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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 16.03.1935
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1935-03-16
- Erscheinungsdatum
- 16.03.1935
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- Deutsch
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X- 64, 16. März 1S3S. Rrtmktionrllrr Teil. Börsenblatt f. d.Dtschn.Buchhandel. Solchen Überlegungen kann man wiederum den Hinweis auf frü here Leistungen deutscher Verleger entgegensetzen, die ebenfalls eine Art »Buchfabrikation« durch Herausgabe billiger Serien betrieben und dadurch aber zugleich höchst verdienstvolle Kulturarbeit geleistet haben. Hier stimmt also die Scheidung der Verleger in »wirkliche Verleger« als die weihen und in »Buchfabrikanten« als die schwarzen Schafe keineswegs. Sie wird sich auch sonst nicht durchführen lassen; denn in fast jedem Buchverleger steckt auch ein Stück Buchfabrikant und umgekehrt. Oft reduziert sich der Gegensatz ans eine Nuance. Ein Rezept, nach dem sich die Verlage in solche, die der Kulturmission des Buches gerecht werden und in »Fabriken« teilen ließen, gibt es nicht. Das Problem kann nicht summarisch gelöst werden. Es stellt sich täg lich aufs neue der Verantwortung des einzelnen, des Verlegers, aber auch des Autors, des Buchhändlers und Bücherkaufers, von deren Urteil, Arbeit und Einsicht die Maßnahmen des Verlegers abhängig sind. Springflut der Neuerscheinungen und Buchkritik Mit dem im Börsenblatt in den letzten Wochen mehrfach behan delten Thema einer gleichmäßigeren Verteilung der Neuerscheinungen über das ganze Jahr beschäftigt sich jetzt auch der »Völkische Beobach ter«. In seiner Ausgabe vom 5. März schreibt Günther Stöve u. a. dazu: Aktualität ist eins der ersten Gebote für jede Zeitung. Im all gemeinen liegt kein Grund vor, bei Buchbesprechungen hierin eine Ausnahme zu machen, da jeder Leser über die Neuerscheinungen auf den ihn aus beruflichen Gründen oder persönlichen Neigungen inter essierenden Gebieten rasch und eindeutig unterrichtet sein will. Die notwendige Qualität einer jeden Besprechung verlangt allerdings stets eine Spanne Zeit zwischen dem Erscheinen des Buches, das ja erst gelesen und dessen Bewertung abgewogen sein will, und der Ver öffentlichung der Rezension. Aber das selbstverständliche Streben, diese Spanne auf ein Min destmaß herabzudrücken, wird leider zu gewissen Zeiten des Jahres von den Verlagen selbst, denen ja auch an einer raschen und sachlich wertvollen Behandlung in den Zeitungen liegt, schwer gemacht da durch, daß dann auf einen kurzen Zeitraum eine Unzahl von Neu erscheinungen auf den Markt geworfen wird. Daß der Buchkritiker hier seine Stimme erhebt und auch von sich die schon mehrfach gegebene Anregung, die Bucherscheinungen über den langen Lauf des Jahres planvoller zu verteilen, unterstützt, dazu treibt ihn die Sorge nm die Qualität und Aktualität der Rezen sion selbst sowie sein Wille, sein Bestes" in der Werbung für das deutsche Schrifttum und die Verbindung von Buch und Volk zu geben. Wenn wir nun noch einmal betonen, daß nicht nur der Kritiker, sondern vor allem die Leser — unter ihnen wieder besonders der werbende Buchhändler, der sich bei einer derartigen Flut von Neu erscheinungen nicht mehr durch Lektüre über seine Bücher unterrichten kann, sich vielmehr auf die Kritiken verlassen muß — ein