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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 21.07.1915
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- 1915-07-21
- Erscheinungsdatum
- 21.07.1915
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Redaktioneller Teil. /ik 166, 21. Juli ISIS. Salomon Rein ach (Archäologe, Prof, an der »Ecole de Louvre«, Paris): »— — Ich rede nur für mich und werde versuchen, dies zu tun mit der Ruhe, die Pflicht des Denkers ist. Müßte man in dem Manifest der 83 deutschen Gelehrten den freien, überlegten, end gültigen Ausdruck der deutschen Gedankenrichtung suchen, so würde die nach dem Kriege gegenüber diesen Gelehrten einzn- nehmende Stellung in zwei Worten angedeutet werden können: nsseio vos.« Er habe doch eine schwache Hoffnung, das Mani fest sei ihnen anfgczwnngen. Unter dieser Annahme fei es auch möglich, daß das intellektuelle Deutschland nach Beendigung des Krieges hervortreten und gegen das unsühnbare Verbrechen eines Anfalls- und Raubkrieges Protest einlegen werde. Dann würde die Möglichkeit einer Wiederaufnahme der intellektuellen Ver bindungen auf die Buße und die Strafe, der die eine Partei sich unterwirft und die die andere auferlegt, gegründet werden können.« Aber bis dahin müsse die intellektuelle Gesellschaft »guockasgus justitia oonvsrtstui in juälaiuin.,.. viotoria ultima, pacs xerkeota« abwarten. Charles Richet (Physiologe, Professor an der Uni versität zu Paris, Nobelpreistärgcr 1913): »— — — — Die Naturevolution, die jetzt die Welt umwirst, zeigt mit völliger Deutlichkeit die Verrücktheit der Menschen, und was die Deutschen betrifft, Verrücktheit in Verbindung mit Grausamkeit. Schicksal, lassen wir doch die Menschen in ihrem Wahnsinn und die Deutschen in ihrer Grausamkeit! Für wissenschaft liche Untersuchungen und ästhetische Schöpfungen ist die inter nationale Zusammenarbeit gänzlich überflüssig. Descartes schuf die analytische Geometrie, ohne jemanden in Frankreich oder im Ausland zu brauchen, Lavoisier entdeckte den Sauerstoff ohne Hilfe irgendeines wissenschaftlichen Kongresses, Dante dichtete seine »Vommackia« ohne Mitarbeiter. Nicht die Gruppen, sondern die Individuen liefern das praktische Ergebnis. Wozu also eine Zusammenarbeit, die wenn auch möglich, doch stets unfruchtbar bleiben wird? Ein Zusammenschluß von Menschen hat noch nie zu einem wertvollen Ergebnis geführt. Lassen wir doch den Gelehrten in seinem Laboratorium, den Künstler in seinem Atelier, den Mathematiker in seiner Bibliothek. Von einer ge meinschaftlichen Arbeit haben sie nichts zu erwarten. « Emile Dürkheim (Professor an »la nouvslle Sorbonne«): »- Die Wissenschaft setzt eine Zusammenarbeit der Sucher sämtlicher Nationen voraus und kann ohne diese keinen Fort schritt machen. — Wir werden also mit Interesse die Fort- schungen unserer Kollegen in Deutschland verfolgen, ihre Ar beiten benutzen, und sobald das Gemeinwohl der Wissenschaft es verlangt, werden wir unsere Anstrengungen mit den ihrigen Vereinen. Aber von Sympathie und jenem freundschaftlichen Ver trauen, in dem der Reiz der wissenschaftlichen Zusammenarbeit liegt, kann, bis die Deutschen von den abscheulichen Handlungen, derer sie sich schuldig gemacht haben, entschieden Abstand genom men haben, keine Rede werden. — Ich verabscheue den Chauvinismus, hasse aber die kalte, systematische Grausamkeit. Auch fürchte ich, viele Jahre werden verstreichen müssen, ehe es mir möglich wird, ohne einen Hintergedanken, ohne einen Stotz hurch meinen ganzen Organismus zu fühlen, meine Hand in die eines Deutschen zu legen — . Meine Hoffnung ist, daß sie einmal zugeben werden, von ihren Regierungen betrogen zu sein. Unglücklicherweise finde ich aber nichts, was zu dem Glauben, daß dieser Tag nahe sei, berechtigen könnte. — « Der berühmte Chirurg Alexis Carrel (Nobelpreisträger) 1912), der zwar als Professor an dem Rockefeller-Jnstitut zu New Uork wirkt, aber von Geburt Franzose ist, hat wegen stren gen Dienstes an der französischen Front nur in sehr kurzen Wor ten antworten können. Er glaubt, die Neutralen müßten bei der Wiederherstellung der internationalen Verbindungen, die unent behrliche Faktoren des intellektuellen Lebens seien, behilflich sein. Dann wollen wir die Engländer reden lassen: SirWil - liam Ramsay (Chemiker, ehemal. Professor an der Universi tät zu London, Nobelpreisträger 1904): »Ich befürchte, das Ent setzen der ganzen zivilisierten Welt über den moralischen Verfall der Deutschen, wie er in