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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 18.10.1934
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- 1934-10-18
- Erscheinungsdatum
- 18.10.1934
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- Deutsch
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Xe 244, 18. Oktober 1934. Redaktioneller Teil. Börsenblatt s. d.Dtschn. Buchhandel. „Deutsches Kulturschaffen jenseits des Reichs" Vom 8. bis 16. September 1934 hat das Deutsche Ausland- Institut in Stuttgart eine »Stuttgarter Festwoche« veranstaltet, deren Aufgabe war, bedeutsame und beweiskräftige Proben von der Kraft und Eigenständigkeit des »Deutschen Kulturschaffens jenseits des Reichs« zu bieten. Im Rahmen der Festwoche hat die Bücherei des Deutschen Ausland-Instituts im Stuttgarter Kunstgebäude eine — leider nur achttägige — Buchausstellung geboten, die unter dem Motto stand: »Das Buch als Spiegel deutscher Persönlichkeit und deutscher Leistung in aller Welt.« Tatsächlich bot sie mehr als der Name verhieß, denn neben dem Schrifttum war auch die bildende Kunst einbezogen, wodurch eine vorzeitige Ermüdung des betrach tenden Auges vermieden wurde. Die Vorbereitungen lagen vornehmlich in den Händen des schwä bischen Forschers Otto Lohr. Die Ausstellung zog gegen 30660 Be sucher heran und verdankte diesen Zuspruch kaum dem leider weithin fremden Gegenstand, sondern eher ihrer neuartigen Gestaltung. Den Laien erstaunte die große Zahl bedeutender Namen, die ihm hier als auslanbdeutsch entgegentraten, und dem Wissenden wurde ein deutig der wesentliche Anteil grenz- und auslanddeutscher Kultur am deutschen Geistesleben bestätigt. So war mit einem Zuge gerade die Fremdheit des Stoffes in ihr Gegenteil verkehrt. Schlagend bewies sich das Elsaß als Kernland im deutschen Gei stesleben. Am Anfang der deutschen Geistesgeschichte treten neben dis Klöster Fulda und St. Gallen Murbach und Weihenburg im Elsaß. Am Anfang der hochdeutschen Literaturgeschichte schreibt Otsried aus Weißenburg sein Christusgedicht sum 780), in ihrem ersten Höhepunkt sum 1200) Gottfried von Straßburg seinen »Tristan«. Etwa ein Jahrhundert später baut Erwin am Straß burger Münster und schaffen deutsche Meister größte gotische Plastik, und wieder nach fast hundert Jahren lebt in Kolmar der größte deutsche Maler und Stecher vor Dürer: Martin Schon - gauer. Ihm folgt die Reihe berühmter elsässischer Gestalten aus der Reformationszeit: Geiler von Keysersberg, Wickram, Brant, Murner und der größte Dürerschüler Hans Balöung. Das Barock bringt den Sittensatiriker Mo sch erosch hervor und in seinem Ausgang den Vater des Pietismus: Sperrer. Das klassi sche deutsche Zeitalter erlebt das Elsas; nicht mit. Aber bald nach der Rückkehr zum Mutterland entsendet es um die Wende unseres Jahr hunderts in Friedrich Lienhard einen Führer der neuen Heimat bewegung im Kampfe gegen den Großstadtnaturalismus. Führender deutscher Kulturträger war auch auf einige Zeit das Deutschtum Böhmens und Mährens. Unter Karl IV. löst sich gerade in Prag der deutsche Geist entscheidend von westlichen Einflüssen. Hier steht im 14. Jahrhundert die erste deutsche Univer sität und beginnt um die gleiche Zeit die deutsche Malerei sich heranszubilden. Am Ende dieses Jahrhunderts schafft hier der Ackermann aus Böhmen die mächtigste deutsche Prosa vor Luther. — In neuerer Zeit gab uns das Land den feinen Heimat- cpiker Stifter, die Erzählerin Marie von Ebner-Eschen- bach, in August Sauer den eigentlichen Gründer einer Literatur betrachtung nach Stämmen und Landschaften und zuletzt den weit bekannten Erbforscher Gregor Mendel. Das Suöeten-Deutschtum hat wesentliche Verdienste um Volkstum und Nasse. Weit zurück liegt auch für Südtirol die Zeit seiner gemein deutschen Bedeutung; aber es steht mit Wenigem nicht arm da. Lau- rins Rosengarten ist hier zu suchen, vielleicht auch der Ge burtsort Walthers von der Vogelweide. Der Stcrzinger Altar ist das edelste deutsche Gemälde des 15. Jahrhunderts vor Schongauer, und Pachers Malerei hat uns in herber deutscher Weise, schon kurz vor Dürer, zum ersten Male das klassische Italien vermittelt. Dagegen setzt das Baltentum erst im 18. Jahrhundert mit wahr haft tätigem Anteil am deutschen Kulturschaffen ein. Erst als nach langen Kämpfen das baltische Schicksal durch den Anschluß an Ruß land endgültig festlag, fand das dortige Deutschtum die rechte Zeit für sein geistiges Leben, das nun gleichzeitig auch sein einziger Rück halt wurde, da Bauerntum und damit die Breite des Volkstums fehlte. Die Bedeutung aber dieses baltischen Anteils erweist sich, wenn sogleich der erste größere baltische