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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 04.11.1944
- Strukturtyp
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- 1944-11-04
- Erscheinungsdatum
- 04.11.1944
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haltung stark verkümmert war, mit Hilfe der Kriegsleihbücherei neu zu beleben, indem man eben wirklich wesentliche und zum geistigen Aus tausch anregende Bucherscheinungen nunmehr leihweise den Kunden zugänglich machte. Nicht nur Buch und Leser, sondern auch Buchhändler und Leser sollten dadurch aufs neue in eine wünschenswerte rege Be ziehung zueinander kommen. Die erste Auswahl des Leihhuchbestandes wurde durch diese Auffassurfg sehr stark bestimmt. Leider zeigte sich bald, daß die auf Grund der geschilderten Auffassung in den alten Kun denstamm gesetzten Erwartungen, quantitativer und qualitativer Art, sich .nicht erfüllten. Teilweise war das Vorurteil gegen das geliehene Buch gerade beim passionierten Bücherkäufer zunächst noch nicht zu überwinden. Es war ja auch, solange die Folgen de6 Luftkrieges das nicht änderten, noch ein erheblicher, noch keineswegs ausgeschöpfter eigener Buchbestand vorhanden. Außerdem verlangt die Beschäftigung mit dem anspruchsvollen Buch Zeit und Muße, während das geliehene Buch ja immer nach der nicht allzu weit hinauszuschiebenden Rückgabe drängt. Die Tatsache, daß alle Kriegsleihbüchereikunden, die sich allmählich einfanden, gleich, ob es neue Gesichter oder alte bekannte Kunden waren, zunächst und in erster Linie Unterhaltung und Entspannung ver langten, war für mich etwas ernüchternd. Der so häufig bei uns vor gebrachte Wunsch nach anspruchsvollen Büchern schien also keineswegs einem echten Lesebedürfnis zu entsprechen, das um jeden Preis, und auch auf dem Wege des Entlcihens seine Befriedigung gesucht hätte. Auf Grund der geschilderten „Mißverständnisse“ ging die Entwick lung meiner Kriegsleihbücherei zunächst langsam voran. Der Leserkreis war dafür allerdings sehr solide. Versäumnisse und dadurch nötige Reklamationen kamen kaum vor. Auch das rechnerische Ergebnis war sehr günstig. Auf die Dauer mußte natürlich, wenn dem Gedanken der Kriegs leihbücherei richtig entsprochen werden sollte, das Unternehmen groß zügiger betrieben werden. Zunächst wurde vorübergehend von dem an fänglich angenommenen, vermutlich richtigen Grundsatz den Buch bestand etwa doppelt so groß zu halten wie die Zahl der ausgcliehenen Bücher, abgegangen. Mit der Zeit wäre es auch sonst schwierig ge worden, regelmäßigen eifrigen Lesern die entsprechende Auswahl zu bieten. Dann wurde in der breiteren Öffentlichkeit geworben, und zwar in der einzigen Form, die noch möglich war, durch Zeitungsanzeigen, die sich öfter wiederholten. Das Schaufenster war schon immer eingesetzt worden, teilweise mit ausführlichen Sdiriftplakate.n, doch war die Wir kung nur begrenzt. Beide Maßnahmen, die großzügige Erweiterung des Buchbestandes und die verbreiterte Werbung hatten einen so beacht lichen Erfolg, daß für die kommende Zeit, begünstigt durch die Jahres zeit und die weitere Verschärfung der Kriegsmaßnahmen auf dem zivilen Sektor, eine starke Aufwärtsentwicklung meiner Kriegsleih bücherei zu erwarten ist. * Sehr wichtig für die Kriegsleihbüchereiarbeit scheint mir zu sein, daß man sich ihr mit ganzem Herzen und nicht nur so nebenbei und am Rande widmet. Die Zusammenstellung des Buchbestandes und die Aus wahl der Neueinstellungen muß sorgfältig durchdacht werden. Man setjt beim Buchhändler doch eine gründlichere Vertrautheit mit dem Schrift tum voraus und verlangt von ihm, daß er Bücher bietet, die wohl unter halten und entspannen, aber ein gewisses Niveau halten, die fesselnd, aber nicht zu unwesentlich und oberflächlich sind. Viel, sehr viel hängt auch davon ab, daß der Leser bei der Ausleihe kundig und angelegent lich beraten wird. Es