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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.05.1930
- Strukturtyp
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- 1930-05-27
- Erscheinungsdatum
- 27.05.1930
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- Deutsch
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X» 121. 27. Mai 1930. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. d.Dtschn. Buchhandel. Der schädliche Einfluß des direkten Sonnenlichts ist allgemein bekannt, weniger beachtet wird jedoch, daß die Zeitdauer dieser Licht einwirkung zwar im Sommerhalbjahr länger, auch die Zahl der son nigen Tage großer ist als im Winterhalbjahr, aber gerade die Gefahr der schnellen Veränderung im Winterhalbjahr iiberwiegt, weil bei dem tieferen Stand des Himmelskörpers das Buch (das meist fast senk recht stehend zur Schau gestellt wird) eiu größeres Strahlenbündel erfaßt als die gleiche Buchfläche im Sommerhalbjahr bei gleichem Stand des Buches ausschneidet. Dies bedeutet, daß die aus denselben Quadratzentimeter treffende Lichtstärke größer ist. Sonnenlicht ist nicht nur im direkten Auftreffen von schädlicher Wirkung, es kann auch noch als Neflexlicht Schaden anrichten oder das direkt auftreffende Licht durch Toppelreflex verstärken. Bei bedeckter Himmelsfläche entspricht das Streulicht in seiner Wirkung annähernd dem neutralen Nordlicht. Auch dieser Lichtein fluß kann Veränderungen veranlassen, die Zeitdauer der Einwirkung ist jedoch dem Sonnenlicht gegenüber bedeutend größer. Immerhin ist diese Zeitspanne noch kurz genug, um Beachtung zu verdienen. Überraschungen treten vielleicht hier mehr auf, da man im allge meinen einen ungünstigen Einfluß hier nicht erwartet. Bei künstlichem Licht sind auch nach längerer Wirkungszeit wahr nehmbare Veränderungen nicht sestzustellen, jedenfalls nicht bei den in Verkaufsräumen gebräuchlichen Lichtstärken. Der Einwirkung sind jene Teile des Buches am meisten aus gesetzt, die auch durch den Schutzumschlag nicht bedeckt werden: die obere Kante des vorderen Deckels, die Oberkante des Rückens, die Ober kante des rückwärtigen Deckels, die Innenseite des rückwärtigen Deckels und des Rückens, beide Flächen, soweit sie durch den Buch block und durch das Band nicht bedeckt sind. * Die lichtabweisende Wirkung eines Stoffes ist um so größer, je geschlossener die Oberfläche ist. Es ist gleichgültig, ob die Geschlossen heit der Oberfläche durch hohe Fadenzahl oder durch das Füll material erreicht wird. Auch das Glätten eines Stoffes (Kalandern) erhöht den Schutz. Die Narbung oder Pressung hat hierauf geringe ren Einfluß, durch ungünstige Pressungen kann aber innerer Reflex der Stoffoberfläche verursacht werden, was den Vorteil der bei Pres sungen üblichen größeren Geschlossenheit ausgleicht. Bei Stoffen geringer Fadenzahl und geringen Füllstoffes kann außerdem noch die Farbe der verwendeten Pappe mitsprechen. Die Beobachtungen begannen mit dem Belichten einer Anzahl Buchbinderstoffe, wobei Stoffe von gleicher Webart, Fadenzahl und Füllmaterials, jedoch verschiedener Färbung zusammen geprüft wor den sind. Die Stoffstreifen selbst wurden nur teilweise direkt belichtet, andere Teile derselben wurden durch Papierstreiscn verdeckt, um gleichzeitig den Schutz durch den Buchumschlag zu untersuchen. Das Deckpapier war in Art und Gewicht stets das gleiche, jedoch wechselte dessen Färbung, um auch diesen Einfluß mit festzustellen. Teile der Stoffstreifen waren lichtsicher abgedeckt, um das Vcrgleichsmoment mit dem Erstzustand zu haben, Doppel der Streifen waren an an derem Ort aufbewahrt, jedem Lichteinfluß vollkommen entzogen. Obwohl sich die Prüfung nicht auf bestimmte Einbandstosfe be schränkte, sondern das handelsübliche Material ganz zu erfassen sich bemühte, war das Gewicht doch auf die billigen Mattleincnsorten gelegt, weil diese den wohl zumeist verwendeten Stoff öarstellen. Zeitlich erstreckte sich die Beobachtung über 16 Wochen, wobei von zwei zu zwei Wochen eine besondere Nachprüfung stattfand. Die ersten Veränderungen an den lichtempfindlichen Tönen zeigten sich schon nach sehr kurzer Zeit, verstärkten sich bis zum zweiten Drittel der Gesamtzeit und blieben von da ab annähernd konstant (Sonnenlicht). Die hierbei gemachten Feststellungen der Veränderungen oder des Be stehens der ungeschützten Stoffstreifen sind in folgendem näher be zeichnet. Neapelgelb, unverändert, Zitronengelb, unverändert, Chromgelb, leichtes Nachdunkeln, rötlicher, Heller Ocker, fast unverändert, Dunkler Ocker, stärkeres Abblassen, abweichen in grünlichem Ton, Hellbraun (Nat. Siena), starkes Abblassen nach Graugrün, Mittelbraun (Gebr. Siena), starkes