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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 02.04.1850
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- Ausgabe
- Band
- 1850-04-02
- Erscheinungsdatum
- 02.04.1850
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- Deutsch
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376 Anarchie im Buchhandel. Ja — hört es nur, Absolutsten und Constitutionelle, Conserva- tive und Fortschrittsmänner—die Anarchie ist da, sie existirt mit Fleisch und Blut im Buchhandel- Ihr mögt nun auch die Ohren verstopfen, so leset Ihr es doch im Börsenblatte aus Berlin und noch vielen anderen Orten und Enden des Deutschen Buchhändlerstaates, wie Einer den Andern über bietet und schreit: „Ich gebe jedes beliebige Werk noch um so und so viel billiger als jener" —; ihr mögt nun — fromme Seelen der alten geregelten Buchhändlerwelt — zudem Ihr Euch bereits die Ohren ver stopft habt, auch noch die Augen schließen in der Meinung, dies helfe: Umsonst — Alles vergebens. Denn da läuft Euch ein Band durch die Hände doppelt so stark wie ein gewöhnlicher Romanband der Me- line'schen Ausgaben zu 1 Thlr. pr. Band, und Ihr erfahrt, daß dieses elegant ausgestattete Buch von 27 Bogen, Format Charpen- tier — das neueste Werk des Französischen Socialisten Louis Blanc — nur H N g r. kostet, so werdet Ihr mit Schaudern begreifen, daß — wo die Anarchie so handgreiflich — man umsonst und nur strafwürdig Augen und Ohren verschließen würde, und Ihr werdet einsehen, daß es endlich höchste Zeit ist, mit wachen Sinnen und an gestrengter Kraft solchem Unwesen entgegen zu treten, soll nicht in Kurzem der Wohlstand des Einzelnen unter den Ruinen des großen Ganzen begraben werden. Glaubt denn Herr Meline, daß es das Wohl des Buchhandels oder sein eigenes (wir wollen nur dieses letztere in's Auge fassen, auf welches es doch immer vor Allem abgesehen ist) fördern wird, wenn er ankündigt, daß er seine elegant ausgeftattete Ausgabe zu noch niedri gerem Preise als die billigste anderswo erschienene berechnet, und der weit entfernte Sortimenter nur dem Zufälle, daß Niemand eine Ausgabe zu 4Ngr. brachte, es verdankt, daß er nicht über den Rabatt an Porto darauf bezahlt; glaubt ferner Herr Meline, daß das Publi cum durch Ein solches Beispiel, wie das in Frage stehende, nicht sehr leicht degoutirt werden wird, seine Roman-Ausgaben mit 1 Thlr. zu bezahlen, wenn es ein Geschichtswerk zu solchem Maculaturpceise erhält? — Daß dieses Unternehmen Herrn Meline keinen Gewinn bringen kann, — dies einzusehen, braucht man wahrlich nicht Buchhändler zu seyn; daß es aber dem ganzen Buchhandel unberechenbaren moralischen Schaden zusügt, und bei öfterer Wiederholung denselben ganz discre- ditiren muß — dazu bedarf es wol auch keines Eommentars. Hätten wir es in diesem Falle mit einem kleinen Verleger zu thun, dem es nicht möglich ist, den Schaden einer durch Eoncurrenz verunglückten Speculation zu tragen, und der bedacht seyn muß, doch wenigstens die Herstellungsspesen eines solchen Artikels zu decken, so würden die Consequenzen für den ganzen Buchhandel keine so gewich tigen seyn und wir gern ein Auge zudrücken; wäre das besprochene Werk ein Deutsches, zur Belehrung für die große Masse bestimmtes, vorzügliches Buch, so könnten wir einen solchen Preisansatz nur freu dig als ein Erkennen der Zeit begrüßen, obgleich wir nicht wissen, ob dieser Zweck eben so hinreichend gewesen wäre, den Herrn Verleger zu solchem Entschlüsse zu veranlassen; — aber so, wie dieser Fall vor liegt, können wir ihm blos traurige, sehr traurige Seiten und Be trachtungen abgewinnen, und nur den Wunsch hegen, daß er — um