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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 16.09.1915
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1915-09-16
- Erscheinungsdatum
- 16.09.1915
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
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- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19150916
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- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
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^Ik 215, 16, September 1915. Redaktioneller Teil, Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. bcn. Mir scheint, als ob es in der deutschen Kriegsliteratur eine Menge von Schriften gäbe, deren Übersetzung zweckmäßig und nützlich sein würde. Aber man kann es ja verstehen, daß die schwedischen Verleger zurückhaltend sind. Sie müssen mit Soll und Haben rechnen, und ohne deutsche Unterstützung kann nichts erreicht werden. Wie oben erwähnt, scheint es an solcher Unter stützung aus anderen Ländern nicht zu fehlen. Seit dem Ausbruche des Krieges sind für verschiedene der kriegführenden Staaten Geldsammlungen veranstaltet worden. Zu erst sammelte man auf Anregung bekannter Literaten und Sozial demokraten Geld für die Belgier und konnte ca, 60 009 Kr, ab liefern, Dann veranstalteten einige franzosenfreundliche Künst ler Geldsammlungen für die notleidenden Pariser Künstler. End lich dachte man auch an Deutschland, Die bekanntesten schwedi schen Künstler, darunter Namen wie Zorn, Larsson u. a,, erließen einen Aufruf zu einer Sammlung für deutsche Kollegen, denen man bisher ca, 21 000 Kr, übersenden konnte. Vorher hatten, wenn ich nicht irre, Scholander und dann der Violinvirtuose I, Ruthström Konzerte zum Besten der Ostpreußen gegeben. In Nr, 156 des Bbl. wurde der neue Gesetzentwurf über das literarische Urheberrecht besprochen. Eine Abnormität die ses Entwurfs verdient erwähnt zu werden. Als in Schweden 1872 das erste Gesetz dieser Art geschaffen wurde, setzte man die Schutzfrist auf 50 Jahre nach dem Tode des Verfassers fest. Doch sollte diese Frist auch für sämtliche schon gestorbene Ver fasser von 1872 ab Geltung haben. Also wird kein Werk vor 1922 frei. In dem neuen Entwurf wird daran nichts geändert, weil ein Verleger, in dessen Verlag die meisten der in Frage kommenden Schriftsteller erschienen sind und der als Sachverständiger der Ge setzkommission angehört, es für unnötig erachtete, an dieser Be stimmung etwas zu ändern, da ja doch die Zeit bis dahin nur kurz sei, Schweden erhält also erst in 7 Jahren freie Klassiker, In dem beruflichen Leben hat sich nur wenig ereignet. Ein alter Veteran des Buchhandels, der Hofbuchhändler^B, S ö - derb erg, ist im Alter von 75 Jahren entschlafen. Er war Inhaber der Hofbuchhandlung von C, E, Fritze in Stock holm, Trotz seines hohen Alters und zunehmender Kränk lichkeit blieb er bis zuletzt auf seinem Posten, Die Erinnerung an den freundlichen, wohlwollenden und für seine Untergebenen warm empfindenden Mann wird stets dankbar bewahrt werden. Zwei neue Sortimentsfirmen von Bedeutung sind entstanden. Es sind »Medons Bokhandelsakticbolag« in Göteborg und »Nordiska Kompaniet« in Stockholm, Die letztgenannte Firma gehört der Kaufhausbranche an und ist ein Millionenunternehmen größeren Stils. Sie bezieht in diesem Herbst ein neu errichtetes Gebäude, in dem auch vollständige Bücher- und Musikalienabteilungen unter fachmännischer Leitung vorgesehen sind. Bekanntlich bedarf i» Schweden ein Sortimenter der Genehmigung des Verlegcrver- eins. Diese Genehmigung ist der Firma wiederholt verweigert worden. Doch hat der Verlegerverein zuletzt dem Druck einiger größeren Verleger nachgeben müssen. Man hegte natürlich auch hier die bekannten Bedenken gegen den Warenhausbuchhandel, und von den Sortimentern wurde eine heftige, z, T, über das Ziel hinausgehende Agitation gegen die Genehmigung entfaltet. Da ohnehin die Zahl der Sortimentsbuchhandlungen in Schweden sehr gering ist, hat natürlich der Verlag sich diese Gelegenheit, eine erstklassige Buchhandlung, zu schaffen, nicht entgehen lassen. Denn hier eröffnen sich noch nie dagewesene Verkaufsmüglich- keiten. Nebenbei erwähnt ist Nordiska Kompaniet das einzige Kaufhaus vornehmen Stils in Schweden und eine Firma von bestem Ruf, Um den Verkauf von Restauflagen und modernem Antiquariat dem Sortimentsbuchhandel besser als bisher zu sichern, wurde neulich eine Aktiengesellschaft unter der Firma A,-B, Bokhandlarnes Prisnedsättning« ins Leben gerufen. Die schwedischen Sortimenter befassen sich überhaupt nicht, mit Anti quariat, und besonders der Verkauf von modernem Antiquariat war auf bedenkliche Abwege geraten, da Restauflagen usw, von allen möglichen Winkelhändlern und auf Auktionen verschleudert wurden. Ob das neue Unternehmen die darauf gesetzten Hoff nungen rechtfertigen wird, mutz die Zeit