Abblassen nach Graugrün, Dunkelbraun (Sepia), Heller werdend im gle-ichen Grundton, Hellorange, fast unverändert, Dunkelorange, fast unverändert, Hellrot, Nachdunkeln nach Braunrot, Rosa, sehr starke Farbveränderung bis zu Graugelb, Mittelrot (Kirsch), Nachdunkeln, Farbänderung in Braunrot unter Verlust der Leuchtkraft, Dunkelrot (Karmin), sehr geringe Farbänderung in hellere Ton stufe, Hellrvtviolctt, starkes Abblassen bis zu Grauviolett ohne Leuchtkraft, Mittclrotviolett, starkes Abblasscn in Rosa, Dunkclrvtviolett, nur geringe Veränderungen, Violett, geringes Abblassen nach Grauviolctt, Blauviolett, starkes Abblasscn nach Grau, Dunkelblau (Pariserblatt), unverändert, Mittelblau (Ultramarin), nur leichtes Abblassen im gleichen Ton, Hellblau (Kobalt), sehr starke Farbänderung in Hellgrau, Lichtblau (Azur), starkes Abblassen nach Weißblau, Blaugrün (Türkis), starkes Abblassen nach Grau, Mittelgrün, leichtes Nachlassen der Leuchtkraft, Saftgrün, sehr starke Farbveränderung bis in Gelbgrün, Grasgrün, sehr starkes Nachlassen in Graugrün, Gclbgrün, starke Veränderung in Graugelb, Graugelb, unverändert, Grauviolett, leichtes Abblassen im gleichen Ton, Graugrün, fast unverändert, Graurot, leichtes Abblassen, Graublau, leichtes Abblasscn im gleichen Ton, Graubraun, Nachlassen der Farbe in Graugrün, Weiß, keine Veränderung, Weißgelb, unverändert, Hellgrau, leichtes Abblassen in gelblich, Mittelgrau, Abblassen in Braungrau, Dunkelgrau, fast unverändert, Schwarz, fast unverändert. Am augenscheinlichsten sind jene Farbveränderungen, bei denen es sich nicht um ein Nachlassen der Farbe im gleichen Grundton handelt, sondern bei denen eben dieser verschoben wird. Also etwa Rosa, Hellrot, Saftgrün. Farben, die im gleichen Ton abblassen, sind weniger zu fürchten, da Veränderungen an diesen zumeist als natür liche Schattierungen aufgefaßt werden, es sei denn, daß besonders up- günstige Belichtungsverhältnisse dazu führen, daß diese Ände rungen in scharfer Begrenzung zu Tage treten. Eine Möglichkeit, hier gewisse Farbschwankungen zu verdecken, besteht in der stärkeren Betonung der zeichnerischen Decken- und Nückengestaltung und der Mitbenutzung der kolöristischen Werte derselben und deren Ausgestal tung im neuzeitlichen Sinne, d. h. flächenmäßiger, tonstufender und tonkontrastierender Art im Nahmen ein und derselben Skala. * Der Schntzumschlag bietet natürlich die erste und auch hauptsäch liche Möglichkeit, vor dem Einfluß des Lichtes zu schützen. Die prak tische Wirkung ist um so besser, je stärker die Deckkraft der Farbe ist. Ein Unterschied in der Deckkraft bei gleichem Farbwert, jedoch ver schiedener Farbe (blauer, roter, grüner usw. Grundton), besteht wohl in geringem Maße, kann praktisch aber ohne weiteres vernachlässigt werden. Die lichtabweisende Wirkung weißer und gelber Schntzum- schläge ist noch zu vermerken. Um ein Geringes ist sie vielleicht all gemein noch dadurch zu verbessern, daß.man die Umschlagpapiere lackiert. Unbedingt muß man jedoch bei Schutzumschlägen stark licht empfindlicher Leinendecken harte Farbgegensätze vermeiden, beson ders noch, wenn die Tonunterschiede nicht in Übergängen gemildert sind, also etwa bei holzschnittähnlichen Zeichnungen auf Heller Gruud- fläche oder aber was noch störender in Erscheinung tritt, bei hell aus gesparten Schrift- und Zcichnungskomplexen auf dunkler Grundfläche des Umschlages. Die Wirkungsdifferenz ist hier jedenfalls groß genug, um ein Reagieren des Buchleinens herbeizuführen. » Auch bei dem Umlegen von Streifbändern muß man vorsichtig sein. Entgegen der Absicht, möglichst deckende Schutzumschläge zu ver wenden, wird es sich empfehlen, stark lichtdurchlässige Papiere zu ge brauchen, bei denen auch in der Wahl der Druckfarbe der Schrift oder des Bildes auf diese Durchlässigkeit Rücksicht genommen wird. Sollten Farbveränderungen der Decke vor sich gehen, so hat man wenigstens zu vermeiden versucht, daß sich schon nach kurzem die vom Streifband bedeckte Fläche vom Deckenton ganz wesentlich ab hebt. Ob es sich freilich völlig vermeiden läßt, steht sehr in Frage. Durchsichtiges Umschlagmaterial wie etwa Cellophan hat an sich gewisse reflektierende und damit lichtabweisende Kraft, indes darf dieser Wirkung keinesfalls allzu große Bedeutung beigemcssen werden. Schäden können auch dadurch entstehen, daß der aus das Buch treffende Lichteinsluß in seiner Flächcnwirkung nicht der gleiche ist, also daß z. B. der Schatten eines KonstruktionSteilcs von Schaukasten oder Schaufenster die Buchfläche berührt oder schneidet (hier ist bei Streulicht Vorsicht mehr am Platze als beim wandernden Sonnen- 501
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