den besetzten Teilen von Belgien, Frank reich und Rußland zutage tritt, macht es äußerst unwahrscheinlich, 1034 daß mit Individuen dieses Stammes internationale Verbin dungen erneuert werden könnten, bis eine Reihe von Gene rationen vorübergcgangen ist. — — — Internationale wissen schaftliche Kongresse werden ohne Zweifel auch nach dem Kriege stattfinden, aber nur unter einer Bedingung: daß deutsche und österreichische Gelehrte davon ausgeschlossen werden. Wissen schaftliche Verdienste werden immer von Gelehrten, von der Na tionalität ganz abgesehen, anerkannt werden. Sollte aber ein Versuch gemacht werden, durch Einladungen zu Kongressen die früheren freundschaftlichen Verbindungen mit den Deutschen und Österreichern wieder anzuknüpfen, so könnte man überzeugt sein, daß keine andere Nation sich an diesem Zusammentreffen be teiligen würde.« — Die Schwierigkeiten einer Wiederaufnahme der Verbindungen seien unüberwindlich. Houston Stewart Chamberlain ist zwar ein überzeugter Vorkämpfer der deutschen Sache, aber Engländer von Geburt, und da er offenbar als Engländer geantwortet hat, mag er hier eingerciht werden: » Ich erwarte keine Schwie rigkeiten für die internationale Zusammenarbeit auf dem Ge biete der Kultur. — Störende Faktoren könnten zwar aus den durch Tausende von Lügen und Verdrehungen erhitzten Vor urteilen in Frankreich und England entstehen. Aber auch hier berechtigt uns die Vergangenheit, die Zukunft in einem weniger tragischen Licht zu sehen. — — — Die Deutschfresserei gehört nun einmal zur »montalite« der Franzosen, und er besitzt nicht genügend Selbstzucht, Stolz und Gerechtigkeitsgefühl, um der artige Seelenkrankheiten tapfer zu bekämpfen. Dies hat aber nicht gehindert, daß unzählige internationale Kongresse in Paris abgehalten und mit vollendeter »Oonrtoisio« empfangen worden sind. Der französische Gelehrte wird nach dem Kriege nicht anders werden als vorher. Wir Engländer werden öfters im Auslande falsch beurteilt: Der Engländer ist in seinem Auftreten kühl und beherrscht. In gewisser Hinsicht trifft das auch auf das Individuum zu, sofern das Leben ihn als Indi viduum berührt. Aber genügend oft hat man die große Leiden schaftlichkeit der Engländer beobachten können, sobald es sich um Bewegungen handelt, die Tausende erfassen — ein Phänomen, das ich nur als nationale Hysterie bezeichnen kann. Die ganze Nation gerät in Wahnsinn, wie man gerade jetzt beobachten kann. Der echte, gebildete Franzose läßt sich nicht so leicht hinter das Licht führen. Er verhöhnt die Tollheiten seiner Landsleute. Die Engländer dagegen unterliegen der Narren-Suggestion leich ter als jedes andere Volk und laufen kopflos als eine Schafherde in irgendeine zufällig angegebene Richtung. Aber sie gesunden wieder und bleiben nicht an ihren fixen Ideen hängen wie die Franzosen. So hat z. B. Professor Ramsay sich zu die ser Rundfrage geäußert — nicht als ein vernünftiger Mensch, noch weniger als ein großer Gelehrter, sondern als ein Geistes schwacher, der über sich selbst keine Macht hat. Aber je hef tiger der Anfall gewesen ist, desto eher darf man eine Gesundung erwarten.« Daß die russischen Gelehrten sich vernünftig und wür dig benehmen werden, bezweifle er nicht, und was die deutschen betrifft, so könne er aus eigener Erfahrung bezeugen, daß zwar Schmerz und Bitterkeit im allgemeinen vorhanden sind, Hatz aber nur in vereinzelten Fällen. »Wer reines Gewissen hat, fühlt kein Bedürfnis, das Gehirn auf den Siedepunkt zu hringen«. Jedenfalls müßte es mit Freuden begrüßt werden, wenn Schwe den als stammverwandt mit den beiden Hauptgegnern — Deutsch land und England — die kulturelle Vermittlerrolle übernähme. Ernest Rutherford (Professor an der Universität zu Manchester, Physiker, Nobelpreisträger): » Persönlich hege ich die Hoffnung, daß es nicht schwierig sein wird, recht bald nach dem Kriege die persönlichen Verbindungen mit den wissen schaftlichen Kollegen wieder anzuknüpfen. Diese Meinung wird natürlich einigermaßen von den von den Kämpfenden ange wandten Kampfmethoden beeinflußt werden .« H. G. Wells (Schriftsteller) schickt die Anmerkung, er könne natürlich nicht unparteiisch sein, voraus. »Ich glaube, daß mein Land und seine Verbündeien gegen den aggressivsten Nationalismus, der je die Weltherrschaft angestrebt hat, kämpfen. Es ist eine sehr verbreitete Ansicht (die ich teile), daß die deutschen Schulen und Universitäten zu politischen Zwecken systematisch kor-
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