Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 15.01.1938
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1938-01-15
- Erscheinungsdatum
- 15.01.1938
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19380115
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-193801158
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19380115
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1938
- Monat1938-01
- Tag1938-01-15
- Monat1938-01
- Jahr1938
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
schließlich vorliegen, so ist mit einer Produktionszunahme von über 5"/» zu rechnen. Naturgemäß sind nicht alle Sparten daran gleichmäßig beteiligt. Es verdeutlicht die Lage, wenn man die Veränderung des prozentualen Anteils der einzelnen Gruppen an der Gesamtproduktion für die letzten fünf Jahre ins Auge faßt. Gegen den Stand von 1933 haben ihren Anteil verbessert vor allcni die Gruppen Theologie, Technik, Handel und Verkehr, Land- und Forstwirtschaft, Erd- und Völkerkunde, Kriegswissen- schast, Schulbücher und Geschichte. Das läßt zugleich einen Schluß darauf zu, wohin sich das Interesse vorwiegend gerichtet hat. Es ist ja davon auszugehen, daß die vcrlegerische Betätigung natur gemäß dort am lebhaftesten sein wird, wo auch die Absatzaus sichten entsprechend günstig' erscheinen. Sehr beachtlich ist als Symptom auch die Tatsache, daß die Produktionszunahme vor nehmlich die eigentlichen Bucherscheinungcn betrifft. Der Anteil der Flugblätter mit höchstens 4 Seiten Umfang an der Gesamt produktion ist gegen 1933 ziemlich unverändert geblieben. Der Anteil der Broschüren mit 5—48 Seiten Umfang ist bei der Mehrzahl der Sparten gesunken, nämlich in den Gruppen: All gemeines, Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaft, Politik, Schöne Literatur, Jugendschriften, Schulbücher, Musik und Theater, Geschichte, Kriegswissenschaft, Medizin, Handel und Verkehr, Sport und Sonstiges. Nur in den Gruppen: Theologie, Pädagogik und Jugendbewegung, Kunst und Erd- und Völker kunde ist er gestiegen. Im allgemeinen Durchschnitt ist ein Rückgang der Broschürenveröffentlichungen festzustellen. Auch die Ent wicklung des Anteils der Neuauflagen ist aufschlußreich und kenn zeichnend. Zurückgegangcn ist dieser Anteil in den Sparten: All gemeines, Jugcndfchriften, Pädagogik, Handel und Verkehr, Land- und Forstwirtschaft und Sonstiges. Gestiegen ist er da gegen in den Gruppen: Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissen schaft, Schulbücher, Kunst, Geschichte, Kriegswissenschasten, Erd- und Völkerkunde, Medizin, Mathematik und Naturwissenschaften, Technik und Sport. Hier ist also zweifelsohne eine Festigung der Verhältnisse eingetreten. Das gilt auch für den allgemeinen Durchschnitt: denn betrug der Anteil der Neuauflagen an der Gesamtproduktion 1933 nur 15,3°/«, so ist er 1937 auf 17,5°/° gestiegen. Dabei sind zunächst die Ergebnisse der ersten elf Mo nate zugrunde gelegt. Das Gcsamtjahresergebnis dürfte davon jedoch nicht wesentlich abweichcn. Die Berichte über das Weihnachtsgeschäft lauten fast aus nahmslos günstig. Nur vereinzelt ist der Umsatz des Vorjahres nicht erreicht worden. Überwiegend ist er sogar beträchtlich über schritten worden. Die Angaben über den Wert der Durchschnitts käufe zeigen dagegen keine nennenswerte Abweichung von frü heren Feststellungen. Die Zahl der Käufer ist in vielen Fällen ebenfalls gestiegen. Übereinstimmend wird wiederholt'hervor gehoben, daß das Militär unter den Käufern eine erfreuliche Rolle gespielt hat, gelegentlich auch der Arbeitsdienst. Bezeich nend ist, daß mit der zunehmenden Verfestigung der Verhält nisse auch die Beratungstätigkeit des Sortimenters wieder an Gewicht gewonnen hat. Wohl wirkt sich die allgemeine Buch werbung vor allem in Gestalt der Buchwochen und der Einsatz der Werbemittel spezieller Art wie Kataloge u. dgl. unverkenn bar günstig aus; sie bereiteten vor allem aber den Boden für die individuelle persönliche Verkaufstätigkcit des Sortimenters selbst. Es entspricht dem, daß sowohl der Anteil des Verkaufs vom Lager gegenüber der Besorgung auf besonderen Wunsch ge stiegen wie der nachträgliche Umtausch zurückgegangen ist. Die Leipziger Einrichtungen haben auch dieses Jahr offensichtlich allen Anforderungen genügt. Dagegen scheint die Post