Nr. 43. Leipzig, Mittwoch den 20. Februar 1935. 102. Jahrgang. ,,/VUt sröktem Anteil kabe ick vieles buck» durckgelelen... von Seite ru Seite stärker gekettelt durck das sckliciite wakre Vielen der Sckreiberin..urteilt -^gnes Siegel über die .) carascba (Sorjanowa )iiksslscbe Passion (?t»dt»tiii, ^iigtiiitliriii, ^rcui in, rolt» „^lufbaii" Z76 Seiten Umfang Kartoniert RM. 4.50, in Leinen RM. 5.80 In diesem Buch meldet sich zum ersten Male eine russische Frau zum Work, eine Frau, die das Werden und Wirken des Bob schewismus auf allen Gebieten des öffentlichen und privaten Lebens von Anbeginn erfahren hat. Als 17jährige erlebt Natascha Gorjanowa die Revolution, Kamps und Untergang der alten Mächte. Stärker als die Angst um das eigene Leben ist die Liebe zu Heimat und Volk, die sie bleiben heißt, als Verwandte und Freunde mit den fliehenden Weißen die Stadl verlassen. Als junge Frau eines Studenten beginnt Natascha ihre Studien im Chaos des Bürgerkrieges. Ihr !Mann betrügt und verrät sie aus Furcht vor den Verfolgungen der Tscheka. Ihre Ehe zerbricht, sie steht allein, eine ewig von Bespitzelung bedrohte „Ehemalige", zwischen den roten „Eroberern" der Wissenschaft. Sie wird Ingenieurin und geht in die Fabriken, immer wach auf das Volk und seine Stimme lauschend. Da bricht es denn gleich sam als Schrei des geknechtete» und gemarterten Volkes selbst durch und taucht in hundert Gesprächen immer und immer wieder aus Wir bekommen zu Hause unerwarteten Besuch. An unsere Tür wird stark geklopft, anscheinend mit einem Revolvergriff. Ein schwerbewaffneter Bandit steht auf der Schwelle. „Ich will essen!" brüllt er. Wir führen ihn in die Küche, und mein Vater verläßt schleunigst die Woh nung. Erfahrungsgemäß stören die Männer solche Räuber, das heißt, sie werden von den Räubern zumeist erschossen. Der Bandit sitzt in der Küche. „Wünschen Sie Tee?" frage ich. „Ja!" erwidert er, „und eine Zeitung." Mit Schrecken denke ich, was für Zeitungen wir eigentlich im Hause haben. Welcher politischen Richtung gehören sie an? Dann bringe ich aufs Geratewohl eine alte Zeitung, die um ein Paar Schuhe gewickelt in der Kiste lag. Zum Glück sehe ich, daß unser unheimlicher Gast sie verkehrt herum hält. „Ich will über unsere Siege lesen", sagt er stolz. „Da steht sehr viel darüber geschrieben!" schmeichele ich. Meine Mutter bringt eine Kanne mit heißem Wasser. Wir gießen eine große Tasse voll und legen eine Schachtel Sacharin zum Tee. Meine Mutter geht auf die Suche nach Brot. Ich betrachte mir den Besuch genauer. Der Bandit ist auch äußerlich ein richtiger Räuber. Wie wurden solche Gesichter geprägt?! Er ist sehr groß und breitschultrig. Das rohe, mit tiefen Blatternarben be deckte Gesicht hat einen Ausdruck von Lift und Tücke. Es ist nicht einmal tierisch, da Tiere selten so abstoßend wirken können. Es ist eben ein abschreckendes, eines Men schen unwürdiges Gesicht. Eine grobe Karikatur des menschlichen Antlitzes. „Wer seid Ihr?!" fragt der Räuber. „Ich bin Lehrerin, und meine Tochter ist uivci.uu6cu-vclrl.-46 6.k».o.n. - vcirciu uuo ccikr>6 Börsenblatt s. d. Deutschen Buchhandel. 102. Jahrgang. 96