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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 24.06.1915
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1915-06-24
- Erscheinungsdatum
- 24.06.1915
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- Deutsch
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^ 143, 24. Juni 1915. Redaktioneller Teil. 5. Jahrgang steht und so dem Kriege ihr Erscheinen nicht ver dankt, die sich aber völlig in ein Kriegsbilder-Journal umge wandelt hat. Der Text spielt die Hauptrolle in der Zeitschrift Llesoiäor. Revue bi-mensuelle illustrse. (Paris. 8"-> Ihr Schmucktitcl: »Ta diaulle kluerre pur Iss xrauäs eerivains« und das Verzeichnis ihrer Mitarbeiter: Maurice Barrss, Nene Bazin, Paul Bourget, E. Boutroux, Alfred Capus, Fr. Charmes, P. Deschanel, Maurice Donnay, E. Faguet, Anatole France, Freycinet, G. Hanotaux, C>° d'Haussonville, H. Lavedan, Ernest Lavisse, P. Loti, H. de Regnier, Alex. Ribot, Edm. Rostand, Marquis de Vogue u. a. scheinen viel zu versprechen, mehr viel leicht, als die Zeitschrift halten wird. Ganz belletristisch ist die Wochenschrift Tes Trois Oouleurs. Lpisocles, vontes et romaus <!e la Aiauäo Zuerre. (Paris. 4") und der Jugend wird gewidmet: Ta lleuue kraue e. Ristoire illustrss äs la Ausrre 1914 —1915. Tons les cllmaucves. (Paris. 4"), in der unter höchst schauderbaren Bildern die Kriegsereignisse im Märchenton »Es war einmal...« erzählt werden, eine Geschmacklosigkeit sondergleichen. Ein nur für die Soldaten der Armee bestimmtes, auch in Frankreich nicht käufliches, daher auch Wohl in Deutschland noch nirgends vertretenes Blatt ist das »kullotiu das armeos äo Io. käpubliquo«. Einen ungefähren Begriff von seinem Inhalt kann man sich aus den »LxtraitsäuLullotiuäos urwses . . .« machen, die bändchenweise in der Sammlung »?0A0S cl'lustoiro — 1914—15« erscheinen, noch besser aber Wohl aus der Publikation »Ristoixs äo Io xusris par 1s IluIIstin ckss Liuisss« (Paris: Hachette. 8"), die monat liche Zusamenfassungen davon gibt. Man sieht daraus, daß der französische Riou-Riou zwar recht regelmäßig, aber darum doch nicht richtig über die ganze Lage informiert, daß er mit allerhand ermutigenden Ansprachen, mit schönen Anekdoten und anfeuem- den Gedichten gefüttert wird. Fluchtartige Auswanderung der Berliner Bevölkerung aus Angst vor den schnell anrllckenden Rus sen nach Holland und Dänemark, die Hungersnot in Hamburg, die Einäscherung der Pavillons der feindlichen Nationen auf der Leipziger Ausstellung, das sind ein paar Pröbchen der Be richterstattung aus einer einzigen Nummer. (Schluß folgt.) Kervpo>L. 12. 6. 1915. Lieber Herr Urban! Meinen herzlichsten Dank für Ihr freund schaftliches Anerbieten, mich hier draußen mit Lesestoff versorgen zu wollen. Inzwischen ist auch schon die erste Sendung hier eingetrof fen, abends mit der Feldpost gegen 10 Uhr. Gleich aus der Verpackung heraus wurde die Lektüre in Bearbeitung genommen. Freilich war es darüber Nach-Mitternacht geworden. Doch was tut hier eine solche Unregelmäßigkeit, da man ja ohnedies vielfach in der Nacht wacht nnd am Tage nach Möglichkeit seinen Schlaf nachholt! Da nun schon der Dienst manche freie Stunde übrig läßt — und das ist gut so —, verbringt man diese Zeit nicht nur gerne mit Lesen, sondern füllt sie sogar mit voller Absicht auf diese Weise aus. Weniger um die Gedanken überhaupt abzulenken, sondern um ihnen grundsätzlich dau ernd eine positive Richtung zu geben. Ein Pessimist bin ich zwar, trotz mancher dunklen Sorgen, noch zu keiner Stunde in diesem Kriege ge wesen, ja, ich darf es mit Freude sagen, daß ich hier bei den Mann schaften mit meinem Zureden und meinen Aufklärungen vielfach klein mütigen Sinn verscheuchen kann. Dazu sind freilich häufig die reinen Reichstagsredcn erforderlich, in denen man alle Für und Wider darzu legen hat. Der Schützengraben ist ein gar eigenartiger Förderer der Nachdenklichkeit, aber auch einer gewissen Bangigkeit, die manches Ge müt befällt, das sich im offenen Kampf wahrscheinlich sehr stark und unangreifbar zeigen würde. Wochenlang, nun schon Monate nach 24 Stunden für 24 Stunden mit Zstünöiger Ablösung Nachtdienst 30 bis 50 und 80 Meter vor dem Gegner. Der schläft natürlich auch nicht da drüben in seiner Stellung, sondern befeuert unsere Blenden, wirft Gewehr- und Handgranaten und setzt uns manchmal eine Mine hin, daß man meint, der ganze Berg müßte geborsten sein. Besonders freundschaftlich erscheint uns solche Botschaft in den Nachtstunden, die mit Vorliebe gewählt werden, weil wir dann die Flugbahn der Mine nicht verfolgen und rechtzeitig »rücken« können. Die Stellung unserer Kompagnie hat bis jetzt nur leichte Ar tillerie bekommen; aber bei unseren Nachbarn, die an einem andere» Hang liegen, hat es öfters schwere gegeben, zeitweise mit nicht geringen Verlusten. Was mich persönlich