nicht immer der Aufgabe gewachsen gewesen zu sein. Im ganzen kann also der Buchhandel doch wohl mit dem Weihnachtsgeschäft 1937 zufrie den sein. Eine abschließende Berichterstattung über die cinge- gangenen Meldungen bleibt Vorbehalten. Zu wünschen ist, daß auch die weitere Entwicklung den erfreulichen Ausstieg bestätigt und fortsetzt. Wilhelm Schäfer Zu seinem 75. Geburtstag am 20. Januar 1938 vr. !l. I.. — Das Wort Paul Ernsts: -»Ein Dichter schafft nichts, was nicht, wenn auch schlummernd in seinem Volke leben dig ist», steht als oberster Leitsatz unausgesprochen auch über dem dichterischen Werk Wilhelm Schäfers. Wenn Wilhelm Schä fer sein ganzes Leben darnach strebte, ein volkstümlicher Dichter zu werden, so hatte er damit nie den Ehrgeiz im Auge, ein Dichter zu sein, dessen Werke jeder zu lesen verstünde, die also volkstümlich seien in der Art der Volksläufigkeit des Schlagers. Es kam ihm dabei zunächst darauf an, volksmäßig zu schaffen. Bolksmäßig ist, was dem Volke gemäß, was also seinem Wesen getreu und den Ursprüngen seines Lebens ebenso wie dessen Zielen und Wunschbildern in der fernsten Zukunft verpflichtet ist. Unter »volkstümlich- dichten verstand Wilhelm Schäfer: so dichten, daß das dichterische Werk zum ewigen Sinnbild des Volkstums wird. Damit bekannte sich Wilhelm Schäfer vom Anfang seiner dichterischen Laufbahn an zu einem Grundsatz, der erst heute in seiner vollen Bedeutung gewürdigt werden kann. Obwohl der öffentliche Geschmack während des größten Teils der Zeit, die Wilhelm Schäfer als Dichter durchlebte, nach ganz anderen Dingen stand als nach einer volkstümlichen Dicht- weise im Sinne der verantwortungsvollen Schäferschen Begriffs bestimmung, hat sich Schäfer nie dazu verleiten lassen, als Dich ter dein Volke und seinem dichterischen Auftrag gegenüber eine andere Haltung einzunehmen als die, die gefordert wird durch den Auftrag, dichterische Sinnbilder des deutschen Volkes zu schaffen. Über den Weg, den Wilhelm Schäfer so als Dichter ge gangen ist, hat er mehrfach Rechenschaft abgelegt. Schon zu seinem fünfzigsten Geburtstag schrieb er für seine Freunde einen kurzen Lebensabriß, der zum sechzigsten Geburtstag etwas erweitert wurde und schließlich in nochmals etwas erweiterter Form unter dem Titel »Mein Leben» 1934 in der Sammlung »Die Lebenden» (Junker L Dünnhaupt Verlag) herauskam. Diesem Lebensbericht fügt der Dichter zum siebzigsten Geburtstag eine äußerst reiz volle Arbeit hinzu, in der er unter dem Titel »Meine El tern» Antwort gibt auf die Frage nach seiner Herkunft. Die Bilder von Vater und Mutter, die der Dichter in diesem Büch lein in Stolz und Verehrung zeichnet, berühren uns tief als Lcbensdarstellung deutscher Menschen aus dem Volk, aus deren Wesen und Erdtrcue der Dichter selbst seine besten Kräfte zog. Die eigentlich dichterischen Werke Wilhelm Schäfers liegen uns, von einigen frühen dramatischen Versuchen abgesehen, vor in seinen Anekdoten, Novellen und Romanen. Von den Anek doten besitzen wir die Gesamtausgabe der fünfzig Anekdoten, zu der jüngst fünfundzwanzig weitere Stücke kamen in dem Band »Wendekreis neuer Anekdoten». Die ersten Anekdoten veröffent lichte Schäfer im Jahre 1908, und es ist bezeichnend, daß er mit dieser Sammlung erst sein eigentliches »dichterisches Dasein datiert. Getreü der Aufgabe, der Wilhelm Schäfer diente, wollte er natürlich auch mit seinen Anekdoten etwas anderes, als nur etwa nette Geschichten, Histörchen, erzählen. Seine Anekdoten sind »Sinnbilder des deutschen Schicksals», und sie haben die gleiche Aufgabe, der andere Dichter mit umfänglicheren Ge- schichtsdichtungen dienen, nämlich, entscheidende Augenblicke der deutschen Volksgeschichte hcrauszustelleu. Das wird schon deutlich in der Art, wie Schäfer seine Anekdoten anordnet: er geht stets ganz bewußt den Weg der Geschichte. In der ersten Gesamtaus gabe beginnt er mit dem Mittelalter und führt bis herein in die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts. Der »Wendekreis« ent hält auch Anekdoten aus der allerjüngsten Vergangenheit. Wilhelm Schäfer verfolgt mit seinen Anekdoten, wie man mitunter mißverstanden hat, keineswegs die Absicht, große Men schen der Geschichte in ihrer Menschlichkeit zu zeigen und da- 43
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder