Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 28.09.1915
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1915-09-28
- Erscheinungsdatum
- 28.09.1915
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19150928
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-191509286
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19150928
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1915
- Monat1915-09
- Tag1915-09-28
- Monat1915-09
- Jahr1915
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
Redaktioneller Teil. 225, 28. September 1915. Gebot der Notwendigkeit, einmal die Ziele zu kennen, denen zuzustreben sich am meisten empfiehlt. So eröffnet sich auch hier ein Absatzfeld für eine Literatur, die in ihren ersten Erscheinungen bereits vorliegt, sicher aber noch durch mancherlei Wichtiger und Wertvolles bereichert wird. Der übrige Teil der Kriegsliteratur gestattet ebenfalls, für unsere Arbeit festere Richtlinien aufzustellen. Die ersten geschlossenen Berichte über Kriegserlebnisse von Mitkämpfern und Kriegsberichterstattern werden sich, soweit sie den Durch schnitt überragen, aus lange hinaus der Nachfrage erfreuen. Auch finden sich bereits sichere Ansätze der Kriegsgeschichte, Beschreibungen einzelner Schlachten, Übersichten über das erste Kriegsjahr von Fachleuten, wobei man, wenn man einen Blick in diese Erscheinungen tut, den Eindruck hat, daß bei der Beurteilung von Büchern viel weniger rigoros von den Zensurbehörden vorgegangen wird, als bei den Zeitungen. Hier dürfte sich in manchen Fällen für den Buchhändler die Einsichtnahme in die Neuigkeiten als sehr lohnend erweisen, weil diese bedeutende Vorzüge vor den Zeitungsberichten haben, Vorzüge, die beim Kauf meistens entscheidend sind. Ich erinnere hier nur an die Schlachtenschilderungen August Ntemanns (Hindenburgs Siege bei Tannenberg und Winter schlacht in Masuren) und die volkstümliche Behandlung der Ereignisse des ersten Kriegsjahres von Oberst Immanuel. Freilich eins müssen wir bei alledem in Kauf nehmen: das ist der Zug des billigen Preises, der nicht nur durch die Kriegs literatur, sondern überhaupt durch den ganzen Büchermarkt geht. Preise von 1 und 2 Mark ord. werden nachgerade vor herrschend. Es mögen ja auch manche natürlichen Gründe für diese Entwicklung sprechen, besonders die Erwägung, die Erscheinungen für die Versendung ins Feld geeignet zu machen. Aber mit großer Besorgnis treten wir in die leb haftere Geschäftszeit des Herbstes und Winters ein, weil wir uns sagen müssen, wie aussichtslos es sein wird, den mangeln den Absatz von teuren Werken durch eine größere Anzahl von Käufen billiger Artikel auszugleichen. Und doch lohnt es sich noch, alle Kräfte anzuspannen. Unsere beste und billigste Reklame, das Schaufenster, dürfte auch hier seine Wirkung nicht verfehlen. Ich habe in diesen Artikeln schon so viel vom Kriegsschaufenster gesprochen, daß ich den Lesern eine genauere Schilderung schuldig zu sein glaube, wie ich mir die Sache denke. Was die Leute am meisten interessiert, sind gegenwärtig die Fortschritte unserer Front im Osten. Eine große Leipziger Tageszeitung hat in den Schaufenstern ihrer Filialen große Karten mit klarer und sauberer Markierung der Fronten aufgestellt. Fast immer drängen sich die Menschen vor diesen Karten. Sie sind ein vorzügliches Mittel, die Leute herbeizulocken. Stellen wir also eine solche, täglich berichtigte Karte in den Mittelpunkt unserer Auslage oder ein entsprechend großes Kartenformat in den Hintergrund, markieren wir die Fronten, nicht mit Fähnchen (die leicht die Ortsbezeichnungen zudecken), sondern mit einer durch Stecknadeln befestigten Schnur, vielleicht den früheren Frontenstand mit andersfarbigen Schnuren, so können wir sicher sein, das Interesse der Passanten nicht nur vorüber gehend, sondern ständig zu erregen. Es muß aber alles Schick haben, die Karte möglichst in einem mit Linoleum oder anderem Stoff unterlegten Holzrahmen glatt liegen, die Nadeln gerade und gleichmäßig gesteckt, die Schnur nicht auf der Karte auf liegend, das Ganze möglichst deutlich und klar sein. In die nächste Umgebung der Karte gehören die wichtigsten Neuigkeiten der Kriegsliteratur, die sich von den übrigen abheben müssen. Man erreicht das entweder durch reihenweises Auslegen oder Anbringen eines Plakates. So erhalten wir einen harmo nischen Zusammenhang zwischen der Front der kämpfenden Heere und der Front der Geister. Für die Wände lassen sich die zahlreichen Kriegsbilder, Porträts der Fürsten und Heer führer, Kriegskarten usw. in reicher Auswahl verwenden. Broschüren sind möglichst nicht im Schaufenster, sondern in Schaukästen unterzubringcn. Man sorge für öfteren Wechsel dieser Auslage, vermeide ein Vielerlei und Allzuviel, und man wird bald die Wirkung erkennen. 