genügt keinesfalls, ihn einfach vor das ent sprechende Regal zu stellen und ihn dann selber sein Buch aussuchen zu lassen. Manche Leser tun das zwar sehr gern, aber die meisten, nicht nur die einfacheren Menschen sehen, wenn sie vor einem gefüllten Bücherregal stehen, den Wald vor lauter Bäumen nicht und sind sehr hilflos. Vielleicht fischen sie sich dann auf gut Glück irgendein Buch heraus, das ihnen absolut nicht liegen wird und sind dann natürlich ent sprechend enttäuscht, was die Leselust nicht gerade fördert. Angenehm berührt es den Leser dagegen, wenn er aufmerksam zu Büchern, hin geführt wird, die ihm wirklich Freude machen und die er gern, vielleicht sogar mit Gewinn liest. Er kommt dann mit Vergnügen wieder und wird zum treuen Leser, und nicht auf die Eintagsfliegen, auf die treuen Leser kommt es an, für deren ständige Ansprüche natürlich immer wieder gesorgt werden muß. Das alles erfordert viel eingehende Bücherkennt nis, und mancher Sortimenter wird merken, daß die früher allverbreitete gute Gewohnheit, 6ich möglichst eingehend mit dem Buchbestand seines Lagers zu beschäftigen und viel zu lesen, die in den legten Jahren mehr und mehr unnötig zu sein schien, nun wieder neu in Übung kommen muß. Soll die Kriegsleihhücherei zur allseitigen Zufriedenheit geführt werden, so ist die angelegentliche Pflege des Buchbestandes sehr wichtig. Alle Möglichkeiten für die Herrichtung und Instandhaltung der Bücher für die Ausleihe müssen gründlich ausgenutjt werden. Ein gepflegtes Buch wird von selber sorgfältiger gehalten. Ich pflege zum Beispiel, uni dem Leser von vornherein einen gewissen Respekt vor dem Buche ein zuflößen, um jedes Buch jeweils bei der Ausleihe einen frischen Um schlag zu legen, allerdings in einfachster Art und Qualität. Ich konnte dafür Makulatur und auch Streifen aus Papierabfällen henugen, mit denen doch nicht mehr viel anzufangen war. Trog der Einfachheit von Methode und Material hat der Leihbüchereikunde jedesmal wenigstens den äußeren Eindruck, einen sauberen, von keinem Vorbenuger be schönigten Einband in der Hand zu haben, und das erhöht sicher nicht nur die Wcrtschägung, sondern auch den Lesegenuß. Es wird auf diese Weise auch immer wieder praktisch vorgeführt, daß und wie man ein Lcihbuch schonend behandelt, und es ist nur die selbstverständliche Weiterführung dieses Gedankens, wenn eine Reihe von Kunden sich daran gewöhnt, die eigenen, stabileren Buchhüllen gleich mitzubringen. Um die Ausleihe möglichst flott und reibungslos abzuwickeln, bin ich für eine sehr einfache Organisation. So verzichtete ich von vorn herein auf irgendeinen Pfandbetrag und bin bisher auch ohne Pfand- nahme ausgekommeu. Ich erspare mir dadurch die umständliche Pfand verbuchung, Quittierung und Aufbewahrung. Außerdem bewahre ich den Leser vor der leicht möglichen Vorstellung, durch den Pfandbetrag habe der Buchhändler eine ausreichende Entschädigung für das entliehene Buch in der Hand, und die Nichtrückgabe sei keineswegs sehr un moralisch. Ich erkläre dagegen sehr betont, daß ich auf einen Pfand betrag verzichte, weil ich ja auch bei reichlichster Bemessung ein mir nicht zurückgegebenes Buch meist nicht ersetzen könnte und daß ich da her unter allen Umständen darauf bestehen müsse, daß entliehene Bücher auch wieder, und zwar tadellos, zurückgegeben werden. Die Ver luste sind, trot5 sehr viel Laufkundschaft, bisher sehr gering gewesen. Für die Buchungen führe ich neben der Liste der eingestellten, numerierten Bücher nur eine Kartei der Leser und eine Kartei der Bücher, also der Leser hat eine Karte und das Buch hat eine Karte. Auf der Karte des Lesers werden die entliehenen Bücher mit der Nummer und mit dem Tag der Ausleihe und der Rückgabe notiert, die Leserkarte dann immer alphabetisch verwahrt. Auf der Karte des Buches wird der Name des Entleihers, ferner ebenfalls Tag der Ausleihe und der Rück