Nr. 43. Leipzig, Mittwoch den 20, Februar 1935, 1V2. Jahrgang. „Kitt 9rölZtem Anteil kabe ick dieses Duck durckseiettn... von 8ette ru 8ette stärker sekettett durck das sckiicitte wakre Vielen der 8ckreiberin..uneitt /^gnes kliegel über die rates und zieht dabei ein großes Blatt Papier aus seiner alten zerrissenen Stossmappe. „Werden die ausländischen Herren unter einer Satindecke schlafen oder müssen wir seidene Decken bestellen?" Die Frage bezieht sich auf die Einrichtung der Wohnungen für die neuankommenden aus ländischen Fachleute. „Wir wissen doch gar nicht, was so ein ausländischer Herr braucht!" — Fast jeden Dag muß ich nun auf solche und ähnliche Fragen antworten. Immer wieder staune ich, wie willig diese Arbeiterkommunisten trotz der eindringlichen Lehre über die „kapitalistischen Vertreter" sich mit den kleinsten Bequemlichkeitsfragen für die ausländischen Gäste beschäftigen. Vielleicht finden manche von ihnen unbewußt Möglichkeiten, ihren eigenen Drang zum ordentlichen „bourgeoisen" Leben zu befriedi gen? Die meisten von diesen Arbeitern stellen alle auch noch so harmlose Dinge wie Vorhänge an den Fenstern, Tisch lampen, Polsterstühle, Blumenvasen bei den eigenen russischen Ingenieuren als „typische Beispiele" der „bour geoisen" Gesinnung hin. Für die Gäste werden jedoch die besten Möbel aus der Stadt besorgt. Dabei merken die Auftraggeber auf einmal, daß die alten schönen Möbel aus den enteigneten Häusern nicht in Betracht kommen, da sie voll Ungeziefer sind. Bei sich dagegen lassen sie diese „eroberten" Möbelstücke ruhig stehen. Eine Anzahl Tassen, die gut, doch einfach sind, werden mit der hochmütigen Bemerkung „solch unfeine" von unserem Einkäufer ab gelehnt, und die „besten" mit Röschen und goldenem Rand soll das Porzellangeschäft „meinetwegen sonstwo Her zaubern!" Ich erhalte zu meinen Ongenieurspflichten den Auftrag, die Einkäufer zu „beraten", da ich deutsch spreche 8 und wohl wissen muß, was alles zu einem ausländischen Haushalt gehört. Das ber c/er Ein großer Wagen steht vor dem Eingang. Von innen macht jemand die Tür auf. Mir wird es plötzlich schwer ums Herz. Ich muß mich zwingen, in den Wagen zu steigen. Drinnen sitzt aber nicht der Leiter, sondern ein Unbekannter. „Wir sind gleich da!" sagt er. „Der Leiter erwartet Sie im Trust nach der Besprechung." Wir fahren. Das unangenehme Gefühl bemächtigt sich meiner immer mehr. Ich versuche, es zu vertreiben. Auf den Straßen sehe ich keine Laternen. Wohin fahren wir denn? Endlich hält der Wagen. Mein schweigsamer Nachbar steigt als erster aus. Ich folge ihm und gehe nach ihm über den schmalen Fußweg in einem unbeleuchteten Eingang eine Treppe hoch. Beruhigend wirkt auf mich das büromäßige Aussehen dieses Treppenhauses. Plötz lich bleibe ich stehen. Auf einer der üblichen Bekannt machungen steht oben geschrieben: „An die Angestellten der G.P.U." Jetzt weiß ich, wo ich bin. Auch mein Begleiter bleibt stehen. „Was ist los?" fragt er. „Ich weiß, wo ich bin!" erwidere ich. „Sie haben mich in das Gebäude der Politischen Polizei gelockt. Doch wozu mit so vielen Um ständlichkeiten und Lügen? Sie könnten es doch einfacher haben!" Er wird etwas verlegen. „Um so besser, daß Sie es wissen!" sagt er. Wir gehen auf eine Tür zu. Ein Posten springt zur Seite und gibt uns den Weg frei. Ich gehe über die Schwelle eines schmalen, hell beleuchteten Geschäftszimmers. Ein uiecl.uusm-vcircn6 - ociruu uuc> ccieris