Dichter Lenz ein Jugend freund Goethes wird, wenn tragende Werke der Neuzeit, die Schriften Kants und Herders bei Hartknoch in Riga erscheinen, wenn man schließlich die Reihe baltischer Gelehrter überblickt, von denen die Baer, Bergmann, Ostwald, Harnack, Dehio nur eine kleine Auslese bilden. Als wahrster Gestalter seiner baltischen Heimat hat Th. H. Pantenius zu gelten, der zugleich als langjähriger Herausgeber vom »Daheim« und »Velhagen und Klasings Monats heften«, wie später Grotthuß durch den »Türmer« einflußreich auf die deutschen Bürgerfamilien des ausgehenden 19. Jahrhunderts wirkte. E. von Keyserling gilt als der begabteste baltische Er zähler. Unter den Malern hat Gebhard breite Beliebtheit erreicht. Der Südosten hat weniger im Reiche beachtete Namen hervor gebracht, Siebenbürgen gar keine — denn die Lebenden hatte die Ausstellung nicht ausgenommen — das Banat: Lenau und M ü l l e r - G u t t e n b r u n n; doch aus Ungarn stammen Haydn und Liszt, aus der heute südslawischen Steiermark: H. Wolf und aus Kram: Anastasius Grün. Es ist zudem unser eigener Fehler, wenn wir im Reich nichts wissen von Siebenbllrger Führern wie Honte rus, Brucken thal, St. L. Roth, G. D. und Fr. T e n t s ch. Die Donauschwaben hatten allerdings ihr Deutschtum eine lange Zeit hindurch vergessen. Auch das noröamerikanische Deutschtum ist im Reiche seinem Wesen nach unbekannt. Man weiß zwar Namen wie Steuben, Schurz, Fallen oder Sealsficld, aber betroffen stand man vor der Fülle deutscher Literatur, wie sie die Bücherschau vorstellte. Neben den Historikern von Löher, Seiden st ick er, Ratter mann und Goebel steht der Philosoph und Diplomat Stallo, der Agrikulturchemiker Hilgard, der Luther-Bekenner C. F. Walther, der amerikagebürtige deutschschreibenbe Historiker August Graeber, die Dichter Gugler, Butz oder die Maler Leutze, Marr und Duveneck. Und gerade diese weniger be kannten Deutsch-Amerikaner haben vor den erstgenannten das eigent liche Verdienst um das Deutschbcwußtsein in den Vereinigten Staaten voraus. Außer diesen auslanddeutschen Gruppen mutz man zuletzt die großen Einzelnen hervorheben, die als Deutsche im Schnittpunkt zweier völkischer Kulturen standen. Der größte »englische« Maler ist Holbein, der größte Komponist: Händel. Der einzige wirk liche deutsche Nenaissanceöichtcr: Weckherlin war Unterstaats sekretär im englischen Außenministerium. Von Dänemark und Schleswig aus erfuhr die deutsche Literatur manche Bereicherung. I. E. Schlegel weist schon zwischen Gottsched und Lessing auf Shakespeares menschengestaltende Kraft hin; bewußt als Deutscher nimmt Ohlenschläger von Kopenhagen aus teil an der deutschen Klassik, und in dem aus Norwegen gekommenen Holsteiner Stef fens sieht die deutsche Romantik einen ihrer philosophischen Führer. — Den Hof des Sonnenkönigs schildern die herzhaften Briefe der Liselotte von der Pfalz. Baron Holbachs »LMtzmo cks la naturs« hat für Aufklärung und Materialismus tragende Be deutung. Zur Goethezeit vermitteln Mme. Stael und Graf Rein hard zwischen deutschem und französischem Geistesleben. — Nur in Italien, insbesondere in Rom haben sich solche einzelne Deutsche zu einer ständigen Kolonie zusammengefunöen, die ihren stärksten Aufschwung im deutschen Klassizismus erlebte, in Mengs, Koch, Hackert, Tischbein, Carstens, den Nazarenern und zahllosen anderen Malern, die aber auch im 19. Jahrhundert die großen deutschen Historiker Italiens beherbergte wie Gregoro- vius und Reumont. Mehrere deutsche Jtalienzeitschriften be zeugen eine rege geistige Gemeinschaft <»Jtalien« Hrsg. Nehfues und Tscharner 1803/64; »Jtalia« hsrg. Neumont 1838; »Jtalia« Hrsg. Hillebranö Bö. 1 1874.) * » ch War die ganze Buchausstellung nur dem Wirken verstorbener Auslanddeutscher gewidmet, so befaßte sich eine kleine Sonöerschan, die sich in einem Nebenraum befand, mit der Gegenwart. Hier war die nationalsozialistische Presse des Auslanddeutschtums ausgelegt und eine Reihe von Büchern Lebender legte Zeugnis davon ab, daß die Träger der heutigen Anslanddeutschtumswissenschaft größtenteils jenseits der heutigen Grenzen des Reiches geboren sind, wie die Nordschleswiger Karl Petersen und Otto Scheel, die Balten Richard Bahr, Paul Rahrbach, M. H. Boehm, der Sieben bürger N. Csaki, der Polendeuische Walter Kuhn und manche andere. Diese Sonderschatt bildete die Brücke zu einer größeren Halle, in der große anschaunngskräftige Karten und Bilder dem Besucher einen Gesamtüberblick über Wohnlage und Gestalt der Ausland- bcutschtumsgruppen boten. Eine Schilderung dieses Ausstellungs raumes gehört jedoch nicht in diesen Zusammenhang. N. A. 913
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