gabe notiert. Während die Buchkarten der im Lager befindlichen Bücher ebenfalls alphabetisch geordnet sind, werden die Karten der ausgeliehc- nen Bücher in der Reihenfolge nach dem Tag der Ausleihe gelegt. Über fällige Bücher sind so mit Leichtigkeit festzustellen, denn die Karten der am längsten ausgeliehenen Bücher liegen immer obenauf. Da auf der Buchkartc immer der Name des Lesers notiert wird, läßt sich übrigens im Zweifelsfalle leicht feststellen, ob ein Buch bekannt ist oder nicht. Das Gedächtnis für die Titel der gelesenen Bücher ist bei den Lesern ja manchmal merkwürdig schwach. Dieses System mit zwei Karten, das wohl meistens angewendet wird, bietet die vielleicht noch nicht beachtete schätjenswerte Möglichkeit, die zu einem Ausleihevorgang gehörigen Karten einfach zusammenzulegen, so daß die entsprechenden Buchungen nachträglich und in einer stilleren Stunde nachgetragen werden können. Zum Schluß sei noch vermerkt, daß das finanzielle Ergebnis der Kriegsleihbücherei wohl allgemein ein sehr günstiges sein dürfte. Audi in dieser Hinsidit ist also der Anreiz, sich der neuen buchhändlerischcn Arbeitsform zu widmen, recht groß, und es dürfte daher auch bald nur noch wenige Sortimenter geben, die sich, nidit bloß um der Anordnung zu entsprechen, sondern aus wirklicher Zustimmung ihrer Kriegsleih bücherei widmen. Die in dieser Arbeit ruhenden, nach Erfüllung drän genden kulturellen Möglichkeiten sind groß. Das Bedürfnis nach guter Lektüre, die ahlenkt oder erbaut, ist sehr rege, und es führt uns Men schen in den Laden, die wir als Bücherkäufer nicht oft zu sehen be kamen. Mit ihnen und den alten Kunden, die nun wenigstens zum Teil ihre Vorbehalte gegen das Leihbuch überwunden haben oder noch über winden werden, wollen wir eine in Begeisterung für das gute Buch herz lich verbundene Gemeinschaft bilden, die wir in eine glücklichere Zeit hineinführen und i.n der wir unserer Arbeit und unserer Freude am Buch wieder mehr aus dem vollen leben können. Umschau in Wirtschaft und Recht Von Dr. K. Ludwig Entschädigung für Kriegssachschäden von Gefolgschaftsmitgliedern Nach § 3 der Kriegssachschädenverordnung ist die Entschädigung zugunsten des Geschädigten festzusetjen. Nun haben vielfach Gefolg schaftsmitglieder ihren Betriebsführer ermächtigt, das Entschädigungs verfahren für die im Betriebe erlittenen Schäden zu betreiben. Diese Bevollmächtigung ist möglich. Die Entschädigung aber kann nicht zu gunsten des Betriebsinhabers festgesetjt werden, wenn nicht eine Ab tretung d§s Entschädigungsanspruchs vorliegt. Zu dieser müßte aber die Feststellungsbehördc gemäß § 11 KSSchV. ihre Zustimmung erteilen. Es ist also in der Regel einfacher, wenn das Gefolgschaftsmitglied den Entschädigungsanspruch seihst erhebt. Stirbt der Geschädigte nach Eintritt des Schadens, so geht der Ent schädigungsanspruch auf seine Erben über. Die Entschädigung wird als dann zugunsten der Erben festgesetzt. Die Legitimation der Erben wird stets sorgfältig geprüft, bei Erbengemeinschaften auch die Vertretungs- befugnis der für die Gemeinschaft handelnden Personen. Wie der Nach weis der Erbberechtigung geführt wird, kommt auf den Einzelfall an. Am sichersten ist der Erbschein, der freilich mitunter nicht leicht zu be schaffen ist. (Schreiben des Präsidenten des Reichsverwaltungsgerichts vom 10. März 1944, Reichs6teuerblatt S. 592.) Luftschutzsichere Aufbewahrung der Lohnsteuerkarten Die Lohnsteuerkarten müssen so luftschutjsicher wie möglich auf bewahrt werden. Es ist nicht zu beanstanden, wenn Unternehmer in luftgefährdeten Gebieten die Lohnsteuerkarten ihrer Gefolgschaftsmit glieder in weniger luftgefährdeten Gebieten in Sicherheit bringen. Es muß dabei jedoch sichcrgestellt sein, daß die Lohnsteuerkarten jederzeit 19b Börsenbl. f. d. Dt. Buchh. Nr. 78. Sonnabend, den 4. November 1944.
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