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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 24.05.1932
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1932-05-24
- Erscheinungsdatum
- 24.05.1932
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- Deutsch
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US, 24. Mai lS32. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. d.Dtschn. Buchhandel. Anlegung einer so wohlfeilen Leihbibliothek benutzen, und Be amte, Schulkollegen, Oeconomen, Buchbinder und andere Per sonen, die Kieses Geschäft als Nebensache betreiben oder es durch ihre Familie besorgen lassen können, werden bald finden, daß es nicht allein Vergnügen macht, daß es sich auch sehr gut verintereffirt«. Sommers Leihbibliotheken waren denn auch bald vergriffen. »Damit das Geschäft recht in Schwung komme», bot er einige Jahre später (1806) daneben noch eine kleine Bibliothek zu SO und 25 Reichstaler an. Auf diese von Be rufsfremden betriebenen Leihbibliotheken dürften in erster Linie sich auch die vielen Klagen beziehen, die schon damals wegen der Verbreitung minderwertiger Literatur durch die Leih büchereien laut geworden sind. Die Klagen über den schäd lichen Einfluß der Leihbibliotheken, die in der -Gochaischen Ge lehrtenzeitung- von 1793, wohl übertrieben hart, als »mora lische Giftbuden- bezeichnet worden sind, waren weit ver breitet. In einer Berliner Schrift vom Jahre l?80 heißt es: -Nützliche Bücher sind hier diejenigen, die immer zu haben sind, man erkennt sie an den neuen Deckeln, bisweilen sind sie schon durch viele Hände gegangen und noch unaufge- schnitten; Liebes- und Rittergeschichten sehn dagegen sehr ab genutzt aus-. Wie wenig es aber leider schon damals in der Macht des Leihbibliothcksbesitzcrs lag, seine Bibliothek nur mit wirklich guten Büchern auszustatten, beleuchtet das folgende Beispiel: Ludwig Kehr etablierte sich 1797 in Kreuznach, ausgerüstet und der besten 'Absichten voll, mit einer Leihbibliothek, bestehend ans Schriften von Goethe, Schiller, Lessing, Klopstock, Wieland, Gel iert, Kleist, Hölty, Pfeffel usw. und mußt« zu seiner größten Enttäuschung die Erfahrung machen, daß kein Mensch diese Bücher lesen wollte. Diesen vor mehr als hundert Jahren herrschenden Ver hältnissen könnte man die neuerdings vom Landesjugendamt der Rheinprovinz in Verbindung mit der Polizei und der staatlichen Buchberatungsstelle gemachten Ermittelungen, daß in den neugegründeten Leihbibliotheken in einem starken Ver hältnis untergeistige Schriften vorhanden sind, die teilweise so gar aus der Schund- und Schmutzliste stehen, entgegenhalten*). Die scharfen behördlichen Vorschriften, die in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts in verschiedenen Ländern gegen "> Die Süddeutsche Zeitung vom 28. April schrieb dazu: »Nach Angaben, die wir einer Denkschrift des Rheinischen Landesjugend amts entnehmen, ist die Zahl der Leihbibliotheken in Düsseldorf seit Februar 1931 von etwa 40 auf über Lvv, in Köln innerhalb eines Jahres von etwa 60 auf 480 gestiegen. In Hamburg existieren nach Auskunft -der Polizei 802 Leihbibliotheken, in Mannheim 40, in Stutt gart 35, in Offeubach am Main 19, in Bamberg 12, in Lübeck 11, in Osnabrück 2 usw. Für einige dieser Städte gibt die erwähnte Denkschrift an, daß ihre Leihbibliotheken nur Sexualliteratur führen. Aber ganz allgemein spielt ja die Literatur der Unterwelt in diesem Typus von Bücherei eine beherrschende Rolle. Immer lauter er schallt daher der Nus nach Einführung einer Konzessionspflicht für Leihbüchereien auf dem Wege einer Ergänzung der Reichsgswerbe- ovdnung. Wie man hört, beabsichtigt der Reichswirtschaftsminister in einer Verordnung über Änderung der Titel 2—5 der Reichs- gewerbeordnnng eine Genehmigungspflicht für die gewerbsmäßigen Leihbüchereien einzusllhren, durch die vor allem gewisse Sicherheiten hinsichtlich der persönlichen Vertrauenswürdigkeit des Betrrebs- inhabers, geschaffen werben sollen-. Die Gesellschaft für Volksbildung faßte aus ihrer kürzlich ab gehaltenen Tagung nach Anhören von zwei Referaten: »Die neuen Leihbüchereien und ihre sittlichen Gefahren- und -Berliner Leih büchereien ohne Pfand- folgende Entschließung: Die 82. Hauptver sammlung der Gesellschaft für Volksbildung erblickt in den zahlreichen neuen Leihbüchereien, von denen Grobberlin und viele andere Städte überschwemmt werden, eine große Gefahr sllr die geistige und sitt liche Entwicklung der Jugend und für die Volksbildung. Sie er wartet, daß die staatlichen und städtischen Behörden Mittel und Wege finden, diesen Gefahren entgegenzuwirken, und zwar durch Maßnah men, die eine bessere literarische Erziehung der Jugend ermöglichen, durch