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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 15.01.1938
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- 1938-01-15
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- 15.01.1938
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durch Schatten auf ihre geschichtliche Größe zu werfen. Es kommt ihm vielmehr darauf an, den Punkt aufzuzeigen, an dem sich Persönliches und persönlichstes Erleben mit dem Atem der Bolksgeschichte berührt. Das blitzhastc Aufleuchten, das den Augenblick erhellt, in dem sich diese Berührung vollzieht, ist es gerade, was Schäfer in fast allen seinen Anekdoten in einer Weise sichtbar zu machen vermag, die den aufmerksamen Leser immer wieder mitreißt, Schäfer hat sich mit seinen Anekdoten stets große Mühe gegeben, und von einer ganzen Reihe dieser kostbaren Erzählstücke besitzen wir Abhandlungen Schäfers über ihre Entstehung. Im Vorwort zuni »Wendekreis« weist Schäfer dann niit besonderem Nachdruck darauf hin, daß es ihm letzthin stets darauf ankommt, zu zeigen, »wie mitten in den Alltag hin ein die Frage einer absoluten Entscheidung gestellt und beant wortet wird«. Mit seinen Anekdoten kam Wilhelm Schäfer, wie er selbst einmal schreibt, »in Umlauf«, In seinen Novellen dagegen sieht er jenen Teil seiner Prosaarbeitcn, den er »mündelsichcr anlcgtc«. Auch von seinen Novellen besitzen wir eine vorläufige Gesamtausgabe, außerhalb deren Rahmen dann noch Arbeiten stehen wie »Die unterbrochene Rheinfahrt« und die im Vorjahr erschienene Novelle »Anckemanns Tristan«, Von den sechs in der ersten Gesamtausgabe der Novellen enthaltenen Arbeiten sind besonders die »Mißgeschickten« und die »Hlllsbandgeschichte» bekannt geworden; eine tiefe Wirkung üben immer wieder die beiden Novellen »Winckelmanns Ende« und »Hölderlins Ein kehr« aus. In der Novelle »Winckelmanns Ende« schildert der Dichter in meisterlicher Weise, wie der in Rom weilende, zu einem berühmten Mann gewordene Schuhmacherssohn Winckel- mann aus Stendal von einem tiefen Heimweh nach dem Norden ergriffen wird, dem er nachgibt, indem er eine Reise in seine Heimat unternimmt. Je tiefer er nach Deutschland hineinkommt, um so unerbittlicher kommt ihm zum Bewußtsein, daß er die verlorene Heimat, im Begriffe, sie zu suchen, erst recht noch einmal verloren hat. In Regensburg kehrt er um; in Triest wird er, an dem Tag, da er sich nach Griechenland cinschisfcn will, ermordet. Die Liebe des Blutes, die ihn nach dem Norden gezogen hatte, konnte keine Erfüllung mehr finden, »weil seine Sinne anders zu lieben gewohnt waren, als sein Blut ver langte«, »Die Sonne hat mir das Hirn ausgeglüht, daß ihm kein gotischer Spuk mehr einwohnen kann: nur im Blut ist mir der Spuk meiner Herkunft geblieben. So bin ich nicht welsch und nicht deutsch, so bin ich ein Zwitter-, Die Lebenstragödic dieses »Zwitters« gestaltet Schäfer in der Novelle »Winckelmanns Ende«, Nicht minder ergreifend ist die Episode aus Hölderlins Leben, die Wilhelm Schäfer in der Novelle »Hölderlins Ein kehr- schildert. Der Hölderlin, der im Mittelpunkt dieser No velle steht, ist schon leise überschattet von der Nacht, die sich bald daraus auf seinen Geist legen sollte. Die Darstellung, die Schäfer diesem Hölderlin, der sich auf der Reise von Bordeaux nach Deutschland befindet, gibt, gehört zum Schönsten, was von einem deutschen Dichter über einen deutschen Dichter geschrieben worden ist. Zu den Anekdoten und Novellen treten dann dieRomane Wilhelm Schäfers, an deren Beginn die Lebensgeschichte des schweizerischen Malers Karl Stausfer steht (Karl Stauffcrs Le bensgang, Eine Chronik der Leidenschaft), — Ein »Sinnbild des ringenden Menschengeistes-, zu dem ihm das Schicksal des Karl Stauffer nicht werden wollte, gab Wilhelm Schäfer in seinem Pestalozzi-Buch »Lebenstag eines Menschcnfreun- d e s«. Ein »Deutsches Volksbuch« nennt der Dichter sein Werk »Huldreich Zwingli«, in dem er das Lebensbild eines Reformators zeichnet, der mehr Mann des Staates als Mann der Kirche war, — Eine besondere Stellung nimmt innerhalb