Redaktioneller Teil. ^r- 98, 30. April 1915. 96. Ursprünglich eignen Sinn laß dir nicht rauben! Woran die Menge glaubt, ist leicht zu glauben. (Goethe.) Vergänglich sind der Erde beste Gaben; Nur was wir außer dem Gebiet der Zeit Gewirkt als Geister, für die Geister, haben, Das währt und bleibt in alle Ewigkeit. (Goethe.) 98. Viel löblicher, ein Buch zu lesen, Als Fest und lautes Gassenwesen. (Püterich von Reichardtshausen, 1462.) 99. * Verschlingst du gierig Blatt um Blatt, Denk an die Raupe: sie wird satt, Und hofft dann, daß sie spinne Und neue Form gewinne. Viel Büchermachens ist kein Ende. (Prediger Salomo.) 101.* Viel liest der Philister 102. Von allem Geschriebenen liebe ich nur, was einer mit seinem BluU schreibt. (Nietzsche.) 103. * Von Büchern nimm das Gute, Alte, Ob mit, ob ohne Bügelfalte. 104. Von den jedermann bekannten Büchern muß man nur die aller besten lesen. (Lichtenberg.) 105. * Von einem Leib zum andern Der Bücher Seelen wandern. 106.* (Gegenstück zu Nr. 70.) Waffenplatz sei und Walhalla den Geistern der neuen Germanen, Spende auch Frieden und Trost, Kind einer eisernen Zeit. (F- d. Bücherei.) 107. Was stets und aller Orten Sich ewig jung erweist, Ist in gebundnen Worten Ein ungebundner Geist. (Platen.) 108. * Was machte die Götter Unsterblich? Die Letter. 109.* (Vgl. 102.) Was man mit Herzblut schreibt, Das bleibt. 110. Was nicht zweimal Lesens wert gewesen, Das war nicht einmal lesenswert. (Rückert.) 111. Was wir sammeln, was wir speichern, Mag's die Erben noch bereichern. (R. Dehmcl.) 112. Was wir säen, ernten wir nicht, Was wir ernten, säeten wir nicht. 113. Weil das nütze Bücherprägen Deutschland hat der Welt geschenkt, Ist es billig, daß vor allem Deutsches man zum Druck erdenkt. (Logau.) 114. Welchen Leser ich wünsche? Den Unbefangensten, der mich, Sich und die Welt vergißt und in dem Buche nur lebt. (Goethe.) 664 115.* (Gegenstück zu Nr. 113.) Weil man jährlich deutscher Schriften Tausende zum Druck erdenkt, Hat man, sie zu sammeln, dieses Haus dem deutschen Volk geschenkt. 116. Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das allemal im Buche? (Lichtenberg.) 117. Wenn einer meint, er lerne noch, so kommt sein Witz empor; Wenn einer meint, er sei gelehrt, so wird er bald sein Tor. (Logau.) 118. 119. Wen Vernunft gelehrt gemacht, Wird viel höher oft geacht't, Als den oft des Buches Blatt An Vernunft verwirret hat. (Logau.) 120. * Wer Bücher schlingt, Sie nicht bezwingt; Wer sie mag kauen, Wird sie verdauen. 121. Wer dem Buche dient, der dient dem Geiste, Wer dem Geiste dient, der dient der Welt. (Wildenbruch.) 122. Wer verlachet dich, Papier? Paart sich kluge Hand mit dir, Wird der Marmor nicht bestehn, Werden Zedern eh' zergehn, Eher wirst du nicht gefällt, Eh' mit dir verbrennt die Welt. 123. Wer wird nicht einen Klopstock loben? Doch wird ihn jeder lesen? Nein. Wir wollen weniger erhoben Und fleißiger gelesen sein. 124. (Logau.) (Lessing.) Wir gewahren nicht einmal, sondern zehnmal, daß alle Erfolge auch in der Literatur am Ende doch nur mit eigenen Waffen erfochten sein wollen. (Jac. Grimm.) 126. Wissen ist Macht. 126.* Wissen 127. Wisset nur, daß Dichterworte Um des Paradieses Pforte Immer leise klopfend schweben, Sich erbittend ew'ges Leben. 128. (Goethe.) Worte sind Münzen des Geistes, die nicht sind, nur bedeuten. (Hebbel.) 129. Worte sind der Seele Bild, Nicht ein Bild! sie sind ein Schatten, Sagen lieblich, deuten mild, Was wir haben, was nur hatten. (Goethe.) 130. Zeiten fordern wieder, was die Zeiten gaben, Drum ist nur entlehnet, was wir Menschen haben. (Logau.) 131.* Zerlesener Band Ist gut verwandt.