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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 04.10.1915
- Strukturtyp
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- 1915-10-04
- Erscheinungsdatum
- 04.10.1915
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- Deutsch
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Redakttoneller Teil. 230, 4. Oktober 1915. würde sich vielleicht als zweckmäßig erweisen, und der Sorti menter dürfte gern ein Fach oder eine Reihe in seinem Schau fenster dauernd älteren guten Werken anweisen, die er jo dem Publikum gewissermaßen persönlich vorstellte. Soviel vom Verlage. Eine andere Schwierigkeit, mit der das gute Buch heute zu kämpfen hat, ist die Kritik. Das ist, wie ich Wohl weiß, ein kitzliger Punkt, denn die Zeitungen hören sich nicht gern kritisiert; allein es kann wohl keine Mei nungsverschiedenheit darüber bestehen, daß die Waschzettel- Kritik sich zu einem völligen Krebsschaden entwickelt hat. Schon die Entstehung des Waschzettels schließt ja die Anerkennung der Tatsache in sich, daß man auf selbständige Kritik bei den Zeitungen zu rechnen verlernt hat. Praktisch haben sich die Verhältnisse so gestaltet, daß zahlreiche Redaktionen, die Rezen sionsexemplare eines neuen Buches erhalten, den Waschzettel darüber abdrucken und damit ihre kritische Verpflichtung als er ledigt ansehen. Der Waschzettel muß sich aber anständigerweise ganz und gar zurückhalten; er darf den wahren Wert des Buches und die Eigenart des Verfassers begreiflicherweise nicht näher charakterisieren, sondern muß sich auf eine möglichst objektive Inhaltsangabe beschränken, und es liegt auf der Hand, daß eine in der Zeitung erscheinende »Besprechung« dieser Art dem Leser niemals Teilnahme abgewinnen kann. Der Waschzettel wird also abgedruckt, und für den Leserkreis der Zeitung — ist das Buch damit begraben. Bei schlechten und geringen Büchern ist das nun weiter kein Schade, das gute Buch aber hat wieder die Zeche zu bezahlen. Eine Abhilfe ließe sich vielleicht etwa in der Weise denken, daß eine gutgeleitete Korrespondenz die kritische Berichterstattung über neue Literatur zentralisierte und gediegene Besprechungen darüber den Zeitungen zur Verfügung stellte. Ein Jdealzustand wäre ja damit freilich auch nicht er reicht, aber besser als die jetzige Waschzettelkritik wäre diese Einrichtung Wohl doch. Das Leiden ist nun aber, daß selbst bei den Zeitungen, die selbständige Kritiken zu bringen pflegen, die Verhältnisse für das gute Buch auch wieder besonders ungünstig liegen. Der Übelstand auf diesem Gebiete wurzelt — das sei offen ausgesprochen — zuletzt darin, daß Bücherbesprechungen bei uns nicht honoriert zu werden pflegen. Eine Buchbesprechung bereitet aber aus naheliegenden Gründen, wenn sie ernst ge nommen wird, dem Verfasser oft mehr Arbeit, als ein freier Aufsatz. Die Folge isft daß auf dem Gebiete der Buchbespre chung, soweit die Zeitungen in Betracht kommen, wirklich erste und geeignete Kräfte nur in den seltensten Fällen tätig sind; und darunter hat wieder das gute Buch mehr als das schlechte zu leiden, weil das gute Buch schon von Hause aus an den Kritiker höhere Forderungen an Kenntnis und an Verständnis stellt. Der Kritiker sucht sich denn mit einer wirklich bedeu tenden und originellen Arbeit in der Regel abzufinden, wie er eben kann; er geht um die Sache herum, er wird nicht heiß noch kalt, und es ist begreiflich, daß mit solcher Art von Kritik kein Hund vom Ofen zu locken oder — um ein weniger massives Bild zu gebrauchen — kein Leser aus dem Dachsbau der Gleichgültigkeit zu holen ist. Überhaupt ist es wunderlich, wie wenig der der literarischen Kritik gewidmete Teil bisher in das Ganze unserer Zeitungen einbezogen worden ist. Eine Ausnahme bilden einige wenige Zeitungen von sehr entschiedener politischer Gesinnung, die auch ihren kritischen Teil in den Dienst dieser Gesinnungen gestellt haben — was doch vom Standpunkte der Literatur auch wieder nicht als erwünscht bezeichnet werden kann. Sonst aber schleppt der literarische Teil der Zeitungen unorganisch hinter dem Übrigen her; es ist darin kein Plan, kein System und kein Ziel — und am allerwenigsten wird etwa das Ziel erkennbar, die guten Bücher grundsätzlich