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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 24.05.1932
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- 1932-05-24
- Erscheinungsdatum
- 24.05.1932
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- Deutsch
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x° 118, 24. Mai 1932. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. d.Dtschn Buchhandel. zeichnisses »Neue Bücher« der Berliner Filiale des Höllischen Waisenhauses (Michaelismesse 1794) hervorzugehen scheint: »Auch kann man gegen Unterpfand historische Bücher wöchent lich L 1 Gr. zum Durchlesen bekommen«. Außer in Berlin, wo die Leihbibliotheken zunächst seste Wurzel faßten und sich so rasch ausbreiteten, daß dort schon im Jahre 1811 neben 31 Buchhandlungen und 7 Antiquariaten 27 Leihbibliotheken gezählt werden konnten (Handwörterbuch der Staatswisseuschasten), die sich bis zum Jahre 1831 (nach einer Mitteilung in »Berlin wie es ist«) auf 36 erhöhten, nahm das Leihbibliothokswesen auch in Frankfurt am Main schon früh einen starken Aufschwung. Schon Anfang der fünfziger Jahre des 18. Jahrhunderts betrieb in Frankfurt ein Bücher antiquar namens Burigel von seiner Wohnung in dem Vor ort Oberrad aus einen gewerblichen Bücherverleih. Er brachte seinen Kunden, die aus Ratsherren, Offizieren der Garnison und Kandidaten bestand, die geliehenen Bücher ins Haus. Ein Anfang der sechziger Jahre ebenfalls in Frankfurt von dem Buchhändler Deine! errichtetes Leseinstitut, in dem man sich sahreweise abonnierte und für das ganze Jahr nur vier Gulden bezahlte, wofür man stets zwei Bücher erhielt, ging mangels genügender Teilnehmer bald wieder ein. Aus der Tätigkeit des Büchertrödlers Seyfried, der mit alten Büchern nicht nur handelte, sondern diese auch verlieh, entwickelte sich dann in Frankfurt in den siebziger Jahren die erste große öffentliche Leihbibliothek, die unter verschiedenen Inhabern, unter denen sich zuletzt auch richtige Buchhändler befanden, bis zum Jahre 1804 existierte. Neben dieser Leihbibliothek bestand in Frank furt in den siebziger Jahren noch ein anderes gleichartiges Unternehmen, das einer Anzeige in den »Frag- und An zeigungs-Nachrichten« (7. November 1775) nach ebenfalls gut und groß aufgezogen gewesen zu sein scheint. Die Ankündigung lautete: »Dahier bey Johannes Seyberth in der Döngesgasse wird das dritte Verzeichnis von seiner Lesebibliothek, derer aus erlesenen neuesten historischen teutjch und französischen Bücher zum Auslehnen, gratis abgegeben«. Im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts sind in Frankfurt a. M. kurz nachein ander nicht weniger als 18 Leihbibliotheken entstanden, von denen allerdings die meisten auch rasch wieder eingingen. Im Jahre 1822, in dem der bekannte Frankfurter Schriftsteller I. K. Friederich feine Betrachtung »lieber den Verfall des Frankfurter Buchhandels« veröffentlichte (enthalten in: »Jo hann Konrad Friederich. Ein vergessener Schriftsteller«. 1918, Rütten L Loening, Frankfurt a. M.), bestanden davon nur noch sechs Geschäfte. Aus einer dieser sechs, aus der Blütezeit der Frankfurter Leihbibliotheken noch übriggebliebenen Leih büchereien, der Johann Daniel Simonschen, ging auch die noch heute existierende, bekannte Oehlersche Leihbibliothek hervor. Die starke Konkurrenz, die dem ortsansässigen Frankfurter Buchhandel durch das Uberhandnehmen der gewerblichen Leih büchereien entstanden war und soweit führte, daß in der alt berühmten Bücherstadt am Main nur noch einige wenige Buch handlungen von dem Bücherverkaus allein bestehen konnten, (I. K. Friederich), hat wohl zu den scharfen behördlichen Maß nahmen geführt, die der Gründer der Oehlerschen Leihbiblio thek, Gustav Adolf Ferdinand Oehler, erstmals zu spüren be kam. Die Lesegebühren des »Frankfurter neuen teutschen und französischen Lese-Institut der Buchhandlung Joh. Dan. Simon«, der nachmaligen Oehlerschen Leihbibliothek, waren: Der Abonnent zahlt jährlich für französische Bücher allein 9 fl. 36 kr., für deutsche Bücher allein 5 fl. 24 kr., für beide zugleich 7 fl. 20 kr., wofür er täglich zwei Bände wählen darf. Nichtabonnenten zahlen die ersten drei Tage 4 kr., für jeden weiteren Tag 1 kr. Außer in Berlin und in Frankfurt griffen Leihbibliotheks- Neugründungen gegen Ende des 18. Jahrhunderts aber auch in beinahe allen -anderen Städten stark um sich. In Leipzig galt die Leihbibliothek zu Ende der sechziger Jahre noch als etwas ganz besonderes. Um 1800 herum gab es aber