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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 30.11.1915
- Strukturtyp
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- 1915-11-30
- Erscheinungsdatum
- 30.11.1915
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- Deutsch
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vörsenbiatt f. d. Dtschn. Buchhandel. Redaktioneller Teil. ^ 278, 30. November 1915. Sage ich: das deutsche Geschenk des Buches, so meine ich, wie sich von selbst versteht, das gute Buch. Wie findet man es? Wo man es findet, weiß jeder, der finden will: beim Buch händler. Aber das Wie ist unvergleichlich schwerer. Unsre Buch kritik in Ehren; aber selbst ein berufsmäßiger Kritiker wird nicht zu behaupten wagen, daß, wer nur ihm aufs Wort solge, an kein schlechtes Buch sein gutes Geld wegwerfe. Vom Geschmack gar nicht zu reden! Es werden gute Bücher durch die Zeitungskritik empfohlen, es werden mittelmäßige, ja schlechte Bücher ange priesen, und ich werde keinen Widerspruch erzeugen, wenn ich be haupte: es gibt keine einzige deutsche Zeitschrift, sei sie oder tue sie noch so vornehm, auf deren Bücherbesprechungen unbedingter Verlaß ist. Ich kenne deutsche Weltzeitungen und Zeitschriften ersten Ranges, in denen hervorragendeSchriststeller dauernd totge schwiegen werden, und ich habe nicht nur selbst sestgestellt, sondern mir wer weiß wie oft von Bücherkäufern sagen lassen, daß aus gemachter Schund oder doch ganz mittelmäßige Scharteken als unerhörte Offenbarungen angepriesen wurden. Der beste Berater des Bücherkäufers war von jeher und ist noch immer der gute Buchhändler. Es gibt gute Buchhändler, un zweifelhaft, und ich kenne so manchen; aber daß es solche gibt — ich meine den guten Buchhändler, der das gute Buch erkennt und empfiehlt —, grenzt doch eigentlich ans Wunder. Und läse er, wie Goethe getan, täglich 2 Bände, ja läse er täglich 5 oder 10, was weiß er dann über den Bllcherhaufen, der ihm zweimal oder gar sechsmal die Woche ins Haus geschleppt wird! Und doch sag ich: Lieber, zehnmal lieber will ich den Käufer des deutschen Geschenkes vom Rate des Buchhändlers abhängen lassen, selbst des kleinen in der kleinen Stadt, als von dem des grotzmächtigen gefürchteten oder ge priesenen Kritikers in den deutschen Großstädten. Der Buch händler hat weit mehr Verantwortlichkeitsgefllhl, flösse es auch nur aus dem Sinn fürs Geschäft, als der Buchkcitiker, der oft ge nug nicht mit seinem Namen für sein Urteil einzutreten wagt. Und kommt es erst dahin, daß der regelmäßige Käufer des deut schen Geschenkes regelmäßig den Verkäufer zum Berater wählt, so wird dieser sich pflichtmäßig über Wert oder Unwert der Ge schenkbücher belehren und seine Belehrung auf den Käufer über tragen. Was jedem andern Kaufmann das Selbstverständliche ist: Warenkenntnis, das wird sich der Vermittler des deutschen Ge schenkes aneignen und anwcnden. Zum deutschen Buchhändler, der sich durchdrungen Hai mit dem Gefühl für seine Verantwortung und der sich als Vertrauens mann des Geschenkekäufers ansicht, habe ich die Zuversicht, daß er nicht nur Gut und Böse unterscheiden, sondern daneben das wert lose Auslandsbuch strenger richten wird als bisher. Alles wahr haft Große und Schöne der fremdländischen Literaturen soll uns erhalten bleiben; aber weit, weit mehr als vor dem Kriege muß der deutsche Buchhändler dafür sorgen, daß nicht jeder fremde Schmarren unverzüglich den bequemen Weg zu uns finde und das gute deutsche Buch schädige. Ich meine, die ausländischen Gcniusse wie France, Maeterlinck, Verharren, d'Annunzio haben uns ausgiebige Belehrung über ihre Geistesfreiheit und unsre Barbarei angedeihen lassen. Auch der deutsche Buchhändler ge hört zu den Tempelhütern deutschen Geistheiligtums. Er wird nicht nötig haben, jeden französischen Dirnenroman in hinge- fudelter Verdeutschung feilzuhalten, wenn er am deutschen Ge schenk sein anständiges und sicheres Geschäft findet. Mehr als einmal ist dem deutschen Buchhandel geraten wor- den, die Freude am Bücherkaufen dadurch zu steigern, daß nur ge bundene Bücher in den Handel gebracht werden. Die dürftigen Einwände kenne und — mißbillige ich. Wenn in jedem leidlich wohlhabenden Bürgerhausc Englands eine reiche Bücherei steht, so rührt das zum sehr großen Teil daher, daß der Engländer jedes gekaufte Buch in den Schrank stellen kann. Diese Frage sollte im deutschen Buchhandel nicht mehr aus der öffentlichen Erörterung verschwinden. Von vielen Seiten höre ich, daß kaum ein Zweig unsers Buchhandels so arg vernachlässigt ist wie die deutschen Klassiker. »Der Markt ist überschwemmt«, heißt es im Buchhandel. Hier kann und soll der Geschenkverkäufer kraftvoll eingreifen. Er muß sich selbst Kenntnis der