betrifft, so habe ich gefunden, daß unter den obengenannten Umständen der Geist sich ganz besonders aufnahme fähig zeigt, da er sozusagen ständig ans der Lauer liegt, um alle Er scheinungen zu prüfen und zu fragen, wie die wohl im Zusammenhang zum großen Ganzen stehen, ö. h. in welcher Art und Stärke sie wohl bei der Entscheidung Mitwirken mögen. In dieser Weise äußert sich bei »unsereinem« jene sonderbare Bangigkeit, die nach Zeiten der Auf regung oder Anstrengung noch eine Zeiilang in den Nerven stecken bleibt. Dieses Residuum beseitigt man am wirkungsvollsten und schnellsten durch geeignete Lektüre. Das Bedürfnis danach zeigt Ähn lichkeit mit dem sog. Heißhunger. Die Zeitung allein kann ihn nicht befriedigen, denn man spürt beim Lesen häufig genug, daß sie gerade an dem vorübergeht, auf das man Antwort haben will. Nicht, wie viel Russen letzthin gefangen, wieviel Franzosen erschlagen wurden; nicht ob Rumänien neutral bleiben wird oder ob die Dardanellen sich halten werden. So oder so, wir werden doch endlich Sieger bleiben. Das ist eine Frage der Zeit und der Opfer. Wer sein Deutschland liebt, wird das wohl wissen, ohne es gerade beweisen zu können. Das, wonach man fragt, ist auch nicht der Tag, an dem wir nun endlich Friede haben werden. Denn wir sind ja Soldaten des Krieges und bleiben so lange hier, als mir gebraucht werden. Die Drehung und die neue Beleuchtung alles dessen, was wir bisher gewohnt waren, zu glauben, zu denken und zu tun, die ist es, die uns ihrem Grade und ihrer Stärke nach im Geist und Gemüt lebhaft beschäftigt. Davon steht zu lesen in Büchern von Leuten, denen es ähnlich ergeht oder ergangen ist. Wenn man ihre Äußerungen vernimmt und ihre Gedanken auffaßt, dann glaubt man sich in der Gesellschaft Gleichge sinnter zu befinden, die zudem entschlossen scheinen, nach dem Kriege aus der Fülle der Erfahrungen in einer ganz bestimmten positiven Richtung zu arbeiten — mindestens ein wenig unbekümmert um das sog. Formelle! Mein bescheidener Geist erlabt sich gerne an der Historie. Für die augenblicklichen Verhältnisse eignen- sich besonders Voigtländers Quellenbücher aus dem Verlag von R. Voigtländer, Leipzig. Ich be sitze schon einige Heftchen, die mich diese Sammlung schätzen lassen. Die neuesten Bände Nr. 60 und 61 bringen Berichte und Briefe der Teilnehmer und Führer »Aus den italienischen Unabhängigkeitskriegen 1848—1866«. Das wäre jetzt recht passend. Übrigens erfahren derartige Liebesgaben hier eine recht gründ liche Ausnutzung. Von mir wandert die Lektüre durch die Hände der Kameraden unserer und der 8. Kompagnie, die im gleichen Orte liegt. Gelegentlich lese ich auch in dem oder jenem Quartier einer kleineren Zahl von Leuten, bei denen ich Verständnis voraussetzen kann, Stellen mit unmittelbarem Bezug auf ihre eigenen Verhältnisse vor. Oft wird mir im Anschluß daran auch von Mannschaften, die z. T. sehr lese eifrig sind, ein Buch oder eine Broschüre entliehen. Zum Schluß kommt es an mich zurück und geht mit der nächsten Feldpostsendung nach N., wo es später in die Bibliothek des heimkehrenden Landwehr mannes eingereiht wird. Zu einem Verlust wird es nur dann kom men, wenn wir hier einmal plötzlich die Tornister auf den Buckel nehmen müßten, um — noch ein bißchen nach Frankreich hinein zu marschieren. Einen oder zwei Quellen-Voigtlänöer würde ich aber selbst dann noch mit Inbrunst in meinem Tornister unterbringen. Was hier noch sehr fehlt, das ist ein wenig Kartenmaterial und zwar von der Art der elementaren Atlanten. Als ich im vorigen Jahre in Freuöenstadt im Schwarzwald zur Kur war, hatte ich einmal einen Schulatlas von Gericke in der Hand, der Name kann auch etwas anders lauten (Dierckc. Red.). Der Atlas, der damals gerade in neuer Allflage erschienen war, ist in württembergischen und badischen Schulen eingeführt und enthält vor allem von Europa und den Grenzgebieten ausgezeichnete Gebirgskarten. Wir helfen uns hier mit den in die Zeitungen einge druckten Skizzen; haben aber keine Übersicht. Die geographischen Kenntnisse scheinen übrigens bei meinen Kameraden auch nicht viel besser zu sein als bei mir. Denn beim Verlesen der Kriegsberichte sehen die mich häufig ebenso fragend an wie ich sie. Namentlich die russischen Städte sind uns böhmische Dörfer. Mit den Flüssen steht es nicht viel besser An die Stelle des Zurück gedrängten tritt eben die passende Lektüre, die hier mehr als nur ein Notbehelf oder eine Zerstreuung, die im wahrhaften Sinne des Wortes Nahrung ist. Mit Surrogaten ist einem da draußen nicht zu helfen. So schnell wie ich ist wohl kaum jemand bis dicht an die Front gekommen. Freitag, 4. Juni, 9X> Uhr Einberufungs-Order. Abreise von Rostock 12,30 Uhr nach Wismar. Hier eingestellt und um 5 Uhr nach Hamburg befördert. Am 6. Einkleidung in Hamburg. Am 7. per 915
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