auch dort neben dem berühmten »Museum« der Buchhandlung Bey- gang, das als Leseinstitut großen Ruf genoß und sogar vom 422 Staat eine jährliche »Pension« von 100 Thalern erhielt, und den größeren Leihbibliotheken von Seiler und von Lincke noch sehr viele andere Buchverleihgeschäfte. In Braunschweig eröffnet» 1767 die Waisenhausbuchhandlung, in Hanau 1774 der Buch händler Schnitze, in München 1777 Joseph Crätz, in Schwäbisch Hall der Buchdrucker Rahnfelder, in dem fiebenbürgischen Her mannstadt 1782 die Gromen-Barth und Gänselmaycrsche Buch handlung, in Gießen die Kriegersche Buchhandlung, in Stutt gart die Metzlersche Buchhandlung eine Leihbibliothek. In Han nover bestanden seit etwa 1790 vier beträchtliche Leihbüche reien und in Dresden noch mehr. Auch in Bremen, wo die »Cen- surkommifsion und Aufsicht über die Buchhandlungen, Buch druckeroien und Leihbibliotheken« zwei Buchhandlungen für die 38 000 Einwohner zählende Stadt und ihr Hinterland für völlig ausreichend erachtete, kamen in den Jahren nach den Befreiungs kriegen mehrere Leihbibliotheken auf. In Breslau gelangte die 1837 von I. U. Kern mit 6000 Bänden gegründete Leihbücherei rasch zu großer Bedeutung. Sie führte außer deutscher auch fran zösische, englische und italienische Literatur. Immerhin ließ die Rentabilität dieser Leihbüchereien schon damals oft sehr zu wün schen übrig, denn viele dieser Neugründungen sind bald wieder eingegangen. Die Metzlersche Buchhandlung in Stuttgart gab schon 1791 ihre vor mehreren Jahren gegründete Leihbibliothek »wegen ihrer übrigen Geschäfte« wieder auf. Auch Crätz in München entledigte sich schon im Jahre 1784 seiner wenige Jahre vorher ins Leben gerufenen Leihbibliothek durch eine Bücherlotterie. »Ich hoffe«, heißt es in seiner Ankündigung, »die Lesefreunde werden sich dieser Gelegenheit gern bedienen und nicht Ursache finden, mir ferner zuzumuthen, daß ich die Bücher zum Ausleihen oder noch einmal eine Lesebibliothek er richten soll«. Crätz sprach es bei dieser Gelegenheit auch ganz offen aus, daß sich seine Leihbibliothek durchaus nicht bezahlt gemacht habe. I. F. Schreiber, der 1831 in Eßlingen eine Leih bibliothek errichtete, mußte diese »als für die damalige Zeit zu groß angelegt« ebenfalls schon im nächsten Jahr wieder mit Ver lust abstoßen. Wenn auch da und dort die Zahl der Leihbüchereien im Laufe der Jahre sich etwas verminderte, so spielte das Leth- biblickthekswesen in Deutschland doch auch noch die ganzen ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts hindurch eine recht große Rolle. Perthes stellte noch 1842 resigniert fest, daß in den letzten vier Jahren (1838—1842) der Buchhandel sich nur erhalten habe durch belletristische Schriften, die von Leih bibliotheken und Lesezirkeln gekauft werden. Der Grund dafür, daß die Leihbibliotheken überall in Deutschland so rasch festen Fuß fassen konnten, lag einerseits in dem bereits erwähnten Erwachen des Lesebedürfnisses breiterer Volksschichten um die Mitte des 18. Jahrhunderts (bezeichnend hierfür ist die Bemerkung in einem 1780 erschienenen Journal: »sogar die Musketiere in großen Städten lassen sich aus der Leihbibliothek Bücher auf die Hauptwache holen»), und darin, daß die gebildeten Kreise in der Zeit der politischen Reaktion für das fehlende öffentliche Leben Ersatz suchten in der Ge selligkeit, die damals von zwei Themen beherrscht war: dem Theater und der schönen Literatur. (»Der Büchermarkt vor hundert Jahren« in »Der Deutsche Buchhandel im Spiegel der Vossrschen Zeitung«. Berlin 1925, Ullstein.) Andererseits — und da begegnen wir wieder einer auffallenden Parallelität zu den heutigen Verhältnissen — war eine der entscheidendsten Ur sachen die Verarmung breitester Bevölkerungskreise durch die Kriege, die vielen den Ankauf von Büchern unmöglich machte. Wie heute, -so fehlte es auch schon damals nicht an speku lativen Unternehmern, die diese günstige Gelegenheit für sich wahrzunehmen verstanden. Der Leipziger Buchhändler Som mer stellte, um, wie er sagte, »dem Ubelstande abzuhelfen, daß man an vielen Orten vier, fünf und mehr Meilen bis zur nächsten Leihbibliothek -schicken müsse«, kleine Bibliotheken von 330 und 504 Bänden zusammen und verkaufte sie — der Laden preis würde 253 und 407 Reichstaler -betragen haben — für 77 und 137 Taler. In der verlockendsten Weise forderte er gerade Ungünstige zum Ankauf auf. »Vermögende Leute können ein so unbedeutendes Capital durchaus nicht besser als durch
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