lehren. In eine eigentümliche Lage sind die finnischen Buchhändler durch den Krieg versetzt worden. Der Kurs ist so abnorm hoch, I daß sic nur mit Verlust ihre Saldi zur rechten Zeit hätten bezahlen können. Die Angelegenheit ist in der Weise geregelt worden, daß die Beträge bei einer Bank in Helsingfors nach gewöhnlicher Be rechnung von 140 F, M, — 100 Kr, deponiert wurden, die sie nach Beendigung des Krieges auszahlen wird. Das Geld soll mit 67» verzinst werden. Die Jahresversammlung des schwedischen Sorti mentervereins wurde diesmal in Norrköping am 26,, 27, und 28, Juli abgehalten. E, P, E, Die deutsche Werbearbeit durch die Zeitung und das Buch. (Übersetzung aus »Journal ck«8 Nr. 228 vom 17. August 1915.) Der Krieg hat mehr als eine Neuerung im deutschen Schulunter richt gebracht. Eine der bemerkenswertesten ist das Vorlcsen der Zeitung in allen Volks- und Vorschulen der großen Städte Deutsch lands und Österreichs, womit der Lehrer des Morgens den Unter richt beginnt. Von den Nachrichten wählt er Erzählungen beachtens werter Ereignisse und erläutert sie in einer Form, die dem kind lichen Verständnis angepaßt ist. Diese Zeitungsvorlesung ist ein För- dernngsmittel des deutschen Geschichtsunterrichts, das die deutschen Schulbehörden für die Dauer des Krieges mit Einschränkung des Unterrichts in allgemeiner Geschichte empfohlen haben. Der Ge danke ist nicht iibel, denn die Zeitung liefert dem einsichtigen Lehrer Stoff zu mancher Erörterung: er kann nicht nur Heldentaten preisen, sondern auch die Aufmerksamkeit seiner Schüler auf die Pflichten hinlcnken, die ihrer warten, und ans die vielfachen persönlichen Betäti gungen, mit denen sie zum Wohle des Vaterlandes und zur Er haltung seiner Einigkeit beitragen können. Bei den Deutschen wie bei uns ist heute jeder Tag Geschichte, und diese wird sich den jungen Gedächtnissen um so tiefer einprägen, je nachdrücklicher sic von eindringlicher Belehrung begleitet sein wird. Der Lehrer, der durch die Fürsorge der Schulbehörden einige Zei tungen kostenlos empfängt, liest deren Mitteilungen vor und bringt sie an Hand einer Landkarte zu lebendiger Anschauung: ans der Kriegsgeschichte wählt er die hervorragendsten Begebenheiten und schließt seine Belehrung mit einer Klarstellung der Bedeutung des Kampfes. Ohne Stratege -oder auch nur Stubenstratege zu sein, kann jeder beliebige Lehrer, wenn er seiner Darstellung nur einen folgerichtigen Zusammenhang gibt, seine Zöglinge damit in Atem halten. Dieser Unterricht an Hand der Zeitungen ersetzt die Lese stunde und findet viel Beifall bei den Schülern, die dem Vortrage ihres Lehrers mit leidenschaftlicher Aufmerksamkeit folgen und vieles verstehen lernen, was ihnen sonst mehr oder weniger unklar ge blieben wäre. Sagen wir es übrigens nur, daß die Zeitung eine der mäch tigsten Waffen der deutschen Werbearbeit geworden ist. Die Zei- tungsleitungen entwickeln in dieser Richtung ganz besonderen Eifer und bedienen aus freiem Antriebe die Stadtbehörden vieler Orte in Holland, in der Schweiz und den skandinavischen Ländern mit kosten loser Lieferung ihrer Blätter. Vor der Kriegserklärung Italiens empfingen auch die Stadtverwaltungen von Nom, Mailand, Genna, Turin und Venedig kostenlos und unverlangt die hervorragendsten Berliner Blätter. Man kann sich leicht denken, mit welchem Ver gnügen die Räte der Landgemeinden der deutschen Schweiz, gewohnt, nichts anderes als ihr Lokalblättchen zu lesen, diese großen Tages blätter empfingen, die, obgleich Partei, doch im allgemeinen gut unter richtet sind. Wenn Frankreich, dessen Propaganda im Anslande im Vergleich zu Deutschland zaghaft im Hintergründe bleibt, dieses Mittel anwenden würde, so könnte es vielleicht ein Recht haben, über die Zurückhaltung gewisser neutraler Länder sich zu verwundern. Man muß anerkennen, daß Deutschland immer Geschick in seiner Werbearbeit gezeigt hat und daß Frankreich ihm darin nicht das Wasser reichen kann. Gehet heute in irgendeine Buchhandlung eines neutralen Landes, beispielsweise der Schweiz, und verlangt ein Buch über den gegenwärtigen Krieg. Man wird euch zehn-»deutsche vor legen gegen ein französisches. Und wenn ihr eine entschieden fran zösische Broschüre haben wollt, etwa eine solche, wie die kran«?kN86 sie herausgibt, so werdet ihr sie in der Buchhandlung nicht finden. Höchstens wird man euch das Buch von Bl'dier »I^es Orimes allemkuiclZ« vorlegcn können, aber nur in Französisch — die deutsche Übersetzung, die cs gibt, ist unendlich viel weniger verbreitet —, während die Mehrzahl der Bücher deutscher Eingebung in beiden Spra chen erscheint. Das deutsche Weißbuch ist in allen Buchhandlungen ansgclegt, während es sehr viel schwerer hält, das französische Gelbbuch zu finden. Weshalb? Nicht etwa ans Gründen besonderer persönlicher Empfindung, sondern ans rein kaufmännischem Grunde. Die deutsche 1271
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