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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 29.12.1908
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1908-12-29
- Erscheinungsdatum
- 29.12.1908
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
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- Saxonica
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301 29 Dezember IS08 Nichtamtlicher Teil führt häufig zu Ansichten, wie sie in nachstehender Brief stelle ausgeführt sind: -Freilich habe ich es Ihnen, wie Sie wissen, schon oft eingeprägt, daß die Buchhändler von den gelehrten und vernünftigen Büchern gar nicht reich werden, so wenig, als von den Städten, wo viel Lektüre herrscht, sondern von dummem Zeuge, das Lessing gar nicht zu Gesichte kommt, und von dummen Provinzen, wo meines Freundes Lessing Schriften kein Mensch lesen will,» Diese Worte schrieb vor 140 Jahren der durch seine freundschasilichen und geschäftlichen Beziehungen zu Lessing bekannte Buchhändler Nicolai, Hat sich die Lage des deutschen Buchhandels seit jener Zeit gebessert? Das muß man wohl trotz der obigen Ziffern bejahen, denn es gibt setzt eine stattliche Reihe von Verlegern, die durch »gelehrte und vernünftige Bücher» zu Reichtum und An sehen gelangt find. Es wäre ein oberflächliches, generali sierendes Urteil, wollte man sagen, daß die Verleger wissen- licher oder ernster belletristischer Literatur nicht aus besriedigende materielle Erfolge rechnen können. In der Österreichisch-ungarischen Buchhändler-Korrespon denz habe ich kürzlich auf den Umstand aufmerksam gemacht, daß die Bestellbriese der Sortimenter in den österreichischen Prooinzstädten rechtzeitig vor Abgang der Abendzüge nach Wien zur Post gebracht werden sollten, damit aus deren Zustellung in Wien mit den ersten Briesboten- gangen (« bis 10 Uhr vormittags) zu rechnen sei Kommen die Briese jedoch infolge verspäteter Ausgabe den Kommissionären oder Verlegern erst mit dem dritten Botengänge lll'/z bis 12 Uhr vormittags) oder noch später in die Hände, dann ist in vielen Fällen die Er ledigung am selben Tage unmöglich — mindestens sehr schwierig. Ähnlich scheint die Sache mit den Briefen vo>! Leipzig und Berlin nach W en zu liegen, Namentlicd Berliner Briefe werden in Wien meistens nachmittag- (um 41/2 oder 7 Uhr) zugeslellt, also für eine postwendende Erledigung oft zu spät. Offenbar liegt es wiederum an dem Zeitpunkt der Postauigabe in Berlin, Der dort um K4S abends abgehende Schnellzug trifft in Wien bereis um 727 früh ein, und die nut dielen Zügen expedierten Brieie sind um 10 Uhr in den Händen der Adressaten; es scheini jedoch, daß dieser Zug von so manchen Berliner Verlags handlungen versäumt wird, was bei dem Umstande, daß dort bereits vielfach das amerikanische System des Durcharbeitins eingejührt ist, um so mehr auffäUl, Es wäre wünschens wert, in Berlin festzustellen, um welche Stunde jene Briefe, die mit dem Schnellzug K45 abends nach Wien gehen sollen, in den Briessammelkasten geworfen werden müssen; wie so häufig, bewirkt auch in diesem Falle eine Verzögerung von Minuten eine Verspätung von Stunden, eventuell von einem ganzen Tage. Aus einer Szene des neuen Lustspiels -Die Liebe wacht» von Caillavet und Flers, das im Hosburgthcaler aufgesührt wurde: Er (Historiker, linkischer, zerstreuter Gelehrter): »Nie werde ich es zu Anerkennung und Geltung bringen, meine Bücher sind die Frucht vieljähriger, gründlicher Studien; aber niemand liest sie; wer sollte auch Interesse haben für »die Beleuchtung einiger Quellen zur Geschichte der Besteuerung nordbretonischer Landstädte im Mittelalter» und gar für -die Bemerkungen zu den Stammbäumen einiger adeligen Geschlechter«! Sie (Klavierlehrerin, im Herbste des Lebens, mit der heimlichen Liebe zu dem Historiker): »Ich Hube Ihre beiden Bücher gelesen, ich habe sie sogar gekauft,- lgvrtenvlatt für den Deutschen Buchhandel. 