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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 13.11.1915
- Strukturtyp
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- 1915-11-13
- Erscheinungsdatum
- 13.11.1915
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- Deutsch
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.V 265, 13. November 1915, Redaktioneller Teil, lautet, wird doch Wohl in großen Buchstaben ge plant, und da ist zweifellos den Freunden der Antiqua Ge legenheit gegeben, auch ihrerseits in den Kampf, ob Fraktur oder Antiqua zu wählen sei, einzutreten. Ohne irgendwie das Be dürfnis zu fühlen, hier nochmals die grimmige Fehde erneuern zu wollen, darf doch gerade in einem buchhändlerischcn Blatt die Frage aufgeworfen werden, ob eine Inschrift in großen Buch staben in Fraktur möglich und namentlich, ob sie lesbar ist. Im Berliner Tageblatt Nr. 541 vom 22. Oktober 1915 untersucht Fritz Stahl die Möglichkeiten und führt an, daß gerade die deutsch-feindlichen französischen und englischen Zeitungen den Kopf in Frakturdruck haben, so »Oe lemps«, »Oe Rätin«, »Ille limes«, «vailz- Rail«, allerdings nicht in Versalien. Wie böse Fraktur-Versalien wirken können, zeigt Stahl gerade an den In schriften des Reichstagsgebäudes. Wie er anführt, »sind ziemlich alle Schriftarten zu finden, die jemals im Abendlande gebraucht worden sind, oft in wildem Ge misch, dann wieder in seltsamer Verwendung, manch mal mit Fehlern, die schon ein Elementarlehrer rot ankreiden müßte«. Als Beispiel eines solchen Stilgemisches führt er die Namen der deutschen Fürsten an den Seiten der Eck- türme an. Der Name »Wilhelms I.« sieht folgendermaßen aus: -0 KUISklk bereinigt also in 7 Buchstaben Antiqua, romanische und deutsche Fraktur; mehr kann man Wohl nicht verlangen. Möge der Himmel das deutsche Volk vor einer solchen Verewigung be wahren ! Der Krieg dauert inzwischen fort, mit ihm die wachsende Teuerung nicht nur der Lebensmittel, sondern auch aller der kleinen und großen Dinge, die im Haus und Geschäft gebraucht werden. Wäre der deutsche Buchhandel, namentlich der Sorti menter, nicht ein so durchaus gutmütiges Wesen, so könnte er Neid empfinden über die Geschicklichkeit, mit der die anderen Geschäftsleute es verstehen, die Teuerung auf ihre Kunden abzu wälzen. So erhöhen die Berliner Bierbrauereien zum zweiten oder dritten Male seit Kriegsbeginn ihre Preise, wesentlich weil sie wegen Mangels an Gerste ihren Betrieb nicht voll ausnutzen können, d. h. weniger Bier brauen und weniger verkaufen können, so daß die Unkosten in ungünstigem Verhältnis zu dem Betriebs« ergebnis stehen. Es wird also weniger Bier gebraut, dies aber teurer verkauft, um dafür einen Ausgleich zu finden. Ich muß ja nun allerdings sagen, daß mir diese Erhöhung an sich nicht so ganz unsympathisch ist; denn es wird nichts schaden, wenn auch nach dem Kriege in Deutschland weniger Bier getrunken wird; es wird dies nicht nur unfern Finanzen, sondern auch der Volks gesundheit förderlich sein. Vergleicht man die Abschlüsse der Aktiengesellschaften des Vorjahres mit den jetzigen, so zeigt sich — ganz abgesehen von der Kriegsindustrie, die naturgemäß steigende Gewinne hat —, daß auch die meisten andern Unternehmungen sehr günstig ab- schlietzen. Selbst wo nur die Hälfte des vorjährigen Satzes der Dividende gewährt wird — oft unter sehr anständigen Abschrei bungen und Rückstellungen für etwaige Verluste —, ist doch im merhin ein Nutzen da, der ausreichend ist, während der Buch handel, namentlich der wissenschaftliche, fast durchgängig mit Verlust arbeitet und von dem zehrt, was er in früheren Jahren verdient hat, wenn dies nämlich der Fall war. So konnte z. B. Sarotti, Schokoladen- und Kakao-Jndustrie- A.-G. ihre Dividende von 47» aus 97» steigern bei einem Vor trage auf neue Rechnung von 98V93 .-kk in diesem Jahre gegen einen solchen von 98 038 im vorigen. Bei Privatbetrieben dürften ähnliche Ergebnisse vorhanden sein, was sich natürlich nicht Nachweisen läßt, da Abrechnungszisfern nicht veröffentlicht werden. Hat da der Buchhandel nicht wirklich ein Recht, neidisch zu sein? Ihm wird nicht gegeben, vielmehr wird von ihm noch Rabatt verlangt, anstatt daß er einen Teuerungszuschlag aus seine Waren schlägt; auch seine Betriebe sind aus ganz andere Verhältnisse zugeschnitten. Die Unkosten lassen sich nur schwer verringern; die vielen kleinen Bücher zu mäßigem Preise machen viel Arbeit, ohne einen Nutzen zu lassen; das Ergebnis ist also Verlust. Leider hindert der »heilige« Ladenpreis, der freilich von anderer Seite längst durchlöchert ist, den Sortimenter, den Kunden den von Tag zu Tag