutschland. Das zum Drucke bestimmte Pa pier aber (Druckpapier darf cs nicht genannt werden, weil solches, was man in Deutschland so nennt, hier nur an den Volksbüchern vondcnniedrigstenPreisen gesehen wird) ist anerkannt in Deutschland geringer und theurer als in Frankreich. Man möchte wohl wissen, wo her das kommt? An dem rohen Materiale zum Papier fehlt es in Deutschland gewiß nicht. (Später erfuhr ich, daß cs doch wirklich so sei, weil es in Deutschland an vornehmen feinen Lumpen fehle —worüber ich mich sehr wunderte.—) Welche andere Verhältnisse sind cs also, welche dort auf diesen wichtigen Zweig der Industrie nachthcilig cinwirken? Die deutschen Fabriken sind nicht einmal im Stande, den nöthigen Bedarf zu liefern, und ob zwar aus Frankreich und der Schweiz viel Papier cingeführt wird, hört man dennoch die Buchhändler klagen, daß sie beim Drucke ihrer Werke oft durch Mangel an Papier aufgehälten würden. Sollte dort wohl der starke Kanzlcivcrbrauch am Papiermangel Schuld sein? Dieses ist wohl mög lich, ja es ist wahrscheinlich, wenn man bedenkt, daß ein verwickelter Criminalproceß, der in Frankreich innerhalb dreier Monate beendigt wird, in Deutschland erst nach dreiIahren zur Entscheidung kommt, und daß dort Pa pier und Zeit, schreiben und leben synonyme Wörter sind." — So sehr wir uns jetzt über die Mangelhaftigkeit der da maligen deutschen Papiergeschäfte wundern mögen, so un leugbar ist sie doch. Noch vor 25 Jahren mußte der deutsche Buchhandel seinen Bedarf an Druckpapier direct von der Papiermühle beziehen. Da nun in hergebrachter Weise bloß während der Wintcrzeit Druckpapier fabricirt wurde, so sah sich der Consument genölhigt, seinen muthmaßlichcn Jah resbedarf schon im Herbste des vorhergehenden Jahres anf- zugeben, um einer Menge der verdrießlichsten Jnconvenien- zen zu entgehen. Wie selten aber letztere ganz zu beseitigen waren , zeigt ein Blick auf die Ausstattung größerer Werke jener Zeit, die in der Regel auch als Mustersammlung von Papier dienen können. Zwar gab es in Bayern einige Papierhandlungen, welche von mehreren in diesem Lande gefertigten Druckpapieren Lager unterhielten, die jedoch nur eine sehr beschränkte Auswahl boten, und ohnehin für un vorhergesehene Bedürfnisse nicht ausrcichten. Wer gar bessere und feinere Papiere bedurfte, sah sich in die Noth- wendigkeit versetzt, solche aus dem Auslande zu beziehen, denn vergebens würde man in Deutschland auch nur eine Handlung gesucht haben, welche mehr als die in den „Sch reib Materialien Handel" einschlagendcn Sor ten aufzuweisen hatte. Dieser Mangel mußte natürlich eben so nachthcilg auf die Leistungen der deutschen Buchdru cke rkun st und demgemäß auf den Buchhandel, wie auf die mit ersterer verbundenen Geschäftszweige, Holzschnei dekunst, Notendruck u. dgl. m. cinwirken. Das Bedürfniß, daß eine Zusammenstellung von allen in- und ausländischen Papicrgattungen an der Zeit sei, er kannte zuerst das jetzt durch ganz Deutschland, ja halb Eu ropa rühmlichst bekannte Haus F. Flinsch, und es wußte die zeitgemäße Idee auf das großartigste auszuführcn. Wir sahen dessen Etablissement in der angedeutctcn Weise 1819 in Leipzig und 1829 in Frankfurt a. M. entstehen. Von dieser Zeit an sah sich der deutsche Buchhandel in dem Vortheil, seinen Bedarf aus jenen Häusern beziehen zu können. Der Papierhandel im Großen belebte wiederum die Fabrication des Stoffs und ermöglichte nicht nur die Massen- und Schönheits-, sondern auch — versteht sich im Verein mit andern Bedingungen — die Schnelligkeits- Wirkung der Presse. Denn bei einer das Interesse des Au genblicks betreffenden literarischen Erscheinung kam man nicht mehr, wie vielfach vor dem, in die Verlegenheit, die Publication derselben aus Materalienmangel so lange verta gen zu müssen, daß sie po8t lestum kam. — Das Haus Flinsch gründete weiterhin, um seinem Handel eine nach haltige Stütze zu geben, schon in den ersten Jahren seines Aufblühens eine eigencH)apierfabrik mit Maschinen (in Pe- n ig) und hat der Papierfabrikalion fortwährend erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet. So stellte es noch im vorigen Jahre (an die Stelle einer bisher betriebenen Handpapierfa brik, in Blankenberg bei Hof) eine neue, aus der be rühmten Werkstätte von Donkin in London gefertigte, eng lische Maschine auf, welche wohl den interessantesten Wer ken der neuern Mechanik zugezählt werden darf. Wir hat ten Gelegenheit, dieselbe eine Stunde lang arbeiten zu sehen, während welcher Zeit sie 16,200 Quadcatschuhe Papier lie ferte, das an Reinheit und Glätte dem vollkommensten gleichkam, welches uns aus dem Auslände noch zu Gesicht ge kommen ist. Bei ununterbrochenem Fortgang liefert diese Riesenmaschine in 24 Stunden die ungeheure Zahl von nahe an 389,000 Quadratschuhen oder 150,000 Bogen Papier in gewöhnlicher Größe. Man darf nach all' dem dieses Etablissement in Bezug auf die Vortrefflichkeil seiner innern Einrichtung und die riesige Bedeutung seines Erfolgs unbedenklich zu den großartigsten industriellen Instituten Deutschlands zählen. Dem entsprechen denn auch die Leistungen des Hand- lungshauscs Flinsch, wobei wir uns kurz auf jedem Sach verständigen bekannte Thatsachen berufen können. Freilich gehörte zu diesem Resultate die ungewöhnliche Thätigkeit, Umsicht und Sachkenntniß, so wie das gemeinschaftliche 38*
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