7L. Jahrgana Er (fassungslos vor Erstaunen): Sie waren also der Käufer; mein Verleger und ich, wir haben uns das Fehlen des einen Exemplars nicht erklären können, wir dachten an eine Mystifikation!» Wien, Dezember 1903, Friedrich Schiller, Die Pariser Zeitungspresse. (Schluß zu Nr. 300 d. Bl.) Die erste Pariser Tageszeitung, die sich die Erfindung Marinonis, die Rotationsmaschine, zunutze machte, war das »kstit Millionär gestorben ist, war lange Zeit hindurch .Hauptaktionär, ja fast alleiniger Besitzer des »?stit ^oui-nal«. In seinen letzten Jahren mußte er den Schmerz erleben, daß sein Unternehmen von anderen Zeitungen, die inzwischen alle mit Notationsmaschinen arbeiteten, überflügelt wurde. In neuester Zeit soll zwar die Nachfrage nach dem »ke.tit Journal« wieder zugenommen haben, denn während erfolgreichste Konkurrent des»?6t.it>Journal« ist der »Ustitkarisien«, der die fabelhafte Tagesauflage von rund andertbalb Millionen druckt und damit ruhig als die größte Zeitung der Welt gelten darf. Die Herstellung nimmt nur etwa vier Stunden in An spruch, von 1 Uhr nachts bis 6 Uhr morgens, und während dieser Zeit rasen ungeheure Massen von Papier unter furcht barem Getöse durch die ungefähr zwanzig Zwillings-Rotations maschinen des »?etit krrri8i6n<<. Die leitende Persönlichkeit dieser Trotz seiner riesigen Auflage ist er aber in Paris selbst kaum mehr verbreitet als die anderen großen Tagesblätter; seinen Hauptabsatz findet er in Provinzstädten, für die er eine besondere, textlich von der Pariser Ausgabe aber kaum verschiedene »Edition ätz krovineo« druckt. Außerdem veröffentlichen die beiden zuletzt genannten Blätter ein wöchentlich erscheinendes »Zoxxlsmsnt gratis abgegeben wird, sondern ebenfalls gekauft werden muß (6 Cts.), und das in einem Farbendruck, der den heutigen Anforderungen schon längst nicht mehr entspricht, die neuesten Morde und Unglücksfälle, mit ziemlich viel Phantasie vermischt, bildlich veranschaulicht. Immerhin galt diese Art von Farben- Rotationsdruck noch zur Weltausstellung von 1889 als Wunder moderner Drucktechnik. Zum Drucke seines am Mittwoch er scheinenden »8uppl6iu6nt U1u8tr6«, dessen durchschnittliche Auflage über eine Million Exemplare beträgt, die aber, je nach der Aktualität des Stoffes, schon bis auf 1900 000 gestiegen sein selbst nicht benutzt werden können. Ein weiteres Supplement der gleichen Zeitung, die jeweils am Donnerstag erscheinende »Blocks cku ketit, Journal«, wird in einem ähnlichen Verfahren hergestellt; zum Druck dieser Auflage, die aber nur 400 000 Exemplare be tragen soll, sind zwei weitere Maschinen erforderlich. Die Druckschnelligkeit soll 12 000 Exemplare pro Maschine und Stunde betragen, bei zweiseitigem Druck, wovon die eine Seite schwarz, die andere in fünf Farben. — Eine Eigentümlichkeit der Pariser Presse und besonders der volkstümlichen Blätter bilden Reklame unternehmungen in großem Umfang, die meistens in Preisrätseln oder »Ooneoui-8«, wie man hier sagt, in Szene gesetzt werden. Ohne diese Preisrätsel, für deren richtige Lösung häufig Preise in bedeutender Höhe ausgesetzt sind, scheinen verschiedene Pariser- Zeitungen gar nicht mehr existieren zu rönnen, und es ist komisch, zu sehen, auf was für merkwürdige Einfälle die Leute dabei kommen. So hatte vor einigen Jahren der ?stiti kari-üen fol gende Aufgabe gestellt: Es sollte die Zahl von Rübsamenkörnern genannt werden, die eine gewöhnliche Literflasche bis zum Beginn des Flaschenhalses fassen kann; demjenigen, der mit seiner Angabe der vom kstit kar^isn ausgerechneten Zahl am nächsten 1942
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