Hauptausgaben unsrer Klassiker ber- 1570 schaffen, was weder schwer noch langweilig ist, und er soll seine behutsam gewonnene Kenntnis unter die Käufer bringen. Diese geringe Mühe wird ihm reiche Früchte tragen. Wer sich einen neuen schlechten Goethe — es gibt mehr als einen — hat auf- hängen lassen, der kauft keinen neuen andern Klassiker mehr. Die guten neuen Klassiker sollen aber gekauft werden, zu Hundert tausenden, ja zu Millionen, denn fast alle alten, besonders die sehr alten Ausgaben sind nachgerade des Standes unserer lite rarischen Bildung unwürdig geworden. Sollte es einem tüch tigen Verkäufer des deutschen Geschenks so schwer fallen, seinem Freunde Käufer klarzumachen, daß und warum er sich einen an ständigen Lessing, Goethe, Schiller anzuschaffen und seine alten Ausgaben zu verschenken hat an schlichte Volksgenossen, denen schon mit irgendeinem Buche unsrer Größten ein großer Gewinn zufällt? Es ist geradezu schandbar, was für schundige Klassiker- ausgabcn man in kostbaren Schränken stehen sieht. Haben wir erst das deutsche Geschenk als feste deutsche Ein richtung, so werden wir bald etwas erleben, woran jetzt kaum zu denken ist: einen zuverlässigen Wegweiser durch die Welt der Bücher, die man sich und andern schenken soll. Erst aber muß man wissen, daß nach diesem Wegweiser nicht bloß gelesen, sondern gekauft wird. Technische Sammlungen des Deutschen Buch^ gewerbk Vereins. Führer durch die Abteilung: Reproduktionstechniken. Kl.-8». 56 Seiten. Leipzig 1915, Deutscher Buchgewerbeverein. Preis 20 Pf. Wenn man beim Eintritt ins Deutsche Buchgemerbehaus in Leipzig sich im Erdgeschoß nach links wendet, so hat man die wohlgeordnete Sammlung, deren Inhalt der obengenannte »Führer« beschreibt, dort sogleich vor sich. Ein langer Saal ist in drei große Helle Zimmer- geteilt. Gleich das erste davon ist den Reproduktionstechniken gewid met, desgleichen in seiner ganzen Länge der Gang, der sich an der rückwärtigen Fensterfront des Saales hinzieht. Große Schaukästen, je nach der besonderen Technik mit den Nummern 1 bis 8 auffällig bezeichnet, bergen die Schätze der Sammlung: die Einzelstücke tragen jeweils dieselbe Nummer und daneben den Buchstaben der Alphabet- solge, der ihrer Entwicklungsstufe zukommt (1a, Id usw.). Diesen^, sehr deutlich angebrachten Bezeichnungen folgt der »Führer« gewissen haft und gibt bei jedem einzelnen Schaustück die notwendige Beleh rung. Besonders große Schaustücke hängen in Nahmen an den Wän den. Glastafeln haben zweckmäßig am Fenster Platz gefunden. Auch hier ist für schnelles Zurechtfinden gut vorgesorgt. Die Schaukästennummern 1 bis 8 entsprechen den folgenden Ver fahren und Hilfsmitteln: 1. Strichätzung, 2. Schwarzautotypie, 3. Drei farbenätzung, 4. Vierfarbenätzung, 5. Heliogravüre, 6. Werkzeuge und Chemikalien, 7. Einfarbiger Lichtdruck, 8. Dreifarbenlichtdruck. Der »Führer« belehrt uns zunächst darüber, was man unter dem Fach ausdruck »Reproduktionstechniken« versteht. Wir erfahren, daß bei allen diesen Verfahren die Photographie die Vermittlerin des Bild drucks ist. Der landläufige Name »photomechanische Druckverfahren« scheint also dem leider weniger klaren Fachausdruck gewichen zu sein. Je nach den Anforderungen der Vorlage, die originalgetreu wiedergegeben werden soll, hat die Bearbeitung der Druckplatte ent weder für Hochdruck oder für Tiefdruck oder für Flachdruck zu ge schehen, d. h. die Linien des Bildes sind entweder hoch zu stellen wie beim Buchdruck, oder tief zu ätzen (Kupferdruck) oder flach auf die Druckfläche zu legen (Steindruck). Das Material der Platte ist zumeist Zink, für feinere Arbeiten Kupfer (das aber in vielen Fällen eine Härtung durch Verstählung oder Vernickelung verlangt), für Licht druck poliertes Spiegelglas. Die Bearbeitung erfolgt bei Metallen in der Hauptsache durch Atzung, die drei-, viermal und öfter wieder holt werden muß. Andere Aufgaben: Präparieren, Entwickeln, Ein färben, Abdccken, Ausmaschen, Ausfräscn einzelner Stellen, Einschal tung und Drehung von Rastern, Einschaltung von Farbenfiltern, häufig wiederholtes Retuschieren u. a. m. treten hinzu. Überhaupt muß man sich von der Vorstellung befreien, daß die photomechanische Herstellung eine einfache Sache sei. Sie ist im Gegenteil außerordentlich mühe voll und fordert neben künstlerischem Urteil und Geschick äußerste Sorgfalt und Geduld. Der große Lehrwert der Sammlung, deren Grundstock, soviel uns bekannt, der verdiente, allzufrüh dahingeschiedene Verwaltungsdirek tor Arthur Wörnlein geschaffen hat, liegt in der lückenlosen Folge der vielen Entwicklungsstufen einer vollendeten Druckplatte und ihrer noch unfertigen Ergebnisse vom Original bis zum fertigen original-
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