Anrecht, ja die Autoren und insbesondere die jungen sowie die Verleger selbst ein Interesse an der erschöpfenden Ausführlichkeit der Besprechungen haben, so mag man aus allen den Gründen ermessen, wie notwendig eine planvolle Verteilung der Neuerscheinungen ist, sodaß auf der einen Seite die zeitweilige Überproduktion und auf der anderen die »saure Gurkenzeit«, in der dann nur zu leicht weniger bedeutungs volle Bücher eingehender besprochen werden, vermieden wird. Vom „Vorlesungswesen" Die unter obiger Überschrift in der »Zeitlupe« im Februarheft der »Literatur« erschienene Glosse wird besonders diejenigen Buchhändler interessieren, die selbst Dichter-Vorlesungen veranstaltet haben. Wir drucken hier den ersten Teil ab, für die gegebenen Beispiele verweisen wir auf das Heft selbst. Das Vorlesungswesen der deutschen Dichter liegt seit langem darnieder — im großen und ganzen wohl ohne ihre Schuld. Ein man hoffen, in ungefährer Übereinstimmung mit ihrem deutschen oder mit ihrem Weltruhm. Ausgezeichnete Dichter, die, wenn sie vorlesen, ihren eigenen Werken im Wege stehen, sind dagegen nicht eben selten. Das »Vorlesungswesen« also liegt darnieder und nicht zuletzt, weil man aus Dichtern Sänger, aus Menschen Sensationen, aus Mit teilungen oder Gesprächen Veranstaltungen machen wollte. Es ist frei lich nur summa summarum richtig, daß die Ausgabe der Dichter darin bestehe, Bücher zu schreiben. Dichtung ist Sprache und es wäre eine verhängnisvolle Rückwirkung der gescheiterten »Vortrags-Kunst«, setzten sich die Poeten nun fleißig und buchstabcnsromm hinter ihre Schreibtische und hätten, wenn sie schrieben, kein Ohr und keinen Mund. Die Dichter sollen sich selber hören und sie sollen sich selber sprechen, da sie andernfalls, ohne zu wissen wie, in Denker und Schrift-Steller verwandelt werden; sie sollen ihr Werk auch vor Men 222 scheu sprechen, da jeder Glaube nach einer Verkündigung und jedes Gefühl nach einer Aussprache verlangt und da die echte Kraft des Wortes oder auch seine Schwäche dann am deutlichsten hervortritt, wenn es unmittelbar von Mensch zu Mensch geschickt wird. Das er ledigte Vorlesungswesen der Dichter durch eine neue, glücklichere Form der Gemeinschaft und Verlautbarung zu ersetzen, ist daher geradezu eine nationale Aufgabe, die wir auch vielfach erkannt und in Angriff genommen sehen. Wirtschaftspolitik als Teil der Kulturpolitik Gesandter Werner Daitz, Amtsleiter im Außenpolitischen Amt der Neichsleitung der NSDAP., hielt am 22. Februar in Berlin vor der Deutschen Weltwirtschaftlichen Gesellschaft einen bemerkenswerten Vortrag über »Die Wirtschaftspolitik als Teil der Kulturpolitik«, über den der Deutsche Neichsanzeiger berichtet. Der Vorsitzende Gou verneur i. N. Dr. Schnee mies einleitend darauf hin, daß der Vor tragsabend den Beziehungen gewidmet ist, die zwischen Wirtschaft und Kultur bestehen, und zwar im Nahmen der Aufgaben, die der Staat dabei zu erfüllen hat. Im nationalsozialistischen Staat ist Ziel seines Wirkens Wohlfahrt aller Volksgenossen. Um dies zu erreichen, faßt er alle wirtschaftenden Kräfte zusammen, damit sie so ausgenutzt werden, daß sie dem gemeinsamen Wohl dienen. Der Staat treibt dabei nicht selbst Wirtschaft, ipill aber die Wirtschaft in der Hand haben, um sie so zu lenken, daß sie den allgemeinen Kulturaufgabcn gerecht wird. Zu diesen Aufgaben gehört nicht nur die materielle Kultur, sondern