der Romane Schäfers der »Hauptmann von Köpenick- ein, der ursprünglich nur eine Anekdote abgeben sollte. Einen Griff in das Leben der Gegenwart tat der Dichter dann mit seiner Tri logie »M it sechzig Jahren-, die aus zwei Romanen (»Das Haus mit den drei Türen« und »Der Fabrikant Anton Bcilharz und das Theresle« und einer Novelle (»Ein Mann namens Schmitz«) besteht. Der Dichter behandelt darin Sonderfällc des menschlichen Lebens, indem er dreimal das Thema des an einer viel jüngeren Frau noch einmal fcuerfangenden Sechzigers ab wandelt. Der Dichter und der Volkserzieher Wilhelm Schäfer sind gleichmäßig beteiligt an dem großen geschichtlichen Werk »Drei zehn Bücher der deutschen Seele«, in dem wir eine Erzählung des Schicksalsgangcs des deutschen Volkes von den Anfängen bis zur Gegenwart besitzen, die aus der Kraft des Dichters und aus der Treue zu seinem Volk geschöpft und einer Zeit geschenkt wurde, in der das deutsche Volk eine Krise schwer ster Lebensnot durchlebte. Bei aller Eigenwilligkeit des geschicht lichen Erlebnisses und seiner Darstellung werden die »Dreizehn Bücher der deutschen Seele- bleiben als stolzes Zeugnis ihres Schöpfers für die Treue zu seinem Volk und für den Glauben an dessen Zukunft, Wilhelm Schäfer hat mehrfach, besonders in den letzten zehn Jahren, als Redner und Vortragender zu wichtigen Fragen der deutschen Kunst und Kultur Stellung genommen. In dein Band »Deutsche Reden« besitzen wir eine Sammlung dieser Vorträge und Auseinandersetzungen, in denen wir gleichzeitig so etwas wie das dichterische Glaubensbekenntnis Wilhelm Schäfers sehen dürfen. Wenn es auch kein Glaube ist, der sich in der überkom menen Weise religiös bestimmen läßt, so ist es doch nicht minder ein Glaube von religiöser Kraft, zu dem sich Wilhelm Schäfer während seines ganzen Lebens bekannte: der Glaube an sein Volk, aus dem er die Kraft zu seinem Streben, ein volkstüm licher Dichter zu werden, zog, zu einem Streben, das er in einer Zeit durchhielt, in der die den literarischen Geschmack angebcn- dcn Kreise nicht das geringste Verständnis dafür besaßen, Wilhelm Schäfer hat einmal ausgesprochen, daß der Dichter das neue Werden des deutschen Volkes, in dem er eine Auf lehnung des deutschen Volkstums gegen alle Überfremdung sieht, grüßen müßte, auch wenn es ihn (den Dichter) »ins Museum verwiese«, Wilhelm Schäfer wird wohl nach eigener Anschauung der Letzte sein, der das Gefühl -haben müßte, von dem Volk, das sich endlich zusammengefunden hat, »ins Museum verwicsen- wordcn zu sein. Daß er als Siebzigjähriger mit seinem gesamten dichterischen Werk heute im Volke steht, das mag ihm die schönste Bestätigung und Rechtfertigung seines Schaffens sein und der Treue, die er darin seinem Volke hielt. Das Abenteuer meines Lebens Abschiedsgespräch mit Buchhändler Ove Tryde--Kopenhagen Wie aus Kopenhagen bekannt wird, 'ist die angesehene Buch ung Kunsthandlung Bilhelm Tryde in Kopenhagen am l, Januar 1938, am Tage ihres fünsundsiebzigjährigen Bestehens, in den Besitz von H, Hagerupz Buchhandlung übergegangen, Ihr letzter Besitzer war Herr OveTryde, eine im internationalen Buchhandel hochgeschätzte Persönlichkeit, Um den Weiterbestand und die Wiederaufnahme der Tätigkeit des »Internationalen Ver leger-Kongresses« in den Nachkriegsjahren hat sich Herr Ove Tryde als Präsident des Exekutiv-Komitees und der Internatio nalen Kommission des Kongresses außerordentliche Verdienste er worben, Bei seinem Ausscheiden aus dem Buchhandel wurde er vom Dänischen Buchhändlerverein zum Ehrenmitglied ernannt. Nachstehend geben wir einiges aus einem Gespräch wieder, das Herr Tryde Ende vorigen Jahres mit einem Schriftleiter der Kopenhagener Zeitung »Politiken« führte. Die Übersetzung davon wurde uns liebenswürdigerweise von Herrn Max Grauer! in Fa, Kunstverlag Graucrt L Zink in Berlin zur Verfügung ge stellt, der u, a, dazu schreibt: »Herr Ove Tryde ist in den Kreisen älterer Kunsthändler in Berlin und anderen Kunsthandels- Städten bekannt. Er war längere Zeit bei Amsler L Ruthardt
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