Bereitstellung größerer Mittel für die Schüler- und Volks büchereien und durch eine völlige Umgestaltung des Volksbücherel- wesens. Siehe -dazu auch das Protokoll über die außerordentliche Haupt versammlung des Börsenvereins im Börsenblatt Nr, 102, S. 357. die Leihbüchereien erlassen worden sind — in Preußen mußten die Leihbibliotheken das vollständige Verzeichnis ihrer Bücher zur Genehmigung vorlegen; in Hannover wurden nach einer Verfügung aus dem Jahre 1845 die Bücherekbcstände ebenfalls scharf geprüft und unbeanstandete Bücher wurden gegen Ent richtung eines Groschen polizeilich abgestempelt; die Abgabe von Büchern an Gymnasiasten durch Leihbibliotheken wurde in Preußen durch ein Zirkular vom 8. April 1825 verboten —, mögen vielleicht eine gewisse Reinigung erzielt haben. In unserer Zeit der Gewerbefreiheit, die auch für das gewerbliche Leihbüchereiwesen zunächst noch keine Konzessionspflicht vor- schreibi, könnte, bei richtiger Anwendung, nur das »Gesetz gegen Schund und Schmutz in -der Literatur« Ausartungen Vorbeugen und entgegentreten. In Leihbüchereibesitzer-Kreisen selbst wird die Frage der Einführung eines Konzessionszwanges stark dis kutiert, und es scheint sogar recht viel Stimmung für die Kon- zessionierung vorhanden zu sein. Es wird dabei auf Österreich hingewiesen, wo ein Konzessionszwang auch besteht und zur Folge hat, daß in Wien auch heute noch nicht mehr als 74 Leih büchereien bestehen. Die hier in großen Zügen dargelegte Geschichte des deut schen Leihbüchereiwesens zeigt deutlich, daß die Hintergründe für das spontane Wiederaufleben der Leihbibliotheken, wie wir es in den letzten Monaten erlebt haben, sich nur wenig unter scheiden von den inneren und äußeren Anlässen, die schon m den Jahrzehnten vor und nach 1800 zur Gründung und zeit weisen raschen Ausbreitung der Buchverleihgeschäste führten. Die Werbung des Sortimenters. Beispiele — Anregungen — Gedanken. Werbung des Sortimenters wird normaler Weise in erster Linie Werbung für »bas- Buch (also sürs Lesen im allgemeinen) oder Werbung für »ein» Buch (ein bestimmtes Werk) sein. Unter beson deren Umständen aber erweist sich die Werbung sllr das Sortiment als solches, also geradewegs sllr die eigene Firma, als durchaus er forderlich und richtig. So hatten kürzlich zwei Hamburger Sortimenter ihre beiden Geschäfte »zusammengelegt- und gemeinsame neue Räumlichkeiten be zogen. Hier galt es also, »-die Fäden nicht äbreißen zu lassen- und der allen Kundschaft deutlich erstens den Zusammenhang des neuen mit den zwei bisherigen Geschäften und- zweitens die Lage dieses neuen Geschäftes und die Wege dahin einzuprägen. Und gleich zeitig der neuen Kundschaft begreiflich zu machen, daß dies hier ent standene »neue- Geschäft recht eigentlich eben nicht »neu-, sondern an Erfahrungen und Geschäftstradition reich seil Die beiden Geschäftsinhaber erreichte» das durch eine Werbe drucksache, die für alle möglichen Zwecke verwendbar war: Als Ver sanddrucksache, als Briefbellage, als Buchbeilage usw. Die erste Seite des kleinen Prospektes zeigt in Lichtbildern Bücherfreunde in der Lesenifche und am Tische, wie sie die Leseschätze durch- schnüfseln; mit dem Motto: »So bequem und ungezwungen haben Sie es bei uns». Die zweit« Seit« eine Innenansicht der neuen Bücherstube. Die dritte Sette mit vier Porträts (der -beiden Inhaber, des Bestellbuchführers und ... des BotenjungenI) versucht (ver mutlich mit Erfolg!), den persönlichen Kontakt von Mensch zu Mensch zustandezubringen. Die viert« Sette führt die von -der Buchhand lung besonders gepflegten Gebiete auf. Die fünfte Seite zeigt im Bilde, daß und wie das neue Geschäft mit der Straßenbahn und durch den Fernsprecher zu erreichen ist; baß es Postscheck- und Bank konto hat. Die sechste und letzte Seite endlich bringt einen Lage plan mit den U-Bahnhöfen. Gewiß: bas ist teurer als die übliche Mitteilung an ein p. t. Publikum — aber der Erfolg wächst dabei sicher im Quadrat! Ob wohl es eigentlich eine ganz einfache Drucksache geblieben ist . . . Jede Ware hat einen doppelten Wert: den Materialwert — und den Wert der Freude, die ihr Besitz oder Genuß uns bedeutet. Das Buch ist eine der wenigen Baren, zu denen noch ein drittes Wertmoment tritt: Sein moralischer Wert. Diesen unwägbaren Bert des Buches hat ein englischer Sorti menter zum Ausdruck bringen wollen, indem er in seinem Fenster eine Wage ausstellte, auf deren im Gleichgewicht besln-blichen beiden Schalen hier ein Päckchen Schokolade, dort ein neuerfchtenenes Buch lag. Buch wie Schokolade trugen das Preisschlldchen: »3 Schilling«. Und ein davor befindliches Schriftplakat besagte: »Sie kosten beide 423
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