auch die geistige. Gesandter Daitz führte u. a. aus: Alle Lebensäußerungen eines Volkes, gleichgültig auf welchem Gebiete, sind eine Einheit. Deshalb sind auch Wirtschaft und Weltanschauung nicht voneinander zu tren nen. Adolf Hitler hat hierfür den einfachsten und natürlichsten Aus druck »die Volksgemeinschaft« gesetzt. Um diesen Gemeinschaftsgeist auch in der Wirtschaft durchzusetzcn, will der Nationalsozialismus als Voraussetzung dafür die disziplinierte Wirtschaft schaffen. Was heißt nun disziplinierte Wirtschaft? Nicht mehr und nicht weniger, als daß die Volkswirtschaft nicht nur um jeden Preis Kapital zu bilden, son dern in erster Linie die Sicherheit und Stärkung der Wachstums und Lebenskräfte der Nation zu betreuen hat. Das Wesen jeder echten Revolution besteht darin, die Dinge wie der auf ihre natürlichen Ursprünge zurückzusühren. Auch die vom Nationalsozialismus verlangte völkisch disziplinierte Wirtschaft ist nichts anderes. Wie die Logik des nationalsozialistischen organischen Wirtschaftsaufbaues gradlinig übern Bauernhof zur Volkswirtschaft führt, so führt sie auch weiter zur Großraumwirtschaft, aber einer Großraumwirtschast, die die Freiheit und Selbständigkeit jeder Volks wirtschaft unangetastet läßt. Aber auch die Freiheit und Ehre des einzelnen wie der Völker müssen immer wieder durch Opfer erkauft und erkämpft werden. Und das wurde vergessen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat aber niemals der Nationalsozialismus eine Autarkie gefordert, sondern lediglich die Erzeugung des Minimums an Nahrungs- und gewerblichen Roh stoffen innerhalb der Neichsgrenzen, die zur Erhaltung seiner politi schen Handlungsfreiheit notwendig sind. Gesandter Daitz schloß mit dem Appell: Ist diese Erkenntnis für Sie eine innere Überzeugung geworden, dann werden Sie schon unbewußt in Ihrem Handeln stets die Belange des Volksganzen berücksichtigen und voranstellcn. Dann werden Sie aber auch alle Maßnahmen des Dritten Reiches, die neue Selbstverwaltung der Wirtschaft nicht nur verstehen, sondern daran, jeder an seiner Stelle mitzuarbeiten suchen, um sie zu vervoll kommnen. Buchpreis und Kulturpropaganda Im Börsenblatt vom 26. Januar haben wir auf einen Artikel des Generalsekretärs der Deutschen Akademie, I)r. Thierfclder, hiuge- wiesen, in dem der Verfasser die Meinung ausspricht, daß nicht der Bücherpreis, nicht die Frakturschrift, nicht die Sprachreinigung daran schuld seien, wenn in Schweden weniger deutsche Bücher gelesen und gekauft würden, sondern die neue deutsche Gcisteshaltung sei cs, die gewisse Kreise in Schweden ablehnen. Die »Deutsche Allgemeine Zei tung« vom 1. März veröffentlicht darauf eine Antwort aus Nor wegen, der wir folgendes entnehmen: Für die »gewissen Kreise« stimmt es sicherlich, daß sie die deutsche Literatur nur ablehnen, weil sie den neuen deutschen Geist ablehnen und nicht wegen der Preise oder sonst was. Aber diese Kreise um fassen doch nur einen kleinen Teil unserer Bevölkerung. Für den anderen, den allergrößten Teil aber spielt wirklich der Büchcrprcis eine erhebliche Nolle. Denn wer liest bei uns überhaupt ausländische Bücher? Wer interessiert sich hauptsächlich für die Weltströmungen? Es sind die jungen Leute, vor allem die Studenten. Sie tun manch ein Mittagessen »pfeifen«, wie es bei uns heißt, um sich etwas Lesbares
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