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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.03.1915
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1915-03-27
- Erscheinungsdatum
- 27.03.1915
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- Deutsch
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Redaktioneller Teil. 71, 27. März I91S. Die Kriegssammlung der Deutschen Bücherei. Vier Monate sind verflossen, seit zum ersten Male im Börsen blatt <1914, Nr. 272) über die Kriegssammlung der Deutschen Bücherei berichtet wurde. In dieser verhältnismäßig kurzen — für eine Bibliothek recht kurzen — Zeit hat sich die Sammlung um das Achtfache vermehrt. Damals, im November, waren un gefähr 59V Nummern bei der Kriegssammlung eingegangen. Heute sind es weit über 4909 Nummem. Eigentlich müßte ja jetzt jedes neuerscheinende Heft einer jeden Zeitschrift in die Kriegssammlung eingereiht werden. Da treffen sich alle Fakul täten: die Theologen setzen sich mit der Ethik des Krieges aus einander, und die Mediziner heilen die Wunden, die er geschlagen hat; die Juristen suchen nach dem nun schon ganz veralteten Völkerrecht, und die Philosophen treiben ernsthaft Kriegsge schichte und stellen allerlei tiefsinnige Betrachtungen an. Ganz be sonders dem Kriege und seinen modemen Anforderungen widmen sich die technischen Zeitschriften und vor allen Dingen die wirt schaftlichen — es ist ja doch in erster Linie ein Wirtschaftskrieg, den wir mit unserm ärgsten Feinde führen. Unabsehbar ist schier die Zahl der Unterhaltungsblätter — auch der politischen Tages- blätter —, die ihren Lesem zum Teil recht gut illustrierte Kriegs- beilagen bieten. Die Menge des damit eingehenden Materials ist fast schon überwältigend groß, sie ist in der Zahl der Kriegs- eingänge — weit über 4999 — nicht enthalten. Hier handelt es sich um literarische Erscheinungen, die nicht das friedliche Gewand mit einem kriegerischen vertauscht haben, sondem die aus dem Kriege heraus geboren sind. Wir haben die große Fülle der Erscheinungen schon in dem ersten Artikel kurz betrachtet. Die Verhältnisse sind fast dieselben geblieben. Die Publikation von Kriegskarten scheint einen gewissen Still stand erreicht zu haben, auch der Bedarf an Erbauungsliteratur scheint im allgemeinen gedeckt zu sein — daß wir aber an poetischen Erzeugnissen mittelmäßigster Mittelmäßigkeit nachge rade ersticken, scheint diesen zahllosen Poeten noch nicht klar ge worden zu sein. Ein Fünftel aller Eingänge besteht aus amtlichen Bekanntmachungen, zumeist in Plakatform. Die Deutsche Bücherei dankt diese hervorragende Bereicherung ihrer Sammlung in erster Linie den militärischen und zivilen Behörden, besonders des Reichslandes und des okkupierten Belgien. Dann aber haben sich auf Bitten der Deutschen Bücherei viele Buchhändler im Felde an der Sammlung dieser Dinge beteiligt, und auch sonst hat manch braver Krieger ein Stück beigetragen. Diese amtlichen Bekanntmachungen und der reiche Stoff, den die Amtsblätter bieten, werden einmal ganz hervorragende Quellen der Kriegs geschichte darstellen. Vielleicht kann auch einmal von der Deut schen Bücherei hier mancherlei aus diesem Material vorgetragen werden. Heute mag nur ein weniges aus einem ganz bestimmten klei nen Kreis der Sammlung erzählt werden: von den Feld- zeitungen. Es ist erklärlich, daß bei dem jetzt schon fast ein halbes Jahr im Westen andauernden Stellungskriege der Soldat sich nach Beschäftigung umsieht, die seiner Fricdcnsarbeit mög lichst nahekommt. Der Schmied hat bald seine geeignete Tätig keit gefunden; alle Handwerker, die für des Leibes Nahrung und Notdurft zu sorgen haben, können sich auch in Feindesland die altgewohnte Friedensarbeit verschaffen. Der Arzt ist sowieso als solcher im Felde, der Geistliche ebenfalls, zum Teil auch noch der Richter. Der Ingenieur, der Mathematiker, Naturwissenschaftler usw. hat große Aufgaben seines Faches zu bewältigen, und auch der Forstmann und der Landwirt finden nun im Früh jahr Arbeit vollauf. Wer wird die Saaten ernten? Für den Hersteller von Büchern und Zeitschriften, für Drucker, Verleger, Redakteur und Schriftsteller fehlen dagegen auf den ersten Blick die geeigneten Betätigungsgebiete. Für die Findigkeit, das Anpassungsvermögen und literarische Geschick aller dieser gibt die kleine Sammlung von Feldzeitungen in der D. B. schon ein recht erfreuliches Zeugnis. Die ersten und bekanntesten Kriegszeitungen waren der »Landsturm« von Vouziers und die »Liller Kriegszeitung«. Der »Landsturm« in Vouziers hatte mit seinen ersten fünf Nummern einen beispiellosen Erfolg. In allen Zeitungen des Inlands 492 Wurde er besprochen und gerühmt. Er erschien ziemlich regel mäßig, einmal wöchentlich vom II. Oktober bis 8. November in 5 Nummern, als »erstes und einziges deutsches Militärwochen- blatt auf Frankreichs Flur«. Seine kgl. Hoheit der Kronprinz von Sachsen hat den tüchtigen Landslurmherausgebern seine be sondere Anerkennung ausgesprochen — er hat eine Fortsetzung be sonders lebhaft gewünscht. Aber mit diesen füns Nummern, die bald nachgedruckt werden mußten, hat der Landsturm seine Glanzzeit überlebt. Die nächste Nummer 6 erschien erst am 29. November, Nr. 7 am 25. Dezember und Nr. 8 als Festnummer zum Geburtstage des Kaisers am 27. Januar 1915. Und da heißt es ganz lakonisch: »Erstes und ehemals einziges deutsches Militärwochenblatt auf Frankreichs Flur — —.« Da hatten dem braven Landsturm andere, jüngere Leute den Rang abge laufen. Gleichwohl wird das Unternehmen, wie die soeben ein gegangene Nr. 9 zeigt, fortgesetzt. Erfreulich ist für die Deutsche Bücherei, daß sie auch die Kriegszeitung besitzt, die vor dem Einrücken des sächsischen Land sturms in Vouziers von der französischen Verwaltung heraus- gegeben wurde. Das »LnIIetinckesvommunss«, heraus gegeben von der 8ousprekecture äe Vouriers, mag also immerhin als Vater des »Landsturm« gelten — freilich, so ganz legitim ist das Verhältnis nicht. Das Interesse, das dem »Landsturm« zuerst zuteil geworden ist, hat sich in verstärktem Maße der »Liller Kriegszei tung« zugewandt. Die Liller Kriegszeitung hat von Anfang an verschiedene Unternehmungen nebeneinander gepflegt. Zu nächst handelt es sich da um die »Letzten Kriegsnach richten«, die seit dem 2. Dezember erschienen sind, und zwar Wohl ziemlich regelmäßig jeden Tag (Nr. 94 am 6. März 1915). Die erste Nummer ist typographisch besonders interessant wegen der deutlich erkennbaren primitiven Druckeinrichtungen. Auch die Liller Kriegszeitung selbst hat in erster Linie militärische und politisch wesentliche Nachrichten verbreitet. In einem beiliegen den Flugblatt aber hat sie das Feuilleton und die Illustration gepflegt, überhaupt hat die Leitung der Zeitung: Georg Frhr. v. Ompteda (Johanniter) und Paul Oskar Höcker (Haupt mann) bald dafür gesorgt, daß sich das Blatt durchaus über das Niveau einer fröhlichen Schützengrabenlaune erhob. Frei lich : gekalauert und geulkt wird auch hier, und das recht kräftig und von Rechts wegen (Scherzfrage: Worin kommen die meisten U vor? Antwort: Im Kanal. — Konzert der kaiserl. Altistin Fräulein »dicke Berta« aus Essen mit umfangreichem Organ und des k. u. k. Baritonisten Herrn Mörser aus Wien usw.). Aber vor allen Dingen zeigt die Zeitung das erfreuliche Bestreben, ihren Lesern mehr zu bieten als einen gelegentlichen guten Witz. Sie enthält z. B. das schöne Lied von Gerhart Haupt mann : Es kam wohl ein Franzos daher, wer da, wer? Deutschland, wir wollen an deine Ehr! Nimmermehr! usw. oder von si Zuckermann die wundersame schwermütig-lustige Weise: Drüben am Wiesenrand Hocken zwei Dohlen — Fall ich am Donaustrand, sterb' ich in Polen? Die Kaisergeburtstags-Nummer ist recht schön ausgestattet mit einem 32 Seiten starken Liederbüchlein, und auch die Jubiläums nummer 25 vom 28. Februar 1915 ist beachtenswert. Ebenso darf man die Illustrationen der Kriegszeitung in den Flugblättern Wohl künstlerisch werten.*) Außerdem hat die Liller Kriegs zeitung die neuesten Kriegsnachrichten noch in Plakatsorm ver breitet. Wir haben es also hier mit einem intensiv und erfolg reich betriebenen Unternehmen zu tun. Nicht mit der Liller Kriegszeitung im Zusammenhänge steht dagegen das »kul- *> Reizend ist das Bild: Jung Frankreich in Lille. Danach mar schiert die jüngste Stratzenjugend von L., richtige flämische Druwäp- pcls, wacker einher und singt: gloria, glorta, gloria victorta, mtet crs und and sners Vaterland, fuers Vaterland! Ja, die bösen deutschen Lieder!
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