wirkungsvoll herauszuheben und die Aufmerksamkeit und das Interesse des Publikums auf sie zu konzentrieren. Sehe nian einmal darauf den kritischen Teil einer größeren deutschen Zeitung eine Zeitlang durch: man wird sich davon überzeugen, daß der Leser aus dem kritischen Ragout, das ihm da vorgesetzt wird, nie und nimmer das Dauerhaste, Originelle und Wertvolle herausfischen kann. Wollte die deutsche Presse ihre literarische Kritik mit Ernst in den Dienst des guten Buches stellen, so wäre freilich viel gewonnen. Nun wäre noch von der Zeitschriftenkritik zu reden, aber ich möchte diese Erörterungen nicht noch mehr in die Länge ziehen. Vielleicht habe ich selbst schon zu viel gesagt; manches mag Anstoß geben. Allein wenn man das Kind nicht beim rechten Namen nennen darf, so wäre es besser, überhaupt zu schwelgen. Bcrlin-Halensee. vr. Albert Dresdner. Kleine Mitteilungen. Bücher für Kriegsgefangene. — In Kopenhagen hat sich ein »Komitee für Büchcrsammlungen für Kriegsgefangenenlager« unter Vorsitz von Professor Hoeffding gebildet, das die Regierungen aller kriegführenden Staaten zu Bücherankäufen für ihre Gefangenen auffordcrt und sich als neutraler Vermittler für die Übersendung der Bücher anbietet. Das Schicksal der Meininger Hofbühne wurde in der letzten Mei ninger Stadtverordnetenversammlung eingehend erörtert und vor läufig auch entschieden. Auf die Mitteilung, daß man »an höherer Stelle« die Auflösung des Theaters ernsthaft erwäge, bewilligte das Kollegium eine Bürgschaft von 15 OM die die Winterspielzeit sicher stellt. Was dann folgen wird, weis; niemand, doch hofft man, das von dem kunstsinnigen Herzog Georg der Stadt als Eigentum geschenkte Theater erhalten zu können. Personalnachrichtcn. Gefallen: am 19. September bei St.-Souplet Herr Richard Julius Hirschfelö. Die vielen Bekannten des Verstorbenen werden von dieser Nach richt schmerzlich berührt werden. War er ihnen doch ein treuer Freund und Berater. Nur eine kurze Spanne von 24 Jahren war ihm ver gönnt, aber sie war reich an Arbeit und erfüllt von zielbewußtem Vor wärtsstreben. Geboren am 19. Juni 1891 in Leipzig, verlebte er seine frühe Jugend in Königsberg i/Pr., besuchte später das König Albert- Gymasium in Leipzig und erlernte den Buchhandel von Ostern 1909—11 in der Ottoschen Buchhandlung in Leipzig. 1911—12 war er im Anti quariat von H. Hugcndubel in München tätig und siedelte dann nach Paris über, wo er kurze Zeit bei CH. Foulard lDorbon) und später bei Gamber in Stellung war. Bei Kriegsausbruch kam er nach Leipzig zurück und unterstützte seinen Lehrchef Herrn Schwarzzenberger bis Weihnachten, diente dann als Einj.-Freiwilliger beim Jnf.-Negt. Nr. 107 und rückte im Juli ins Feld. Eine Granate hat ihn und vier seiner Kameraden zerschmettert. Ein reichbegabter, ideal veranlagter Berufs genosse ist mit Hirschfeld dahingegangen, ausgezeichnet durch große Litcraturkenntnis und reiches Wissen, sodaß seine Absicht, sich nach dem Kriege selbständig zu machen, dem Vertriebe guter Literatur gewiß förderlich gewesen wäre. In München war er Schriftführer im »Palm« und in Paris im Vorstände des Buchhändler-Vereins tätig. Karl Markert- Leipzig. Gefallen ferner: am 25. September Herr Wilhelm Lange, Lanöwehrmann, zuletzt Mitarbeiter im Verlage Hermann Hillger in Berlin. Der im Alter von 39 Jahren verstorbene Berufsgcnosse wurde auf dem Kriegerfrieöhofe in Secourt mit militärischen Ehren beerdigt; am 27. Juli in den schweren Kämpfen eines Deutschmeister- Regiments Herr Robert Kohn, Inhaber der Firma Wiener Universal-Buchhandlnng und Antiquariat in Wien, die er 1910 in Gemeinschaft mit S. Breitcnstein übernommen und seit 1912 allein geführt hatte. SpreWal. Leihbibliotheken. Wer von den Herren Kollegen kann mir an dieser Stelle eine praktische, erprobte Form nennen, wie das Leihbibliotheks-Buch zu führen ist? Wer liefert gute Formulare für diesen Zweck? Mainz. Victor vonZabern. VerantwoEcher Redakteur: Emil Thomas. — Verlag: Der Bvrsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig, Deutsches BuchbSndlerhauS. Druck: Ramm L Seemann. Sämtlich in Leipzig. Adresse der Redaktion und Expedition: Leipzig, Gerichtsweg 26 (Buchhändlerhauö). 1540
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