1314 Wenig ermutigend ist ein Blick auf den Zeitschristen markt. Wenn sich auch für gewisse Blätter, namentlich illu strierte, die sich vorzugsweise mit Kriegsberichterstattung be schäftigen, noch Abnehmer finden lassen, wenn auch die Modenzeitungen infolge gewisser durchgreifender Änderungen der Damenmode lebhaftere Nachfrage finden werden, so ist es doch schwer, sür größere Revuen, wissenschaftliche und Fach zeitschriften Abnehmer zu finden und die durch den Krieg in den Abonnentenstand gerissenen Lücken auszufüllen. In letz terem Falle heißt es, das Mögliche tun und im übrigen durchhalten. Was von den Zeitschriften gilt, gilt auch von den anderen periodischen Erscheinungen, z. B. den Kalendern. Volkskalender und andere Kalender allgemeinen Inhalts lohnen immer noch die Verwendung, während es mit dem Vertrieb der Fachkalender weniger gut bestellt ist. Es wird in den meisten Fällen gar nicht möglich sein, die angelegten Kontinuationsllften als Grundlage für die Bestellung zu benutzen, weil man nicht überall feststellen kann, wer von den bis herigen Abnehmern im Felde weilt und wer nicht. Eine Menge Mehrarbeit durch vorherige Anfragen dürste hier den Betrieb nicht unerheblich erschweren. Etwas mehr Neigung, Wirtschafts- und Haushaltungsbücher zu führen, wird in der gegenwärtigen teuren Zeit bei den Frauen bestehen, sodatz man vielleicht versuchen kann, mit diesen Artikeln kolportieren zu lassen. Sehr wenig Aussichten verspricht der Vertrieb der wissen schaftlichen, nicht in Beziehung zum Kriege stehenden Lite ratur. Die Neuerscheinungen sind ja verhältnismäßig spärlich und lassen sich unschwer übersehen. Ob die Vorlesungsver zeichnisse der Universitäten, die für das Wintersemester heraus gegeben werden, große Nachfrage finden werden, ist ebenfalls fraglich, wenn man sich den geringen Besuch der oberen Klassen unserer höheren Schulen und den der Universitäten vorstellt. Freilich mutz man anerkennen, daß alles getan wird, um den Lehrbetrieb im vollen Umfange ausrecht zu erhalten, ein Zeichen, daß auch im kommenden Winter das wissenschaftliche Leben nicht ganz ersterben wird. Unsere Hauptarbeit mutz demnach dem Weihnachtsgeschäft gelten, wenn wir auch befürchten müssen, daß es weniger be friedigend ausfallen wird als im Vorjahre. Immerhin wollen wir hoffen, daß die günstige Kriegslage auch weiterhin das allgemeine Vertrauen stärken und einen belebenden Einfluß auf das Publikum ausüben wird. Neben dem guten Roman und anderen geeigneten Geschenkwerken, u. a. den neuen wohl feilen Ausgaben von Freytag und Raabe, eröffnet sich wahr scheinlich für die Jugendschrist ein guter Absatzfeld, zumal in diesem Jahre nicht wie das letzte Mal ein gewisser Mangel an guten Kriegsjugendfchriften eintreten wird. Der Krieg und alles, was mit ihm zusammenhängt, findet ja in den Herzen der Jugend ebenso starken Widerhall wie bei uns Er wachsenen. Daß es nützlich ist, in entsprechenden Zeitungs- artikeln auf den Wert eines guten Buches als Weihnachts geschenk in entsprechender Form hinzuweisen, davon ist in diesem Blatte schon genügend die Rede gewesen. Entscheidend ist hier nur das Wie. Es wird aber, wie im Vorjahre, nicht an Anregungen von verschiedenen Seiten fehlen. (Vgl. Bbl. 1915, Nr. 223.) Angesichts der Ankündigungen unserer Weihnachtskataloge vermisse ich eins. Wir haben den langen Stellungskrieg im Westen, zahlreiche Besatzungstruppen in den größeren Plätzen und Festungen und möglicherweise auch den Stellungskrieg während des Winters im Osten. Sehr viele unserer literarisch interessierten Krieger werden dann das Bedürfnis haben, sich nicht nur selbst mit Lektüre zu versorgen, sondern auch ihren Angehörigen daheim Bücher als Weihnachtsgaben durch Ver mittlung ihres Buchhändlers zuzuwenden. Unter all den Bücher verzeichnissen habe ich allerdings bis jetzt keins gefunden, das beiden Zwecken entsprechen könnte. Schließlich sind unsere Weih- nachtskataloge ja nicht zu groß für die Versendung ins Feld, sie haben aber bisher auf die besonderen Verhältnisse kaum Rücksicht genommen. Ein kleiner Katalog, der den besonderen Bedürfnissen unserer Feldgrauen Rechnung trüge, mit Hin weisen auf das Gewicht der Erscheinungen und die Möglich-
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder