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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 12.11.1929
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- 1929-11-12
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- 12.11.1929
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Handel, die Absatzlage etwas günstiger gewesen zu sein als im ^ September, doch sind die außerordentlichen Ausfälle dieses Monats sicher noch nicht ausgeglichen worden. Der Reichsbund des Textil einzelhandels weist in seiner September-Statistik einen Umsatzriick- s gang von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus. Einige Teile > Deutschlands dagegen zeigen noch erheblichere Umsatzrllckgänge. So z. B. Groß-Berlin, das nur wenig über 80 Prozent des ent sprechenden Monats 1928 erreichte, und damit am ungünstigsten ab geschlossen hat. Der Schuheinzelhandel, dessen Umsätze in diesem Jahr be sonders beeinträchtigt zu sein scheinen, hat im Reichsdurchschnitt im September sogar einen 20prozentigen Umsatzausfall gegenüber dem Vorjahr anszuweisen. Infolge der kühleren Witterung während des größten Teils des Oktobers konnte sich zwar das Geschäft in Bekleidungsgegenständen beleben, doch dürfte auch im Oktober die Vorjahrshöhe keineswegs erreicht sein. Dies trifft auch für die meisten übrigen Branchen zu, die unter der starken Arbeitslosigkeit — die Zahl der untere stützten Erwerbslosen liegt bekanntlich fast eine Viertelmillion über der entsprechenden Borjahrszahl — und dem damit verbun denen Kaufkreditaussall erheblich gelitten haben. Lediglich im rheinisch-westfälischen Industriegebiet ist infolge der verhältnis mäßig günstigen Situation der Montan-Jndnstrie auch die Lage des Einzelhandels, mit der des übrigen Reiches verglichen, einiger maßen behauptet. Bereits im vorigen Bericht wurde darauf hingewiesen, baß sich die Kreditsituation des Einzelhandelsbetriebs in bedenklicher Weise zugespitzt habe. Umsatzrückgänge auf der einen Seite, erhöhte Kreditanspriiche der Kundschaft auf der andern Seite führen zu Notverkäusen, und damit zu einem Druck aus die Preise. Dieser Preisdruck wird verstärkt durch die zwar langsam, aber unauf haltsam sinkenden Großhandelspreise, was zu einer Lagerentwer tung im Einzelhandel führen muß. Nur dem verhältnismäßig all mählichen Preisrückgang ist es zu danken, daß die Zahl der Insol venzen im Einzelhandel nicht stärker gestiegen ist, als es der Fall war. Immerhin stehen 2463 Konkurse in den ersten neun Monaten des Jahres 1028 2881 im entsprechenden Zeitraum des Jahres 1920 gegenüber. Noch deutlicher zeigt eine Gegenüberstellung der cröffneten Vergleichsverfahren im Januar bis September 1928/ 1929 die prekäre Lage der Einzelhandelsbetriebe. 1038 Vergleichs verfahren in den ersten nenn Monaten 1928, 1652 im entsprechen de» Zeitraum 1029. Die Verluste aus den beendeten Konkurs- und Vcrgleichsversahren überstiegen diejenigen aller übrigen Wirt schaftsgruppen erheblich. Mehr als 100 Millionen Mark beträgt die Verlustsumme im Jahre 1928. Angesichts dieser ohnehin bereits aufs äußerste gespannten Lage muß die Entwicklung der Arbeitslosigkeit doppelte Sorge machen. Das Institut für Konjunkturforschung schrieb in einem seiner letzten Wochenberichte: »Die Saisonbewegung auf dem Arbeitsmarkt läßt für die kommenden Monate eine starke Steigerung der Arbeitslosigkeit erwarten. Auch von der Kon junkturbewegung her ist eher zunehmende als abnehmende Be lastung des Arbeitsmarkts wahrscheinlich. Die Zunahme der Ar beitslosigkeit, -die in diesem Jahre feit Anfang August zu beobach ten ist, hat in steigendem Tempo bis zur Gegenwart angehalten. Wenn in diesem Jahre entgegen der Erfahrung früherer Jahre der saisonmäßige Tiefpunkt der Arbeitslosigkeit statt im Oktober bereits Anfang August erreicht wurde, so hängt dies damit zu sammen, daß die saisonmäßige Entlastung des Arbeitsmarkts, die sich sonst noch im August und September durchzufetzen ver- mäg, in diesem Jahre nicht stark genug war, um den konjunk turellen Rückgang der Beschäftigung auszngleichen. Vor allem wurden im Baugewerbe und in den Baunebcngewerben, die bei normaler Bausaison noch bis zum Oktober mit steigender Be schäftigung rechnen können, bereits seit August Arbeitskräfte frei- gesetzt. Nur die Landwirtschaft, -das Bekleidungsgewerbe und Teile des Nahrungs- und Genußmittelgewerbes haben in den letzten Wochen ihren Bedarf an Arbeitskräften erhöht. In wich tigen, für den Arbeitsmarkt ausschlaggebenden Industrien (Me- tallindustrie^und Textilindustrie) hat dagegen die Beschäftigung gleichzeitig nachgelassen. Stark zunehmende Arbeitslosigkeit be deutet zugleich auch eine wesentliche Beeinträchtigung der Mas senkaufkraft: sie dürfte namentlich auf die Entwicklung der Um sätze im Einzelhandel und damit letztlich auf die Absatzmöglich keiten der Verbrauchsgüterindustrien von Einfluß sein. Allein aus Gründen der Jahreszeit ist in der nächsten Zeit mit einer von Monat zu Monat steigenden Zunahme der Arbeitslosigkeit zu rechnen. Legt man die Erfahrungen früherer Jahre über diese Entwicklung zugrunde, dann muß im Dezember mit einer Arbeitslosigkeit von mindestens 1,3 Millionen, im Januar und Februar mit einer Arbeitslosigkeit von rund 2 Millionen gerech net werden. Diese Zahlen gelten unter der Voraussetzung, daß sich die Witterungsverhältnisse im kommenden Winter normal gestalten. Sollte die konjunkturelle Steigerung der Arbeitslosig keit wie bisher anhalten, worauf vor allem die Lage des Kapital markts und des Geldmarktes hindeuten, fo wäre mit einer Mehr belastung des Arbeitsmarkts in den Wintermonaten von 50 000 bis 100 000 Arbeitslosen zu rechnen.« Diese Entwicklung stellt auch den Erfolg der mit Ach und Krach erreichten »Sanierung« der Arbeitslosenversicherung, wie wir schon vor 4 Wochen an deuteten, wieder völlig in Frage. Der Verwaltungsrat der Reichs anstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung be schäftigte sich bereits am 17. Oktober mit dem neuen Gesetz zur Reform der Arbeitslosenversicherung und behandelte die ihm durch die Novelle zugewiesenen neuen Aufgaben. In einem zu sammenfassenden Bericht stellte Präsident vr. Syrup schon da mals fest, daß sich Einnahmen und Ausgaben etwa bis Anfang November die Waage halten. Der in den Sommermonaten an gesammelte Notstock von nur 28 Millionen Reichsmark dürfte voraussichtlich bis Mitte Dezember ansreichen. Das Beitrags aufkommen hat sich günstiger entwickelt, als seinerzeit bei der Vorbereitung des geltenden Gesetzes angenommen wurde, so daß die Reichsanstalt künftig etwa 850 000 Hauptunterstützungsemp fänger im Jahresdurchschnitt aus eigenen Einnahmen tragen kann. Doch hat sich infolge der sehr ungünstigen Monate April und Mai die Durchschnittszahl für die letzten 6 Monate bereits auf 928 000 Hauptunterstützungsempfänger erhöht. Angesichts der vielen unübersichtlichen Faktoren, insbesondere der Witte rung, der allgemeinen Konjunktur und des Kapitalmarktes ist eine einigermaßen sichere Voraussage über die Belastung der Arbeitslosenversicherung im kommenden Winter kaum möglich. Immerhin muß wohl mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß eine Ziffer von mindestens 1,65, wahrscheinlich aber von 1,8 Mil lionen unterstützungsberechtigter Arbeitsloser im Durchschnitt der Wintermonate erreicht werden wird. Der Betrag von 68 Millionen Reichsmark, der im Reichshaushalt für Darlehen an die Reichsanstalt noch zur Verfügung steht, wird daher bei wei tem nicht ausreichen; vielmehr muß damit gerechnet werden, daß das erforderliche Darlehen bis zur Größenordnung von 200 bis 250 Millionen Reichsmark ansteigen kann. Der Präsident richtete mit Zustimmung des Verwaltungsrates an die anwesen den Vertreter des Reichsarbeitsministeriums den dringenden Appell, dahin zu wirken, daß -die Reichsregierung bei ihren Be schlüssen der schweren Lage der Reichsanstalt Rechnung trägt. Auch von dieser Seite erweist sich daher eine grundlegende Um stellung der Wirtschaftspolitik als unumgänglich, denn die Bereitstellung entsprechender Mittel bei der bloßen Finanz reform genügt ja nicht mehr. Auch deren Schicksal hängt davon ab, daß eine entsprechende Neuorientierung der Politik die Wirt schaft überhaupt erst wieder fähig macht, entsprechende Steuern zu zahlen. Da die gleiche Reform auch die Zahl der Arbeitslosen zu vermindern verspricht, hängt hiervon in der Tat alles ab. Zur Beleuchtung der Lage im Buchgewerbe und im Buchhandel sei zunächst aus den Bedichten der preußischen Handels- und Gewerbekammern zitiert: »Das Exportgeschäft der ostpreußischen Zellstoffi-ndustrie bewegte sich im gewohnten Rah men. Auf dem Jnlandmarkt wurden insbesondere Abschlüsse für nächstjährige Lieferung getätigt, denen mäßig erhöhte Preise zugrunde lagen. Die Lage einiger Betriebe der Papierindustrie hat sich etwas freundlicher gestaltet. Der Auftragseingang für Kabelpapier, Packpapier und für feinere Papiere hat sich ein wenig gebessert, doch sind die Werke teilweise noch nicht in der Lage, die Betriebseinschränkungen ganz aufzuheben. Der Absatz von wasserdichten Papieren und Packstoffen ist fortgesetzt gering. Die Verkaufspreise sind allenthalben sehr gedrückt, z. Tl. weiter herabgesetzt. Im Buchdruckgewerbe hat die Tätigkeit im all-
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