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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.10.1932
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1932-10-27
- Erscheinungsdatum
- 27.10.1932
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- Deutsch
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X' 252, 27. Oktober 1932. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. d. DtschnBuchhandel. schrift »Svensia Bokhandelstidning» und »Bokhandlaren«. Die Herausgeber der beiden, Herr Ingve Hedvall und Herr Anders Quiding, nehmen ein lebendiges Interesse an der Gemeinschafts- Werbung. Das System der Geschenkgutscheine, das den Empfänger zum Bezug eines Buches im Werte der angegebenen Summe be rechtigt (in England von Mr. Raymond propagiert), ist in Schweden bereits handelsüblich. Der Buchhändler, welcher das Buch im Austausch gegen den Gutschein liefert, erhält 15 Pro zent Rabatt, der Verkäufer des Gutscheins den Rest. Das System scheint häufig angewandt zu werden und gut zu funktionieren. Die Verrechnung wird von der oben erwähnten Firma Seelig K Co. vorgenommen. Es ist natürlich unmöglich, in einem kurzen Artikel alle Fragen zu berühren, aber man wird aus meinen Ausführungen ersehen können, wie gut der Buchhandel in Norwegen und Schwe den organisiert ist. Diejenigen, welche tiefer in dieses Gebiet ein- dringen wollen, feien (sofern die Sprache kein Hindernis bildet) auf I. G. Tanums Buch »Den Norske Bokhandler Forening 1851—1928« als Quelle für Norwegen und auf vr. Nils Gebers Broschüre »Svcnsk Bokhandelsorganifation« für Informationen über Schweden aufmerksam gemacht. Die Broschüre vr. Gebers wurde anläßlich der Inter-Skandinavischen Buchhandels-Konfe renz in Stockholm im Jahre 1923 geschrieben. Alle, die sich für die wirtschaftliche Seite des Bücherver triebs interessieren (welcher Buchhändler und Verleger schließt sich da aus?) seien auf eine weitere Informationsquelle hinge- wiescn. Eine schwedische Kommission unter dem Vorsitz eines ausgezeichneten Nationalökonomen (Professor Eli Hecksher) stu dierte an verschiedenen Waren die Frage der Kleinhandels unkosten. Im Laufe der Untersuchung stellte die Kommission fest, daß die Unterlagen und Ziffern, die mit dem Büchervertrieb Zusammenhängen, am leichtesten zugänglich und auch am zuver lässigsten waren. Der Bericht, den die Kommission im Jahre 1929 veröffentlichte*), ist mit ausführlichen statistischen Infor mationen angefüllt und beruht aus den tatsächlichen Geschäfts spesen von 49 schwedischen Buchhandlungen verschiedenen Um fangs. Da der erläuternde Text in schwedisch geschrieben ist und die sorgfältig ausgearbcitetcn Tabellen auf Kronenwährung basieren, ist das Studium des Berichtes mühsam, aber nichts destoweniger lohnend. Wer sich allerdings der Illusion hingibt, daß erhöhte Rabatte eine Lösung für alle Buchhandelsprobleme darstellen, sollte diese unparteiische Untersuchung nicht in die Hand nehmen, denn er wird ohne Zweifel von der Lektüre enttäuscht werden. Platz für Bücher! Es ist gewiß selbstverständlich, Laß man wertvolle Bücher auf bewahrt — aber ist es nicht ebenso notwendig, sich von dem zu befreien, was man Tages- «und Zufallsliteratur nennen könnte, um nicht bie Bücherregale zu verstopfen und dem wertvollen neuen Buch den Platz zu versperren? In diesem Zusammenhang dürften zwei Aussätze interessieren, die sich damit beschäftigen, daß auch die Weggabe von Büchern eine Forderung an den Bücherfreund ist. Wie man dafür eine amüsante Form finden kann, zeigt Michaels Anregung im »Berliner Tageblatt«. Der Aufsatz von Winckler erschien u. a. in der »Berliner Börsen-Zcitung«. D. Schriftl. Bücher zu gewinnen! Es kommen eines Abends Freunde und Bekannte zu Gast. Zehn Leute. Man unterhält sich, ißt eine Kleinigkeit, trinkt, der Abend geht hin. Und dann bringe ich — wenn Freund L. alle Witze absolviert und Frau Z. zum ersten Male gegähnt hat — Würfel und Zettel mit den Nummern eins bis zehn. »Aha, die Bücherlotterie!« Man kennt das schon. Und es ist damit so bestellt: *) Erik Linder: »Jämförande undersökning rörande allmän och enskild affärsverEsamhet i Sverige«. Auf Verlangen der Internatio nalen Handelskammer herausgegeben von der schwedischen National kommission. 129 Seiten. Preis 3 Kronen. Fritze's Königl. Hof buchhandlung, Stockholm,. (Darüber wurde bereits im Börsen blatt 287 vom 12. Dezember 1929 berichtet.) D. Schriftl. 