nicht gänzliche Mißachtung über unser Geschäft heraufzuführen — vereinzelt stehen bleiben möge. —r. Das Börsenblatt Nco. 24 enthält unter der Ueberschrifl Zst's wahr? einen kleinen Artikel wegen Betheiligung der Buchhändler an den Wahlen zum Gewerberath, aus der betreffenden Debatte in der Haupt versammlung der Berliner Buchhändler - Corporation. Es wird darin ^27 erwähnt, daß von mehr als einer Seite alles Ernstes behauptet wor den sey, „es sey betreffenden Ortes die Rede davon gewesen, die Buch händler unter die Kategorie der Blumen- und Topfhändler zu stellen." Dies ist jedoch nicht richtig. — Zur Zeit stand noch nicht fest (seitdem ist Bestimmung getroffen worden), ob die Buchhändler mit der Kaufmannschaft oder mit den Fabrikanten wählen würden. — Da nun hierüber conjecturict wurde, so äußerte ein Theilnehmer der Versammlung: „Wenn es nach der Steuer-Eintheilung geht, so wählen wir mit den Händlern ohne kaufmännische Rechte *), zu denen allerdings Blumen- und Topfhändler, so wie Höker rc. rc. gehören. — Die Sache ist übrigens auch ziemlich so gekommen, nur wählen jetzt alle Händler zusammen, d. h. also der erste Banquier wie letzte Topfhändler. >—s— *) In denjenigen Städten der Preußischen Monarchie, in welchen eine kaufmännische Corporation besteht, gehören Buchhändler, so weit sie nicht Mitglieder der kaufmännischen Corporation sind, zu den Händlern ohne kaufmännische Rechte. Entgegnung auf Herrn Carl Boldcmann'S Sichere Anleitung für Verleger reich zu werden, in Nr. 2l des Börsenblattes. Dem Herrn Carl Boldemann in Lübeck diene zur Nachricht und Beruhigung, daß von sämmtlich aufgeführten Artikeln nur der erste: Burgwardt's Schulbuch wirklich niein Verlag ist, und ich hiervon bei dem vom Verfasser zur Bedingung gemachten niedrigen Ladenpreise auch nicht mehr als 25 La Rabatt geben kann- Es steht nehmlich auf meiner gedruckten Factur bei diesem Artikel derPreis, wie folgt: roh 5 st, netto 3-U st (in Partien von 25 Exempl. roh 7 P- netto, 5^8 st), was Herr Boldemann vergeßen hat mit anzuführen. Ein gebundenes Exemplar kostet 7 st, netto 5A st, da ich vom Einbande doch keinen Rabatt geben kann. Alle übrigen aufgeführten Artikel habe ich nur in Commis sion, und erlauben die von den Verfassern derselben gesetzten Be dingungen keine niedrigeren Nettopreise, als die auf der Factur be merkten. Herr Boldemann Kälte besser gethan, meine Factur ganz nbdrucken zu lassen, mit den darauf bemerkten Parliepreisen, alsdann wäre doch kein Grund vorhanden gewesen, von mir zu sagen, ich wolle lehren, bessere Geschäfte zu machen, als andere Verleger. Bisher habe ich nie gestrebt eine großer Verleger zu werden, noch viel weniger Reich- thümer zu erwerben, sondern nur darauf gesehen, Jedermann zur rechten Zeit bezahlen zu können. Ein Weiteres dem Herrn Carl Boldemann in Lübeck zu er widern, halte ich für überflüssig. Altona, März 1850. Carl Theo d. Schlüter. MiScellen. Von der 1200 starken Auflage von Eduard Schult's politischen und socialen Gedichten (Greven) wurden sofort 750 an Subscribenten abgesetzl und weitere Erempl. von der Polizei consiscirt. Von dem ausgezeichneten Buche des unlängst in Wien verstorbe nen Freiherrn Ernst von Feuchtersleben: „Zur Diätetik der Seele" — wird nächstens die 6. Auflage die Presse verlassen. Ins Englische übersetzt und in England als Schulbuch eingeführt, hat dieses kleine Werk den Namen seines Verfassers weit über die Grenzen Oesterreichs hinausgetcagen und ihm die verdiente Anerken nung verschafft, die man erst später dem nunmehr Hingeschiedenen in seinem Vaterlande, durch Ernennung zum Mitgliede der k. k. Akademie
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