notwendiger werdenden Teuerungs zuschlag zu berechnen. Berlin, Ende Oktober 1915. R. L. Prager. Klein Dlepold, Rudolf Das d Nische Kunst, probl.m der G-genwart. Berlin und Leipzig (lu>5), B. Vehrs Verlag, Friedrich Feddersen. Kart. Preis 1.50 ord. Zu den in der Bibliographie über das Thema »Krieg und Kunst« aufgeführten Schriften gehört die vorliegende, deren Grundtendenz sich als eine scharfe Kritik der französischen Kunst in ihrem Einfluß auf die deutsche, eine Absage an die Kunst Max Liebcrmanns und als ein etwas verspäteter Angriff auf Hugo von Tschudi heraus stellt. Dem schwerflüssig geschriebenen Buche verleiht die Tatsache einen pikanten Reiz, daß der Autor vor 9 Jahren in der Samm lung illustrierter Monographien, herausgegcben von Richard Muther, den Text zu Band 55/56 über Max Liebermann verfaßt hat und sich damals bemühte, in das Verständnis moderner Kunst einzudringen resp. den Leser in sie eiuzuführcn. In der neuen Schrift mit ihrer höchst eigenartigen Behandlung des Problems setzt uns der Verfasser durch einen vollständigen Umschwung seiner Ansichten in Erstaunen. Da mals mußte man ihn für einen begeisterten Verehrer der Franzosen halten, wenn man (S. 83) las: »Es ist Manets von allem Schul- priuzip befreite, von Velasquez abgeleitete, in jedem Strich indivi dualisierte köstliche Malart, diese Malart, in der jeder Ton organisch zittert, die ihn (Liebermann) nun entzückt und auf die er zurückgreift, und Degas' Meisterschaft in der Komposition des Raumes und der Bewegung«. Diesmal findet er Manet »sehr überschätzt«. Früher: war ein Milletsches Werk ein Choral, jetzt erscheint es unbegreif lich, wie man jahrelang von der gewaltigen Kunst eines Millet reden konnte: seine Bilder sind »mit ganz seltener Ausnahme nicht nur mittelmäßig gemalt, sondern auch kleinlich, sentimental und anek dotenhaft in der Auffassung«, und an anderer Stelle: »Wie eng muß das Menschliche in diesem großen Degas selbst sein, der zeitlebens nicht iiber die Beobachtung von ein paar Tanzbeinen hinauskam!« Au und für sich wäre diese Geschmacksänbcrung belanglos, aber die Mo tive des Umschwungs sind doch zu offensichtlich. Es ist wahr, wir stehen in erbittertem Kampfe mit den Franzosen, und jede vorzeitige Nachgiebigkeit oder mitleidige Anwandlung wäre verhängnisvoll: dies berechtigt aber den einzelnen nicht, über den Wert der ganzen Nation abzuurteilen, wie es sich Klein Diepold am Schluß des 2. Kapitels nicht versagen kann: »denn dieses Volk ist das moderne pur «xeel- 1en66 und daher von allen windigen, fahrigen, fremden, wurzel losen Eintagsgeistcrn über Gebühr verehrt«. Ist dieses Kapitel, wie eine Fußnote besagt, vor dem Kriege verfaßt, so ist der Zeitpunkt für die Veröffentlichung nicht glücklich gewählt. Gerade der deutsche Buchhandel, dessen Streben von jeher darauf gerichtet war, das geistige Band zwischen den Kulturvölkern fester zu knüpfen, sollte davon durchdrungen sein, daß es kein Zeichen vaterländischer Gesin nung bedeutet, feindliche Nationen geringzuschätzen, ihren Kulturwcrt herabzusetzen. »Hinter den Bergen wohnen auch noch Menschen«, sagt ein sehr guter Deutscher, Theodor Fontane, in seinem Buche »Kriegs gefangen« gerade von den Franzosen. Wenn ich aus der Schrift eine Absage an Liebermann hcrauslas, so bin ich meiner Sache nicht ganz sicher. Auch der Verfasser ist es nicht, denn einmal wird Liebermann »der ästhetische Verführer unserer Jugend« genannt, ein andermal steckt in ihm »ein verkappter Epi gone«, wad der Verfasser umständlich, aber nicht überzeugend zu erklären versucht: dann wieder macht er ihm als Künstler eine tiefe Reverenz, indem er sagt (Seite 48): »ein Land, das unter seinen lebenden Malern Künstler zählt wie Liebermann und Trübner, hat es nicht nötig, immerfort von Monet, Pissaro und Sisley zu reden, als ob die heimischen kaum existierten«. Wer so deutsch fühlt, sollte auch ein gutes Deutsch schreiben: das ist aber bei Klein Diepold nicht immer der Fall. Auf Seite 85/86 heißt es: »Wenn der einzelne oder eine Generation so leicht fremdem Einfluß unterliegen — und trotz oder wegen seiner individualistischen Anlage diesmal (!) neigte Deutsch land besonders dazu —, so muß im eigenen Lande etwas nicht in Ordnung sein. Es muß damit Zusammenhängen, daß Deutschland ein Kulturland war, bis Bismarck es durch seine drei Kriege auS dem Gleichgewicht brachte (!), es auf eine weitere wirtschaftliche Basis stellend, dadurch (!) es den Gefahren des modernen Geistes, an dem die Völker Europas heute kranken, widerstandslos ausgesetzt war und zu größerem Schaden als irgendein Land.« Wir werden 1491
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