782 Ich habe aus meinen Bücherbeständen zehn Bücher ausgesucht, große und kleine, nicht gerade den »Zauberberg« oder den fünften Band des neuen Brockhaus, sondern Romane, Novellen, eine biblio phile Gabe in unmöglichem Format, ein Rcclamhest. Jedes Buch hat eine Nummer. Nun würfelt die Gesellschaft, und wer die höchste Zahl wirft, darf zuerst eine Nummer losen. Er zieht Nummer sieben. Daraufhin gebe ich ihm das Buch mit dieser Nummer — so jedoch, daß die anderen nicht sehen, was für ein Buch es ist, uns daß er selbst auch nicht etwa die anderen Bücher sieht (zur Sicherheit wickle ich sie meistens ein). Das ist wichtig, denn der Wählende hat das Recht, die Annahme des gezogenen Buches Nummer sieben zu verweigern, weil es ihm nicht gefällt, und weil er die Hoffnung hat, künftig etwas Besseres zu erwischen. Nimmt er das Buch an, so scheidet er beim Würfeln aus; lehnt er es ab, kann er weiter würfeln. Nun wiederholen sich dieselben Borgänge, bis alle Bücher aus gegeben sind und jeder ein Buch hat. Dabei ergeben sich manche lustigen Überraschungen. Einer hat ein Buch abgelehnt und zieht dieselbe Nummer zum zweitenmal — nun muß er es nehmen. Oder es bleibt für solchen wählerischen Bücherfreund am Schluß ein be sonders mäßiger Schmöker übrig! Kann auch sein, daß seine Frau gewinnt, was er abgelehnt hat — und vielleicht ist sie wiederum ent rüstet, Laß er etwas abgelehnt hat, was sie gern gehabt hätte. Und vor allem: es kommt natürlich alsbald eine Unterhaltung über die Bücher in Gang. Am Ende hat jeder ein Buch und, was mir be sonders reizvoll erscheint, in der Regel eins, das er sich nie kaufen würde, mit dem er nun aber doch Bekanntschaft macht — und wer kann wissen, was sich daraus für ihn ergibt? Wozu das alles? Es ist ein Teil dessen, was ich Leben mit Büchern nenne. Alle, die Herz und Sinn für das geistige Leben Deutschlands haben, vereinigen sich heute in dem Wunsch, man möchte sich wieder mehr dem Buch zuwcnden. Dabei spricht man vom Bücheranschafsen, gar vom Büchersammeln — aber wer hat denn heute Raum für eine große Bücherei? Ist nicht oft der gefüllte und überfüllte Bücher schrank schuld daran, daß neue Bücherkäufe unterbleiben? Und sind denn alle Bücher oder auch nur die Mehrzahl so wertvoll, daß man sie aufheben müßte. Nein, man soll nur den Mut haben, sich von ihnen zu trennen, und irgendeine Form finden, sich so von ihnen zu lösen, daß dieser Vorgang selbst noch das »Leben mit Büchern« fördert. Und das bewirkt, denke ich, meine kleine Lotterie in ge selligem Kreise besser, als wenn die Bücher einfach verschenkt würden. Ich habe manche heitere Stunde damit geschaffen, darum möchte ich das »Rezept« anderen zur Benutzung (mit vielleicht noch amü santeren Abwandlungen) wcitergeben. Friedrich Michael. Der Biicherkäuser. Welcher Dichter machte mit Bücherlesern nicht die seltsamsten Erfahrungen? Kürzlich ließ ich meinen Bücherschränken mal wieder ein paar Meter anbauen, um neue Stapel einordnen zu können. Ter Schreiner schüttelte -den Kopf: »Noch immer mehr? Ich kaufe auch alle zwei Monate ein neues Buch« — »Dann müßten Sie bei Ihren 50 Jahren doch auch schon einen hübschen Posten im Hause Haben —?« lächelte ich. »Ich bleibe immer so bei 20 Büchern stehen —« ant wortete der Meister. Der Mann sah geweckt und gewitzigt aus, hager mit glühenden Augen, solider Meister mit mehreren Gesellen — er lehnte sein Handwerkszeug gedankenvoll an den Schrank und blinzelte: »Fn -jedem Geschäft muß man mit der Zeit mitgehen und auch das Neue immer wieder probieren, ob manches auch nachträglich nicht als anstellig sich auswics, aber man muß es doch kennen — so allein veraltert keine Werkstatt, sondern bleibt moderner Betrieb. Sehn Sie, genau so ist's auch mit Büchern; früher las »ich immer nur »Soll und Haben« von Gustav Freytag oder »Huo vackis?« oder Karl May — dann fing ich mit neuen Büchern an und es tat mir nie leid, wenn der Kauf sich nicht lohnte, denn bricht nicht auch ein neuyr Bohrer? Kann man immer dieselbe Säge führen und wenn sie noch so prima ist? Viel schöner ist's, daß mit der Zeit aus allen Büchern sich dann der Bestand rundet, der unsereins wie auf den Leib geschnitten ist und dem kann man immer wieder lesen, immer entdeckt man etwas anderes — deshalb schmeiß' ich die über flüssigen Bücher immer hinaus wie die Handwerkszeuge, die mir nicht passen. Ich kann doch auch meine Werkstatt nicht mit jedem Gerümpel vollstapeln — Säuberun,; muß sein, Fortschritt muß sein, nur nicht zu ängstlich am Alten kloben. Mein Vater hat schon ge sagt, sogar die Landkarte wandelt such, sogar der Globus veraltet — ja, ich Hab irgendwo gelesen, daß sogar die Sonne heut anders aufgeht als zu Christi Geburt — so muß auch der Mensch sich ewig mitverwandeln. Nur nicht sich abschließen und bloß der Zeitung vertrauen — ich glaub' sogar, wer selber wählen muß, der kon trolliert auch sich selber am besten., was aus ihm wird, ob er mit-
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